Mickey Mouse oder das Jahr der Ratte

Reisebericht

Mickey Mouse oder das Jahr der Ratte

Reisebericht: Mickey Mouse oder das Jahr der Ratte

Andere Länder, andere Feste.

Feuerwerk – und das Anfang Februar. Wir waren schon sehr überrascht, als wir beim Landeanflug auf Kuching, einer malaysischen Stadt auf Borneo, damit begrüßt wurden. Bereits weit vor Mitternacht konnte man überall die farbenfrohen Raketen sehen. Doch ab 24 Uhr ging es dann richtig rund. Fast eine Stunde dauerte der himmlische Zauber und wurde von einer Unmenge lauter Böller untermalt.

„Was wird denn hier gefeiert?“, fragte ich an der Hotel-Rezeption. „Das chinesische Neujahrsfest (=CNY). Es fängt immer am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende an und dauert dann bis zum nächsten Vollmond. Und übrigens: Gong Xi Fa Chai (=Frohes neues Jahr).“ „Aber warum ist es denn direkt auf der gegenüberliegenden Flußseite so dunkel, obwohl doch sonst alles so hell erleuchtet ist?“ „Dort wohnen Malaien und die feiern heute nicht.“

Die Antwort verwunderte mich sehr. Doch dann erfuhr ich, daß in Malaysia die Chinesen etwa 30 % der Bevölkerung ausmachen. Selbst wenn viele schon seit Generationen im Land leben, werden die alten Traditionen aus der ursprünglichen Heimat immer noch in Ehren gehalten. Dazu zählt auch CNY, manchmal auch Frühlingsfest genannt, denn es ist für Chinesen das wichtigste Fest im ganzen Jahr und das nicht nur in Malaysia sondern überall auf der Welt.



Cheng Hoog Tempel in Kuala Lumpur

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Rot, rot, rot – ohne rot geht gar nichts! Zuerst fallen die Abertausende oder waren es sogar Abermillionen von „roten“ Lampions auf, die nicht nur kreuz und quer über den Straßen hängen, sondern auch die Wohnhäuser zieren und selbst in den luxuriösen Shopping-Malls zu finden sind. Am Neujahrstag trägt man rote Kleidung und selbst rote Unterwäsche ist sehr beliebt - was aber nicht so leicht zu überprüfen ist -:). Rot bedeutet Glück, Freude und Wohlstand und hält böse Geister und Unglück fern. Deshalb sind als Geschenke für Familie und Freunde Orangen, Mandarinen und Äpfel so beliebt. Zur Verstärkung des Glücks kann man sie zusätzlich mit roten Bändern verzieren oder in rotes Papier einwickeln.

Nach den wenigen Informationen, die ich am ersten Abend von Jimmy, dem Empfangsmanager im Hotel erhielt, war meine Neugierde geweckt und so fing ich an, überall Fragen zu stellen, um mehr über dieses „rote“ Fest zu erfahren. Gelegenheiten dazu gab es viele. Zum Beispiel in den buddhistischen Tempeln. Kontemplative Ruhe wie in christlichen Kirchen, weit gefehlt. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Klingelnde Handys und laute Gespräche sind völlig normal, doch dazwischen sieht man überall Menschen andächtig beten.

Was bringt das neue Jahr - Wohlstand, Reichtum und Gesundheit? Soll ich den neuen Job annehmen? Wann ist der beste Termin für die Hochzeit? All dies beschäftigt die Gläubigen während des CNY. Auf das Voraussagen der Zukunft spezialisierte Mönche geben gerne gegen eine kleine Gabe Auskunft. Ich wollte es auch probieren, doch leider fand ich keinen, der genug Englisch sprach. Wirklich schade.



