Million Dollar Highway

Reisebericht

Million Dollar Highway

Reisebericht: Million Dollar Highway

Einst lockten Silberfunde Männer und Frauen in den Südwesten Colorados. Heute zieht es die Menschen vor allem wegen der atemberaubenden Landschaft in die Rocky Mountains. Dies gilt vor allem für den San Juan Skyway. Obwohl man die Rundstrecke per Auto in wenigen Stunden zurücklegen kann, sollte man sich ein paar Tage Zeit für die Tour nehmen.

Auf den Spuren von Earp, Cassidy und Wayne

Molas Pass

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Ob John Wayne das amüsant gefunden hätte? Als Souvenir eine Toilettenpapierrolle mit seinem Konterfei anzubieten - der Westernheld hätte zu seiner Zeit dem Ladenbesitzer in Durango wohl eine ziemlich bleihaltige, zumindest schlagkräftige Abreibung verpasst. Toilettenpapier, ausgerechnet.
Aber soll offensichtlich alles nur Spaß sein. Schließlich kann man in dem Geschäft an der Main Avenue auch ein Schild erstehen, das sich an jedem heimischen Gartenzaun gut macht, wenn man den ungebetene Gäste erschrecken will. Auf die nämlich, steht dort geschrieben, werde geschossen. Und sollten sie nach dem ersten Schuss noch leben, dann werde ein zweites Mal auf sie geschossen. Haha. Lustig, oder? Wenn man schwarzen Humor mag.
Nun ja, im 19. Jahrhundert war so eine Warnung vermutlich ernst gemeint. In Colorado wie wohl überhaupt im Wilden Westen. Durango, 1880 gegründet, als die Denver & Rio Grande Railroad eine Strecke hinauf nach Silverton in den Rocky Mountains baute, dürfte in Zeiten, in denen Silberfunde Tausende Schürfer lockte, ein wildes Nest gewesen sein. Geblieben sind mehr als 125 Jahre später viele alte Gebäude und die alte Eisenbahn von Durango nach Silverton, während sich auf den Straßen, Geschäften, Hotels, Restaurants und Cafés etliche Touristen tummeln. Und nach Reichtum wird von denen, die nach Durango zu Besuch kommen, vermutlich kaum noch einer suchen.
Vielmehr führt der San Juan Skyway (U.S. 550) durch die Stadt. Knapp 380 Kilometer lang ist diese Strecke, die einmal rund durch die San Juan Mountains führt, ein Rauf und Runter, und eine Reise in die Vergangenheit der Minenbesitzer und Schürfer.
Natürlich ist das Vorwärtskommen heute bequemer als noch vor mehr als hundert Jahren. Die Straßen sind gut in Schuss, das Auto sollte es sein, denn von Durango bis nach Ridgway führt die Straße über den Coal Bank Pass (3243 Meter), den Molas Pass (3343 Meter) und den Red Mountain Pass (3358 Meter).
Zwischen dem Molas Pass und dem Red Mountain Pass liegt Silverton, auf knapp 3000 Meter Höhe. Auch hier wird die Main Street von vielen alten Gebäuden gesäumt, hier hält die Eisenbahn aus Durango. Die rund 70 Kilometer lange Strecke wurde zwischen 1881 und 1882 in nur elf Monaten fertig gestellt. Wenn die Züge am späten Vormittag ankommen, dann herrscht für ein paar Stunden Leben in der Stadt. Überliefert ist, dass Wyatt Earp 1882, wenige Monate nach der berühmten Schießerei am OK Corral in Tombstone, in einem Saloon in Silverton Karten spielte. Mit ein wenig Phantasie mag man sich die alten Zeiten vorstellen können. Abends indes wird es ruhig auf den Straßen. Die Menschen hier leben fast nur noch vom Tourismus, und der dampft meist am frühen Nachmittag mit der Bahn wieder ab.
Einmal im Jahr aber lassen sich aber auch etliche Radfahrer sehen, seit die Brüder Jim und Tom Mayer einst zu einer Wettfahrt aufbrachen. 1972 fand am „Memorial Day“-Wochenende schließlich das erste „Iron Horse“-Rennen statt. Damals versuchten die 36 Teilnehmer, schneller als der Zug zu sein. Mittlerweile sind es pro Jahr mehr als 2000 Starter, die entweder das Straßenrennen oder einen der anderen angebotenen Wettbewerbe bestreiten. Wie auch immer: Wer es auf einem Drahtesel über den Coal Bank und den Molas Pass bis Silverton schafften will, der braucht wahrlich eine Pferdelunge.
Der nächste Ort Richtung Norden ist Ouray, gelegen jenseits des Red Mountain Passes. Das gut 25 Meilen lange Teilstück des San Juan Skyway trägt den Namen „Million Dollar Highway“. Dazu gibt mehrere Versionen. Zum Beispiel die, dass der Bau 1920 pro Meile eine Million Dollar gekostet haben soll.
Ohne Frage ist es jedoch der spektakulärste Teil der Strecke. Mitunter geht es nur wenig abseits der Straße steil bergab. Da legt man gerne in Ouray eine Pause ein, zumal der gepflegte Ort als „Schweiz“ der USA gilt. Vor allem die heißen Quellen und die Ausflüge mit Allrad-Jeeps zu umliegenden, mittlerweile aber verfallenen Silber-Minen lässt viele Reisende hier einen Stopp einlegen.
In Ridgway folgt der San Juan Skyway dem Highway 62, bis er bei Placerville auf den Highway 145 trifft. Von hier geht langsam zurück in die Berge. Nächster lohnenswerter Stopp ist Telluride, vorausgesetzt, man verpasst den Abzweig zu der kleinen Stadt nicht.
Der Name soll sich angeblich von einem Spruch der Bergleute ableiten. „To Hell you ride“. Der Ort liegt eingebettet in einem Seitental und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Um 1885 als Columbia gegründet und zwei Jahre später umbenannt in Telluride, lebten nur wenige Jahre später um die 5000 Menschen hier. Zu ihnen gehörte Butch Cassidy, der später zu einem der bekanntesten Banditen jener Zeit im Westen werden sollte. In Telluride überfiel er am 24. Juni 1889 die San Miguel Valley Bank, es soll sein erster Bankraub gewesen sein, heißt es.
Mit Telluride selbst ging es Anfang des 20. Jahrhunderts bergab, nachdem in den umliegenden Bergen nicht mehr genug Silber gefunden wurde. Und als 1930 die letzten Minen geschlossen hatten, zählte man nur noch 512 Einwohner. Doch 1968 kam die Wende, als ein Investor aus Kalifornien das Areal zum Skigebiet auserkor. Der Ort gilt heute als „in“, dementsprechend teuer sind Unterkünfte. Wer es billiger mag: Am Highway 145 liegen auf dem Weg zum Lizard Head Pass (3116 Meter) verstreut einige primitive Campingplätze, darunter auf gut 3000 Meter Höhe auch der Matterhorn Campground.
Hinter Rico verlässt der San Juan Skyway die Rockies, Cortez ist laut und hektisch. Wer mag, kann deshalb schon in Dolores auf den Highway 184 nach Mancos abbiegen und den Rest des Weges bis Durango auf der U.S. 160 zurücklegen. Allerdings liegt abseits der Strecke zwischen Cortez und Mancos ein bemerkenswerter Nationalpark: Mesa Verde. Schilder wie jenes in dem Geschäft in Durango findet man hier sicher nicht. Im Gegenteil: Besucher der historischen Felsbehausungen der Anasazi sind herzlich willkommen.


