Chalki – unbekanntes Paradies für Genießer

Reisebericht

Chalki – unbekanntes Paradies für Genießer

Reisebericht: Chalki – unbekanntes Paradies für Genießer

Wer auf Chalki kommt, sucht Ruhe und Entspannung. Das glasklare Wasser ist noch ein Extra dazu.

Chalki – unbekanntes Paradies für Genießer

Emborio

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Sie kennen Kos, Ios oder Rhodos, aber haben Sie schon von Chalki gehört? Nein? Direkt schade, denn diese nur 28 km2 große bergige Insel ist eine der Dodekanes-Inseln in der östlichen Ägais, zwar wenig bekannt, aber ein wahrer Geheimtipp für Griechenland-Fans. Nicht für Ballermann-Feeling sondern für einen ursprünglichen Urlaub – direkt bei und unter den Einheimischen, die schnell zu Freunden werden


Für so manchen strahlt das kahle Eiland Chalki, wenn man mit dem Fährboot von Kamiros Skala im Hafen einfährt, einen spröden Charme aus. Klar, die schroff dahinter aufsteigenden Erhebungen sind Dank der Abholzungen mittlerweile kahl. Die Erosion tut das Ihre noch dazu. Doch die kleine Schwester des zum ägäischen Mallorca gewordenen Rhodos bietet viel mehr, strahlt, wenn man sie und ihre Bewohner nur ein wenig kennen gelernt hat, eine zarte innere Ruhe aus, voller Zufriedenheit und Entspannung.

Früher wurde sie auch 'mittlere der Prinzeninseln' genannt. Chalki - oder auch Halki, Khalki – bedeutet aus dem griechischen übersetzt 'Kupfererz' (halkos), denn Kupfer wurde in der Antike auf dieser Dodekanes-Insel abgebaut.

Geschichte...

Früher war Chalki wahrlich eine glänzende, prosperierende Insel mit über 8000 Einwohnern gewesen und galt neben Symi und Kalymnos als eines der Zentrum der Schwammtaucherei. Nach Erfindung des Kunstschwammes Mitte des 20. Jahrhunderts rentierte sich dieser Einkommenszweig nicht mehr, viele wurden arbeitslos und emigrierten. Nach Rhodos, Athen oder – die meisten – gleich über den großen Teich nach Amerika, vornehmlich nach Florida. Dort gründeten sie die Ortschaft Tarpon Springs – die Stadt der Schwammtaucher. Als Zeichen der Verbundenheit mit Ihren verlorenen Kindern hat man in Chalki die einzige Straße 'Tarpon Springs Boulevard' – vom Hafen über eine Hügel zum schönsten Sandstrand Pontamos – getauft. Die Auswanderer revanchierten sich für die Ehre und schickten Geld für den Bau des Uhrturms, oberhalb der alten Zitadelle, den viele Unkundige für einen Kirchturm halten mögen.

Heute leben im Hauptort Chalkis – dem Hafen Emborio – nur mehr rund 250 Menschen. Sie alle sind direkt oder indirekt vom sanften Tourismus abhängig. Die Fischerei, ein wenig Schafzucht, eine kleine Fischfarm und die Hafenmeile voller Tavernen stellen die wirtschaftliche Einnahmequelle dar.
Für die Gäste, zumeist Tagestouristen, die mit den Fährbooten aus Rhodos-Stadt oder Kamiros Skala, einem kleinen Hafenort im Wetsen der Insel Rhodos, kommen, muss einfach alles übers Wasser herangeschafft werden. Daher ist das Essen, etwas teurer, aber vielmehr schmackhafter, ursprünglicher und mit viel Liebe zubereitet. Egal bei welcher Taverna oder Fischresaturant man im Hafen einkehrt, entäuscht wird man nirgends. Wie auch. Ein guter am Frühmorgen gefangener Fisch, genossen im Abendlicht, bei einer leichten Hafenbrise,muss man finden.



Bis vor kurzem gab es auch fast keine Autos auf der Insel. Die EU unterstützt mit Finanzmittel nun den Straßenausbau. In bälde soll auch die erste Tankstelle auf der Insel errichtet werden

Wer sich auf die Chalki und seine Bewohner einlässt dort mehr als nur einen Ausflugtag verbringt, wird nicht enttäuscht.

Wenn man etwa in der Früh gleich vis-a-vis des Anlegestelle für die Fähen in Valandis Grill House einen kalten Frappe genießt, kann das frühmorgentliche Treiben vor Dimitris Bäckerei beobachten. Die einzige Bäckerei des Ortes bäckt nach Wunsch und ist beliebtes morgentliches Kommunikationszentrum. Kein Wunder, dass dort auch die Aushänge der Bürgermeisterin dort in Kopie angeschlagen sind. Direkt davor parkt der dunkle Mercedes des einzigen Taxichafeurs. Im Hafen ankert sein Water-Taxi, das man – zu ziemlich teuren Euros – für Ausflüge zu den über Land nicht erreichbaren Inselstränden buchen kann.


Dem Zauber der alten Häuser, diese sind im Gegensatz zu den üblichen weißen Häusern der griechischen Inselwelt in Pastellfarben gehalten und mit tempelartigen Vorderfassaden ausgestattet, kann man sich nicht entziehen. Über 600 Häuser finden sich in Emborio, doch nur die Hälfte ist bewohnt. Aber alle Liegenschaften haben echte Besitzer. Viele arbeiten und leben anderswo, kommen nur auf Urlaub „nach Hause“. In letzter Zeit kehren auch viele Emigranten, oft schon der Sohn ode rdie Tochter zurück, und bauen das zwischenzeitlich verfallenen Häuschen wieder auf.

