Puerto Varas, das etwas deutsche Chile

Reisebericht

Puerto Varas, das etwas deutsche Chile

Reisebericht: Puerto Varas, das etwas deutsche Chile

Wir hatten leider nur vier Tage um Puerto Varas, den Vulkan Osorno und das Umland zu entdecken

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Von der Anlegestelle der Chiloe-Fähre in Pargua benötigt man mit dem Wagen schon gut eine Stunde bis nach Puerto Varas. Das ist nicht viel, aber auf der Karte sieht's nach noch weniger aus.



Das Haus von Matthias Gorny war recht einfach zu finden. Es liegt in der Wohnsiedlung oberhalb der kleinen Stadt. Wir hatten Ihn über unsere Tochter in Santiago kennengelernt. Matthias ist dort häufiger Gast im Hostel Patio Suizo, in dem Linda Marie seit einem knappen Jahr als Praktikantin arbeitet. Geschäftlich muss er häufig nach Santiago, da er als technischer Leiter für die amerikanische Umweltorganisation Oceana unterwegs ist. Er vermietet mit seiner Frau in Puerto Varas zwei Zimmer und stellt auch seinen Wagen zur Verfügung wenn er ihn selbst nicht benötigt. Wir können all jenen, die Interesse an der chilenischen Meeresbiologie im Allgemeinen haben, wärmstens empfehlen sich dort einzumieten. Sofern Matthias sich in Puerto Varas aufhält, was häufig der Fall ist, erhält man Mengen von Insiderinfos zu allen aktuellen Problemthemen und darüber hinaus. Er ist gebürtiger Deutscher und kommt aus der Nähe von Bremen, lebt aber schon seit vielen Jahren in Chile.



Puerto Varas



Puerto Varas, unsere Herberge

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In Puerto Varas, unten am Wasser herrscht in der Saison reichlich Trubel, da die Stadt „das“ Urlaubsparadies von Südchile für die Chilenen ist. Keine fünfhundert Meter vom Zentrum entfernt, die Anhöhen hinauf, herrscht aber schon wieder völlige Ruhe. Hier hatten wir dann für weitere fünf Tage unser Quartier bezogen.
Der Wagen wurde auf dem Nachbargrundstück, hinter dem hohen Zaun mit dem schweren Holztor geparkt. Diebstahlsicher. Wie alle anderen Grundstücke auch, ist das von Matthias und seiner Familie hinter einem hohen aber noch recht filigranen Eisenzaun gelegen. Einbruchsicher. Diese Situation ist aber für Chile absolut nicht ungewöhnlich. Dieses Haus macht insgesamt sogar einen sehr einladenden Eindruck.



Wir wurden schon erwartet. Leider waren wir erst eine gute Stunde später angekommen als gedacht. In Chile ist das aber kein Beinbruch, eher die allgemeine Form der Höflichkeit. Aus unseren zwei Zimmern war eins geworden, da noch andere, unerwartete Gäste angekommen waren. Zum schlafen war das Zimmer aber bei Weitem auch für drei Personen groß genug. Darüber hinaus gab's das Wohn-/Frühstückszimmer und den kleinen Raucherraum hinter der Küche zum Garten. Hier haben wir im Haus bei weitem die meiste Zeit verbracht und den Geschichten von Matthias über Meeresbiologie im Speziellen und Land und Leuten im Allgemeinen zugehört. Abends sind wir aus dem Grund und wegen unseres intensiven Erlebnisaustauschs in der Regel nicht vor zwölf/ein Uhr ins Bett gekommen.



Unsere Stammkneipe, der Kubaner...

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Als erstes sind wir dann zu Fuß ins Städtchen hinunter gelaufen. Die eigentliche Altstadt befindet sich auf dem Talboden zwischen den Hügeln und dem Ufer des Lago Llanquihue und ist deswegen auch nicht sehr groß. Der See ist bei Sonnenschein und klarem Wetter ein Traum. Der Hauptstraße folgend trifft man unweigerlich auf die Uferpromenade, die hier in Puerto Varas zu recht den Namen verdient hat. Man promeniert lässig. Der überwiegende Teil der Menschen, die man hier in den Cafés und Eisdielen sieht, hat wirtschaftlich wohl keine Sorgen. Und weil man sich keine Sorgen machen muss, ist man auch recht lässig. Nichts ist hier pompös, außer vielleicht das große Gebäude des Gran Hotel Colonas del Sur und das gegenüberliegende Spielcasino.



