Sex-Touristen, klauende Affen und Korruption

Reisebericht

Sex-Touristen, klauende Affen und Korruption

Reisebericht: Sex-Touristen, klauende Affen und Korruption

In den letzten 24 Stunden: Klaut mir ein Makak den letzten Kaugummi im Affenwald von Ubud, meine Freunde feiern idyllisch ihre Flitterwochen im Patma Bali. Die Ladyboys würde mich am liebsten auf der Straße vernaschen und auf dem Weg zur Party erwischen mich die Cops bei Fahren ohne Führerschein. Bali kann so anstrengen sein ...

Affen auf einer Lichtung in Ubud/Bali



Das Paradies, die Hölle.

Lass mich Dir an dieser Stelle von meinem Tag berichten. An diesem Morgen war ich im Affenwald von Ubud – eine im Landesinneren gelegene Stadt auf Bali. Ich lese gerade meine viel zu teuer erworbene Tageszeitung, als mir ein Affe, ein Makak, die letzte Packung Airwaves aus der Tasche klaut– meine Zeitung bekam er nicht.

Makaken sind wohl eine besonders feindselige Affenart.

Mein anfänglicher Ärger verflog schnell, ging ich doch davon aus, dass es dem diebischen Biest nicht besonders gemundet hat und die Kaugummis ihm vielleicht den Magen verklebten und er nun daran zugrunde gehen muss. Dieser Gedanke wiederum drückte auf meine Stimmung, wollte ich doch nie ein unschuldiges Wesen, das möglicherweise unter Artenschutz steht, durch meine Unachtsamkeit dem sicheren Tod ausliefern – Airwaves kauf ich keine mehr.

Unter Schock und Angst vor Greenpeace, bestieg ich mein Moped und verlies schnellstmöglich den Ort des Geschehens; nichtwissend, dass es nicht besser werden würde an diesem Tag. Richtung Süden fuhr ich der Sonne entgegen und fühlte mich wie der Easyrider auf der Route 66, eben nur ohne Route 66 und ohne Harley. Natürlich ist auch „Der Sonne entgegen“ nicht ganz richtig, denn ich fuhr ja in den Süden und bekanntlich steht die Sonne am Morgen im Osten und am Abend im Westen, nie jedoch im Süden, aber es hört sich doch nach Abenteuer an, wenn man so schreibt. Also, ganz korrekt würde es heißen: Ich tuckerte auf meinem geliehenen Yamaha Roller, mit konstanten 40 km/h in Richtung Süden.

Nach einer recht sinnfreien Fahrt kam ich wieder dort an, wo ich am Tag zuvor gestartet war, dem El Arenal der Tropen, Kuta Beach. Dickbäuchige Australier frönen hier ihrem Hedonismus und wackeln unter zu viel Alkoholeinfluss allabendlich zu einer Art Musik, die man unter dem Titel „Ballermann Hits – Titten und Saufen!“ ohne Hindernisse an deutsche Kegelvereine verkaufen könnte.

Es war erst Mittag und zu dieser Zeit verkriechen sich die Aussis -Gott sei Dank- in ihren Hotelzimmern, besudeln ihre Toiletten. Sonne haben sie ja auch genug zuhause in Downunder und Strand auch, wenn es nun auch noch Alkohol in Australien gibt, dann frage ich mich: Warum zum Teufel fliegen -die- nach Kuta Beach? Ich komme schnell auf eine Lösung - es ist die Musik!

Weiter. Mein Glück war, dass ich noch ein Zimmer in dem Hotel bekam, in dem ich vor 48 Stunden bereits genächtigt hatte und die nette Dame an der Rezeption nur etwas mehr Geld wollte, als die Nacht zuvor. Mein Pech war, dass Mr. Sextourist aus Deutschland, in Begleitung seines indonesischen Loverboys, eine mehrtägige Rundreise durch Bali machte und ich deshalb sein Zimmer bekam. Dies veranlasste mich, meine Isomatte und meinen Schlafsack auszupacken und über das Bett zu legen, bevor ich mich einem kleinen Mittagsnickerchen widmete.

