Afrika,Afrika...Ghanaische Impressionen

Reisebericht

Afrika,Afrika...Ghanaische Impressionen

Reisebericht: Afrika,Afrika...Ghanaische Impressionen

Meine Erlebnisse auf sehr vielen Reisen in Ghana habe ich aufgeschrieben. Die folgenden Zeilen stammen aus dem Jahr 2005.

Trommeln für Deutschland

Leseprobe aus meinen Reiseberichten:


Nach Absolvierung aller Formalitäten und Festlichkeiten war es höchste Zeit für mich, nun intensiver nach Trommeln, Schmuck und Schnitzereien zu suchen um den Wunschzettel abzuarbeiten, den ich immer in meiner Gürteltasche bei mir trug. Auf den Märkten in der Stadt und in der nahen oder auch ferneren Umgebung war leider kaum Kunsthandwerk zu finden und irgendwelche Trommeln gab es überhaupt nicht. Außer in den Ständen vor den Sklavenburgen. Und dort natürlich mit speziellen Touristenpreisen.
Aber in Cape Coast befindet sich ein großes Kulturzentrum mit Veranstaltungshalle, extra gebaut für das Pana-Festival, das alle zwei Jahre in Cape Coast stattfindet. Dort sollten wir mal nachfragen, meinte Philipp. Das war ein guter Tipp. Das Haus verfügte über eine große Sammlung verschiedener Trommelarten. Zum Beispiel den Donno in verschiedenen Größen. Das ist ein zylindrischer Körper, mit Ziegenfell bespannt, der unter den Arm geklemmt mit einem hakenartigen Trommelstock angeschlagen wird.
Die berühmteste Sprechtrommel für die Nachrichtenübermittlung ist der große Atumpan. Mit Elefantenhaut bespannnt, darf er nur von ausgewählten Spezialisten angefertigt werden. Verstöße gegen dieses Gebot werden empfindlich bestraft. Der Tatwa (Hund) wurde ausschließlich bei Hinrichtungen geschlagen. Hinrichtungen waren übrigens nicht selten in Ghana. Es konnte sogar einen Trommler treffen, dem ein Fehler bei der Nachrichtenübermittlung unterlaufen war. Noch im Jahre 1968 wurden mehrere Frauen hingerichtet, die abgetrieben hatten. Dafür beträgt die Höchststrafe jetzt immerhin noch acht Jahre Gefängnis. Aber die Todesstrafe ist heute in Ghana leider noch nicht abgeschafft, obwohl sie in den letzten Jahren nicht mehr vollstreckt wurde.
Die traditionellen Trommlergruppen in Ghana verwenden eine Vielzahl verschiedener Trommeln, wie Oudum, Kpalogo, Kroboto, Kaga, Kidi und Sogo, die alle überwiegend mit der flachen Hand angeschlagen werden.
Die freundlichen Angestellten im Kulturzentrum gaben uns (natürlich gegen ein Trinkgeld) die Anschrift eines Trommelbauers, der schon mehrfach für sie gearbeitet hatte. Der Mann lebt in einem kleinen Buschdorf, wenige Kilometer von Cape Coast entfernt. Nach einigen vergeblichen Besuchen trafen wir ihn dort auch an. Leider hatte er kein Instrument vorrätig und mit dem Foto einer Djembe, das ich ihm zeigte, wusste er kaum etwas anzufangen. Erst später habe ich erfahren, dass diese in Deutschland wohl beliebteste Trommelart nicht aus Ghana stammt, obwohl sie inzwischen auch dort massenhaft angefertigt wird. Aber der Mann versprach, eine Djembe für uns zu bauen. Zuerst müsste er nur einen geeigneten Baum im Busch finden. Dann benötige er Geld, um eine Ziegenhaut und Spannschnur kaufen zu können. Kurz gesagt, nach zehn Tagen und mehreren Nachfragen brachte er uns sein Produkt. Leider entsprach es nur in Ansätzen meinen Vorstellungen. Trommeln konnte man wohl damit, aber in Deutschland wäre es nicht verkaufsfähig gewesen, weil es sehr primitiv und ungleichmäßig gearbeitet war. Ein Spannring aus Metall fehlte völlig.
