Eine Radreise durch Yucatan/Mexiko

Reisebericht

Eine Radreise durch Yucatan/Mexiko

Reisebericht: Eine Radreise durch Yucatan/Mexiko

„Nach Mexiko wollt ihr? Mit dem Fahrrad? Das ist doch viel zu gefährlich! Und dann noch mit solchen Fahrrädern…“ Wem auch immer wir von unserem Plan berichteten, ermutigt hat uns niemand.


Dass diese Radreise zu einem der schönsten Reiseabschnitte unserer 21 monatigen Weltreise wurde, hätten aber auch wir nicht gedacht.

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Schreckensnachrichten im Radio

Touristenhochburg Isla de Cancun

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Eigentlich wollten wir ja nach Südamerika. Beim Schmökern in Reiseliteratur und im Internet entschieden wir uns kurzfristig um und buchten einen Flug nach Cancun. Schon während der Fahrt zum Flughafen begann das Abenteuer: Im Radio wurde von einem herannahenden Tropensturm vor der Küste der Halbinsel Yucatans berichtet. Nachdem Mexiko die Wochen zuvor schon von schlimmsten Unwettern und damit zusammenhängenden Überschwemmungen heimgesucht wurde, wurde die Nachricht entsprechend aufgebauscht.

Wir flogen trotzdem.

In Cancun war von Tropenstürmen keine Spur, da die karibische Küste südlich von Cancun aber immer wieder von starken Regengüssen heimgesucht wurde, lag unser erstes Ziel im Norden der Halbinsel Yucatan: wir sehnten uns nach Ruhe und einem schönen Strand abseits der Touristenhochburgen der Karibik und fanden ein paradiesisches Plätzchen in dem kleinen Ort El Cuyo.



Tropische Hitze und eine überflutete Straße

unglaubliche Begegnungen

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El Cuyo ist ein typisch mexikanischer Ort, dessen Bewohner vom Fischfang und der Handvoll Touristen lebt, die dort Urlaub machen. 165 km waren es bis dorthin, die ersten 60 km führten geradewegs aus Cancun heraus auf einer laut der uns vorliegenden Literatur vielbefahrenen autobahnähnlichen Straße. Wir hatten mächtig Bammel. Zunächst achtspurig wurde die Straße später kleiner bis sie schließlich zweispurig durch den mexikanischen Dschungel führte, im Gegensatz zu europäischen Straßen kaum befahren und die wenigen Auto- und LKW-Fahrer zeigten sich als sehr vorausschauende Fahrer. Wir kamen trotz der beinahe unerträglichen Hitze gut voran. Der Fahrtwind wurde im Laufe der Zeit unser rettender Engel, ohne ihn hätte unser Kreislauf dieser permanenten Sonneneinstrahlung, der Schwüle und körperlichen Anstrengung nicht standgehalten. Dass wir literweise Wasser trinken mussten, versteht sich von selbst. Jeder Schatten war ein Segen, die Vegetation ist jedoch oft so karg, dass wir den Schatten suchen mussten. Wir kamen schließlich an den Abzweig, der uns von der „vielbefahrenen Autobahn“ ins Hinterland führen sollte. Die Straße war jedoch verbarrikadiert. Was ist denn nun los? Wie es im ländlichen Mexiko nun einmal so ist, stehen immer überall ein paar Leute rum, vor allem, wenn es etwas Außergewöhnliches zu sehen gibt. Mit unseren damals noch rudimentären Spanischkenntnissen fragten wir also gleich mal mehrere (sicher ist sicher) der Anwesenden, was denn hier los sei. Man könne hier nicht durchfahren, die Straße sei überflutet. Auf die Frage, wie hoch und wo genau die Straße überflutet ist, bekamen wir unterschiedliche Antworten, zwischen knie- und bauchtief und irgendwo in 10 bis 20km Entfernung. Da die über 40km längere Umleitung bei der Hitze körperlich nicht zu schaffen gewesen wäre, entschieden wir uns, die Überschwemmung mit Rädern in Angriff zu nehmen. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch erstaunlich einfache Dörfer: Lehmhäuser, Höfe und Straßen voller Hunde, Hühner, manchmal auch Schweine, einfach lebende, arme Menschen. Wir wurden immer wieder darauf hingewiesen, dass wir aufgrund der Überschwemmung nicht weiterfahren können. Immer wieder hielten wir an und erklärten, dass wir versuchen wollen, das Rad durchzutragen. Ja, das könnte klappen, Krokodile kämen ja nur nachts heraus, sagten die meisten und ließen uns fahren. Am Ort des Geschehens angekommen, blieb einer von uns bei den Rädern, der andere checkte die Wassertiefe: hüfttief. Die Straße war auf einige hundert Meter völlig überflutet. Auch hier wieder ein Haufen Schaulustige, die vor allem darauf gespannt waren, was wir nun machen. Da auch hier wieder kein Schatten war, die Sonne brannte, der Kreislauf absackte, stand die Entscheidung schnell fest: Wir schieben durch. Die zwei gefährlich tief hängenden Radtaschen wurden kurzerhand oben auf das Rad gebunden und los gings. Dass nun gerade ein riesiger LKW die überflutete Stelle durchqueren muss, während wir etwa in der Mitte der Fluten standen, hinterließ ein fassungsloses Staunen auf unseren Gesichtern. Die Flutwelle riss unsere Räder weg und nur mit Mühe gelang es uns, die Räder und abtreibenden Trinkflaschen heil auf der anderen Seite wieder herauszuziehen. Pitschnass kontrollierten wir Räder und Radtascheninhalt – kleine Verluste mussten wir hinnehmen, aber im Großen und Ganzen war alles ok und die nasse Kleidung sorgte für Abkühlung, die wir dringend nötig hatten. Die letzten Kilometer bis zur angepeilten Ortschaft verliefen dann hügelig durch dichten Busch, mit einer Dschungel-Geräuschkulisse ein toller Streckenabschnitt. Ein Zimmer war im Ort schnell gefunden. Abends erkundeten wir noch die kleine Ortschaft Kantunilkin, in den kleinen Läden, Bäckereien und Imbissen konnten wir unsere Energiedefizite ausgleichen und am Zocalo, dem für mexikanische Städte typischen Marktplatz, die Mexikaner beobachten und dabei beobachtet werden.



