Im August in der Steiermark

Reisebericht

Im August in der Steiermark

Reisebericht: Im August in der Steiermark

Eine Woche in Bad Radkersburg, der Südost- und der Südsteiermark

5 Tage in der Süd- und Südoststeiermark

Die letzten Kilometer bis Bad Radkersburg legten wir auf einer der 4 Weinstrassen zurück, wobei die Straße von Maisfeldern flankiert war, dazwischen vereinzelt Kürbisfelder. Die Südoststeirische Weinanbaufläche ist klein, nur 1.200 Hektar groß. Schon die Römer haben in der Gegend Wein angebaut. Der Straßenverlauf führt vorbei an Weinburg, Eichfeld, Diepersdorf mit putzigen Kürbisdekorationen vor den Gehöften, Fluttendorf, Weixelbaum, Donnersberg, Unterpurkla, Halbenrain. Immer wieder Hinweise auf Ölmühlen, außergewöhnliche Bildstöcke stehen am Straßenrand, Blumendekoration überall, sogar an Brückengeländern, Straßenlampen und wo eben ein Töpfchen mit Geranien und Petunien Platz findet. Radwege begleiten die gesamte Bundesstrasse 69, die Region ist eine Thermen-, Wander- und Radlergegend.

Montag, 11. August 2008
Gegen halb 10 starteten wir gen KLÖCH, einem lieblichen Winzerdorf an der slowenischen Grenze. Dort wanderten wir 3 Stunden lang eine Etappe des Traminer Weges. „Eine Wanderung ist eine Begegnung mit der Landschaft, und sie ist eine Reise ins Innere, zu uns selbst!", so lautete der Slogan des steirischen Vulkanlandes. Ach was!? würde Loriot sagen. Wir gingen einen perfekt ausgeschilderten, abwechslungsreichen Wanderweg durch Wiesen, Weinberge und Wald. Meistens sahen wir auf die Hügel von Slowenien hinüber, auf das Dörfchen Fiksinci, zu deutsch „Füchseldorf“. Es hatte 28 Grad, alle Buschenschenken hatten noch zu. Im „Frühwirth“ in Deutsch-Haseldorf servierte uns die Wirtin, weil wir nun schon mal da waren, Traubensaftschorle. Das tat gut. Die Burgruine von Klöch ist nicht wirklich aufregend. Kurz nach 13 Uhr setzten wir uns in den Gastgarten des Gasthaus DOMITTNER und ließen uns Nudeln mit Lachssoße und Nudeltaschen mit Steinpilzfüllung bringen.

Mit dem Auto ging‘s weiter nördlich nach BAD GLEICHENBURG. Der älteste Kurort der Region erschien uns sehr ruhig, fast verlassen. Der gesamte Ort besteht fast nur aus Kurpark, Kureinrichtungen und Gewerbebauten. Opulente Grandhotels stehen leer und es fand ein Abverkauf von Hotelmöbeln des Parkhotels und der Villa Albrecht statt. Unsere Hotelwirtin erzählte uns später, dass jahrelang an der Therme nichts renoviert wurde, vor 2 Jahren wurde neu gebaut – ein Thermenhotel mit 200 Betten, das nun meist leer stehe. Man habe gerade mal 10-20 Gäste im Haus. In der Nähe gäbe es den „Styrassic-Park“ mit Dutzenden lebensgroßen Dinosauriern. Auf dem Rückweg landeten wir in STRADEN. Schon auf der Fahrt nach Gleichenberg fielen uns die weithin sichtbaren drei Kirchtürme auf einem Berg auf. An der Stelle der heutigen Florianikirche stand ursprünglich ein Wehrbau, der nach 1265 urkundlich nicht mehr erwähnt wurde. Vom ursprünglichen Wehrbau ist nur mehr ein Teil der Befestigung erhalten, auf dem der Turm der Florianikirche steht. Zwischen 1480 und 1525 erfolgte der Neubau der Pfarrkirche im gotischen Stil. Aus dieser Zeit stammt die "Himmelsbergerin", eine Statue von Maria mit dem Kind. Ab dem 17. Jahrhundert ist die Wallfahrt zur Pfarrkirche "Maria am Himmelsberg" nachweisbar, südlich der Pfarrkirche liegt die Doppelkirche St. Sebastian/Schmerzhafte Muttergottes, die bis ins 17. Jahrhundert als Karner Verwendung fand. Auf der Rückfahrt entdeckten wir am Straßenrand ein Dutzend Störche, die über eine Wiese staksten.