Inzwischen hatte ich eine bessere Quelle gefunden. Gerlinde hatte mir ja erzählt, dass viele ihrer deutschen Bekannten ihre Djembes in Accra gekauft hatten. Also auf nach Accra ! Dort gibt es einen speziellen Kunsthandwerkermarkt: das Arts Centre. Das ist ein weitläufiges Gelände im Zentrum der Hauptstadt, gleich neben dem Nkrumah-Memorial und direkt am Meer gelegen. Das Gute in diesem Zentrum ist:: man findet dort einen schattigen Parkplatz unter Bäumen und hat wirklich eine riesengroße Auswahl aller Arten und Sorten von afrikanischem Kunsthandwerk, die man sich vorher überhaupt nicht vorstellen konnte. Neben Hunderten von Verkaufsständen gibt es dort auch ein sehr interessantes Kunstgewerbemuseum mit Gemäldeausstellung, das täglich geöffnet ist.
Das Unangenehme aber ist, dass man im Markt sofort nach der Ankunft von Scharen sehr aufdringlicher Verkäufer überfallen wird die versuchen, unter vollem Körpereinsatz die wenigen weißen Besucher in den nächsten Verkaufsstand zu ziehen. Man benötigt dort wirklich gute Nerven und möglichst Leibwächter, um sich überhaupt einen Überblick über das riesengroße Angebot verschaffen zu können. Das nächste Problem sind sind danach die Preisverhandlungen. Den Touristen wird natürlich auch hier zuerst ein völlig überhöhter Preis genannt. Selbst wenn man diesen Preis in langwierigen Verhandlungen vielleicht auf die Hälfte heruntergehandelt haben sollte, ist das noch immer ein Grund zur Freude für die Verkäufer, wieder einen dummen Obroni gefunden zu haben, dem man das Geld aus der Tasche ziehen konnte. Ich benötigte für die deutsche Firma aber Einkaufspreise, die nach Hinzurechnung von Speditionskosten, Zollgebühren und Steuern immer noch gewinnversprechend sein mußten. Um vernünftige Preise zu erzielen blieb mir nur das Mittel, Philipp als Einheimischen alleine zu den Preisverhandlungen zu schicken, nachdem ich mir Fotos von den gewünschten Artikeln gemacht hatte. Ich mußte immer außer Sichtweite bleiben. Und siehe da, es klappte. Philipp kam mit Preisen zurück, die ungefähr 20-30% der zuerst geforderten Summen entsprachen.
Nach mehreren Tagen intensiver Arbeit hatte ich schließlich ein umfangreiches attraktives Angebot für meine deutschen Interessenten in der Tasche. Und ich verfügte auch über so viele Muster, dass ich bei meinem Rückflug meine beiden Koffer damit füllen konnte. Der vorherige Inhalt der Koffer war in Form von Geschenken in Ghana zurückgeblieben.

Weitere Themen meiner Berichte:
- Szenen einer Ehe
- Scheidung auf ghanaisch
- Von Übersiedlern und Touristen
- Goldland Ghana
- Von Kriminellen und Kriminalisten
- Illegal in Ghana
- Eine adlige Familie
- Was ist ein 'Ehren-König'?
- Götter, Geister und Dämonen
- Das Fetu-Festival in Cape Coast
- China ist überall
- Ghana - die Schweiz Afrikas?
- Malariamedikamente
- Bestattungsriten in Ghana
- Ghana soll ein sauberes und sicheres Land werden
- Vom Sinn der Entwicklungshilfe



Djembe-Trommeln


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Kommentare

  • dollafrika

    Ein wunderbarer gut geschriebener faszinierender Artikel. Übrigens habe ich einen Freund in München aus Ghana, einer der Besten Musiker die ich kennenlernen durfte, der eine Trommelschule in Ghana führt und selber ausbildet. Ich glaube wir haben uns viel zu erzählen.

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