Die große Freiheit in Kanadas Westen - August/September 2007

Reisebericht

Die große Freiheit in Kanadas Westen - August/September 2007

Reisebericht: Die große Freiheit in Kanadas Westen - August/September 2007

Es war unsere Hochzeitsreise - und gleichzeitig ein Familienurlaub, denn Janas und nun auch meine Töchter, 15 und 13, waren natürlich auch mit dabei: Vier Wochen auf einer großen Runde durch den Westen Kanadas; Start und Ziel war Vancouver, doch die wirklich wunderschöne Metropole am Pazifik war nur eines von zahlreichen Highlights auf unserer Schleife durch British Columbia, Yukon und Alberta.

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7. August 2007: Die Anreise nach Vancouver

Wie Zuckerguss...

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Am Morgen des Dienstag, 7. August 2007 stehen wir ganz früh auf, räumen die Koffer ins Auto und fahren los in Richtung Flughafen München. Auf einem Großparkplatz in Hallbergmoos stellen wir unser Fahrzeug ab, lassen uns zum Terminal bringen und suchen die „LTU“-Schalter: Wir checken unser Gepäck ein, erhalten die Boarding-Karten – es steht wirklich Vancouver drauf, es ist soweit, unser lang ersehnter Traumurlaub in Kanada kann beginnen!
Die Anfänge dieser Reise liegen nun schon ein Dreivierteljahr zurück. Im November des vergangenen Jahres waren wir uns einig geworden, dass wir alle vier zusammen im kommenden Sommer das zweitgrößte Land der Erde besuchen wollten. Über die genaue Reiseroute hatten wir uns da noch keine Gedanken gemacht, allerdings schon gehört, dass der Westen des Landes besonders spektakulär sein soll und deswegen Vancouver als Ankunfts- und Abflugort festgelegt. Im Reisebüro buchten wir die Flüge, ein Hotel für die ersten zwei Nächte nach der Ankunft und das Mietauto. Erst später legten wir den Hochzeitstermin fest. Damit wurde dieser Kanada-Urlaub gleichzeitig unsere Hochzeitsreise.
Bei Interkontinentalflügen soll man ja schon drei Stunden vor dem Abflug auf dem Flughafen sein. Was tun mit der vielen Zeit? Nun, da fällt den Flughafenbediensteten schon etwas ein, ansonsten langweilen sich die Passagiere zum Schluss noch! So schickt uns eine „LTU“-Dame zum Zoll, um dort ein Einreiseformular für Kanada zu besorgen. Aufgabe eins lautet also, in dem netten „kleinen“ Flughafengebäude das Zollamt zu finden. Dann, einen gerade Dienst habenden und ansprechbereiten Beamten zu erwischen - um von diesem schließlich freundlich schmunzelnd die Auskunft zu erhalten, ein derartiges Formular sei bei ihm nicht zu bekommen. Warum sollte der deutsche Zoll auch fremdländische Formulare verteilen... Immerhin gibt es aber einen „Rewe“-Schalter, der sich als „LTU“-Partner ausweist. Doch auch hier kann man uns armen umherirrenden Geistern nicht weiterhelfen und schickt uns zu „LTU“ zurück, allerdings nicht wieder an den Check-In, sondern zur Informationsstelle. Auch die lässt sich nach einigem Herumlaufen entdecken. Das dortige Personal schüttelt nur den Kopf und kann nicht begreifen, dass uns solch ein Unsinn aufgetragen worden ist. Ein Einreiseformular hätten wir nur ausfüllen müssen, wenn wir von Vancouver aus weiterreisen würden in die USA! Wir haken die Angelegenheit also unter der Rubrik „Beschäftigungstherapie" ab, durchlaufen die Passkontrolle und den Sicherheitscheck, werfen einen kleinen Snack ein und betreten kurz nach zehn Uhr den Airbus 330, der mit knapp halbstündiger Verspätung gegen 10.50 Uhr deutschen Boden verlässt.
Essen, Filme schauen, ab und zu ein Blick aus dem Fenster – spektakulär wird es nach gut drei Stunden Flugzeit, als wir Grönland überfliegen und bei gutem Wetter tolle Sicht auf die gigantische Gletscherlandschaft dieser größten Insel der Erde haben. Zwischendurch verhüllen natürlich mal Wolken den Blick, dennoch können wir auch Baffin Island am Boden ausmachen und – viel später – die Rocky Mountains. Da sind wir allerdings schon an die neun Stunden in der Luft, die Sitzhaltung ist allmählich etwas angestrengt; doch die Vorfreude auf dieses riesige, scheinbar unberührte Land – man sieht von oben nur ganz spärliche Spuren von Zivilisation – wächst. Die Uhr drehen wir um neun Stunden zurück: So ist es nicht kurz vor 21 Uhr wie zuhause, sondern erst gegen zwölf, als unser Airbus auf dem „Vancouver International Airport“ landet und wir damit tatsächlich kanadischen Boden unter den Füßen haben.
Eine große, moderne, ansprechend gestaltete Ankunftshalle empfängt uns; wir passieren problemlos die Passkontrolle, gehen in Richtung Gepäckausgabe und warten auf unsere Koffer, die wir heute Morgen in München abgegeben haben. Da, sie sind alle mitgekommen! Tatendurstig wollen wir in Richtung Ausgang, doch ein Hund interessiert sich ziemlich für meinen Koffer. Cindy meint noch: „Ist der süß!“ – doch die Begeisterung flaut bald ab, als wir am anderen Ende der Leine einen Uniformträger entdecken, der unsere Einreiseerklärung denn auch prompt mit einem dicken roten Kringel verunstaltet.
Was hat das zu bedeuten? Wir wissen es nicht, ahnen aber wenig Erfreuliches – und werden darin sehr schnell bestätigt, denn während der große Strom der Reisenden geradewegs durch den Ausgang Richtung Taxistand strebt, werden wir durch eine Seitentür nach rechts dirigiert und stehen dort erst einmal recht belämmert herum. Wir haben ja nun ganz sicherlich keine Drogen einge-schmuggelt… Nach geraumer Zeit kommt eine kanadische Zollbeamtin und mustert uns intensiv. Schließlich stellt sie die entscheidende Frage: „Haben Sie irgendwelche landwirtschaftlichen Produkte in Ihrem Gepäck?“ Wir schütteln alle brav – und wahrheitsgemäß – den Kopf. Mit der berufsnotwendigen Portion Menschenkenntnis ausgestattet, glaubt uns die gute Frau und entlässt uns in Richtung Ausgang.



