Brasilien Waldbrände am Amazonas: Die wichtigsten Fragen kurz erklärt

Wer ist für die verheerenden Brände verantwortlich? Wie gefährlich sind sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Katastrophe am Amazonas
Amazonas Waldbrand

Brandrodung ist im Amazonas-Gebiet gängige Praxis

In diesem Artikel
1. Sind Waldbrände im Amazonas ungewöhnlich?
2. Wie groß sind die Brände?
3. Welche Rolle spielt der Klimawandel?
4. Wer ist für die Feuer verantwortlich?
5. Welche Gefahr besteht für Mensch und Tier?
6. Welche Rolle spielt die Politik?

1. Sind Waldbrände im Amazonas ungewöhnlich?

Waldbrände sind im tropischen Regenwald eher selten – wegen der hohen Feuchtigkeit. Dennoch kommt es jedes Jahr zu Bränden. Denn mit dem Beginn der Trockenperiode im Juli/August steigt auch im Regenwald das Waldbrandrisiko. Typischerweise gibt es die meisten Brände Anfang September. Erst im November verlöschen dann die meisten von ihnen.

Sao Paulo während des Waldbrands im Amazonas

Auch im mehrere Tausend Kilometer entfernten São Paulo sind die Auswirkungen der Brände zu spüren. Medienberichten zufolge verdunkelte sich die Millionenstadt, es regnete Ruß

2. Wie groß sind die Brände?

Ungewöhnlich ist nicht, dass der Amazonas brennt. Sondern, dass die Brände in diesem Jahr relativ früh im Jahr ein enormes Ausmaß angenommen haben. Das National Institute for Space Research registrierte anhand von Satellitenbildern seit Anfang des Jahres mehr als 74.000 Feuer - die höchste Zahl seit 2013. Zum Vergleich: 2018 gab es insgesamt „nur“ knapp 40.000 Feuer. Betroffen sind vor allem die Bundesstaaten Roraima und Rondônia, Brände werden aber auch aus Mato Grosso und Pará gemeldet – und aus den Nachbarländern Paraguay und Bolivien.

Der Brandrauch zieht sich mittlerweile von der Mitte des südamerikanischen Kontinents bis zur Atlantikküste. Auch die bevölkerungsreichste Stadt Brasiliens, São Paulo, ist mittlerweile durch die Rauchwolken betroffen – obwohl die Brände mehr als 2000 Kilometer entfernt sind. Der Bundesstaat Amazonas rief den Notstand aus. Forscher schätzen, dass die Entwaldungsrate der letzten zwölf Monate zwischen 20 und 30 Prozent höher liegt als in den vorangegangenen zwölf Monaten.

3. Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Während in Sibirien eine ungewöhnliche Trockenheit und Hitze die verheerenden Brände begünstigt, spielt der Klimawandel im Amazonas-Gebiet offenbar eine untergeordnete Rolle. Die Trockenperiode, so Carlos Nobre von der Universität São Paulo, verlaufe normal. Auch die Windgeschwindigkeiten, die großen Einfluss auf die Ausbreitung von Bränden haben, seien im betroffenen Teil des Amazonasregenwalds nicht ungewöhnlich.

Umgekehrt werden die Brände – ähnlich wie die Brände in Sibirien – allerdings einen messbaren Verstärkungseffekt auf die Erderwärmung haben. Denn beim Verbrennen des Regenwald-Holzes wird dieselbe Menge Kohlenstoff freigesetzt, die die Bäume für ihr Wachstum der Atmosphäre entzogen haben. Und auch der Boden verliert nach der Entwaldung seine Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern.

Amazonas Waldbrand

Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Brände

4. Wer ist für die Feuer verantwortlich?

Auch wenn der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro mutmaßt, Nichtregierungsorganisationen könnten die Brände gelegt haben, um ihn in ein schlechtes Licht zu rücken: Waldbrände haben im Amazonas-Regenwald eine traurige Tradition. Die meisten von ihnen werden von Bauern und Viehhaltern gelegt, um Acker- und Weideland zu gewinnen.

Brandrodung ist im Amazonasgebiet eine gängige landwirtschaftliche Praxis: Zunächst werden wirtschaftlich interessante Bäume gefällt, dann lässt man das Unterholz zwei oder drei Monate austrocken – um es dann abzubrennen. In der Trockenperiode ist dieses Vorgehen allerdings verboten. Der Bundesstaat Mato Grosso etwa untersagt die Brandrodung zwischen Mitte Juli und Mitte September. Mit gutem Grund. Dann in diesen Monaten können die Feuer außer Kontrolle geraten.

5. Welche Gefahr besteht für Mensch und Tier?

Nicht nur verbrennen im größten und wichtigsten Regenwald der Erde unzählige Bäume - in den Flammen sterben auch zahllose Tiere, die nicht flüchten können. An den diesjährigen Bränden ist besonders gefährlich, dass sie sich besiedelten Gebieten nähern. Offizielle Berichte über Todesopfer gibt es bislang allerdings nicht.

6. Welche Rolle spielt die Politik?

Experten wie Carlos Nobre beklagen, dass der neue brasilianische Präsident Bauern und Viehhalter geradezu ermutigt, Wald durch Brandrodung zu vernichten und in Acker- oder Weideland umzuwandeln: Bolsonaro vermittle ihnen das Gefühl "Helden" zu sein, die für Fortschritt und Einkommen sorgten. Der Präsident hatte nach seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres angekündigt, die Amazonasregion mehr als bisher für Landwirtschaft und Bergbau zu erschließen – inklusive Schutzgebieten und Reservaten für die indigene Bevölkerung.

Zudem gebe es weniger Kontrollen. Auch Gesetzesverstöße (laut Experten sind bis zu 80 Prozent der Rodungen im brasilianischen Amazonasgebiet illegal) werden unter Bolsonaros Präsidentschaft weniger streng geahndet als in der Vergangenheit.