Massensterben in der Urzeit Neue Theorie: Warum die Dinosaurier ausstarben, Vögel aber nicht

Ein Asteroid löschte vor 66 Millionen Jahren die Dinosaurier aus - doch nicht ihre Nachfahren, die Vögel. Paläontologen haben dafür nun eine Erklärung
Eichelhäher

Nachfahr der Dinosaurier: Vögel, die auch Samen und Saaten fressen und verdauen konnten, waren offenbar vor 66 Millionen Jahren im Vorteil

Als vor 66 Millionen Jahren ein bis zu 15 Kilometer großer Meteorit in die heutige Halbinsel Yucatán einschlug, begann ein neues Kapitel des Lebens auf der Erde. Denn im Umkreis des Einschlags war alles Leben ausgelöscht, und die Lebensbedingungen für die Mehrzahl aller Tierarten verschlechterten sich rapide: Nach verheerenden Bränden sorgten Staub und Asche für eine globale Dämmerstunde und rasch sinkende Temperaturen. Drei Viertel aller damals lebenden Tierarten, so schätzen Paläontologen, starben in der Folge aus. Den heute als fünftes Massenaussterben bekannte Super-GAU der Evolution überlebten die Dinosaurier nicht. Mit Ausnahme ihrer gefiederten Verwandten: der Vögel.

Lange rätselten Paläontologen, mit welchem evolutionären Trick die Vögel die Mega-Katastrophe überlebten. Jetzt haben sie dazu eine neue Theorie, wie das Smithsonian Magazine berichtet: Während es für die meisten Fleischfresser in einer lebensfeindlichen Welt nicht mehr genug Nahrung gab, waren es die Körnerfresser, die auch in den jahrzehntelang fast abgestorbenen Wäldern noch genügend übriggebliebene Samen und Saaten aufspüren konnten. Und so den globalen Wettereinbruch überlebten.

Besonders hilfreich war dabei ein zahnloser Schnabel – auch heute noch das verbindende Merkmal aller Vögel – und ein muskulöser Magen, mit dem die gefiederten Flexitarier auch Nüsse und Saaten verdauen konnten.

Überlebensvorteil für Körnerfresser

Vögel, die letzten lebenden Nachkommen der Dinosaurier, entwickelten sich lange vor dem verheerenden Asteroideneinschlag, seit etwa 150 Millionen Jahren. Archaeopteryx allerdings, der erste bekannte flugfähige Saurier, besaß in seinem Schnabel noch Reihen von spitzen Zähnen. Doch am Ende der Kreidezeit, kurz vor der epochalen Katastrophe, gab es zahlreiche vogelähnliche Saurier mit einem zahnlosen Schnabel. Und nur sie überlebten die Katastrophe.

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Auf die Frage allerdings, warum manche Vogelarten im Lauf der Evolution ihre Zähne verloren hatten, gibt es wohl keine abschließende Antwort. Eine frühere Hypothese, dass ein zahnloser Schnabel Gewicht spart und so das Fliegen erleichtert, haben Paläontologen inzwischen verworfen. Vielmehr scheinen Ernährungsgewohnheiten eine Rolle zu spielen. Denn schon lange vor dem Einschlag hatten sich manche Arten auf eine eher pflanzliche Kost verlegt. Während Zähne zweckmäßig waren, um zum Beispiel Insekten und andere kleine Tiere zu packen und festzuhalten, entwickelten die vegetarischen Nahrungsspezialisten einen spitzen, zahnlosen Schnabel zum Picken und Pflücken.

"Alles, was Vögel zu Vögeln macht, war schon lange vor dem Massenaussterben da", sagt der britische Evolutionsbiologe Ryan Felice dem Smithsonian Magazine. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass ein einziges Merkmal über Leben und Tod so vieler Arten entschieden haben soll. Doch beim Überleben im Massenaussterben sei auch Glück im Spiel. "Der Schnabel könnte bei einigen Vogelarten der entscheidende Trumpf gewesen sein."