Über das Abendessen im Thermenrestaurant schweigen wir. Fest stand, wir hatten das richtige Restaurant noch nicht gefunden! Weiß der Teufel, warum sie Hühner und Fische in Panade servieren müssen. Auch wenn es eine „Kürbispanade“ sein soll, sie ist zu fest, zu dick, zu dunkelbraun, erschlägt jeden weiteren Geschmack und liegt wie ein Ziegelstein im Magen. „Panade“ wird häufig mit „Panierung“ verwechselt. Panade dient normalerweise nur als Bindemittel, die Panierung, österreichisch „Panier“, ist eine Umhüllung. Diese kann zarter sein oder fest – je nach Qualität der Küche. Auch die Buschenschenken sind für uns zuerst eher zweite Wahl, servieren sie doch hauptsächlich deftige Produkte und wenig leichte, fleischlose Gerichte. Nervig war zudem, dass es in Österreich (noch) kein Rauchverbot gibt.

Beim abendlichen Spaziergang in Radkersburg entdeckten wir die „SPEZEREI“ in der Langgasse. Man kann Wein, Kernöl, Zotter-Schokolade und viele Köstlichkeiten kaufen, Spaghetti, Salate, regionale Spezialitäten essen und Wein trinken. Derzeit sind „Paradeiserwochen“ und wir nahmen uns vor, am Tag darauf dorthin zum Essen zu gehen. Und endlich – an diesem zweiten Tag in der Steiermark endlich! – konnten wir Gewürztraminer trinken! Zuerst 1/8 vom lieblicheren und dann 1/8 von dem herben – und letzterer kam unseren Vorstellungen schon sehr nahe.

Dienstag, 12. August 2008
Heute stand die RIEGERSBURG auf dem Programm. Eine trutzige Burg, 1122 auf einem knapp 500 Meter hohen Vulkankegel erbaut.

Abends spazierten wir zur „SPEZEREI“ in der Langgasse. Da zur Zeit die Tomaten, die „Paradeiser“, wie sie in Österreich genannt werden, geerntet werden können, hatte es „Paradeiserwochen“. P aß einen schönen frischen Salat aus verschiedenen Tomatensorten, Schafskäse, roten Zwiebeln und Rohschinken in einer Marinade aus Kürbiskernöl. Ich hatte mich schon den ganzen Tag auf die Spaghetti al pomodore gefreut. Wir hatten das Gefühl, zum ersten Mal in diesen Tagen was „G’scheites“ gegessen zu haben. Dazu tranken wir zuerst 1/8 von dem herben Traminer und dann 1/8 Roten vom Weingut Fassold, der „A’Dauma“ heißt, ein Name, den keiner erklären konnte. Er war köstlich, machte Schlieren am Glas, was auf einen hohen Alkoholgehalt hindeutet, war tanninreich, ölig, fast meinten wir Rumaroma zu schnuppern, auf alle Fälle Brombeeren und schwarze Johannisbeeren.

Mittwoch, 13. August 2008
Wieder war es sonnig und schon morgens sehr schwül (25 Grad). Wir wollten an diesem Tag in die Südsteiermark. Wir fuhren über Deutsch-Goritz. Der Ort war im 14. Jahrhundert bereits besiedelt, 1386 wurde Deutsch Goritz erstmals urkundlich erwähnt. Im 15. Jahrhundert (1479-1490) wurde das Dorf von den Ungarn besetzt, 1706 von den Kuruzzen überfallen. Die Ortsgemeinde entstand erst 1850, nachdem 1848 die Grundherrschaft aufgehoben worden war. Erst 1902 wurde die Kirche errichtet. Einzige Sehenswürdigkeit ist die gut hundertjährige Pfarrkirche mit den Wandmalereien des Pater Lukas Reicht. Ganz in der Nähe sprudelt die Petersquelle, die eines der regionalen Mineralwässer der Steiermark liefert.

