SIAM - Mit dem Rucksack durch das Land des Lächelns - Teil 2

Reisebericht

SIAM - Mit dem Rucksack durch das Land des Lächelns - Teil 2

Reisebericht: SIAM - Mit dem Rucksack durch das Land des Lächelns - Teil 2

Zwischenstop in Bangkok - Zurück aus Kanchanaburi ging es nach Bangkok, auf der Suche nach einem Weg zu den Inseln im Süden.

Der Bus schaukelte über die holprigen Pisten. Hier ein paar Leute rein, da ein paar Leute raus. Am Horizont zeichnete sich allmählich die Silhouette Bangkoks ab. Mit jedem Kilometer wurde sie deutlicher. Ich versuchte mich mit meinem Stadtplan anzufreunden aber so richtig wollte es mir nicht gelingen. Ich wollte zum nächsten Bahnhof um mit dem Zug oder einem Bus nach Surat Thani zu gelangen.



Öffentlicher Nahverkehr in Thailand



Ohne zu wissen, welche die richtige war, wartete ich auf meine Haltestelle. Ich entschied spontan, welche es sein sollte. Da wo die Masse der Menschen ausstieg, verließ auch ich den Bus. Eine vielbefahrene Straße im Herzen der Stadt. Ich ging sie auf und ab. Den Blick wechselweise auf die Karte und wieder auf die Straßenschilder gerichtet. Übereinstimmungen konnte ich aber keine entdecken.
Ein Moped hielt direkt neben mir. "Where are you going?" Der Taxifahrer sah mich lächelnd an. Ich gab ihm zu verstehen, daß ich einen Bahnhof suchte. "No problem, i´ll bring you!" Ich und mein Rucksack fanden gerade so noch ausreichend Platz auf der Sitzbank. Er stülpte mir eine Art Helm über, der mir wohl mehr als nur eine Nummer zu klein war. Aber egal. Er schoss los. Es war toll. Mit diesem Vehikel konnten die Straßen noch so verstopft sein. Für das Moped gab es immer eine freie Gasse. Einzig die Lastverteilung auf diesem Zweirad stimmte nicht. Zeitweilig hatte ich das Gefühl, daß wir nur auf dem Hinterrad unterwegs waren. Über mir, neben mir, vor und hinter mir, das reinste Straßengewirr. Dieselgestank zog mir durch die Nase in den Kopf. Die Luft vibrierte.



Bangkok´s Straßen



Nach, vielleicht, zehn Minuten waren wir am Ziel. Das Eastern Bus Terminal war erreicht. Es war elf Uhr. Was für ein Getümmel! Und hier sollte ich meinen Bus Richtung Süden finden? Der ganze Platz schien zu leben. Selbst das Bahnhofsgebäude war in Bewegung. Tausende Beine drangen durch den einen Zugang hinein und aus dem nächsten wieder heraus. Ich schloss mich diesem Strom an, denn nur da drinnen gab es das ersehnte Ticket.
Wie Mauselöcher wirkten die Schalter, die im Halbkreis im Gebäude verteilt waren. Darüber hingen große Tafel, auf denen Orte, Linien und Zeiten vermerkt waren. Surat Thani, Koh Samui. Linie 993. Das war mein Bus. Nur die Abfahrtzeit stand nicht dran. Ich senkte meinen Kopf Richtung Schalterluke. Die ältere Frau war freundlich aber bestimmt: "seven thirty p.m. !" Ob ich wollte oder nicht, aber meine Linie fuhr nur zweimal am Tag und die erste Abfahrt hatte ich verpasst. Jetzt hieß es also acht Stunden warten! Das Ticket kostete mich 450 Baht, also nicht einmal zehn Euro, für eine Strecke von beinahe neunhundert Kilometern! Wenn in Thailand eins stimmt, dann sind es die Preise.
Doch wie sollte ich nun die verbleibende Zeit verbringen? Ich schwächelte. Unzureichende Nahrungsaufnahme, Zeitumstellung und die drückende Hitze hatten mich träge gemacht. So gern ich auch die Zeit genutzt hätte, um die Stadt zu erkunden, es ging nicht. Ich setzte mich auf eine Bank, direkt hinter die Busse und beobachtete das Treiben um mich herum. Im Minutentakt fuhren die Busse ab und andere kamen wieder an. Manche Linien starteten hier mehrmals pro Stunde. Nur meine nicht. Ich war sauer. Die Mittagshitze und die staub- und rußgeschwängerte Luft taten ihr übriges. Ich entschloss mich in den Wartesaal zu gehen. Das Dach versprach Schatten und die Deckenventilatoren eine frische Brise. Und was versprach der alte Mann, der neben mir saß? Er lächelte schelmisch und deutete mit seinen Fingern auf meinen Rucksack, den ich zwischen die Beine unter die Bank gestellt hatte. Ich lächelte freundlich zurück und sah nach unten. Dort entdeckte ich einen kleinen rosa-weißlich schimmernden Pudel, der sein hinteres rechtes Bein angehoben hatte und an meinen Rucksack pinkelte. Ich trat kräftig auf und riss die Tasche nach vorn. Zu spät. Mittlerweile hatten auch andere Leute dieses Schauspiel entdeckt und hatten sichtlich Spaß daran. Ich nahm´s gelassen.
Die Zeit verging und ich wurde hungrig.
Das Angebot im Wartesaal war allerdings nicht das vielfältigste und auf abgepacktes Zeugs, hatte ich nun irgendwie gar keine Lust. Also musste ich das angenehm kühle Gebäude wieder verlassen. Draussen ging es eh viel aufregender zu.
Garküchen gab es hier wie Sand am Meer. Ich hatte also die Qual der Wahl.
Keine hundert Meter vom Busterminal entfernt fand ich dann mein kleines "Sternerestaurant". Es war, wie bei so vielen kleinen Küchen, ein zur Straße hin offenes Gebäude. Weder Wand noch Tür versperrten hier den Blick nach draussen. Einzig der klebrige Tresen trennte das Lokal von der Straße. Die Innenausstattung war simpel. Ein paar blaue und rote Plastikstühle vor einfachen Plastiktischen. Darauf eine Rolle Klopapier als Serviettenersatz. Vielleicht nicht sehr schön, aber mit Sicherheit praktisch. Und eigentlich kommt es ja auch auf den Geschmack an und an dem gab es bei meiner Mahlzeit nichts zu mäkeln. Gebratenes Schweinefleisch mit Reis und Gemüse. Wobei - ob es wirklich Schweinefleisch war, weiß ich nicht. Ich hatte in meinem Reiseführer nach dem Wort für Schwein gesucht und fand, daß es sich auch recht einfach aussprechen ließ aber irgendwie hatte ich das Gefühl, daß mich meine Gegenüber nicht wirklich verstand. Wir einigten uns nach vielem Fingerzeigen auf ein bestimmtes Häufchen. Die scharfe Sauce ließ es dann auch nicht mehr zu, das Fleisch eventuell am Geschmack zu erkennen. Egal. Alles in allem war es lecker und hat gesättigt.

