Tiersprache Zebrafinken unterhalten sich lieber mit Freunden

Zebrafinken kuscheln auf einem Ast
Zum Glücklichsein brauchen Zebrafinken Artgenossen. In der Natur leben sie in Schwärmen von 50 bis 100 Tieren
© Sagar Simkhada / Adobe Stock
Zebrafinken sind gesellige Tiere. Wie sie rufen, ist ihnen angeboren – aber sie haben klare Präferenzen, mit wem sie kommunizieren

Männliche Zebrafinken üben das Singen ganz ähnlich, wie Menschen Sprache lernen: Sie hören zu und ahmen nach. Die Tiere kommunizieren aber auch über kurze Kontaktrufe, die Weibchen und Männchen gleichermaßen beherrschen. Diese Rufe sind angeboren und verändern sich nicht.

Und doch ist das Sprachverhalten der Vögel flexibel, wie Forschende des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz jetzt herausgefunden haben. Es hängt ganz davon ab, mit wem sich Zebrafinken unterhalten: Auf die Rufe von vertrauten Artgenossen reagieren sie häufiger, schneller und zuverlässiger als auf die von fremden. Auch da geht es ihnen also ganz wie dem Menschen.

Die Forschenden haben auch dem Mechanismus dahinter nachgespürt. Sie konnten zeigen, dass das Gehirn von Zebrafinken auf einen vertrauten Ruf anders reagiert als auf den eines unbekannten Artgenossen. Dazu untersuchten sie die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gesangszentrum HVC, während die Vögel bekannte und unbekannte Rufe hörten. "Eine der Überraschungen war das schiere Ausmaß der neuronalen Aktivität", sagt Carlos Gomez-Guzman, Doktorand und Erstautor der Studie. In der HVC-Region, die maßgeblich für die Steuerung des Gesangs verantwortlich ist, reagierten mehr als 70 Prozent aller Nervenzellen grundsätzlich auf Rufe von Artgenossen. "Es ist nicht so, dass der Ruf eines Freundes anders klingt", so Gomez-Guzman. "Aber wenn der Rufende erkannt wird, spiegelt sich die soziale Bindung zwischen den Vögeln eindeutig in der Reaktion des Gehirns wider."

Dieser Unterschied ist auch deshalb spannend, weil er ein neues Licht auf die Evolution wirft: "Nicht nur erlernte Gesänge, sondern auch angeborene Verhaltensweisen sind zu einem gewissen Grad flexibel, um sich an soziale Situationen und Kommunikationspartner anpassen zu können", sagt Gomez-Guzman. Vielleicht könne die Wissenschaft eines Tages sogar auf neuronaler Ebene zeigen, wieso Gespräche unter vertrauten Partnern so angenehm und mühelos fließen.