Klangökologie Tierisches Orchester: So klingt ein Tag

Schon im Morgengrauen zischt und zirpt das Orchester der Tiere im Naturschutzgebiet Purdue. Klangökologen haben dort die Töne eines ganzen Tages festgehalten und in einem Zeitraffer-Video komprimiert

Bryan Pijanowski, Professor an der Purdue University (USA), und sein Team sind Jäger des Klangs. Als Vertreter einer recht jungen Form der Naturforschung, der Klangökologie, sammeln sie überall auf der Welt Töne. Denn: Eine Tonaufnahme verrate über Wald und Wiese als tausend Bilder, so die Überzeugung der Forscher.

In diesem Video, aufgenommen im Naturschutzgebiet Purdue in Indiana, haben die Wissenschaftler einen Tag auf fünf Minuten gerafft. Unterlegt sind die Bilder mit Tonmitschnitten verschiedener Tageszeiten, links im Bild auch als Spektogramm abgebildet.

Solche Aufnahmen zeigen nicht nur die Biodiversität eines Habitats, sondern auch die zeitliche Reihenfolge, in der die einzelnen Arten im tierischen Orchester einsetzen. Ein Phänomen, das der Klangökologe Bernie Krause in seinem Buch "Das große Orchester der Tiere" beschrieben hat, ist etwa, das die Tierstimmen im Tagesverlauf so auftreten, wie sie sich erdgeschichtlich entwickelt haben: Die Insekten eröffnen vor Morgengrauen, dann stimmen Amphibien und Reptilien ein. Schließlich komplettieren Vögel und Säugetiere.

Per App kann jeder den Klangökologen helfen

Die Klangökologen hoffen, dass ihre Forschung einmal wie ein Stethoskop dazu dienen kann, die Gesundheit unserer Welt zu messen. Ein weltumspannendes Netz von Mikrofonen soll es ihnen dann erlauben, Alarm zu schlagen, wenn Ökosysteme gestört werden. Gut möglich, dass sich so auch Auswirkungen der Klimaerwärmung durch Klanganalyse nachweisen ließen. Oder die Folgen bestimmter Agrartechniken.

85 Terabyte lagern allein in Pijanowskis Labor, 100 000 Stunden Ton. Und dank einer App (für iPhone- und Android-Geräte), mit der auch Laien weltweit per Smartphone ihre Töne beitragen können, wächst dieses Archiv stetig. Das Paradoxe: Obwohl die Forscher überzeugt sind, dass Töne mehr erzählen als Bilder, lassen sich solche Datenmengen nicht einfach durch Hören bewältigen, sondern nur, indem man die Töne in Grafiken komprimiert, die sich vergleichen lassen.

Einen ausführlichen Artikel über "Die Welt als Klang" finden Sie im GEO Heft 12/2014.

Aktuelle GEO-Magazine
<< zurück >> vor
nach oben