Wirklich pompös und deswegen auch recht beeindruckend ist der ca. 50 km entfernte Vulkan Osorno am gegenüber liegenden Ufer des Sees. Der Fuji? Hier? Keiner kann beeindruckender aussehen als das kleine Ebenbild des Fuji hier unten in Südchile. Mit fast 2.700 m ü. NN. Ist der Osorno zwar ca. 1.000 m kleiner aber dafür steht sein Fuß nur 70 m über dem Meeresspiegel. Mit seiner annähernd kreisrunden Vulkan-Kegelform und der schneebedeckten Spitze macht er mächtig was her.



Keine Frage, dass der Osorno am nächsten Tag auf dem Programm stehen sollte. Zusätzlich hatten wir für den nächsten Tag einen Kurzausflug zum Lago Todos los Santos geplant. Dieser See liegt von Puerto Varas aus gesehen nordöstlich hinter dem Osorno und zieht sich, in mehrere Seearme aufgeteilt bis fast an die Argentinische Grenze. Im Gegensatz zum Lago Llanquihue liegt dieser See schon weit abseits von den Touristenströmen. Hier gibt es auch nur noch sehr vereinzelte, kleine Ortschaften.
Man erreicht den See über die mittlerweile sehr gut ausgebaute Straße von Ensenada nach Petrohue. Unser erstes Ziel an dem Tag war aber nicht der See, sondern war der Weg von Puerto Varas zum Osorno selbst. Die Strecke ist malerisch schön, mit der grünen Hügellandschaft auf der einen und dem See mit dem Vulkan auf der anderen Seite der Straße.
In der Gegend von Los Riscos führt einen die südöstliche Küstenstraße des Lago Llanquihue vorbei an alten, ehemals deutschen Bauernhöfen, die nun zum Teil als Gasthöfe oder kleine Hotelanlagen geführt werden. Der deutsche Stempel, den die Aussiedler den Dörfern und den Häusern hier oftmals aufgedrückt haben, ist sehr auffällig. Erstmals haben wir das aber nicht als schlecht oder kitschig angesehen, sondern als angenehmes Überbleibsel einer lange gelebten Tradition.


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Kommentare

  • astrid

    Ein schöner Bericht, der Erinnerungen weckt und den Wunsch unbedingt nochmals hinzufahren!
    LG Astrid

  • RC-Redaktion

    Sehr schöner und detaillierter Bericht, gespickt mit einigen hilfreichen Tipps. Unsere heutige Empfehlung!

  • Aries

    Ich hatte 5 Jahre...
    Vielen Dank für diesen Bericht, den ich oft zustimmend nickend gelesen habe.
    Die Jahre dort, die unglaublich schöne Natur Chiles, das Leben in einer anderen Mentalität und das Eintauchen in eine andere Sprache haben mein ganzes Leben geprägt.
    LG Hedi ( früher wohnend in La Unión, 40 km nördlich von Osorno)

  • Blula

    Schaue immer gerne nach dem Reisebericht des Tages und wurde so auf diesen Chile-Bericht von Dir aufmerksam. Chile interessiert mich sehr und deshalb habe ich mich sogleich drüber gemacht. Sehr gut, unterhaltsam, interessante Hintergrundinformation und wunderbare Fotografien! Zurecht die Empfehlung des Tages! Vielen Dank!
    LG Ursula

  • Schili

    Jo. Du hast es drauf. Jeder Reisebericht von dir ein Volltreffer. Ich bin - ohne falsche Bescheidenheit - schon recht üppig in der Welt rumgekommen. Und so schön und reizvoll ich viele ferne und exotische Orte als Urlaubsdestination temporär empfand, so blieben mir tatsächlich nachhaltig nur ganze drei im Gedächtnis, bei denen ich mir vorstellen könnte, dorthin auszuwandern bzw. meinen Lebensabend irgendwann mal dort zu verbringen. Und dazu gehört - zum Erstaunen meines persönlichen Umfeldes - tatsächlich Chile. :-)

    Gruß aus Köln.

  • rolo88

    Hallo Thomas,
    erst mal vielen Dank für deine Meinung zu meinen Reiseberichten. Ja, Chile ist tatsächlich ein Land, das ich erst mal gar nicht auf dem Schirm hatte. Erst durch den Langzeitaufenthalt unserer Tochter in Santiago, hatten wir einen Grund, das Land zu besuchen. Ich bin immer noch hin und weg von der Vielfalt des Landes und hatte mich noch im Dez 2010 darauf festgelegt, meine Erinnerungen und Erfahrungen als Reiseberichte hier zu veröffentlichen. Erinnerungen und Erfahrungen waren tatsächlich ausschließlich sehr gut. Das kommt dann in den Berichten wahrscheinlich wieder ans Licht.
    LG aus Essen,
    Rolf

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