Komba Island – die Insel der Tabus

Reisebericht

Komba Island – die Insel der Tabus

Reisebericht: Komba Island – die Insel der Tabus

Die Geonauten auf ihrer abenteuerlichen Reise zur Vulkaninsel Komba Island. Bei der kleinen Expedition entstanden faszinierende Fotos des aktiven Vulkans Batu Tara.

Komba Island – die Insel der Tabus

Im August 2011 besuchte ich mit den Geonauten Chris, Martin und Thorsten den Vulkan Batu Tara auf Komba Island. Die kleine Insel liegt gut 50 Kilometer vor der indonesischen Insel Flores und ist einer der letzten „weißen Flecken“ auf der Landkarte. Komba Island ist unbewohnt, oder zumindest fast: die Insel wird nur von den Seelen der Verstorbenen bewohnt, die an der Küste von Flores lebten. Daher ist die Insel für Anwohner der benachbarten Küsten tabu. Dieses Tabu erschwerte die Organisation unserer kleinen Expedition sehr. Im Vorfeld waren praktisch keine brauchbaren Informationen über die Vulkaninsel zu bekommen und ein Bootscharter erwies sich als sehr schwer. Einheimische Fischer lehnten es ab uns zur Insel rauszufahren. Erst nach langem Suchen fanden wir einen Thunfischfischer, der bereit war uns raus zu fahren. Das Boot brauchte gut 8 Stunden für die Fahrt und an der Insel angekommen, verabschiedeten wir uns schnell von dem Plan zum Krater des Vulkans aufzusteigen. Die Steilküste machte ein Anlanden praktisch unmöglich und die strombolianischen Eruptionen schleuderten Lavabrocken bis weit über den Kraterrand hinaus. Nach einer Inselumrundung fanden wir dann aber doch einen kleinen Strand unterhalb des Kraters, der für eine Anlandung geeignet schien. Bei Ebbe wollten wir am nächsten Morgen einen Landgang versuchen. Nachts ankerten wir in einer kleinen Bucht, beobachteten wie zwei fantastische Lichterscheinungen miteinander konkurrierten: rotglühende Lavabomben und Sternengefunkel. Die Nacht auf Deck des Thunfischfängers war wenig angenehm; zwischen den offenen Luken der Lagerräume gab es nur wenig Platz um die Schlafmatten auszurollen und beim nächtlichen Relinggang (die Toilette war unbrauchbar) musste man fürchten im Bauch des Bootes zu verschwinden.
Am nächsten Morgen wagten wir den Landgang. Dem wackligen Einbaumkanu vertrauten wir nur unsere wasserdicht verpackte Ausrüstung an und schwammen zum Strand unterhalb des Kraters. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen, denn die Lavabomben der Eruptionen kullerten über einen Steilhang ins Meer, der sich nur ca. 200 m von unserem Strand entfernt befand. Bei einem stärkeren Ausbruch würden wir hier in die Schusslinie der Lavabomben gelangen.
Als alle sicher auf der Insel gelandet waren machte sich die Schiffsbesatzung aus dem Staub; zu unheimlich war das Grollen der Eruptionen. Die Fischer wollten in der sicheren Bucht vor Anker gehen und uns am nächsten Morgen abholen. Ich hoffte, dass sie Wort halten würden, denn ansonsten wären wir in diesen fremden Gewässern gestrandet und Komba Island sieht nicht so aus, als würde es irgendwo Trinkwasser geben…
Die einsetzende Flut reduzierte unseren Strand immer weiter und abends konnten wir die Felsen, auf denen wir uns eingebaut hatten, nicht mehr verlassen. Dafür hatten wir mit einsetzen der Dämmerung einen unbeschreiblichen Logenplatz inne, um die Vulkanausbrüche zu beobachten, die alle 20 Minuten aus dem Krater donnerten. Bis zu 300 Meter hoch flogen die Geschosse aus dem Bauch der Erde, stürzten in einer irren Parabel zu Boden und krachten auf die Flanke des Vulkans. Einige blieben in Trichtern liegen, doch die meisten rollten über die Feuerrutsche zu Tal, oder vielmehr zu Wasser. Auf ihren 500 m langen Weg nahmen sie richtig Fahrt auf, hüpften und sprangen Funken stobend um letztendlich mit lautem Klatschen und Zischen im Wasser zu landen. Manche Brocken flogen dabei gut 50 Meter weit aufs Meer hinaus. Fast die ganze Nacht hockte ich hinter den Kameras, um die Ausbrüche zu dokumentieren. Dabei kann es ganz schön ermüdend sein die ganze Nacht auf einem Felsen rumzurutschen und in die dunkle Nacht zu starren. Doch immer wenn mir die Augen zufielen riss mich der laute Kanonenschlag einer Eruption aus meinen Dämmerzustand… an Schlaf war nicht zu denken. So war ich dann auch ein wenig froh, als das Fischerboot pünktlich zum Sonnenaufgang zurückkehrte und unsere kleine Gruppe wohlbehalten einsammelte.
Meines Wissens nach, gelang den Geonauten erstmals professionelle Aufnahmen der Ausbrüche am Batu Tara und ein unvergessliches Abenteuer war unsere Reise zur Insel der Tabus allemal. Im nächsten Jahr planen wir eine Rückkehr zum Batu Tara.

Weitere Informationen zum Vulkan gibt es hier:
http://www.vulkane.net/vulkane/batu-tara/batu-tara.html



Komba Island


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Kommentare

  • trollbaby

    Was für ein Erlebnis! Ich hätte nicht den Mut gehabt, dort an Land zu gehen, daher meine Hochachtung! Und Danke für diesen tollen Bericht!
    LG Susi

  • marcszeglat (RP)

    Hallo Susi,

    freut mich, dass dir der Bericht gefällt! War nicht ganz ungefährlich, aber auch nicht weiter dramatisch und als Vulkanfilmer bin ich es gewohnt, mich den Feuerbergen zu nähern. Trotzdem war es ein besonderes Erlebnis, weil der Vulkan so abgelegen und unerforscht ist.

    Lieben Gruß, Marc

    http://www.vulkane.net

  • RELDATS

    Ein wahrlich "heißer" Bericht. Toll geschrieben.
    Nette Grüße von Josef

  • umi.s

    Ich habe diesen Bericht eben erst entdeckt -- und kann Susi nur zustimmen -- danke für diesen Bericht.
    LG Ursula

  • matulr

    Ich stehe auf Vulkane! Gratulation zu diesem unvergleichlichen Erlebnis! Ebenso Gratulation zur - verspäteten - Würdigung auf der Titelleiste!
    LG ULI

  • reisefreudig

    servus Marc, gratuliere zu Deinem Bericht, war heuer auf Rinca und Kommodo, von dieser Insel haben wir gar nicht gewußt. Kann Dich verstehen, habe auch solche Ausbrüche am Yasur (Vanuatu-Tanna) erlebt, aber hier, ganze Nacht allein, tolle Leistung mit viel Mut ( gut das Euer Boot zurückgekommen ist, denn??? ),
    lg harald

  • INTERTOURIST

    Kann es sein, dass es darüber vor kurzem eine Reportage im TV gab?
    Ein genialer Reisetipp. Ich befürchte es wird mich in diesem Leben noch einmal nach Java verschlagen.

    Viele Grüße Jörg

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