Weiter ging‘s nach WEINBURG am Saßbach. Das Schloss Weinburg wurde erstmals im Jahr 1278 erwähnt. Auf dem Hügel über dem Eingang zum Saßbachtal stand schon gegen Ende des 12. Jh. eine kleine Wehranlage, die bis in das 14. Jh. hinein „Seebach“ genannt wurde, da sich unterhalb der Burg ein flacher See ausbreitete, der im 17. Jh. versumpfte und nach 1825 trocken gelegt wurde. Der erste Wehrbau dürfte von den Herren von Wildon errichtet worden sein, die ab 1211 hier bezeugt sind. Das Schloß mit Katharinenkirche kann nicht besichtigt werden.

In der Südsteiermark
Oberhalb der Stadt Leibnitz trohnt Schloß Seggau. Neben dem Schloss existiert ein 300 Jahre alter barocker Weinkeller, der „Bischöfliche Weinkeller Seggau“. Er ist einer der größten und ältesten Weinkeller Europas.

Weiter ging es weiter westlich. Um die Mittagszeit erreichten wir Großklein (das liegt logischerweise neben Kleinklein) und kehrten ein im STEIRERKELLER. Die Wirtin wies uns den Weg zur ÖLMÜHLE KREMSNER in Mantrach bei Großklein. Im kleinen Ölmuseum der Ölmühle sahen wir einen Film über die Ölgewinnung, anschließend kauften wir im Hofladen eine große Tüte Kürbiskerne und etwas Kernöl.

Romantikschloß Ottersbach bei Großklein
Besichtigen kann man das Schloss nur nach telefonischer Voranmeldung. Aber nun waren wir schon mal da und wollten das Juwel sehen. Wir gingen am Seitentrakt vorbei, da lag ein alter Mann auf einer Liege in einem malerischen Park vor einem malerischen Gebäude. Er stand auf und begrüßte uns mit der freundlichen Frage, was wir hier wollten, es gäbe doch hier nichts zu sehen. Wir wehrten ab, um ihn nicht zu stören, aber nein, er habe seine Siesta schon beendet, er stellte sich als der Sohn des Käufers vor.

KITZECK, das höchstgelegene Weindorf
Im Westen zog ein Gewitter auf, dunkle Wolken ballten sich über uns zusammen, ein starker Wind wehte, wir erwarteten jeden Moment einen Regenguss, aber er kam nicht. Stattdessen lösten sich die dunklen Wolken einfach wieder auf. Kitzeck bietet einen wunderbaren Ausblick über die Täler und Hügel der Südsteiermark. Entlang des Bergrückens reihen sich die einzelnen Weingüter wie Perlen auf einer Schnur. Man möchte jedes einzelne Weingut, jeden Buschenschank, besuchen. Es gibt hier nämlich Buschenschanken mit sehr gutem Speisenangebot, auch ohne Fleisch.

Zurück ging es wieder in die Südoststeiermark. Wir machten Halt in Diepersdorf, um die gekonnt um ein Bauernhaus drapierten, prächtigen Kürbisse zu fotografieren. Die Bäuerin sprach mich an und wir unterhielten uns über die Zierkürbisse, die Bischofsmützen, die weißen Backkürbisse und das woher und wohin. Nun kam auch Paul voller Interesse an und wollte etwas kaufen. Die Bäuerin bat uns in die Stube. Sie erzählte von Kindern und Enkel, dass sie die Schweinemast mangels Rentabilität in diesem Jahr aufgegeben hatten, überredete uns, während sie uns Kastanienhonig, Kernöl und Pfirsichnektar einpackte, zu einem Stück Apfelkuchen – gebacken aus den alten Apfelsorten von den Bäumen im Garten.

Zum Abendessen fanden wir uns wieder in der „ SPEZEREI“ ein, zum köstlichen Paradeisersalat mit verschiedenen Tomatensorten (ungespritzt! von Urlmüller aus Straden), roten Zwiebeln, Paprika, Ziegenkäse und etwas Turmschinken in Kernöl-Marinade. Zum Probieren bestellte ich ein Wollschweinspreckbrot - so fein, so dezent, so luftig – ach – probiert’sas halt! Der Speck wurde mit dem Steirischen Lukullus-Preis ausgezeichnet! Mit der Wirtin führten wir ein Fachgespräch über Paradeiser, rote Zwiebeln und vieles mehr. Als ich ihr vorseufzte, sie solle doch bitte ein Restaurant aufmachen, sagte sie, das habe sie 15 Jahre lang gehabt, aber es gäbe nun mal keine Kundschaft für ihre leichte Küche, die Leute wollen entweder billig essen wie beim Metzgerwirt, oder eben „Haubenküche“. Das fanden wir wahrlich deprimierend.

