Mit dem Wohnmobil auf "Jakobs Wegen" (Spanien 2010)

Reisebericht

Mit dem Wohnmobil auf "Jakobs Wegen" (Spanien 2010)

21.09.2010 Weiterreise von Roses nach Huesca/Aragonien

Wir beginnen mit der Berichterstattung in Roses (Girona) Cataluña-Spanien ...
(Fotos zum Bericht am Ende des Berichtes.)
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Gestern Abend haben wir auf unserem Campingplatz "Salata"noch alles "klar Schiff" gemacht, da wir ja heute schon früh los wollten. Auch früh schlafen gegangen sind wir, denn vor uns lag eine lange Strecke von mindestens 400 Kilometern. Das erste Mal wach wurden wir allerdings, als unser französischer Nachbar meinte,um 12 Uhr noch ne leere Flasche in den Glas-Container schmeissen zu müssen. Jeder weiss, wie das scheppert, vor allem, wenn es ringsherum mäuschenstill ist. Und wir waren beileibe nicht die einzigen, die abrupt aus dem Schlaf gerissen worden waren. Den zweiten Dämpfer erhielten wir, als ein anderer Nachbar meinte um fünf Uhr früh seine Pulle entsorgen zu müssen. Wieder standen alle Nachbarn senkrecht im Bett und das Geschimpfe war nicht zu überhören. Was den wackeren Säufer aber wohl nicht weiter störte.
Als wir dann verspätet um 7:30 Uhr wach wurden, war der Himmel dicht. Tiefe Wolken hingen über den Hügeln rings herum, und es sah mächtig nach Regen aus. Wir wollten ursprünglich um 8 Uhr fahren, und so liessen wir kurzerhand das Frühstück ausfallen, um wie geplant pünktlich weg zu kommen. Auf dem Weg zur Autobahn tankten wir noch einmal den Wagen voll, weil wir davon ausgingen, dass der Sprit im Hinterland teurer wäre - war ein Irrtum, wie wir jetzt wissen, er ist hier bis zu 3 cent billiger...
Mal eben frische Brötchen und Kaffee zu holen an einem der grossen Supermärkte - war nicht. Die machen erst um 9:15 Uhr auf - die Glücklichen. Und so fuhren wir Richtung Autobahn A7, um dort ein Stück zu fahren, bis wir abbiegen konnten ins Hinterland, um über Vic nach Lheida und Huesca zu fahren - hungrig selbstverständlich.
Toll war allerdings, als wir von der 3-Stationen-Autobahn auf die Landstrasse fuhren, dass diese erste Sahne war und unbedingt zu empfehlen, wenn man das Land kreuzt so wie wir. Da wird auch noch heftig dran gebaut, und es gibt unzählige Brücken und Tunnel (bei 16 Tunneln habe ich aufgehört zu zählen). An manchen Stellen gab es deswegen eben Strassenverengungen oder schmale, gekrümmte Ersatzwege auf denen man allenfalls 60 km/h fahren konnte und durfte. Und überall standen diese Radar-Control-Schilder. Also fuhr ich ausnahmsweise mal vorschriftsmässig. Das wiederum passte einem LKW-Fahrer hinter mir nicht. Nicht nur, dass er fast auf unserer Stoss-Stange hing, er hupte auch dauernd. Auch als ich 90 fuhr, war das noch nicht gut genug. Aber irgendwann kriegte er die Kurve, um uns zu überholen. Natürlich hupte er wieder als er auf gleicher Augenhöhe war, aber dann passierte was, das mir die Lachtränen in die Augen trieb: der Beifahrer zog die Hose und Unterhose herunter und zeigte mir seinen blanken Hintern. Ach Gottchen, und das in meinem Alter von einem Spanier - welch ein Tag. Wann hat man schon mal das Vergnügen, einen spanischen Nackt-Arsch zu sehen, und das bei 100 Sachen? Wir waren beeindruckt, grins....
Viel mehr beeindruckt waren wir allerdings von der grandiosen Landschaft. Wir hatten zwar eine lange Weile viel Regen, Nebel und tiefhängende Wolken, aber irgendwann kam die Sonne wieder durch, und es wurde richtig warm - Klimaanlagen-tauglich.
Und die Strasse war immer noch erste Sahne. Mittlerweile befanden wir uns auf einer kostenlosen Autobahn A2, und auch wenn unser Navi meinte, wir sollten unbedingt nach Huesca abbiegen, als er es wollte, hörte ich wie immer nicht darauf. Und so bekamen wir das absolute Highlight des Tages geboten: eine Landschaft, die auch in den USA hätte sein können. Endlose, schnurgerade Strassen, Lehmhügel-Lehmlandschaften in rot-braun, tolle Hügelformationen, einfach alles KLASSE. Die Bilder sagen mehr, als ich schreiben kann.
Für die letzten 100 Kilometer brauchten wir mehr als zwei Stunden - im strahlenden Sonnenschein und einfach toll. Die Landschaft wechselte sich ab mit riesigen Obst-Plantagen - gerade wurden Äpfel geerntet, wie wir im Vorbeifahren sahen. Aber auch endlosen Feldern bis zum Horizont mit noch grünem oder bereits braunen Mais. Auch Sonnenblumenfelder in dieser endlos schönen Landschaft. Besonders beeindruckt hat uns, dass in der Gegend noch Häuser standen, denen man ansah, dass sie "handgemauert" waren mit Lehmsteinen, die wohl selbst in Formen gegossen worden waren. Und dann das ganze verputzt mit Lehm. Natürlich hatte auch jedes Dorf auf diesem Weg mindestens seine eigene Kirche. Manchmal auch noch ein Kloster oder ähnliches. Kurz, eine Supertour. Macht Lust auf mehr.
Zu erleben ist diese Tour, wenn man an Lheida auf der kostenlosen Autobahn vorbei fährt Richtung Zaragoza und erst dort abbiegt, wo die S131 nach Huesca ausgeschildert ist!
Gegen 16:30 Uhr landeten wir dann in Huesca. Dort gibt es einen Campinplatz mitten in der Stadt. Allerdings ist hier nichts mehr los, denn der Platz macht in 14 Tagen zu. Aber er hat WiFi und das war erst mal vorrangig. Und nun sitzen wir hier, geniessen die Sonne auf dem fast leeren Platz. Morgen wir es spannend. Da gehts hinauf in die Berge und dann schaun mer mal....