The Empire Landmark Hotel in...

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Dort suchen wir uns ein Taxi – und zwar eines mit reichlich Stauraum. Durch leichten Nieselregen – Kanada empfängt uns nicht gerade mit Bilderbuchwetter – geht die Fahrt gut eine halbe Stunde hinein ins Zentrum von Vancouver. Erste Eindrücke: ausgedehnte Vorstädte, der Verkehr läuft recht geordnet und gesittet ab. Über eine Brücke gelangen wir in die von Hochhäusern geprägte Stadtmitte, die man auf diesem Kontinent als „Downtown“ bezeichnet – und dann fahren wir durch eine der großen Straßen, die Robson Street, bis wir schließlich schon von Weitem ein ganz großes Gebäude erkennen: das Hotel „The Empire Landmark“, unsere Unterkunft für die ersten zwei Nächte. Mit fast quadratischem Grundriss und einem Rondell ganz oben ragt es weit über die in dieser Gegend eigentlich nicht besonders hohe Bebauung hinaus. Wir checken ein und bitten um ein möglichst hoch gelegenes Zimmer – Denise und Cindy machen zwar ein bisschen auf Höhenangst, aber in unserem mit zwei „Queen-Size“-Betten ausgestatteten Raum im 19. Stock mit Bad und einer eigenen Kochnische (die wir aber nicht nutzen werden) fühlen sie sich, einmal angekommen, auch gleich wohl.
Wir haben schon einen langen Tag hinter uns: Zuhause ist es mittlerweile kurz vor elf Uhr abends, hier aber erst gegen zwei Uhr nachmittags. Natürlich könnten wir uns jetzt aufs Ohr legen und würden sicherlich auch gleich einschlafen, aber von erfahrenen Interkontinental-Reisenden haben wir den Tipp erhalten, sich so schnell wie möglich an die Tageszeit des Aufenthaltslandes anzupassen und damit den unvermeidlichen „Jet-Lag“ besser in den Griff zu bekommen. Wir entschließen uns also im grauen, wolkenverhangenen Vancouver zu einem nicht allzu anstrengenden Bummel entlang der Robson Street. Essen wollen wir auch und finden mit dem Restaurant „Indian Flavours“ schnell etwas, das uns alle anspricht. Nachmittags kurz nach drei stärken wir uns an einem schönen Fensterplatz mit sehr gutem indischem Essen. Eine erste landestypische Eigenheit gefällt uns gleich sehr: Alkoholfreie Getränke werden kostenlos nachgeschenkt.
Der anschließende Rundgang führt uns zwar noch in ein paar Läden und einige hundert Meter die Straße lang, irgendwann beschließen wir aber umzudrehen und erreichen gegen halb sechs Uhr wieder das Hotel. Eigentlich ist es immer noch viel zu früh, um ins Bett zu gehen, aber mittlerweile sind wir seit 22 Stunden wach, und da schreit der Körper, der ja auch in den Tagen zuvor nicht gerade mit Schlaf verwöhnt worden ist, einfach nach einer Sendepause...


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Kommentare

  • matulr

    Euer südlichster Punkt der Reise war (fast) mein
    nördlichster während meiner Reise im Jahr 2014:
    Von Port Angeles an der Juan-de-Fuca-Strait
    sah ich von Ferne die Stadt Victoria...
    LG ULI

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