Es ist ein bedrückendes Gefühl, in die engen, glitschigen Schächte der Minen hinunter zu robben. Im Hinterkopf ist immer dieser Gedanke: Bloss kein Einsturz! Nicht gerade jetzt!
Der Schacht, in dem das Aufmacherbild der Gold-Reportage im Heft entstanden ist, ging zuächst waagerecht für etwa zehn Meter in den Berg hinein. Es war extrem eng, wirkte aber doch gut abgestützt und einigermaßen sicher. Dann führte ein Loch weitere 15 Meter steil nach unten. Dieser Teil des Tunnels war nur noch provisorisch befestigt. Beim Herunterklettern hatte ich immer Angst, dass ich mich versehentlich auf einem tragenden Pfosten abzustütze und dass dieser sich dann aus der Verankerung lösen könnte.
Mit jedem Meter wurde die Luft wärmer. In der feuchten Dunkelheit, am Boden der Mine, arbeiten meist zwei Männer im Team. Einer treibt mit Hammer und Meißel den Schacht weiter in den Berg und der andere füllt das goldhaltige Gestein in Säcke.
Immer wieder stieg leichte Panik in mir auf, wenn ich mir bewusst machte, wie chancenlos man ist, wenn der Schacht nachgibt. Ich habe stets probiert, so wenig Zeit wie möglich im Inneren der Minen zu verbringen.
Das Heraufklettern hat etwas extrem Befreiendes. Besonders der Moment in dem einen der erste Lichtstrahl von weit oben wieder ins Gesicht fällt: ein Gefühl der Erlösung. Das berühmte Ende des Tunnels kommt in Sicht. Als ich wieder aus der Mine heraus kam, war ich, genau wie meine Kamera von oben bis unten mit Schlamm eingeschmiert. Aber glücklich über meine Bilder.
Meine Fotos von den Goldgräbern auf der indonesischen Insel Lombok entstanden während einer sechsmonatigen Reise durch Südostasien – als Dokumentation einer unheilvollen Entwicklung: Da kommerzieller Bergbau auf der Insel verboten ist, fingen die Menschen an, auf eigene Faust zu graben. Mit nichts als Hammer, Meißel und Muskelkraft. Ohne bergmännisches Wissen oder entsprechende Ausrüstung stemmen die Leute Löcher in die Berge der so genannten „Sekotong Halbinsel“. Hunderte haben dabei ihr Leben verloren. Den großen Fund machen die wenigsten, doch auf Lombok ist schon der wohlhabend, der sich eine eigene Hütte und einen Motorroller leisten kann.