22.09.2010 Weiterfahrt nach Lumbier

Als erstes haben wir heute mal lange geschlafen. Es war so mucksmäuschenstill, dass wir nicht gemerkt haben, dass es schon nach 8:30 Uhr war als wir endlich aufstanden. Da wir ja momentan gezwungenermassen das Frühstück ausfallen lassen, kamen wir gegen 9:15 Uhr dann auch weg - nicht ohne vorher das Campinplatz-Eingangstor mit viel Kraft aufgeschoben zu haben.
Zwei Dinge wollten wir noch tun: die Kathedrale in Huesca suchen und evtl. besichtigen und danach McDo aufsuchen, wegen Frühstück und so. Gestern spätnachmittag hatte es dermassen gewittert und aus Eimern geregnet, dass wir nichts mehr unternehmen konnten. Heute morgen hatten wir ein anderes Problem. Es regnete zwar nicht mehr, aber Menschenmassen waren schon unterwegs, und es gab keine Stelle, wo wir mit dem Wohnmobil mal hätten halten/parken können. Entnervt gaben wir nach einer Weile nutzloser Versuche auf. Wenigstens bei McDo nen Kaffee und ein Croissant dachten wir uns. Tja, McDo war leicht zu finden, aber die machen erst um 11:30 Uhr auf. So fuhren wir also wieder hungrig los.
Aber das, was landschaftlich dann auf uns zu kam, war mehr als Entschädigung, trotz knurrendem Magen.Wir fuhren wie geplant auf die A-132 in Richtung Puenta la Reina de Jaca. Auch wieder so eine Traumlandschaft mit roten Sandfelsen, weiten Blicken durch gelbe Täler, grüne Wälder mit Strassen da durch und dann wieder Hügel in allen Farben. Und dann ging plötzlich eine Strasse nach rechts ab mit dem Hinweis: "Los Mallos de Riglos". Rechts von uns türmten sich im Sonnenlicht knallrote, runde und dicke Säulen hoch. Wir also abgebogen in der Hoffnung, dass es strassenmässig auch für Wohnmobile passt. Eine tolle, ca 6 km lange, schmale aber gut ausgebaute Strasse führte uns höher und höher. Dann ein Bus-Parkplatz! - und somit war geklärt, dass das eine Touristen-Attraktion sein musste. Es war still, sehr still dort oben, trotz des kleinen Touri-Ortes namens Riglos. Und plötzlich hörte man Stimmen aus den Felsen. Und tatsächlich, da krabbelten doch ein paar Leute in den Felsen herum. An anderer Felsen-Stelle sah man viele Geier-Nester und einige kreisende Geier eher von Ferne als von nah. Unter all den roten Säulen stand als Höhepunkt des kleinen Ortes an oberster Stelle eine Kapelle - ein Jacobus-Stützpunkt! Gehört zum französischen Jakobs-Weg.
Wir fuhren wieder zurück auf die Hauptstr. A-132, und weiter ging es. Traumhaft weiterhin schön. Hinter uns dieses Mallos, links von uns eine Art Mittelgebirge, rechts von uns und tief unten ein Fluss. Und die Strasse schlängelte sich am Flussbett entlang bis wir an einem Stausee auskamen. Nicht ohne vorher noch spektakulär mit einem Stein-Felsentor verabschiedet worden zu sein.
Eine kleine Spritztour mit so tollen Folgen, Klasse. Doch da es bereits fast Mittag war, mussten wir nun dran ziehen, um wenigstens unser Tagesziel geregelt zu bekommen. Und wieder ging die Strasse hinauf ins "Mittelgebirge", dann wieder runter, dann wieder durch endlose Landschaften, um schliesslich unvermittelt in "Puente la Reina de Jaca" zu enden. Als erstes kam uns dort ein Pilger entgegen und als zweites sahen wir das Jakobsschild.
Wir überlegten, ob wir den geplanten Abstecher nach Hecho überhaupt machen sollten, oder direkt links rum am Yesa Stausee entlang zu unserem Campingplatz in Lumbier.
Wir entschieden uns für Hecho - eine weise Entscheidung. Der Ort ist offensichtlich ein Skiort, der auch in Österreich stehen könnte. Jede Menge Apartmenthäuser, die so gar nicht zum alten Stil des Ur-Dorfes passen wollten, aber trotzdem nett. Wir fuhren durch den Ort und noch 3 Kilometer weiter in den Ort "Siresa". Dort ist ebenfalls ein Jakobs-Knotenpunkt der französischen Variante. Die Kathedrale lag zwar griffbereit vor uns, war aber geschlossen. So fuhren wir dann wieder zurück nach Hecho. Kurz vor bzw. von uns aus hinter dem Ort geht eine schmale Strasse ab, die durch eine tolle Schlucht führen und irgendwann auf einer Kreuzung enden sollte, die einerseits nach Anso in den Bergen Richtung Frankreich/Pyrenäen und andererseits nach Berdun, zurück am Yesa-Stausee führte. Nun ja, die Schluchtstrasse war a la Österreich, breit, sogar mit fest eingebauten Schnee-Mess-Pfeilern. Und wahnsinnig einfach und bequem zu fahren, da breit und sichtbar neu gestaltet. Also nix mit enger Schlucht. Zugegebenermassen, zu diesem Zeitpunkt waren wir froh, denn wir hatten so viel Tolles erlebt, dass wir "abgefüllt" waren für den Tag. Und so kam uns die schnelle Schlucht-Tour dann doch entgegen.
Aber dann kam doch noch der absolute Knaller des Tages: die Strasse A1602 zurück nach Berdun. Dafür finde ich einfach keine Worte mehr. Superschmal - na gut ein Radfahrer wäre noch an uns vorbeigekommen - asphaltmässig nicht besonders, aber die Gegend... Und als wir dachten, wir hätten die ungefähr 25 Kilometer mit "ah und oh und Wahnsinn und ist das toll" abgeschlossen, kam der Hammer: eine sehr schmale Schlucht zum Durchfahren und Felsen zum Greifen dicht über dem Auto - die Schlucht heisst übrigens "Foz de Binies" - und da konnte der restliche Tag dann nichts mehr draufsetzen. TOLL-TOLL-TOLL!
Der Rest der Fahrerei war dann nur noch Anstrengung, vor allem mit nichts ausser einem klitzekleinen Croissant von gestern von Lidl im Bauch. Wir kamen kurz nach 16:00 Uhr hier auf dem Platz an und als erstes wurde gekocht und gegessen. Und nun sind wir in jeder Weise abgefüllt, mit Essen und mit Erlebnissen. Aber Bilder sortieren und fertig machen und diesen Text - das musste dann noch sein. Hier gibt es kein Internet und so werden wir morgen früh gegen 8 Uhr wieder auf der Piste sein. Und wenn wir es schaffen werden wir in Santo Domingo de Calzada übernachten...