Erwacht und voller Tatendrang rief ich Simon an, der in einem fünf Sterne Bunker gemeinsam mit seiner Frau, nur wenige Meter weiter seine Flitterwochen genoss. Natürlich durfte ich dabei nicht fehlen, die Freunde möchte man doch an so etwas einmaligem wie den Flitterwochen teilhaben lassen.

Ich lud mich also auf ein Bier bei den beiden ein, warf einen letzten Blick auf mein Sextouristen-Zimmer der untersten Preisklasse und ging zu meiner –Maschine-, noch so eine Übertreibung, die dem Easyrider gerecht wird!

Zu meiner Überraschung rekelte sich auf meinem Roller gerade ein bärtiger Ladyboy, schmiss lasziv seine Haare in den Nacken und fragte mich, ob ich Sex wolle! Ich dankte lächelnd und verneinte, überließ den Roller dem Ladyboy und beschloss die wenigen Meter zu den beiden zu laufen. Anders ausgedrückt: Ich rannte um mein Leben.



Drachen in Ubud



„Sexy-Massage!“ - "Terima kasih, Bu!"

„SEXY-MASSAGE!“, krakeelt es von der Seite und eine zierliche, äußerst attraktive junge Dame schaut mich lüstern an. Ich hatte schon immer diese Wirkung auf Frauen!

Da ich mir über mögliche finanzielle Interessen der Dame dann doch nicht ganz so sicher bin, lehnte ich dankbar mit den Worten ab: „Terima kasih, Bu!“. Das heißt dann so viel wie „Vielen Dank, Mutter!“, ich bemerkte meinen Fehler, erntete einen skeptischen Blick und schlich mich davon.

Diese zwanghafte Angewohnheit bekloppter Touristen, die Sprache der Einheimischen aufzuschnappen, stiftet doch nur mehr Verwirrung als Klarheit. In diesem Punkt beneide ich die Amerikaner und Australier gleichermaßen, die sind gegenüber anderen Sprachen und Kulturen ja bekanntlich äußerst resistent.

Angekommen im Padma Bali, schritt ich durch die imposante Parkanlage, die viele kleine indonesische Hände mit viel Liebe angelegt hatten. Unglaublich aber wahr, dass sich dem weißen Europäer schon nach wenigen Sekunden in einer derartigen Umgebung, die koloniale Herrschaftsstimmung vergangener Jahrhunderte aufdrängt und er mit großem Gehabe, den devot grüßenden Angestellten gebieterisch zuwinkt, wie einst Karl der Große. Schließlich wissen die fleißigen Arbeitsbienchen des Hotels ja nicht, dass ich in einer schäbigen Bleibe für zwei Euro die Nacht schlafe, wo sich sonst wilde Orgien zwischen hundertjährigen, sabbernden Weißen und blutjungen Indos abspielen.

Ich erreiche Zimmer 110 und freue mich vertraute Gesichter zu sehen.

Einige Bier später verließ ich das Hotel bereichert um ein angenehmes Gespräch und einigen Moskitostichen. Das Ressort verlassend trabte ich alleine zurück zu meinem Hotel. Die beiden ließ ich in trauter Zweisamkeit in ihrem Luxuszimmer, mit der warmen Dusche, einer Klimaanlage, Minibar und Stühlen zurück. Lieber Freund, an dieser Stelle möchte ich doch bitte ein wenig Mitleid einheimsen. Doch ich wäre nicht Albert Weltenbummler, wenn ich mich von solch widrigen Umständen unterkriegen lassen würde! Also schwang ich mich erneut auf meinen mittlerweile Ladyboy-freien Roller und düste in Richtung Zentrum.