Donnerstag, 14. August 2008 – noch einmal in die Südsteiermark
In der Frühe regnete es dann doch, aber nur bis 8 Uhr. Wir waren froh, denn als wir nach dem Frühstück losfuhren, hatte es nur 22 Grad, kurz darauf allerdings wieder 24 und im Tagesverlauf bis 29 Grad.
Von Bad Radkersburg fuhren wir an der Slowenischen Grenze entlang bis Spielfeld und dort auf die südsteirische Weinstrasse, teilweise gehörte schon die linke Straßenseite zu Slowenien. Der Panoramablick war herrlich, wir blickten in den Süden nach Slowenien und in den Norden und Westen und Osten nach Österreich – Hügel mit Wäldern und Weinbergen und liebliche Häuschen nach allen Seiten. Ein liebreizender Landschaftsgarten lag uns zu Füßen.
Wir kamen nach Glanz an der Weinstrasse und passierten, weiter an der Grenze und der Steirischen Kellerstrasse entlang, das Weingut Puschnig, den Ehmannkeller, Weingut Germuth, den Zirngast und viele mehr. Alle im Bestzustand, überaus gepflegt und mit Blumenschmuck rund um das Weingut bis zur Strasse. Zwischen den Weingütln Felder, Weinberge und eingezäunte Bauerngärtchen mit Gemüse und Dahlien in allen Farben. Ein Paradies. Über uns kreisten riesige Greifvögel und spähten nach leichtsinnigen Mäusen.

Bei Fötschach fuhren wir an Hopfenfeldern vorbei und ich fand in meiner Landkarte sogar einen Hinweis auf eine Hopfenstrasse. Weiter ging es vorbei an noblen Weingütern wie dem Kreuzwirt auf Pößnitzberg und Angeboten von Edelbränden auf der Südsteirischen Panoramastrasse. Das Schloss von Schlossberg fanden wir nicht, dafür landeten wir in LEUTSCHACH und besichtigen die barocke Pfarrkirche, in der die leuchtenden Sonnenblumen um den Altar zumindest mich begeisterten.
Weiter ging es nach GAMLITZ, wo wir feststellten, dass wir hier schon einmal gewesen waren. Es war einer jener Orte, der uns zu dem Beschluss gebracht hatte, noch einmal hierher zu reisen, um die Gegend genauer anzuschauen.
Im Gasthof WRATSCHKO ließen wir uns nieder und speisten gut, Paul meinte sogar, es sei ein Festessen gewesen: Gebratene Eierschwammerl (Pfifferlinge bzw. Reherl) auf Salat, Backhendlsalat und als Dessert einen Eispalatschinken ließen wir uns schmecken. Ich war so satt, dass ich nur noch an einem Apfelbrand (Golden Delicious) interessiert war.
Etwas träge schleppten wir uns die paar Meter hinauf zum Schloss Gamlitz und hielten uns dort im Schlosshof auf. Das Schloss Gamlitz bietet sich nicht nur zur Weinverkostung und zum Weinverkauf an, sondern man kann dort auch opulent heiraten. Damit steht es in Konkurrenz zum gestrigen Schloss Ottersbach und noch einer Handvoll weiterer steirischer Schlösser und Burgen.
Wir waren nun ziemlich geschlaucht vom Sehgenuss und der Hitze (28 Grad) und machten uns auf dem Weg zurück zum Hotel. Vorher landeten wir noch in EHRENHAUSEN und besichtigten die Barockkirche. Um die Ecke stand ein hübsches Stadthaus mit Jugendstil-Fassade. Oben auf dem Hügel über der Stadt konnte man eine Burg und das Mausoleum sehen. Da müssen wir auch mal wieder hin. Über Spielberg und Mureck ging es jetzt zurück nach Bad Radkersburg. Alleine diese Strecke ist voller entzückender Details, was die Bauernhäuser, Weingüter und den Blumenschmuck angeht.