23.09.2010 Kornkammer,Wein und Wasser

Heute morgen wollten wir eigentlich um 8 Uhr schon auf der Piste sein, aber es zog so gar nichts aus dem Bett. Gestern abend war noch ein Wohnmobil eingetrudelt - so waren wir nicht so mutterseelen-allein auf diesem grossen Platz. Dass es dazu auch keine Nachtbeleuchtung auf dem Platz ausser einer gelben Funzel im Sanitär-Bereich gab, machte es auch nicht angenehmer.
Gegen 8:30 Uhr heute morgen waren wir dann aber doch auf der Piste - natürlich ohne Frühstück. Jetzt sind wir schon eine ganze Woche unterwegs, und wir konnten noch nicht einmal zeigen, was wir so lecker gegessen hatten - es gibt einfach nix als aufgewärmte Suppe aus der Dose oder Frankfurter Würstchen im Glas aus unserer Bordverpflegung, seufz...!
Als erstes wollten wir uns heute noch die "Foz de Lumbier-Schlucht" antun, samt Fussmarsch. Gott sei Dank war der Himmel bedeckt, und es war nicht so drückend warm. Die Lumbier-Schlucht zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Art Klamm ist, und man einen "wilden" spektakulären Blick gehabt hätte. Und ab und zu kreisen da auch Gänsegeier. Dazu einen Tunnel, Brücken und Natur pur. Parkplatzgebühr 2.- Euro ab 8:00 Uhr. Aber der Kassierer dafür war nicht da, und die Fuss-Strecke war gesperrt und nicht benutzbar. So drehten wir und fuhren weg.
Auf dem Programm stand auch Wichtigeres: heute wollten wir uns ein paar Kirchen, Klöster oder so ... ansehen auf unserem Weg nach Santo Domingo ( dort steht die Kathedrale mit den lebenden Hühnern am Altar). Erstaunlicherweise viele Pilger sahen wir heute. Zu Fuss und per Fahrrad. Und da passten wir mit unserer "Mücke" doch prächtig dazu. Hätte es zu Jakobus Zeiten schon Autos gegeben, dann hätte er bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn nicht nur Fussgänger, Radfahrer und Reiter echte Pilger wären. Auch wir reisen auf diesen Wegen, auch wenn wir eher die " Kirchentour" machen, dafür davon ein paar mehr und andere. Ach ja, heute kamen wir auch an eine Stelle, an der sich zwei Pilgerwege kreuzten, der französische und der aragonesische. Gemerkt haben wir das aber nicht...