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Kommentare

  • KalliZ

    Interessanter Bericht. Meine Empfehlung: Ein Abend im Saloon im Strater Hotel in Durango. Die Atmosphäre hat was!

  • pleuro

    Da kann ich nur zustimmen!

  • Blula

    Ein schöner Bericht... und ich habe mich dabei an meine Tour durch diese fantastische Gegend erinnert. Mesa Verde, Durango.... Toll war's.
    Viele Grüße! Ursula

  • Nasie

    Ein schöner und stimmiger Bericht. Ich bin den San Juan Skyway diesen Sommer (2010) gefahren. Man hat einen phantastischen Ausblick auf eine gigantische Landschaft. Was der Bericht allerdings verschweigt: Die schönste Strecke zwischen Silverton und Ouray ist nicht ungefährlich. Man sollte sie keinesfalls nachts fahren. Denn hier gibt es keine Leitplanken, obwohl die Straße hoch über dem Talboden entlangführt und niemand einen Absturz überleben kann. Wenn die Straße dann den Talboden erreicht, trifft man auf eine Reihe von Gedenksteinen. Bei den Verhältnissen fährt niemand schneller als 20 - 30 Meilen pro Stunde, eher noch langsamer. Man sollte also viel Zeit einplanen. Aber es lohnt sich.

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