Lost in Ireland. Teil 3 - Strandurlaub auf Achill Island?

Reisebericht

Lost in Ireland. Teil 3 - Strandurlaub auf Achill Island?

Reisebericht: Lost in Ireland.  Teil 3 - Strandurlaub auf Achill Island?

Og tuile is og trà
O
Chartheann an thorrarge
an Lò

Achill Island
Hier, auf Achill Island, möchte ich, wie viele Iren, einige Tage einfach nur relaxen, warme sonnige Tage an einem wunderschönen Strand verbringen. Nicht dieses Jahr! Es regnet.
Burrishoole Abbey: Friedhof und alte Kirchengemäuer schaffen bei Nieselregen eine besondere Stimmung. Lange schleiche ich durch die alten Gewölbe
Der „Atlantic Drive“ ist auch bei Nebel und Regen beeindruckend. Wilde Küste mit hohen Cliffs und kurzgeschorenen Hochebenen wechseln sich ab. Manchmal blinzelt die Sonne. Der nächste „Drive“ bringt mich zu einem von Schafen besetzten Friedhof. Viele Schafe liegen auf den Gräbern, wärmen sich an den Kieselsteinen, suchen Schutz an den Grabsteinen und fürchten mich nicht.



Pulloverschafe



Achill Island

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Durch eine Straßenbrücke über den Achill Sound (Gob an Choire) ist Achill Island mit dem Festland verbunden.



Ausgerechnet hier wohne ich in einem vorab gebuchten Hotel mit einem extrem unfreundlichen Mann an der Rezeption. Das Zimmer wechsle ich sofort, dennoch zeigt das Fenster zum Hinterhof des Nachbarn, zu einer alten Autowerkstatt und nicht zur Bucht des Ortes Keel. Es ist kalt, die Heizung funktioniert nicht. Selbst im Bett friere ich erbärmlich.
Immerhin, das Essen ist vorzüglich.
Campingplatz links, Kirmes-Rummel rechts lasse ich liegen und mache mich auf zur Keem Bay (Cuan na Coíme). Die Straße windet sich eng den Berg hoch und dann wieder hinab zur Bay. Das Wasser erscheint tatsächlich in den tollsten Grün- und Blautönen, sobald ein Sonnenstrahl erscheint.



Irische Farben



Leider regnet es immer wieder so heftig, dass ich auf meine geplante Cliffwanderung auf dem Sattel verzichte. Stattdessen krieche ich durch alte Ruinen. Zu Füßen des Berges Slievemore stehen entlang eines etwa ein Meilen langen Fußpfades die Überreste von etwa 100 Steingebäuden. „Deserted Village“. Warum diese Siedlung verlassen wurde? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Jedenfalls spricht ein Megalithgrab gleich nebenan für eine ungefähr 5000 Jahre alte Besiedlung.



Deserted Village



Weit oben in den Moorwiesen entdecke ich bunte Flecken. Meine Ahnung bestätigt sich, Archäologen sind am Werke. Junge Leute, u.a. Archäologiestudenten aus den USA und Italien, graben hier engagiert für einige Wochen im Jahr. Den größten Teil ihres Aufenthaltes auf Achill Island finanzieren sie selbst, erzählen sie mir. Stolz zeigt mir der englische Leiter dieser Gruppe ein gerade entdecktes Fundstück. Alter: 4000 Jahre? Zuversichtlich glauben alle daran, noch fantastischeres Material zu finden.



Genau Hier !



Villa Kunterbunt

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Vorbei an einem Hexenhäuschen, führt ein schmaler Weg zum Tuama Meigiliotach. Auch hier haben Schafe das Megalithgrab für sich entdeckt.



Sommer



Minau (403m)
Um diesen Berg peitscht ein heftiger Sturm. So richtig spüre ich das, als ich aus dem Auto steige. Nun verstehe ich auch, warum das mir folgende Auto schnell wieder umkehrt.
Ich aber krieche zum Rand des Plateaus- und erlebe ein unheimliches Spektakel direkt vor mir. Der Atem stockt bei solchen Lichtverhältnissen.



Lichtblicke bei Unwetter



Stürmisches Surfen

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Unten im Wasser stürzen sich wagemutige Surfer in die Fluten.