Unser erstes Highlight war "Santa Maria de Eunate". Früher mal schwer zu finden, heute Dank lilafarbener Schilder ausgewiesen. Im übrigen, alle Kirchen, egal welcher Art und wo, sind jetzt ausgeschildert. Eunate stammt vermutlich aus dem 12.Jahrhundert im romanischen Stil erbaut. Sie ist dahingehend etwas Besonderes, weil sie einen achteckigen Grundriss hat und aussen auch noch eine fünfeckige Apsis. Aussen umgibt die kleine Kirche eine Arkadenwand, vielleicht daher der Name: Eunate=100 Tore.Da si e mitten in der Natur liegt, vermutet man, dass auch sie eine Pilgerkirche war, zumal man bei Ausgrabungen Gräber mit Muschelbeigaben gefunden hat. Mich hat besonders der Boden fasziniert, der aus Hunderten kleiner, länglicher Steine hergestellt war. Und die immer noch gut erhaltenen Köpfe und Figuren an den Säulen. Leider war die Kirche geschlossen. Und eine Stunde bis zur Öffnung wollten wir nicht warten.
Unser nächster Stop war direkt 3 Kilometer entfernt: "Puenta la Reina". Hier treffen sich der arragonesische und der navarresische Jakobsweg. Der ab sofort gemeinsame Weg führt über eine alte Römerbrücke. Zuvor allerdings geht man erst mal durch eine schmale Gasse ehemaliger Adels-und Bürgerhäuser und dabei vorbei an einer prächtigen Kirche -der "Iglesias de Santiago". Innen prachtvoll ausgestattet, aber wirklich. Und natürlich steht da auch eine Holzfigur von Santiago Peregrino mit Stab und Muschel - ca. 14 Jahrhundert. Wir waren nach der Besichtigung von Kirche, Brücke und schmalen Gassen nur noch hungrig. Und wir fanden einen kleinen Laden, wo wir im Stehen einen leckeren Kaffee und ein getoastetes Baguette mit Butter assen.

Und dann ging es weiter. Eigentlich wollten wir in Estella, dem nächsten Ort, eine weitere Kirche besichtigen. Aber das war nichts - wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Also fuhren wir weiter. Sagen muss man noch, dass es zwischenzeitlich eine kostenfreie Autobahn gibt, die auch noch im Bau ist. Und die kam uns gerade recht, um schneller zu unserem nächsten Highlight, der " Monasterio de Irache" zu kommen. Und was soll ich sagen, alle Parkplätze frei - das macht sofort misstrauisch. Das Tor an der Seite war zu, an einem anderen Eingang stand ein "Sheriff". ich fragte also nett, ob wir vielleicht hinein könnten ins Gebäude. Er winkte uns freundlich herein und zeigte uns sogar, wo es lang geht. Das Besondere an diesem Kloster ist die Grösse, die Schönheit und das völlige Fehlen von Malereien, Prunk oder sonstigem. Mir gefiel die Art. Hier wurde aber auch von Handwerkern gewerkelt und gegraben und feste gearbeitet, der Kreuzgang und Teile des Innen-Klosters waren auch völlig hinüber. Ich denke aber, wenn das hier mal alles fertig ist, wird es eine wunderschöne Jakobsweg-Raststelle sein..., dass unweit des Klosters eine grosse Firma Wein erzeugt, ist sicherlich nicht schädlich...

Ein Highlight wollten wir uns noch ansehen. Mitten in Rioja-Weinfeldern liegt der Ort "Canas". Er beherbergt das Kloster der "Santa Maria de San Salvador". Dieses Kloster wurde ursprünglich mal von einem Grafen namens Lopez Diaz de Haro und seiner Frau geschenkt.
In dieser Stadt wurde im übrigen "Santo Domingo de Silos" geboren, dessen Kloster wir uns morgen ansehen werden. Hier in diesem Kloster in Canas lebten auch Benediktinerinnen, obwohl das Kloster zisterziensische Wurzeln hat. Auch heute leben hier noch Nonnen.
Ein wundervoller Kreuzgang, ein gepflegter und grossartiger Garten, ein Kapelle, schlicht, aber die Fenster nicht mit buntem Glas sondern mit Perlmutt verkleidet. Ungewöhnlich.
In einem Extra-Raum standen steinerne Särge. Im größten war das Grab der Kloster-Spender. Wunderschöne Arbeit, auch um den steinernen Sarg herum. Wiederum aussergewöhnlich auch hier der Boden des Kreuzganges ausgelegt mit Mustern aus Kieselsteinen. Der absolute Hammer aber war für mich ein kleines Museum: ein völlig dunkler Raum, aber alle Kostbarkeiten angestrahlt, im vergoldeten Rahmen, als Foto, Bild oder Figur oder in Vitrinen. Ich hätte da noch stundenlang still sitzen können, aber der Chef "vom ganzen" kam und zeigte auf seine Uhr. Auch wenn wir 3.- Euro Eintritt pro Nase bezahlt hatten, um 14 Uhr ist Feierabend... Ja, dieser Platz hätte einen ganzen Tag zum Verweilen eingeladen, aber es sollte nicht sein...
Wir fuhren also weiter, vorbei an den satt-blauen Rioja-Trauben, die noch nicht geerntet sind. Rioja Weine sind ja auch so der Renner. Und nachdem wir in den letzten zwei Tagen durch die Kornkammer Spaniens mit abgeernteten Weizenfeldern bis zum Horizont gefahren waren, taten die grünen Sträucher mit ihren blauen Weinwundern richtig gut.
Wir fuhren weiter bis Santo Domingo auf den dortigen Campingplatz. Nun ja, gestern war es auch nicht besser. Aber für eine Nacht tut es das hier - nur dafür 33.- Euro latzen müssen ist happig. In der Herberge der Fuss-Pilger ist es auch nicht teurer, aber bestimmt geselliger als hier zwischen Wochenend-Dauercampern die nicht da sind...!



