Grüne Inseln im Pazifik - die Marquesas

Reisebericht

Grüne Inseln im Pazifik - die Marquesas

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Es sieht aus wie im Schwarzwald. Schroffe, steile Berge mit Nadelhölzern bewachsen und sattgrüne Wiesen im Tal. Und dafür bin ich nun um die halbe Welt geflogen! 16000 Kilometer. Etwas ist jedoch anders. Nachdem die 1000 Meter hohen Berge passiert sind, sehe ich das türkisblau schimmernde Meer. Das schaffe ich vom Schwarzwald aus nicht!
Der erste Blick auf die Bucht von Taiohae lässt mein Herz höher schlagen. Taiohae ist die Hauptstadt der Inselgruppe der Marquesas und schon der Name erfordert einiges an Lippengymnastik: Taiohae.
Ich wohne am westlichen Ende der Bucht im He'e Tai Inn mit riesigem, gepflegten Garten, Terrasse und Blick auf's Meer. „Bon Jour, Madame – Kao‘ha Nui“ werde ich von Rose begrüßt während sie mir eine dicke duftende Girlande aus Frangipaniblüten um den Hals legt. Egal ob Fremder oder Familienmitglied - jeder Ankömmling wird so begrüßt, das ist Tradition. Rose Corser, eine amerikanische Lady, betreibt die 10 Zimmer umfassende Pension. Sie ist nicht nur bei allen Fragen eines Erstankömmlings behilflich, sondern spricht auch fließend Englisch - eine Wohltat für mich. Die Inselgruppe gehört zu Französisch Polynesien, entsprechend ist die Amtssprache Französisch. Da beläuft sich mein Wortschatz auf etwa 20 Wörter.



Blick auf die Bucht von Taiohae



Nuku Hiva

Ein Manko lerne ich in der ersten Nacht kennen: Die frei umherlaufenden verwilderten Hühner. Irgendwann wurden sie aus dem asiatischen Raum eingeführt und seitdem vermehren sie sich prächtig wie bei uns die Tauben. Besonders die Hähne sehen mit ihrem bunten Federkleid hübsch aus. Dummerweise haben diese Hühner ihre innere Uhr nicht an ihre derzeitige Umgebung angepasst. Gegen 2 Uhr morgens beginnt der Wettstreit: Das männliche Federvieh kreischt sich lautstark an. Kikerikiiiiii. Bis gegen 6 Uhr endlich die Sonne aufgeht. Dann ist Ruhe. Es dauert eine ganze Woche bis ich mich dran gewöhnt habe und nicht mehr von den Viechern geweckt werde.



Stolzer Gockel



Taiohae ist die Hauptstadt der Marquesas und mit etwa 1700 Einwohnern einer der größten Orte der Inselgruppe. Hier gibt es ein paar Supermärkte, eine Bank, einige Restaurants. In dieser wunderschönen Bucht liegen verhältnismäßig viele Segelschiffe. Sie kommen aus aller Herren Länder. Die meisten gehören Aussteigern und Weltumseglern die jetzt – im Februar – allesamt in dieser geschützten Bucht die Wirbelsturmsaison aussitzen. In zwei Monaten wollen die meisten von ihnen weitersegeln. Bei den Einheimischen hingegen ist Rudern Volkssport. Mit diesen Auslegerbooten fahren sie jeden Abend hinaus in die Bucht.



Bucht von Taiohae



Von Taiohae nach Hakaui

Dicker Fisch

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Mit sieben anderen Touristen aus Frankreich, Israel und Deutschland mache ich einen Ausflug. Wir fahren gut 40 Minuten mit einem Boot an der schroffen Felsküste entlang zur idyllischen Bucht von Hakaui mit schneeweißem Sandstrand. Am Strand sitzt ein wohl genährter Herr auf einer Kühlbox. Was bewacht er in seiner Kiste, möchten wir wissen. Er öffnet bereitwillig die Box und holt einen ziemlich dicken Fisch heraus. Mit seinem Kumpel hofft er, dass im Laufe des Tages ein Interessent in die Bucht kommt der noch etwas Leckeres für's Abendessen benötigt.



Idyllischer Wasserfall auf Nuku...

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Auf der alten Dorfstraße machen wir uns auf den Weg. Wir sehen zwar keine Häuser, aber eine funktionsfähige Telefonzelle und eine Kapelle. Eine luftige Holzkonstruktion nur mit einem Dach gegen den Regen versehen
mit einem wunderschönen Altar. Der Weg ist zunächst breit und gut sichtbar, doch endet er im Flüsschen Vaipupui. Den müssen wir queren. Das macht nichts, das Wasser ist nicht kalt, wir sind sogar dankbar für die kleine Erfrischung. Danach gibt es nur noch einen Pfad, das Tal wird enger und hin und wieder erhaschen wir Ausblicke auf die schroffen Felsen der anderen Talseite. Wir sind am Ziel: der Wasserfall. Na ja. Okay er startet irgendwo 600 m über uns, das sehen wir nur nicht. Wunderbar erfrischend ist in jedem Fall das Bad im kleinen See und der Weg war das Ziel.