Surfen bei Unwetter



Durchblicke

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Am nächsten Tag schaue ich zum Regen verhangenen Himmel, sehe einige wenige blaue Lücken, und fahre auf die blaue Flecken zu. In Inisbiggle ist es trocken. Da jetzt bei Flut der Küstenstreifen unter Wasser ist, laufe ich auf Steinen am Hang entlang. Eine verfallene Picknickbank, ein Torbogen auf einer Wiese, ein aufgegebenes Schwimmbecken. Ein gewisser Zauber geht von diesem Zerfall aus.
Schwierig ist der vermeintliche Weg, über Stacheldraht klettere ich.



Schwimmen unter Palmen



Nur ein Esel stellt sich mir in den Weg, als ich endlich einen ganz normalen Weg zurück zum Auto finde.



STOPP !



Vor einiger Zeit fiel mir eine alte Fotografie der Hauptstraße des Ortes Dooagh in die Hände.
Diese erinnerte mich an meine Heimat, allerdings vor meiner Geburt. Diesen Ort wollte ich sehen. Wie enttäuscht bin ich, als ich nun eine geteerte breite Straße vorfinde mit sauberen Häusern links und rechts.
Und doch: zu Fuß erkunde ich die Nebenstraßen- und hier ist die Atmosphäre, die ich suchte. Schotterwege, Bruchsteinhäuser, eine Milchtüte vor der Tür,



Dooagh, abseits der Hauptstraße



die qualmende Tonne mit Torf vorm Haus, Stapel von Torf-Briketts. Vielleicht ein wenig Irland für Träumer.



Torf im Dorf



Abends besuche ich eine Dichterlesung. Laut Ankündigung sollten nur Dichter von Achill Island zu Wort kommen. Und was erlebe ich? Bis auf eine Frau sind alle Autoren aus dem Ausland, einer sogar aus Las Vegas, der gerade seiner Familie die Heimat seiner Ahnen zeigt.
Hier macht mir die gälische Sprache nicht so viele Probleme, auch wenn ich nicht jedes Wort verstehe, die Zusammenhänge verstehe ich schon. In der Pause wird selbstgebackenes Essen herumgereicht. Ich, die ich wohl die einzige fremde Zuhörerin bin, werde herzlich aufgenommen. Es ist wie eine große Familienfeier. Diese Lesung im Pub endet spät und fröhlich mit viel Musik. Stockdunkel ist die Nacht. Vor dem Pub stehen meinem Gefühl nach nur schwarze Autos. Welches ist meins? Ein Klick am Autoschlüssel: ein Blitzgewitter geht los. Auf einmal blinkt es überall. Und doch finde ich mein Auto.
Am folgenden Tag verabschiede ich mich von Achill Island. Es waren nicht die vor der Reise gewünschten Sommer-Sonne-Wasser-Strand-Lese-Tage zum Kraft tanken. Es waren wenige Tage mit sämtlichen Facetten eines Irland-Aufenthaltes von „Nix wie weg“ bis „Ich komme wieder“.


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Kommentare

  • Gaby13

    Ja, Achill Island bietet alle Wettergegensätze, ab und an Sonne und fast nie ohne Wolken. Immerhin konnten wir im Sommer 1991 das sonnige Strandleben von Keem tatsächlich genießen.:-))
    Ich freu mich schon auf den nächsten Teil Deiner Reise.
    LG Gaby

  • astrid

    Schön ist's mit Dir zu reisen!
    LG Astrid

  • reisegerne

    Ein sehr ausführlicher Bericht. Ich bin auch dabei, mir einen halbwegs komfortablen aber individuellen Irland-Reise zu buchen und hoffe, dass ich bei UrlaubsPlus by FTI etwas Passendes finden kann, was mir auch viele Freiheiten während meines Urlaubs erlaubt.


  • shootingstar

    Viele stimmungsvolle, schöne Fotos und ein ganz wunderbar schöner Bericht zur Reise. Gefällt mir sehr sehr, gut!!!!!
    LG Claudia

  • Vigl

    Coool ! Ich glaub ich muss auch schon bald mal wieder nach Irland reisen ;-)

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