24.09.2010 Kirchenhühner und Klostermauern

Nachdem wir natürlich wieder ohne Frühstück heute morgen losgedüst sind, haben wir uns fest vorgenommen, nicht ohne anständiges Frühstück irgend etwas zu besichtigen. Also fuhren wir direkt nach "Santo Domingo City". Wir fanden gegen 9:15 Uhr auch direkt einen Parkplatz, der gross genug für uns war, und wir brauchten nur um die Ecke zu gehen, um schon das erste kleine Zisterzienser-Kloster zu sehen. Dieses war nur soweit geöffnet, als dass man durch eine Glasscheibe in den Kirchen-Innenraum sehen konnte, sonst nichts. Aber es war ja auch nicht unser Ziel. Wir wollten natürlich in die "Hühner-Kathedrale" - genau genommen die "Santa Iglesia Catedral".
Die sollte offiziell um 10 Uhr öffnen, und so hatten wir noch Zeit, doch tatsächlich zu frühstücken in einem kleinen Bistro. Leckerer Kaffee und ein noch leckereres Brötchen mit Käse und Schinken belegt machten Freude auf diesen Tag. Kurz nach 10:00 Uhr gingen wir dann die paar Schritte zur Kathedrale. Mit 5.- Euro Eintritt für beide waren wir dabei. Eine schöne Kirche.
Diese Kathedrale stammt aus dem 11. Jahrhundert, wurde aber erst 1106 geweiht. Der vormals romanische Vorgängerbau wurde gotisch überbaut. Um 1158 wurde die Kathedrale zwecks Aufnahme der Grabkammer von Domingo Garcias erweitert. Ihm schreibt man das "Hühnerwunder" zu, und dieses wird in der Kathedrale gegenüber seinem Sarg mit einem Hühnerkäfig geehrt, in dem sich lebende Hühner befinden.
Der Eintritt in die Kathedrale kostet 2.50 Euro (jedenfalls für uns), und man kann damit auch das Museum besichtigen, das in einem Seitenarm der Kirche zu Hause ist. Wir haben fast eine Stunde in dieser Kathedrale verbracht. Und es war schon ein Erlebnis, nicht nur die lebenden Hühner, sondern auch das Chorgestühl mitten in der Kirche. Als wir mit Kathedrale samt Museum "durch" waren und uns auf den Weg - weg vom heute französischen Jakobsweg - in die Hinterland-Pampas aufmachten, war es schon gegen 11:30 Uhr. Und da die Spanier ja fest an ihren Zeiten festhalten, wann was geschlossen oder geöffnet ist, hatten wir schon Bedenken, ob wir es noch bis nach San Domingo de Silos schaffen würden, die auf jeden Fall um 13:30 Uhr ihre Pforten schliessen.
Aber zuerst fuhren wir mal wieder auf einer landschaftlichen Traumgegend Richtung Burgos. Überrascht waren wir nicht nur von der tollen Landschaft, sondern auch von den vielen Fuss-Pilgern. Es waren alles in allem gute hundert Personen, die auf den offiziellen Wegen gen Santiago de Compostela wandern. Aber auch 6 Radfahrer haben wir gesehen, keine Pilger mit Pferden, einen mit nem Roller und wir natürlich mit unserer "Mücke".
Unser nächstes Ziel sollte Santo Domingo de Silos werden. Gestern waren wir ja in Canas gewesen, der Geburtsstätte von Santo Domingo de Silos, dessen Namen das Kloster und der Ort trägt. Und heute wollten wir uns ein Bild machen von dem Kloster. Gegründet wurde das Kloster bereits 929. Dann plünderten es aber die Mauren und erst 1041 ging es wieder aufwärts unter eben dem Abt Domenico von Silos. Das Besondere an diesem Kloster ist, dass es zwei übereinander liegende Kreuzgänge hat. Sie stammen unten aus dem 11. Jahrhundert, oben aus dem 12. Jahrhundert. Die Säulen sind perfekt verarbeitet und stellen unterschiedliche Vorgänge, Situationen oder bestimmte Personen dar. Alles bestens erhalten. Einige dieser Säulen sind "gedreht", eine besondere Technik. Aber das ist nicht alles, was das Kloster berühmt gemacht hat. Es ist ein aktives Kloster, und dort leben mindestens 30 Mönche. International bekannt wurden diese Mönche durch ihre gregorianischen "Chants", von denen es mindestens zwei auf dem Musikmarkt gibt. Das/die Alben waren so erfolgreich, dass sie mindestens 3 Millionen mal verkauft wurden/werden. Logisch, dass wir neugierig waren, auch wenn wir erst einmal den offiziellen Jakobsweg verliessen.