So kommt auch die etwas höher gelegene, alte verlassene Hauptstadt Chorio wieder langsam zu Bewohnern. Unterhalb der alten Johanniterfestung, als Bollwerk gegen die Türken gedacht, leuchtet die weiß getünchte Kirche zwischen den verfallennen Häuserresten hervor.

Überhaupt ist die Insel ein Paradies für Wanderer, die beiden höchsten Erhebungen Elias und Kapnikari kommen gerade mal auf etwas über 500 m. Doch von beiden hat man eine wunderbare Fernsicht.

Egal wo man sich bewegt, auf die Berge zugeht oder nur zu einen der Strände wandert, überall begegnet man Kapellen und oft winzigen Kirchen.

Wer auf Chalki kommt, sucht Ruhe und Entspannung. Das glasklare Wasser ist noch ein Extra dazu. Traditionell kommen Briten, oft reiche Pensionistenpaare, aber auch Italiener, die sich was Besonderes gönnen, und natürlich Griechen auf Urlaub. Tageweise, meist mit gut restaurierten Piratenbooten, segeln auch türkische Gruppen herbei und ankern für ein zwei Tage. So findet man am Abend, wenn man entlang der Fressmeile im Hafen flaniert, viele Sprachen vor. Mit Englisch kommt man aber ganz gut durch. Zwei Reiseagenturen, ein Postamt, einen Bankomaten, drei Shopps und mehrere Card-Telefonstände findet man als Infrastruktur vor.

Chalki mit seinem intensiven Licht ist auch prädestiniert für Fotofreaks. Nicht nur die kitschigsten Fotos lassen sich selbst machen. Das Feeling dabei ist ein ganz spezielles.
Einfach anders. Wer´s nicht glaubt: hinfahren und ausprobieren. Aber eines sollte man dabei nicht vergessen. Man ist nicht nur in Griechenland, wo alles ein wenig entspannter und langsamer von statten geht, sondern auf Chalki. Dort geht alles noch ein wenig gemütlicher.
Schlimm? Aber nein, man ist ja eh im Urlaub –oder? Eben.



Boote


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Kommentare

  • Zypresse

    Hei, ich war vor mehr als 20 Jahren auf Chalki - es scheint sich wenig verändert zu haben. Ist die Post immer noch im ersten Stock des Gebäudes hinter dem Mercedes (der im übrigen viel zu schick und neu für die Insel scheint...)??

  • Jaroslava

    Hallo Zypresse,
    habe meine Fotos durchgesucht, aber die Post war nicht drauf. Sie ist aber noch immer dort und es hat sich sicher nichts geändert. Man verkauft sogar gar keine Zeitung, da sie sonst 3 Tage alt wäre. :-) Außerdem gibt es 3 Geschäfte, 1 Bäckerei, 1 Tourismusbüro (ganz winzig) und ein Bankomat (mittem im Hafen), der manchmal funktioniert - das war´s aber auch schon.

  • Jaroslava

    Hallo,

    wie ich dieses Jahr festgestellt habe - gibt es jetzt regelmässige Verbindung zwischen Rhodosstadt und Chalki. D.h. es ist leichter erreichbar... hoffentlich bleibt es trotzdem so urspruenglich!!!!!

  • Nissomane

    Leider war ich noch nicht auf Chalkis. Nach Deinem guten Bericht und den Fotos bin ich auf den Geschmack gekommen und werde die Insel bei der nächsten Dodekanes-Tour einplanen.
    Gruß
    Frank

  • RdF54

    Hab´ auch noch nie was von Chalki ghört, aber durch Deinen locker geschriebenen Bericht habe ich jetzt einen kleinen Einblick!
    Danke

    LG Robert

  • Blula

    Muß gestehen, dass ich noch nie etwas von Chalki gehört habe. Dein wunderschöner Reisebericht ist aber geradezu eine Animation, dort einmal Urlaub zu machen. Liest sich gut....
    LG Ursula

  • sommerheide

    Liebe Jolanda,
    nachdem ich seit einigen Jahren hier in GR lebe, hab ich schon einiges von Chalki, einer der Prinzeninseln gehört. Allerdings befindet sich diese in der Türkei, und die Griechen sind seit langem darum bemüht, das dortige Priesterseminar wieder eröffnen zu dürfen.
    Aus Wikipedia: "Auf Heybeli Ada (gr. Chalki) liegt das Priesterseminar der griechisch-orthodoxen Kirche der Türkei, welches dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel untersteht. Seit 1971 dürfen keine Seminaristen mehr ausgebildet werden. Die Bibliothek ist weiterhin geöffnet."
    Von deinem Chalki, nahe bei Rhodos, hab allerdings auch ich bisher nix gewusst. Demnach hoffentlich noch lange ein Geheimtipp. Dass man dieses, das griechische Chalki früher die "mittlere der Prinzeninseln" nannte, wage ich jedoch mit Nachdruck in Frage zu stellen - nix für ungut bitte.
    Lieg ich richtig, dass du Österreicherin bist? Wenn ich hier zu den bundesdeutschen Ansiedlern von einem Bankomat spreche, kriegen die echte Glubschaugen. Aus meinen Kreuzworträtseln weiß ich inzwischen, dass dies Geldausgabeautomat, kurz GAA heißt. Also die Bezeichnung "Geh A A" würde ich in einem Gespräch nie verwenden ;-) , bleib liebe beim österreichischen Bankomat.
    Servus - Heidi

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  • sommerheide

    signomi, signomi - das sollte natürlich "Liebe Jaroslava" heißen - bin total zerknirscht.
    Heidi

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Chalki – unbekanntes Paradies für Genießer 4.18 11

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