Von Geiern, Schlangen und Vogelspinnen

Geier trocknen ihr Gefieder

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Am nächsten Tag starteten wir sehr früh, um vor der großen Mittagshitze in El Cuyo anzukommen. Außerhalb der Ortschaft trockneten an einem verlassenen Hof Dutzende Geier ihre Flügel, aufsteigender Nebel und die morgendliche Atmosphäre machten dies zu einem gänsehautverursachenden Erlebnis. Auf unserem weiteren Weg durch dichtbewachsenen Dschungel und kleine Ortschaften begegneten wir immer wieder Mayafrauen in traditioneller Kleidung, vielen Kindern und zahlreichen Mexikanern auf unterschiedlichsten fahrbaren Untersätzen, die allesamt grüßten, uns motivierten oder neugierig Fragen stellten, sobald wir mal irgendwo (meist an einem der vielen Minimärkte, um uns mit Kaltgetränken zu versorgen) zum Stehen kamen. Schnell war klar, dass wir an unseren Spanischkenntnissen arbeiten mussten. Ein guter Vorsatz für die vor uns liegenden Tage am Strand. Immer wieder lagen riesige Schlangenkadaver auf der Straße, Vogelspinnen saßen am Fahrbahnrand, Hunde begleiteten uns, Vögel, v.a. Geier kreisten über unseren Köpfen. Auch heute wurde es wieder sehr schnell sehr heiß und wir mussten uns gegenseitig motivieren, diese Etappe zügig durchzufahren. Ein Vorteil, wenn man zu zweit unterwegs ist. In der Regel zieht einer den anderen mit, wenn ein Motivationstief kommt. Am Meer angekommen, wurde aus Teer Schotter und zuguterletzt Sand, so dass wir den letzten Kilometer zu unserer Unterkunft schieben mussten. Der Ort gefiel uns so gut, dass wir hier schon länger blieben als geplant.



Strandspaziergänge


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Kommentare

  • Blula

    Respekt ! Eine Reise durch Yukatan mit dem Fahrrad.... dazu gehört schon was. Ihr habt es gewagt und dabei gewonnen. Ihr habt unglaublich viel erlebt, gesehen und erfahren. Ich bin vor Jahren auch einmal auf Yukatan gewesen und deshalb habe ich Euren Bericht natürlich mit besonders großem Interesse gelesen.
    Sehr gut. Und ich sage: Vielen Dank für's Mitnehmen!
    LG Ursula

  • weltreise-unlimited

    Schön, dass Euch der Bericht gefällt und Danke fürs Lob! Das war mein erster Reisebericht überhaupt. Und sicherlich nicht der Letzte;-)

  • Blula

    Prima... da können wir uns also schon freuen !!!

  • Dany0570

    Schöner Bericht, vor allem tolle Reise - ganz nach meinem Geschmack ;o))
    LG, Dany

  • RELDATS

    Auf diese Art Yucatan zu erleben - alle Achtung.
    Schöner, interessanter Beitrag.
    Nette Grüsse von Josef

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Eine Radreise durch Yucatan/Mexiko 4.55 11

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