Auf einer Schnellstrasse fuhren wir von Burgos aus Richtung Soria - so wollte es das Navi, was auch ok war. Ich hatte zwar geplant erst von dieser Strasse abzubiegen, wenn der Abzweig "Salas de Los Infantes" - ein kleiner Ort - kam. Dort hatte ich eine Überraschung für Anni ausgekundschaftet - ein Dinosaurier-Museum.Die Gegend ist bekannt für ihre vielen Dinosaurier-Spuren und die Wissenschaftler arbeiten dort intensiv. Und ein Teil der Funde werden im Museum aufbewahrt und gezeigt. Das fängt bei Schädeln an und hört bei Fuss-Spuren auf. Also ein interessantes Museum, wie wir es sonst nur aus den USA kennen.
Aber das Navi wollte mal wieder partout anders fahren - nämlich über "Covarrubias", dem Ort an dem wir nach dieser Tages-Arbeit nächtigen wollten auf einem Ganzjahres-Campingplatz. Und da Anni fuhr, ging es eben so weiter, wie das Navi es wollte.Im Nachhinein Gottseidank, denn der Ort liegt so am A...der Welt, dass uns schon ein freundlicher Dorfbewohner mit Handzeichen zum Campingplatz geleiten wollte, weil wir doch falsch waren, dort wo wir gerade standen - dabei hatte ich nur ein Foto gemacht... Ein ausgetrockneter Fluss, drei kläffende Hunde und Totenstille - nein, das war uns dann doch ZU ruhig, vor allem nach den Erlebnissen der letzten beiden Tage. Und so fuhren wir jetzt erst mal schleunigst weiter Richtung Kloster.

Endlich in Domingo de Silos angekommen, war es dann bereits 13:30 Uhr und damit klar, dass wir die Kreuzgänge nicht sehen würden. Wir versuchten zwar unser Glück, aber das Tor war geschlossen und sollte sich erst wieder um 16:30 Uhr öffnen. Zu lang und zu spät für uns. Also wanderten wir erst mal um das Kloster-Gelände. Auffallend war, dass ein grosser Teil der Anlage mit einer mindestens 4 Meter hohen Steinmauer umschlossen war. Dort wo keine Mauer war, waren Gebäuderückseiten, zugemauerte ehemalige Türen oder Holztüren zu Museen und anderen Einrichtungen. Natürlich verschlossen. Lediglich eine schlichte, kleine Kapelle war geöffnet. Und die besichtigten wir natürlich. Auch das drum herum des Ortes, wie z.B. ein kleiner Dorf-Platz auf dem Tische vor den Bistros standen und Menschen dort genüsslich ihren Kaffee tranken, wirkte einladend. Dazu kleine, enge Gassen oder ein grosses Hotel luden ein - bestimmt ein Platz zum Ausruhen in der Sommersaison. Gebaut wurde auch gegenüber dem Kloster-Eingang, und ein Mönch kam sogar aus der Klosteranlage und besprach irgendwas mit den Arbeitern. Wir gingen zurück und fuhren weiter, schon ein bisschen enttäuscht, dass wir nicht den zweistöckigen Kreuzgang gesehen hatten. Aber bis halb fünf warten und dann weiterfahren zu den Dinosauriern hätte zeitlich überhaupt nicht gepasst. Eigentlich hatten wir auch schon beschlossen, nicht in Covarrubias zu übernachten, sondern dann doch lieber die 33 km wieder zurück nach Burgos zu fahren. Damit wäre es dann noch später geworden.
Doch unsere Enttäuschung dauerte nicht lange. Auf dem Weg zum Dinosaurier-Städtchen durchquerten wir auf der BU910 unerwartet eine tolle Gegend. Eine Art Schlucht mit hohen, z.T. farbigem Gestein säumte die schmale Strasse, die sich da um die Felsen schlängelte. So macht es dann doch wieder Spass.
Als diese Schlucht zu Ende war, war sofort wieder was Neues da: viele Hügel prallvoll mit dunkel-lilafarbenem Heidekraut. Gesäumt und durchzogen von Büschen, kleinen Bäumen und bunten Sandstein-Abbrüchen. Tolle Gegend, hätten wir nicht erwartet, und nahm uns endgültig die Kloster-Enttäuschung. Als wir dann auf die Hauptstrasse N234 zurückkamen, wartete gegenüber der Abbiegung ein kleiner Ort namens "Hacinas" mit einer weiteren Überraschung auf uns: versteinerten Baumstämmen. Natürlich war auch hier das dazugehörige Museum geschlossen, aber ausserhalb stand bzw. lagen versteinerte Baumstämme. Auch ungewöhnlich.

