Reisebericht

Reisebericht: Wie Seidenschals einem Lepra-Projekt helfen: Mag.a Vilanek und ihr „Little Flower“ in Indien

 
 
 
 
 
Reisebericht: Wie Seidenschals einem Lepra-Projekt helfen: Mag.a Vilanek und ihr „Little Flower“ in Indien

Abseits von Touristenwegen finden sich immer wieder bemerkenswerte Hilfsprojekte. Und wenn dann noch eine jahrzehntelange "Liebe" einer Österreicherin zu so einem Projekt eine "kleine Blume" zum Blühen bringt, ist die Geschichte von "Little Flower" sicherlich einen Beitrag wert!

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"Wenn du Lepra unbedingt haben willst, ich muss dich enttäuschen, sie ist schwer zu bekommen"

Irgendwo im äußersten Nordosten Indiens im Bundesstaat Bihar, der gerade mal etwas größer als Österreich ist, aber zehn Mal mehr Einwohnern hat, liegt nahe dem Ort Sunderpur das kleine Lepra-Dorf „Little Flower“, „kleine (aufblühende) Blume“.

Lepra ist in Indien immer noch eine Geisel der Menschen und wer damit infiziert ist, gilt als Ausgestoßener. Dies Bakterium vermehrt sich nur sehr langsam und bricht erst nach fünf bis sieben Jahren aus. Die Übertragung kann nur über Blut und Schleimkontakt über längere Zeit hindurch erfolgen. Um nicht aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßen zu werden, verheimlichen Erkrankte oft lange ihre Krankheit. Dadurch führt die an und für sich heilbare Lepra oft zu nicht mehr reparablen Schäden.

Eine gebürtige Innsbruckerin, Mag.a Claudia Vilanek, die seit Jahrzehnten in Salzburg lebt, wollte nicht nur zuschauen oder spenden, sondern stellte ihr Leben im Dienste von „Little Flower“.



 
 
 
 
 
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Wer schweigt, wird mitschuldig

Als Claudia Vilanek mit zwölf Jahren die Ostermesse in Innsbruck besuchte, sah sie ein behindertes Mädchen, das verzweifelt versuchte, einen Sitzplatz zu bekommen. Von den „Gottgläubigen mit starrem Blick nach vorne“ stand niemand auf, das Mädchen blieb hilflos am Rand stehen. Von diesem Erlebnis sehr berührt fasste Claudia Vilanek den Entschluss, für solche Menschen wie dieses behinderte Mädchen „Stimme“ sein zu wollen. Sie las das Buch von Amnesty International „Wer schweigt, wird mitschuldig“, half ab diesem Zeitpunkt in ihrer Freizeit in sozialen Einrichtungen und plante, verborgen vor ihren Eltern, ihre Zukunft als „Stimme der Ungehörten“. Als sie volljährig wurde, erzählte sie ihren Eltern von ihrem Wunsch. Die Mutter konnte es ihr nicht mehr ausreden, der Vater gab ihr zwar nicht seine Zustimmung, wohl aber seinen Segen. Claudia Vilanek brach nach Kalkutta auf.



Bruder Christdas, der Gründer von „Little Flower“ tritt in Claudias Leben

Claudia Vilanek arbeitete ein Monat lang im Februar/März 1983 bei den „Missionaren der Nächstenliebe“, einem Orden von Mutter Theresa. Als sie einmal Titagarh, eine Leprastation im Süden Kalkuttas besuchte, wo drei Ärzte einmal die Woche kostenlos operierten, traf sie Bruder Christdas. Dieser hatte 1981 „Little Flower“ im Nordosten Indiens gegründet, in einer Region, deren ärztliche Versorgung besonders schlecht und die Rate an Leprakranken besonders hoch war. Die frühen Morgenstunden, in denen es noch nicht so heiß in Kalkutta war und die Arbeit noch nicht rief, philosophierten die beiden oft, wie alles einmal mit „Little Flower“ sein wird.

Von Bruder Christdas stammte auch die oben erwähnte Aussage: "Wenn du Lepra unbedingt haben willst, ich muss dich enttäuschen, sie ist schwer zu bekommen".



 
 
 
 
 
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“Little Flower“ blühte auf

Mit Hütten aus Lehm hatte Bruder Christdas begonnen und sein größter Wunsch war immer, spendenunabhängig zu werden. Aus dieser Überlegung heraus gründete er in „Little Flower“ eine Landwirtschaft, eine Seidenweberei und andere Betriebe sowie eine Schule. Da es in Indien üblich ist, dass oft die Angehörigen mit dem Leprakranken ausgestoßen werden, fanden sich bald rund tausend Menschen in „Little Flower“ ein. Doch längst wohnen sie nicht mehr in Lehmhütten, sondern in wohl kleinen, aber gemauerten Häusern, jedes von einem kleinen eigenen Garten umgeben, in dem die Familie für sich selbst anbauen kann, was sie will.

Unterstützt wurde das Projekt von Anfang an hauptsächlich von der „Leger Foundation“ aus Kanada, die von Paul Émile Kardinal Leger ins Leben gerufen worden war. Bruder Christdas legte alle Einnahmen aus der Landwirtschaft auf ein Sparbuch, um „irgendwann“ einmal von dessen Zinsen wenigstens die Gehälter für die rund 170 Beschäftigten in der Weberei bezahlen zu können. Doch Bruder Christdas erlebte dies leider nicht mehr, er verstarb heuer im Sommer, die weltweite Bankenkrise der letzten Jahre hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.



 
 
 
 
 
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