Die Stunden vergingen. Ich las, rauchte und beobachtete das Treiben um mich herum. Vor allem versuchte ich das System dieses Bahnhofs zu verstehen.
Auf der Seite, an der ich mich aufhielt, dockten nämlich zeitweise fünfzehn Busse gleichzeitig an.
Gegen neunzehn Uhr schob sich ein modern wirkender blauer Bus rückwärts in Richtung der Plattform, von der es auch für mich losgehen sollte.
Der Co-Pilot wechselte das Schild an der Frontscheibe. 993 - Es war soweit. Ich brachte den Rucksack im Gepäckraum unter und sicherte mir ein schönes Plätzchen. Nachdem ich den ganzen Tag in der glühenden Hitze der Stadt verbracht hatte, traf es mich jetzt wie ein Schlag. Der Bus war auf gefühlte zehn Grad runter gekühlt. Glücklicherweise waren die Plätze mit Decken ausgestattet. Die Busbegleiterin verteilte Sandwiches und kleine Wasserfläschchen - die sind hier nämlich inklusive - und der Co-Pilot schaltete den Fernseher ein. Kurz nach halb acht schüttelte sich der Bus. Es ging los. Nach und nach ließen wir die Lichter der Stadt hinter uns. Unter dem Gelächter der anderen Fahrgäste, die sich sichtlich über das Fernseh-Programm amüsierten, schlummerte ich langsam ein. Nach etwa vier Stunden gab es die erste Pause. Ich bemerkte dies allerdings erst, nachdem alle den Bus verlassen hatten und die Busbegleiterin mich vorsichtig anstieß und mir mitteilte, daß die Pause gleich wieder vorbei sei. In der Kürze der Zeit kaufte ich ein paar Lebensmittel, rauchte mehrere Zigaretten und machte meine erste Erfahrung mit einem Hockklo. Letzteres ist besonders spannend, wenn man von Knieproblemen geplagt wird oder die Hosentaschen randvoll mit Krimskrams hat. Ich bestand diese Prüfung erfolgreich und kehrte zum Bus zurück. Die Fahrt ging weiter nach Surat Thani. Ich schlief wieder ein und träumte von den Inseln im Süden.



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Kommentare

  • fhaid

    mehr bilder dazu wären cool! lg florian

  • mamatembo

    Jou, ging echt so gut weiter wie's in Teil 1 begann! Wirklich schade, dass Du "geschwächelt" und dabei wohl vergessen hast zu fotografieren. Aber ich hab' ja Fantasie ...
    LG Beate

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