Und den Göttern ein Wohlgefallen

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Da jeder mehr über sein Glück erfahren möchte oder durch eine kleine Spende die Götter günstiger stimmen möchte, sind die Tempel unglaublich voll, zumindest die Bekannteren. Manchmal musste ich mich richtig durch die Menge schieben. Der Tempelbesuch ist für Alt aber besonders auch für Jüngere ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten. Jeder bringt Opfergaben in Form von Früchten und anderen Lebensmitteln, Blumen, Räucherstäbchen und Papiergeld dar. Manche spenden sogar den Kopf eines Schweins – nicht unbedingt ein appetitlicher Anblick. Damit nichts bei der großen Hitze verdirbt, räumen die Mönche alles möglichst schnell wieder weg. Andernfalls wäre sonst auch bald kein Platz mehr auf dem Altar und die dargebrachten Speisen dienen der Ernährung des Klosters und der Armen im Bezirk.



Horoskop für Ratten?

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Im Cheng Hoog Tempel in Kuala Lumpur ist sie mir dann das erste Mal begegnet - Mickey Mouse. Fast 10 m hoch und mit knalligen Farben angemalt fiel sie mir sofort ins Auge. Doch was hat Disneyland in einem buddhistischen Tempel verloren? Jedem Jahr wird im chinesischen Kalender ein Tier zugeordnet und Mickey Mouse symbolisiert 2008 - das Jahr der Ratte. Scheinbar nehmen es die Chinesen mit der Unterscheidung zwischen Ratten und Mäusen nicht so genau.



Mit der Zeit erfuhr ich auch, dass das CNY nicht mit dem Sylvesterabend beginnt, sondern schon Tage vorher. Zum einen müssen bestimmte Handlungen vorgenommen werden, wie das Streichen der Türen und Fensterrahmen mit – selbstverständlich – roter Farbe. Man zahlt seine Schulden, geht zum Friseurr und kauft neue Kleidung, denn all dies bringt Glück. In den Tagen des Neujahrfestes sollte man dies aber tunlich meiden, denn dann bedeutet es Unglück. Das Reinigen des Hauses am Besten mit einem Zitronenzweig zählt auch zu den Ritualen. Der Staub sollte aber in einer Ecke liegen bleiben, damit man nicht aus Versehen, das Glück mit hinauskehrt.

Am Abend vor Sylvester kommt es zum gemeinsamen Abendessen der Familienmitglieder, die dazu auch von sehr weit her anreisen. Für die kürzlich Verstorbenen wird ein freier Stuhl an den Tisch gerückt und sie erhalten genauso ihre Mahlzeit serviert wie alle anderen. Alle unverheirateten Familienangehörigen, egal ob Säugling oder alte Jungfer, bekommen ein Ang Pau, einen roten Umschlag mit Geldinhalt, überreicht. Manche erzählten mir, daß dies ganz schön teuer werden kann, besonders da die Zahl der Singles auch in Malaysia immer mehr zunimmt.



Lions Dance

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Mit dem Sylvesterabend ist das CNY noch lange nicht beendet. Auch an den folgenden Abenden gab es immer wieder Feuerwerke zu sehen, die von Geschäftsleuten oder Restaurantbesitzern finanziert werden. Gleiches gilt für die Löwentänze, die sich durch laute Musik – meistens Trommeln – ankündigen. Aufgeführt werden sie auf der Straße vor dem Geschäft, das es bestellt hat. Der Inhaber verspricht sich von der Darbietung Glück, Wohlsand und Langlebigkeit.

Leider habe ich das Ende der Feiertage nicht mehr miterlebt, so daß mir das Laternenfest entgangen ist. Aber vielleicht im nächsten Jahr, den ab dem 26.1. 2009 heißt es wieder: Gong Xi Fa Chai.


Hinweis: Als Tourist sollte man sich darauf einstellen, daß viele Geschäfte und Restaurants aber auch Sehenswürdigkeiten besonders in den ersten Tagen geschlossen sind. Restaurants sind häufig ausgebucht, deshalb ist eine Vorbestellung ratsam.


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