Endlich schafften wir es an diesem Tag, in den Buschenschank LALLER gleich gegenüber unserem Hotel zu gehen.
Vom Nebentisch tönte es herüber:
„Du Wirt! – hast an richtigen Speeck? – ja, wos Fettes – woast, I kum aus Kärnten, da bin i an fetten Speeck g’wohnt. Host ned? A woast wost ma bringst? A Grammlbrot – jo – aber ohne Gurkerl oder so was – ganz nockert! Na – nockert serviern muaßt mas net – ohne Zwiieben. Und des ies i allaans (deutet auf seine Tischnachbarin) – de frisst ma nämlich imma ois weg – und des iss i ganz allaans!“

Abends um 19 Uhr hatten wir immer noch 29 Grad, in Ungarn sollten es tags drauf 40 Grad werden. Die Nachrichten meldeten Monsunregen für die gesamte Alpenregion und Süddeutschland, über den Alpen bauten sich gerade gewaltige Wolkengebirge auf.

Freitag, 15. August 2008
Wenn diese Mücken nicht wären! Obwohl vor den Fenstern Mückenschutzgitter angebracht waren. Einige Mücken haben wir erschlagen und nun klebte mein Blut an der weißen Wand. Zu Dutzenden saßen sie im Schlafzimmer an der Decke und sogar im Kleiderschrank ruhten sie sich tagsüber aus, um uns nachts besser piesacken zu können, die Biester.
Ein letztes Frühstück und noch a Semmerl und noch a Scheiberl Brot und diese Marmelade haben wir noch nicht probiert – dann ging‘s wieder nach Norden zurück, in den Regen. Aber nach 5 Tagen Hitze Tag und Nacht kam uns das nicht unwillkommen. Nach genau 500,1 km waren wir in München.

Es war eine schöne, informative Reise, die Steiermark wurde von uns noch nicht so richtig entdeckt. Uns erscheint sie als eine hervorragende Urlaubsregion mit einer romantischen, niedlichen Landschaft für Wanderer und Radler. Die Landschaft ist wie ein Garten voller Wein, Kürbisse und Blumen. Das Kulinarische kommt, wenn man die richtigen Gasthäuser und Buschenschanken erst mal entdeckt hat, auch nicht zu kurz. Für Kulturinteressierte gibt es einige nette Kleinodien überwiegend aus der Barockzeit zu besichtigen. Wir kommen wieder!



In der Südsteiermark

Oberhalb der Stadt Leibnitz trohnt Schloß Seggau. Die Geschichte der Schlossumgebung reicht bis in die Zeit der Römer zurück. An einem eindrucksvollen Lapidarium (das ist eine Sammlung von Steinwerken, etwa Skulpturen, Sarkophage, Epitaphe, Meilensteine, Grabsteine etc.,) wurden römische Grabreliefs eingemauert, die aus der römischen Stadt Flavia Solva stammen. FLAVIA SOLVA, 70 n. Chr. von Kaiser Vespasian gegründet, war damals die bedeutendste römische Siedlung des Ostalpenraumes. Flavia Solva wurde im Geschehen der Völkerwanderungen 400 n. Chr. endgültig zerstört.
Das Oberschloss wurde von den Salzburger Erzbischöfen im 12. Jahrhundert als Missions- und Verwaltungsbastion erbaut und ab 1218 von den Bischöfen von Seckau erweitert. Im Lauf der Zeit entwickelten sich 3 Schlösser nebeneinander: die Burg Leibnitz (im Besitz der Salzburger Erzbischöfe), die Burg der Bischöfe von Seckau und das etwas tiefer gelegene Schloss Polheim, ein Sitz Salzburger Ministerialen. Heute sind im Schloss ein modernes Kongress-, Tagungs- und Seminarzentrum, ein Hotel und ein Schloss-Café untergebracht. Wir besichtigten die Arkaden und die klitzekleine barocke Schlosskapelle. Lustig war, dass in den Arkaden des Lapidariums eine Schwalbe ein Nest gebaut hatte. Vier halberwachsene Schwalbenküken reckten die Hälse und fiebten, kam die Mutter angeflogen, hob ein gewaltiges Zwitschern an und die gelben Schnäbel wurden weit aufgesperrt. Paul stand lange daneben und beobachtete die Schwalben, was sie nicht sehr zu stören schien.

