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Neozoen Wird die Nilgans zur Plage? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Nilgänse
Leicht an ihrem braunen Augenring zu erkennen: die Nilgans
© haiderose / Fotolia
Die Nilgans gehört zu den Vögeln, die sich derzeit in Deutschland am stärksten ausbreiten. Ist sie darum schon ein Problem? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem geflügelten Neubürger aus Afrika

Inhaltsverzeichnis

Wie sieht die Nilgans aus?

Nilgänse sind etwas kleiner als Graugänse. Vor allem aber heben sie sich durch eine auffälligere Färbung ab. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt, haben eine hellgraue Körperfärbung und rost- oder braunrote Flügelfedern. Von anderen Gäsearten sind sie leicht zu unterscheiden - vor allem durch ihren braunen Augenfleck.

Woher stammt die Art?

Nilgänse sind in Deutschland Neozoen, also tierische Neubürger. Wie der Name schon sagt, sind sie ursprünglich am Nil beheimatet, aber darüber hinaus an Seen und Flüssen in ganz Afrika, vor allem im östlichen, in Süd- und Zentralafrika. Nach Deutschland kamen sie aber nicht direkt aus Afrika – sondern aus Volieren in Großbritannien und den Niederlanden, wo sie schon seit dem 17. Jahrhundert als Ziergeflügel gehalten wurden. Bei unseren Nachbarn brüten Nilgänse schon seit Ende der 1960er Jahre, im deutschen Teil des Niederrheins seit 1986. Vermutlich profitiert die Art von der Klimaerwärmung und wärmeren Wintern in Mitteleuropa.

Stellt die Nilgans ein Problem dar?

Richtig ist, dass sich die Nilgans seit den 90er-Jahren in Deutschland stark ausbreitet. Die Lebensbedingungen hier scheinen für sie ideal zu sein. Nilgänse können mehrmals im Jahr Nachwuchs haben, den sie entschieden verteidigen. Zurzeit gibt es in Deutschland Schätzungen zufolge rund 10.000 Brutpaare - in allen Bundesländern mit Ausnahme von Berlin. Zum Vergleich: Die etwas größere Graugans ist in Deutschland mit bis zu 37.000 Paaren vertreten. Von einer Plage zu sprechen, ist wohl übertrieben.

Ob und wie sich die neue Konkurrenz auf andere Vogelarten auswirkt, ist bislang wenig untersucht. Dennoch werden jedes Jahr Tausende Nilgänse von Jägern zur Strecke gebracht. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden in der Jagdsaison 2016/17 fast 9400 Tiere geschossen. Aufhalten kann das die Ausbreitung der Nilgans offenbar nicht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Bestände entwickeln und welcher Art die Auswirkungen auf die Ökosysteme sind.

Gänsekot auf Liegewiesen ist zweifellos ein ästhetisches Problem. Wie gefährlich er ist, scheint aber umstritten. Auf der Website der Stadt Frankfurt ist zu lesen: "Aus hygienischer Sicht ist [die Verunreinigung durch Kot] unbedenklich, da der Gänsekot zu 90 Prozent aus unverdautem Gras besteht."

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Was unternehmen die Behörden?

In Frankfurt wurden im vergangenen Jahr Nilgänse zum Abschuss in öffentlichen Freibädern freigegeben. Vogelschützer sind allerdings skeptisch, dass sich durch die Bejagung die Zahl der Tiere nachhaltig verringern lässt.

In diesem Jahr setzt die Stadt offenbar auf softere Methoden. Kürzlich sorgte in der Hessen-Metropole ein hüfthoher Schutzzaun für Aufsehen, den die Stadt entlang von Gewässern aufstellen ließ. Offenbar ließen sich die Tiere von dem Zaun aber nicht davon abhalten, am Ufer zu flanieren. Mehr Erfolg versprechen Wiesen im Uferbereich, deren hohes Gras Gänse meiden, weil anschleichende Feinde dadurch schwer auszumachen sind. Zudem will die Stadt Frankfurt das Fütterungsverbot für Wildvögel konsequenter durchsetzen. Denn viele Wasservögel werden erst durch das zusätzliche Nahrungsangebot angelockt.

Sind Nilgänse geschützt?

Die Tiere werden offenbar von vielen Bürgern als Eindringlinge wahrgenommen, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse - mit allen Mitteln. Ob das Töten allerdings zulässig ist, darüber entbrannte in Frankfurt im vergangenen Jahr ein Streit, als die Stadt die ersten Tiere erschießen ließ.

Pech für die Nilgans: Die Art gilt in der EU zwar als eingebürgert – aber nicht als "europäische Art" im Sinne der EU-Vogelschutzrichtlinie. Damit entfällt auch deren besonderer Schutz.


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