Unser Weg führte nun weiter ins wenige Kilometer entfernte "Salas de los Infantes"-Örtchen. Wenigstens das jetzt mit Sicherheit geschlossene Dinosaurier-Museum wollten wir aufsuchen. Auch in der Hoffnung, dass da vielleicht ein Knochen oder Schädel oder sonst was Hübsches vor dem Eingang stand zwecks Anregung, das Museum zu besuchen. Aber es half auch kein Durchfahren durch sämtliche Gassen des Dorfes. Die Gegend, wo das Museum laut Navi war, war abgesperrt. Warum abgesperrt wissen wir nicht, aber dass das Museum schon seit Anfang August geschlossen war aufgrund Platzmangels von Ausstellungsstücken, überraschte uns dann doch. Ob da wohl eine neue Fundstelle entdeckt worden war? Wie auch immer, wir fuhren nun endgültig zurück nach Burgos.
Eigentlich DIE Stadt vor Santiago, die man gesehen haben sollte. Wir haben hier 2006 schon einmal Tage verbracht und alles Wichtige besichtigt. Da wir den Campingplatz "Fuentes Blancas" kennen, ist es eine gute Entscheidung, hier ein paar Tage zu bleiben und all die Erlebnisse der letzten Tage zu verarbeiten, ein bisschen die Sonne mit Faulenzen zu geniessen und noch mal in die Stadt zur Kathedrale zu fahren - mit dem Bus natürlich.
Unsere Vorräte in der "Mücke" konnten wir auch noch bei Lidl auffüllen, der praktischerweise auf unserem Weg lag. Also, was will man mehr. Und als wir beim Einchecken feststellten, dass Internet für ne ganze Woche nur 3.- Euro kostet, war auch der Abend gerettet bzw. die nächsten Tage. Jetzt hoffen wir mal auf weiterhin gutes, sonniges und warmes Wetter, und dann werden wir in den nächsten Tagen aufbrechen zur Atlantik-Küste und die dortigen Jakobswege kreuzen...