Neben dem Schloss existiert ein 300 Jahre alter barocker Weinkeller, der „Bischöfliche Weinkeller Seggau“. Er ist einer der größten und ältesten Weinkeller Europas. Wir stiegen natürlich in den dunklen, kühlen Weinkeller hinab, kamen aber bald wieder herauf und probierten und kauften ein paar Flaschen Welschriesling und Muskateller, sowie Apfelbrand aus der Sorte „Golden Delicious“. Der Weinkeller wäre nicht bischöflich, wenn er nicht auch einen Messwein anzubieten hätte. Der ist als besonders naturrein beliebt und es war vor einigen Jahren von der Kirche sein Verkauf verboten worden. Das Verkaufsverbot wurde von der EU wieder „kassiert“ und wir kauften natürlich auch 2 Flaschen Meßwein. Zum freien Verkauf stehen also Zweigelt, Messwein, Welschriesling, Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller, Morillon, Grauburgunder und Traminer.



RIEGERSBURG

Heute stand die RIEGERSBURG auf dem Programm. Eine trutzige Burg, 1122 auf einem knapp 500 Meter hohen Vulkankegel erbaut. Die „stärkste Festung der Christenheit“ befindet sich seit 1822 im Besitz der Fürsten von Liechtenstein.
Wir fuhren die „Route 66“ (so nannten wir die Bundesstraße Nr. 66) nach Norden, etwa 29 km waren es von Bad Radkersburg bis zur Riegersburg. Der Aufstieg von der Dorfstrasse zur Burg, durch 7 Torgebäude, ist sehr steil und wir entschieden uns für den Schräglift, der uns für 2 Euro auf die Burg brachte. Auf der Burg waren zwei Ausstellungen zu besichtigen: eine über die Hexenverfolgung und eine über zwei Frauenschicksale im 17.Jahrhundert. Die Burgherrin Elisabeth Katharina von Galler (* um 1607; † 12. Februar 1672 in Riegersburg), die „Gallerin“, ging als „Schlimme Liesl“ in die Geschichte ein – sie heiratete nicht nur drei mal und ließ sich sogar einmal scheiden, sondern behielt auch die Herrschaft über Burg und das Verfügungsrecht über ihr ererbtes Vermögen, das normalerweise den Ehemännern zufiel. Das zweite Frauenschicksal endete tragisch. Katharina Paldauf, eine Bedienstete der „Gallerin“, liebte Blumen und ließ sich Blumenzwiebeln aus Holland liefern, die sie sogar im Winter zum Blühen brachte. Das könne nicht mit rechten Dingen zugehen, meinte ihre Umgebung, verdächtigte sie des Bundes mit dem Teufel und verbrannte sie als „Blumenhexe“ auf dem Scheiterhaufen. Das war eine schreckliche Zeit, denn für jedes Unglück, für jeden Hagel- und Blitzeinschlag musste ein Schuldiger gefunden werden, der Aberglaube regierte die bäuerliche Welt. Die Hexenprozesse waren eine willkommene Gelegenheiten, Unbeliebte, Außenseiter oder Leute, die den Neid auf sich zogen, los zu werden.
Die Riegersburg wurde oft von den Ungarn überfallen und bis ins 15. Jht. von den Türken. Meistens hielt sie stand, die uneinnehmbare Burg. Das kulinarische Angebot der Burgtaverne erschien uns sehr dünn, deshalb entschieden wir, hinunter zum Gasthof FINK im Dorf Riegersburg zu fahren, der in meinem Steiermark-Buch empfohlen war und sich als guter Tipp herausstellte. Wir bestellten „Spaghetti aglio olio con Rucola“ und eine typische steirische Vorspeisenplatte mit Hirschsalami und dreierlei Schinken, den berühmten Fink’schen Turmschinken, Schinkenspeck und luftgetrockneten Vulcano-Schinken. Fein!



