Klimawandel Uns geht das Grundwasser aus

Zwei Milliarden Menschen sind auf Grundwasser angewiesen. Doch das könnte im Klimawandel knapp werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam
Wasserknappheit

Unsichtbare Gefahr: Die weltweiten Grundwasserreserven schwinden

Überschwemmungen, Stürme, Dürreperioden. Die langfristigen Folgen des Klimawandels sind allgemein bekannt. Jetzt haben Forscher auf eine Folge hingewiesen, die sehr viel weniger offensichtlich ist: fehlendes Grundwasser.

In den kommenden 100 Jahren werden sich nur die Hälfte aller Grundwasservorkommen weltweit sich vollständig wieder auffüllen oder in ein Gleichgewicht zurückkehren. Zu diesem alarmierenden Ergebnis, veröffentlicht im Fachblatt „Nature Climate Change“, kommt eine internationale Forschergruppe.

Regenwasser fließt oberflächlich ab

Grund für den unterirdischen Wassermangel sind veränderte Niederschlagsmuster: etwa längere Trockenperioden und heftigere Regenfälle. Das Problem: Selbst wenn die Niederschlagsmengen über das Jahr gesehen nicht geringer ausfallen, kann ausgetrockneter Boden weniger Wasser speichern – und das Regenwasser dringt nicht in den Boden ein, sondern fließt oberflächlich ab.

Ein Problem, das langfristig auch Deutschland treffen könnte. So war der Dezember 2016 der trockenste seit mehr als einem halben Jahrhundert. Und das Jahr 2018 ging als das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in die Annalen der Wetterdienste ein.

Für ihre Analyse nutzten die Forscher verfügbare Grundwasserdaten und Computermodelle. Die Folgen, so die Wissenschaftler, werden sich nur mit großer zeitlicher Verzögerung zeigen – und könnten dann niedrigen Pegelständen in Flüssen oder Austrocknung von Feuchtgebieten resultieren. "Das könnte als Umwelt-Zeitbombe beschrieben werden“, sagte Mark Cuthbert von der Fakultät für Erd- und Meereswissenschaften an der Universität Cardiff der Nachrichtenagentur AFP. "Denn alle jetzt auftretenden Folgen des Klimawandels für die Grundwasserneubildung werden sich erst lange Zeit später vollständig auf den Basisabfluss zu Flüssen oder Feuchtgebieten auswirken."

Langer Weg ins Grundwasser

Grundwasser ist weltweit die wichtigste Quelle für nutzbares Süßwasser. Mehr als zwei Milliarden Menschen sind für den eigenen Bedarf und die Landbewässerung darauf angewiesen. Doch Regenwasser braucht – je nach geologischen Voraussetzungen – Jahrhunderte, um in die Grundwasser führenden Erdschichten zu gelangen. In trockenen Gebieten wie der Sahara, so die Forscher, könne dieser Prozess Tausende Jahre dauern.    

Die Menschheit, so Cuthbert, sei sich dieses Problems nicht bewusst. Dabei sei Grundwasser eine "gewaltige, versteckte Ressource", die die weltweite Produktion von Lebensmittel stützt.