Äthiopien Der Dammbau zu Gibe

Ein gigantisches Staudammprojekt bedroht das Unesco-Weltkulturerbe Unteres Omo-Tal
Der Dammbau zu Gibe

Weltkulturerbe in Gefahr: Die Baustelle des Gibe III-Staudamms im Jahr 2012

Gibe III ist ein Riese und steht trotzdem im Schatten. Wenn der Staudamm am Mittellauf des Omo-Flusses 2014 fertiggestellt ist, dann wird er mit 240 Metern der höchste Afrikas sein. Die 1870 Megawatt des Wasserkraftwerks werden Äthiopiens jährliche Stromproduktion um 234 Prozent erhöhen.

Übertrumpft wird der Bau trotzdem, von einem anderen Staudamm-Vorhaben: Die Turbinen des Grand Ethiopian Renaissance Dam, der im Westen nahe der Grenze zum Sudan am Oberlauf des Blauen Nils entsteht, sollen ab 2017 6000 Megawatt Strom liefern. Äthiopien wird damit zum größten Energieproduzenten des Kontinents. Die geballte nationale und internationale Aufmerksamkeit gilt dem Projekt vor allem wegen des Konflikts mit dem Nachbarland Ägypten, das um seine Wasserversorgung fürchtet.

Auf Gibe III, gebaut vom staatlichen Stromversorger Ethiopian Electric Power Corporation und dem italienischen Bauunternehmen Salini Costruttori, richtet sich vor allem die Aufmerksamkeit von Umweltschützern und Menschenrechtsorganisationen. Denn im unteren Omo-Tal, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, leben rund 200.000 Angehörige indigener Völker, deren Lebensweise vom Fluss und seinen natürlichen Überflutungszyklen abhängt. Sie nutzen den Omo und seine Uferwälder zum Fischen und Jagen, die Überschwemmungsgebiete als Anbau- und Weideflächen.

Zwangsumsiedlung für Zuckerrohr, Baumwolle und Palmöl

Auf ihrem Land will die Regierung nun mit künstlicher Bewässerung ein Zentrum der industriellen Landwirtschaft auf mindestens 445.000 Hektar schaffen, für den Anbau von Nutzpflanzen wie Zuckerrohr, Palmöl und Baumwolle. Mehrere indigene Gruppen sollen deshalb zwangsumgesiedelt werden. Es gibt Berichte, dass Soldaten Protest gewaltsam niedergeschlagen, Menschen vertrieben, willkürlich verhaftet oder gar getötet haben.

Verheerende ökologische Folgen des Dammbaus sagen Studien auch für den kenianischen Turkanasee voraus. In ihn mündet der im äthiopischen Hochland entspringende Omo nach über 760 Kilometern. Der größte Wüstensee der Welt wird zu 90 Prozent vom Omo gespeist. Wegen der prähistorischen Funde an seinen Ufern wurde der See als "Wiege der Menschheit" ebenfalls zum Welterbe ernannt.

Den Kritikern der Staudamm-Projekte hielt der 2012 verstorbene Premierminister Meles Zenawi entgegen, sie wollten, dass Afrika unterentwickelt und rückständig bleibe, um Touristen als Museum zu dienen. Diese Zeiten seien vorbei: "Niemand kann uns aufhalten."