Dorthin wo die Party abgeht, wo fette Körper sich in epileptischen Zuckungen aneinander reiben, ins Epizentrum sinnfreier Unterhaltung und Eimersaufen. Genau da wollte ich hin. Es blieb beim Wollen.

Wenige Meter von meinem Hotel entfernt, fand gerade eine Polizeikontrolle statt. Ich stand an der Ampel als ich den Bullen entdecke, er sieht mich und fängt an mich hektisch heran zu winken. Ich stehe an der Ampel, er auf der anderen Seite hampelt immer noch rum, ich überlege abzuhauen, entschließe mich aber dagegen. Meine Fantasie hat die Schlagzeile in der Bild-Zeitung schon gedruckt: „Deutscher stirbt bei Verfolgungsjagd auf Bali!“. Den Tod vor Augen hadre ich mit dem Schicksal. Der Bulle winkt weiter und kriegt gleich einen Wutanfall, also schaue ich nach rechts, kommt nix, links, kommt auch nix und fahre zu ihm rüber.

Schließlich sitze ich vor einem ziemlich großen und breiten indonesischen Officer und der Scherzkeks meint doch tatsächlich zu mir: „Sie haben die rote Ampel überfahren!“. Ich lese schon die Schlagzeile der Bali Daily vor mir: „Deutscher tötet Polizisten bei Routinekontrolle!“.

Zähneknirschend suche ich fiktiv nach meinem Führerschein, hatte ich nie, werde ich nie haben, aber man muss ja wenigstens so tun als ob. Meine Schmiergeldkasse schrumpft. Doch der hier ist von der hartnäckigen Sorte. Er fragt mich woher ich komme, ich sag Deutschland, er freut sich und sagt stolz: „Ahh, Manchester United!“, ich sag: „Nein, AC Milan!“ und denke ‚Trottel‘.

Wir einigen uns auf 150000 Rupiah, so ungefähr elf Euro, die ich ihm hinter seiner fetten Bullenkarre reiche. Keine Schlagzeile, kein Mord, nur ein bisschen Korruption. Ich fühle mich wie der Pate, setze mich auf meine Gangster Karre und verzieh mich. Die Lust auf besoffene Australierinnen ist mir vergangen und ich freue mich auf mein Schmuddelbett im Sextouristen-Hotel.

Du siehst, es ist nicht immer leicht hier drüben, aber ich schlag mich durch. Dann mach’s mal gut.


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Kommentare

  • 238EWT

    Köstlich. So lerne ich Bali mal von einer anderen Seite kennen. Eine Frage bleibt: Wenn schon "dickbäuchige Aussis" nach Kuta fliegen, um Musik zu hören - warum Du als sportlicher Mädchenschwarm? Und das bei einer Flugdauer oneway, die etwas länger ausfällt als das Inselhopping von Darwin nach "Bullaman"? Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung Deines Reiseberichts, weil höchst vergnüglich und präzise formuliert. Aber bitte mit einigen Fotos als Zugabe.
    LG Eberhard

  • hutzelzippe4

    Ich schließe mich Eberhard an, wirklich klasse geschrieben und so lebendig, das ich nicht mal Fotos vermisst habe. :-)
























  • Al_Bule_Gila

    Vielen Dank für die netten Kommentare! :) Ein paar Bilder habe ich nachgeliefert. Grüße, Albert

  • u18y9s26

    Bin ganz deiner Meinung, Affenwald, Kuta, Straßenverkehr auf Vespa, etwas fürchterlicheres kann einem auf Bali auch kaum einfallen. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung deiner Bilderbuchreise.
    LG Ursula

  • Elaira

    Danke für diesen sehr witzig und kurzweilig geschriebenen Berich, der statt der verklärten Palmen- und Tempelidylle eine andere Sicht auf die Insel zeigt! Obwohl du an diesem Tag wahrscheinlich weniger Spaß hattest, war es sehr amüsant zu lesen! Freue mich schon auf eine Fortsetzung! LG Tamara

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