Auf der Rückfahrt nach Taiohae ist die See etwas stürmischer - aber kein Grund zur Beunruhigung. Die Vorfahren der heutigen Bewohner sind bei rauerer See ganz andere Strecken gefahren. Der amerikanische Archäologe Robert Suggs geht davon aus, dass die Marquesas zwischen 100 vor und 150 nach Chr. in mehreren Einwanderungswellen von Samoa oder Tonga aus besiedelt wurden. Die frühen Siedler leben vom Fischfang und vereinzeltem Ackerbau der um 1000 n.Chr. ausgeweitet wird. Taro und Yamswurzel, Brotfrucht und Kokosnuss gewinnen an Bedeutung. Die Bevölkerungszahl steigt und damit beginnt der Raubbau an wild lebenden Tieren wie Schildkröten, Land- und Seevögeln. Die Menschen besiedeln nun auch das Inselinnere. Sie fällen Bäume und legen Felder sowie Bewässerungssysteme an. In den tief eingeschnittenen Tälern entwickeln sich Stammesfürstentümer mit Häuptlingen an der Spitze. Das Zentrum einer Siedlung ist der tohua, ein großer Platz für Feste, Tänze und Zeremonien.



Banyan Baum, Tohua Koueva

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Um diesen Platz gruppieren sich zahlreiche steinerne Plattformen. Auf ihnen standen die Häuser aus Holz und Palmwedeln. Große Tempelplattformen so genannte me'ae werden errichtet. Auf ihnen stehen die Tiki.
Tiki ist das marquesische Wort für „Figur“, aber auch der Name des polynesichen Schöpfergotts. Dieser Schöpfergott kopulierte mit einem Sandhaufen um den ersten Menschen zu erschaffen, daher wird er oft als Phallus dargestellt. Er ist auch der Gott der Holzschnitzer und Steinmetze. Heute wächst auf dem Gelände Tohua Koueva ein riesiger Banyan Baum. Von den Hütten ist nichts mehr erhalten und die Originaltikis aller Inseln wurden von den Reisenden der letzten Jahrhunderte mitgenommen. Sie befinden sich jetzt in Museen in London, Paris und Berlin.



Tiki, Hatiheu


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Kommentare

  • agezur

    Sehr interessant, sehr weit weg von den bekannten Reisezielen und wunderbar in Bild und Bericht dokumentiert.
    Danke, ich war gerne dabei!
    LG Christina

  • Wilfried_S.

    Nachdem ich gestern durch einige Bilder aufmerksam wurde, habe ich heute diesen interessanten Bericht genossen.
    Auch wenn ich selbst kaum dorthin kommen werde, ist es schön, eine so gut geschriebene und mit guten Bildern unterlegte Dokumentation zu lesen und zu sehen.
    lg Wilfried

  • Blula

    Ich habe gerade mal wieder einen Bilderbuch-Reisebericht von Dir lesen dürfen, bei dem keine Wünsche offen bleiben. Fange sogleich mit dem Träumen an. Von den Marquesas habe ich mein lebtag noch nie etwas gehört, geschweige denn gewusst. Nun hast Du diesen weißen Fleck auf meiner Landkarte mit wunderschöner Farbe ausmalen können. Ich wäre SOFORT zur "Nachahmung" bereit, aber von Polynesien träumen ..... das ist doch auch schon mal nicht schlecht.
    Danke für diesen wunderbaren, inhaltsreichen Bericht und die herrlichen Bilder dazu.
    LG Ursula

  • matulr

    Herrliche Bilder, eine gut erzählte Geschichte - als ob man dabei gewesen wäre!
    Danke für diesen exotischen Bericht!
    LG ULI

  • weltreisen

    Ein sehr interessanter gut geschriebener bericht. Und Astrid, ich musste grinsen über deinen "schwarzwald-vergleich" - das gleiche habe ich nämlich von meinem mann bei unserer kanada-reise zu hören bekommen...
    inge

  • widix

    Ein toller Reisebericht über diese exotische Inselgruppe, der spannend geschrieben ist. Dazu noch die schönen Bilder. Vielen Dank fürs Mitreisen lassen. LG Sabine

  • INTERTOURIST

    Hallo Astrid,
    das ist eine WOW Destination, von der man sicher nicht mehr weg will.
    Ich jedenfalls will hin!
    Doch bei den vielen Wolken, dem Regen und den verhangenen Zinnen von Ua Pou frage ich mich, in welchem Monat Du dort warst (?)
    Mit welcher Gesellschaft seit ihr die Langstrecke geflogen?
    Ansonsten spannend beschrieben und danke auch für die Infos zu den Pensionen am Ende.

    Viele Grüße
    Jörg

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  • astrid

    Hallo Jörg, ich war im Februar/ März dort - für die Marquesas die Trockenzeit. Geflogen bin ich die Langstrecke mit LH bis Santiago, mit LAN bis Papeete und Air Tahiti (Airpass) auf die Marquesas. Ich bin mit LAN geflogen weil ich den Stopover auf Rapa Nui wollte; eine günstige Variante könnte auch ab Los Angeles mit Air Tahiti sein.
    LG Astrid

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