Kürbiskeröl aus der Steiermark

In der Steiermark werden auf ca. 13.000 ha Kürbisse angebaut. Seit 300 Jahren gewinnt man Kernöl, es gibt etwa 700 Kürbisarten, aber nur diese eine steirische Sorte, die nach einer Mutation grüne statt weiße Kerne produzierte, eignet sich für die Gewinnung von Kernöl. Wir kamen gerade recht, denn der Ölmüller presste gerade für einen Bauern Kernöl. Für die Gewinnung von einem Liter Öl braucht man 2,5 kg getrocknete Kerne. Im April werden die Kürbisse ausgesät, im September/Oktober geerntet. Der Kürbis braucht es warm und nicht zu nass. Der Ertrag pro Hektar schwankt zwischen 400 und 1000 Tonnen, je nach Wetter. 2008 hatte es zu viel Regen, was für die Kürbisse nicht gut war, man erwartet also keine gute Ernte. Man kann das ganze Jahr über Öl pressen, denn die Kerne sind gut lagerfähig. Früher wurden die Kerne noch auf dem Feld von den „Batzlern“ per Hand aus den Kürbissen herausgepult. Meist war die gesamte Großfamilie mit „batzeln“ beschäftigt. Das Kürbisfleisch wurde aufgekocht, denn es wird schnell steinhart, und an die Tiere verfüttert. Heute werden Kürbisfleisch und Kerne maschinell getrennt, die Kürbisse zerhäckselt und untergepflügt, die Kerne zur Ölherstellung verwendet und die Tiere bekommen Kraftfutter. Es ist keine Kaltpressung möglich wie bei Olivenöl.
Die Kerne werden nach der Gewinnung gereinigt, dann werden sie gemahlen und mit Salz und Wasser vermischt. Daraus wird ein Teig geknetet, der in einer Röstpfanne bei 90 Grad etwa ½ Stunde geröstet wird. Das Rösten bringt den nussigen Geschmack des Öls, es darf nicht zu lange geröstet werden, sonst schmeckt das Öl bitter. Wir waren die einzigen Besucher und konnten dem Ölmüller über die Schulter schauen, der gerade in aller Ruhe für einen Bauern Kerne presste und so freundlich war, uns den gesamten Prozess genau zu erklären. Wir konnten bei der Röstung zusehen und beobachteten, wie der Teig flüssiger wurde, Öl und Eiweiß wurden getrennt, der Teig wurde geschmeidig und glitzerte. Nun wurde das Röstgut in den Presszylinder gegeben, immer abwechselnd etwas Röstgut und dann eine Eisenplatte zwischen die einzelnen Lagen. Nun wurde der Zylinder hydraulisch gepresst, das Öl trat durch die Poren der Zylinderwand aus und floss in die Auffangwanne. Das Öl wurde nun in ein Dekantiergefäß gefüllt. Die einzelnen Presskuchen zwischen den Eisenplatten wurden entnommen. Die meisten Bauern nehmen diese Presskuchen mit, denn sie sind reines Kraftfutter, die mehr Eiweiß enthalten als Soja. Sie werden an Hühner, Fische, Kühe und Schweine verfüttert. Auch unser Bauer karrte die Kuchen und 2 große Ölkanister in sein Auto und fuhr wieder davon. Das Öl ruht etwa 1 Woche im Dekantiergefäß und wird dann in Flaschen abgefüllt und verbraucht.


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Kommentare

  • fevi27 (RP)

    Liebe Elisabetta,
    vielleicht hat sich das Rätsel des "a Dauma" ,eures Weines in Bad Radkersburg ja schon geklärt. Ansonsten kann ich das Rätsel hiermit auflösen. In der Südsteiermark gibt es sogenannte Vulgo Namen also Hausnamen, die in der Gegend besser bekannt sind als die Familiennamen oder die Namen der Weingüter. Die Fam. Fassold trägt den Vulgo Namen "Dauma" und "a Dauma" ist somit ein Wein der Familie Fassold. ;-) Jaja die Eigenheiten dieser Gegend sind etwas Besonders und für nicht Eingeweihte oft nicht zu verstehen.
    Ach ja bevor ich es vergesse der Wein der Fam. Fassold reift in Neusetz mit Blick auf den Himmelsberg von Straden mit seinen 4 Kirchen. www.fassold.at
    lg und einen schönen Gruß aus der Steiermark
    fevi

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