Mont Blanc Der höchste Berg der Alpen schrumpft meterweise

Gipfel des MontBlanc im Sonnenaufgang
Der Gipfel des Mont Blanc (Bildmitte) ist von einer etwa 21 Meter dicken Eiskappe bedeckt – die den Berg anfällig für schwankende Höhenangaben macht
© Roberto Moiola / Sysaworld/ / Getty Images
Neue Vermessungen zeigen: Die höchste Erhebung der EU verliert an Höhe. Schuld daran ist eine geologische Besonderheit und der Klimawandel

Der höchste Gipfel der Europäischen Union, der Mont Blanc in den französischen Alpen, schrumpft. Das ist das Ergebnis einer neuen Vermessung mit Drohnen, Boden- und Satellitenradar. Wurde die höchste Stelle in älteren Geografiebüchern noch mit 4810 Metern angegeben, muss sie nun auf 4807,30 Meter korrigiert werden.

Der Grund dafür liegt in einer Besonderheit des Bergriesen: Der felsige Gipfel des Mont Blanc ist von einer Eiskappe bedeckt, die den neuen Untersuchungen zufolge 21,30 Meter dick ist. Sollte sie komplett schmelzen, wäre der höchste Gipfel Europas also nur noch etwa 4786 Meter hoch. Bislang nahmen Forschende an, dass Gletschereis in solchen Höhen wegen durchgehend niedriger Temperaturen von den Auswirkungen des Klimawandels verschont bleibe.

Im Abstand von zwei Jahren durchgeführte Messungen zeigten bisher lediglich unregelmäßige Schwankungen. Doch die italienischen und französischen Experten und Expertinnen erkennen über die vergangenen Jahre hinweg einen Trend: Der Gipfel senkt sich a

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b.

Steigende Temperaturen machen ganze Bergflanken instabil

Dem Forschungsteam ging es gleichwohl nicht nur um die Ermittlung der exakten Höhe des höchsten europäischen Berges. "Die topografische Vermessung diente (...) auch dazu, das gesamte Umfeld der Spitze zu erfassen, um künftige Veränderungen und Entwicklungen messen zu können", sagte Fabrizio Troilo gegenüber der Österreichischen Presseagentur (APA).

Denn das Schmelzen der Gebirgsgletscher hat weitaus gravierendere Auswirkungen als korrigierte Gipfelhöhen: Wenn jahrtausendealte Eisriesen verschwinden und der Permafrost in den lockeren Gesteinsschichten taut, werden ganze Berghänge instabil. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten bei ungebremstem Temperaturanstieg fast alle Gletscher der Alpen verschwunden sein.

Eine im Februar 2025 veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass sich die Erosionsrate im gesamten Mont-Blanc-Massiv im Lauf des vergangenen Jahrhunderts verdoppelt hat. Das teilweise Auftauen des Permafrosts führt demnach bis in eine Höhe von 3800 Metern zu instabilen Bergwänden. Und einen entscheidenden Anteil an der gemessenen Steigerung haben den Forschenden zufolge Bergrutsche mit mehr als 20.000 Tonnen Gesteinsschutt: eine wachsende Gefahr für Ortschaften, Bergsteigerinnen und Bergwanderer.

Dass der Klimawandel selbst in extremen Höhenlagen deutlich spürbar werde, sei alarmierend, betont das Autorenteam der aktuellen Studie. "Das Ausmaß der Veränderungen sollte uns alle zum Nachdenken über die aktuelle Klimaentwicklung und über mögliche Lösungen für die Zukunft anregen", sagte Troilo der APA.

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