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Neonicotinoide "Wir müssen davon ausgehen, dass sich der dramatische Insektenrückgang fortsetzt"

Insektensterben
Für das Bienensterben sind mehrere Faktoren verantwortlich. Einer ist die großflächige Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft
© stefano / Fotolia
Die EU-Staaten haben für die Beschränkung einiger bienengefährdender Insektengifte gestimmt. Aber reicht dieses Teilverbot von Neonikotinoiden? Darüber sprachen wir mit GEO-Autorin Anke Sparmann

GEO.de: Frau Sparmann, Sie haben vor einem Jahr über „das Ende der Insekten“ geschrieben. Hat sich seither für die Sechsbeiner etwas zum Besseren oder Schlechteren verändert?

Anke Sparmann: Gewandelt hat sich unsere Einstellung zu ihnen. Die Deutschen haben ihre Liebe zu den Insekten entdeckt! Wenn heute irgendwo jemand einen Vortrag zum Thema hält, ist die Hütte garantiert voll.

In Gärten und Gemeinden – überall entstehen Wildblumenwiesen. Ob diese Flächen allerdings bloß die letzten Bestäuber in der Landschaft anlocken – oder sie sich dort auch dauerhaft vermehren, bleibt abzuwarten. Derzeit muss man jedenfalls davon ausgehen, dass sich der dramatische Insektenrückgang fortsetzt.

EU-Mitgliedsstaaten haben für ein Verbot von drei so genannten Neonikotinoiden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland gestimmt. Diese Stoffe gelten als schädlich für Bienen. Ist das die lang ersehnte Rettung?

Sicher nicht. Hersteller haben bereits die Zulassung neuer Insektizide für den deutschen Markt beantragt. Flupyradifuron, Cyantraniliprol – sie heißen zwar anders, wirken aber ganz ähnlich wie Neonicotinoide.

Foto. stgrafix/Fotolia, Biene

Was muss jetzt passieren?

Die Insekten sind vor allem aus Feld und Flur verschwunden – und damit aus rund der Hälfte der Fläche Deutschlands. Wenn Sie bei uns im Norden einen Landspaziergang machen, sehen Sie sofort, warum: Mais, Mais, Mais. Im Osten: Raps, Raps, Raps. Die Monokulturen wachsen hierzulande auf über zwei Millionen Hektar Ackerland. Energiepflanzen, die niemanden satt machen. Ökologisch gesehen ein Desaster. Diese Flächen könnte man beispielsweise nutzen, um den Bio-Landbau endlich aus seiner Sieben-Prozent-Ecke zu holen – und Raum für mehr Artenvielfalt zu schaffen.


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