Einzelhandel Aldi, Lidl und Co: So schneiden deutsche Supermärkte beim Tierschutz-Ranking ab

Die großen Supermärkte und Discounter können beim Thema Tierschutz viel bewegen. Tun sie es auch? Das hat die Albert Schweitzer Stiftung analysiert
Schwein

Der Lebensmitteleinzelhandel hat durch eigene Tierschutz-Standards großen Einfluss auf Haltungsbedingungen

Immer mehr Menschen wollen kein Tierleid auf dem Teller. Doch was tun Lidl, Edeka, Aldi und Co. gegen betäubungslose Kastration, wochenlange Fixierung von Sauen, Schnabelkürzen und länderübergreifende Tiertransporte? Schließlich kommt den großen Supermärkten und Discountern durch ihre marktbeherrschende Stellung eine besondere Rolle bei der Weiterentwicklung von Tierschutzstandards in der Tierhaltung zu.

Genau das hat jetzt die Albert Schweitzer Stiftung unter die Lupe genommen. Die Tierschutz- und Tierrechtsorganisation ging dafür nicht shoppen – sondern analysierte die öffentlich zugänglichen Tierschutz-Richtlinien der großen Lebensmitteleinzelhändler.

In die Bewertung flossen insgesamt 14 verschiedene Themen ein - darunter Vorgaben zu Haltungsformen für zwölf Tierarten und Ausschlusskriterien, etwa für Produkte aus besonders grausamen Haltungsformen und von exotischen Tieren, aber auch Ziele zum Ausbau des veganen Angebots. Ausschlaggebend war außerdem, für wie viele Produkte im Sortiment die Vorgaben gelten.

Erster Platz mit "viel Luft nach oben"

Das Ergebnis: Von elf getesteten Supermärkten und Discountern landet Tegut auf dem ersten, Aldi (Nord und Süd) auf dem zweiten und Lidl auf dem dritten Platz, Globus auf dem letzten. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Sieger auf dem Treppchen in puncto Tierschutz auch erstklassig sind. So erhielt Tegut nur 51,6 von 100 möglichen Prozentpunkten, Aldi nur noch 26,2 Prozentpunkte.

Zwar stellt die Alber Schweitzer Stiftung seit dem letzten Ranking vor zwei Jahren "eine klare Tendenz zu mehr und besseren Tierschutz-Maßnahmen" fest. Es gebe weiterhin aber "viel Luft nach oben", wie es in dem Report heißt. So hat sich beim Erstplatzierten Tegut mit 100 Prozentpunkten positiv auf die Bewertung ausgewirkt, dass das Unternehmen die europäische Masthuhn-Initiative unterstützt (und umsetzt) und in Eigenmarkenartikeln keine Eier aus Käfighaltung verwendet. Bei den Standards für Mastschweine und Zuchtsauen dagegen kommt Tegut nur auf 62, beziehungsweise 45 Prozentpunkte. Positiv vermerkt die Albert Schweitzer Stiftung, dass Tegut die Geltungsbereiche ihre Richtlinien klar definiert, sich selbst Fristen setzt und Fortschrittsberichte veröffentlicht.

Stiftung hebt Verantwortung des Lebensmitteleinzelhandels hervor

Aldi, abgeschlagen auf dem zweiten Platz, kann immerhin noch mit einer "relativ soliden" Negativliste punkten. So verzichtet das Unternehmen etwa auf Hummer- und Kaninchenprodukte und ist Mitglied im Initiativkreis "Tierschutzstandards Aquakultur". Auch Lidl ist Mitglied dieser Initiative – und setzt sich laut Albert Schweitzer Stiftung beispielsweise auch für bessere Standards bei der Aufzucht von Junghennen ein.

Das nüchterne Fazit der Tierschutz-Tester: "Mit der enormen Einkaufsmacht des Lebensmitteleinzelhandels geht auch große Verantwortung einher: Die Unternehmen können maßgeblich beeinflussen, welche Tierschutzstandards in der Breite angehoben werden. Leider kommen sie dieser Verantwortung bisher nur mangelhaft nach."

Das komplette Ranking und die Erläuterung der Bewertung gibt es als PDF-Download auf der Seite der Albert Schweitzer Stiftung.