26.09.2010 Burgos-Kathedrale, und Kirchen in Fromista

Heute nieselte es erst mal, als wir so langsam "in die Pötte" kamen. Und kalt war es auch, einfach ungemütlich. Und hell wurde es auch erst gegen 8:00 Uhr - kurz ein Tag, um eigentlich im Bett zu bleiben. Ging aber nicht, wir hatten ja was Tolles vor. Also gepackt, vorne im Camping-Restaurant leckeren Kaffee und gut aufgewärmte Croissants gegessen, und los ging es nach Burgos. Ursprünglich wollten wir ja vom Platz aus mit dem Bus in die Stadt fahren und dann die Kathedrale in Burgos besuchen und wieder zurück zum Platz. Nur der Sonntag ist da der falsche Tag und das Wetter auch. So beschlossen wir eben, den grossen Parkplatz kurz vor der Kathedrale anzufahren und dann die Kirche noch einmal zu besuchen nach 2006 und dann doch weiter zu fahren Richtung Fromista/Leon.
Gesagt-getan, oder besser - versucht. Nach langem Suchen landeten wir in einer Seitengasse vor dem Theologischen Unigebäude, und da war doch tatsächlich ein Platz frei unter Bäumen, der gross und hoch genug für die "Mücke" war. Und dann noch keine 100 Meter von der Kathedrale entfernt - war wie Weihnachten...
Wir also los, zwei Tickets gelöst a 4.- Euro (Senioren) und rein in die Kirche. Also, sie ist immer wieder einsame Spitze. Und es störten auch überhaupt noch nicht die Bustouren-Leute,so gross ist die Kirche. Die Kathedrale gehört zum Weltkulturerbe, hat zwei Doppeltürme und vier Portale. Der König von Kastilien Ferdinand III, legte den Grundstein zusammen mit dem damaligen Bischof im Jahre 1221. Der Grund-Bau wurde 1240 abgeschlossen. Aber selbst im 15.Jahrhundert wurde noch gewerkelt an diesem Kirchen-Monument.
Die Kathedrale im Einzelnen zu beschreiben ist hier an dieser Stelle zu viel. Aber wenn wir wieder auf unserem "Pepe"-Überwinterungsplatz sind, werde ich all die Kirchen-Internet-Adressen, die wir hier auf diesem Trip besucht haben, im Netz zusammen suchen. Und Anni wird sich bestimmt was Tolles einfallen lassen, um diese Adressen allen per Internet zugänglich zu machen. Wir jedenfalls haben mal wieder festgestellt, dass es eben immer noch supertolle Kirchen gibt. Nach knapp zwei Stunden waren wir dann mit dieser Kathedrale "durch". Wurde jetzt auch Zeit, denn nun kamen wirklich viele, viele Bus-Gruppen, die in vielen unterschiedlichen Sprachen von der jeweiligen Reiseleiterin informiert wurden. Und da blieb dann keine Zeit für Ruhe und Musse mehr.
Es war draussen immer noch nasskalt und feucht. Aber der Nieselregen hatte wenigstens aufgehört. Wir gingen zurück zu unserem Auto und fuhren weiter Richtung Leon.
Wir befinden uns immer noch auf dem "Camino de Santiago" - dem sog. französischen Weg, der auch der Hauptweg ist. Hinter Burgos und nach gut 60 Kilometer auf der neuen, kostenlosen Autobahn bogen wir dann ab zu dem Ort "Fromista". Hier geht jetzt der "Camino" entlang bis nach "Carrion de los Condes" - und dann trennen sie die Wege in Alternativen: der Hauptweg geht direkt über z.B. Ledigos nach Sahagun. Die Alternative läuft über Calzada de los Molinos und Villada auch letzt-endlich nach Sahagun, von wo es dann wieder auf "einer Spur" weiter geht bis Leon. Wir wollten nach Fromista wegen der Kirche und als Schlafstation, dann auch nach "Carrion de los Condes". Wir fuhren erst mal die 17 Kilometer von der Leon-Autobahn in die Natur Richtung Palencia, um dann abzubiegen bei Fromista.
Ansehen wollten wir uns die "Iglesia de San Martin de Fromista". Als wir in den kleinen Ort kamen, sahen wir als erstes Pilgerzeichen an allen Ecken und natürlich auch Herbergen - und eine Kirche mitten im Ort. Sie heisst "Iglesia de San Pedro" und ist eine gothische Kirche! Sie stammt aus dem 15.Jahrhundert, jedenfalls die Grundzüge. Fertig wurde sie erst im 18.Jahrhundert mit vielen Umbauten bis dahin. Aber sie hat was! Sowohl innen als auch aussen war sie sofort mein "Favorit". Schlicht innen, aber so gewaltig, dass man nur beeindruckt sein kann, und das ohne jeden Prunk und Protz. Und von aussen liessen sich die Pilger-Generationen erahnen, die hier gestanden und gegangen waren.
Anschliessend fuhren wir um die Ecke zu dem eigentlichen Highlight des Ortes: eine reinrassig romanische Kirche namens "Iglesias San Martin", ursprünglich gestiftet von der Ehefrau von König Sancho III. Und nach vielen Jahrzehnten heute wieder so restauriert, dass all das, was man im Laufe von Jahrhunderten angebaut hatte, wieder entfernt wurde. Heute ist die Kirche wieder so, wie ursprünglich. Sie besteht aus drei Schiffen, drei runden Apsien, und das Querhaus hat eine poligonale Vierung. Von aussen wirkt die Kirche einfach prachtvoll - im Gegensatz ist die innere Kirche ohne jeglichen Schmuck oder Gemälde oder sonst was - einfach schlicht. Und damit ein riesiger Kontrast zu aussen.
Anschliessend fuhren wir weiter nach "Carrion de los Condes". Und wieder kaum zu glauben, jede Menge Pilger begleiteten uns wieder - zu Fuss oder auf dem Fahrrad liefen/fuhren sie rechts von der Strasse in eigens ausgeschilderten Wegen in die gleiche Richtung wie wir. Warum allerdings alle 50 Meter vier Steine mit der Jakobsmuschel standen, haben wir noch nicht durchschaut. Zumal die Strasse kerzengerade ist. Den ältesten Pilger, den wir sahen, schätzen wir auf über 80 Jahre, bewundernswert. Ansonsten lief da schon alt und jung, viel Männlein und wenig Weiblein den Weg entlang. Direkt hier neben dem Campinglatz scheint eine Herberge oder ein Treffpunkt zu sein.
Und hier auf dem Campingplatz selbst ist eine ganze Gruppe womöglich spanischer Pilger. Allerdings sind die mit den Wohnwagen und Wohnmobilen. Eine Art Wagenkolonne bildet einen Mittelpunkt. Ein gemeinsames Essen war gerade zugange, als wir ankamen. Und als wir hier unsere Lidl-Pizza verputzten, wurden wir mit allen möglichen Liedern unterhalten - von Kirchenliedern bis zu "E Viva Espana". Alles aus voller Kehle selbst gesungen und nicht mit Band oder so...
Mittlerweile sind einige Wohnwagen und Wohnmobile wieder weg gefahren, auch PKW´s wohl von Dauercampern sind weg, und es ist richtig still hier. Die Sonne scheint, es ist sehr windig und auch kalt-frisch hier in 850 Metern Höhe. Wir werden einen vermutlich ruhigen Abend geniessen.
Morgen fahren wir weiter an die Küste nach Santander und zum Atlantik-Jakobsweg. Und dann lassen wir uns mal überraschen...



27.09.2010 Fahrt nach Santander

Nach den Gesängen der Campingplatz-Truppe von gestern, waren wir dann doch überrascht, dass diese alle innerhalb von einer guten Stunde verschwunden waren - 30 Wohnwagen/Wohnmobile. Wir waren ins Restaurant gegangen weil es dort Internet gab und dann sahen wir den Chef die Küche aufräumen und die Mädels Geschirr und Gläser spülen und die Terrasse draussen fegen. Als ich nachfragte, ob sie denn jetzt froh wären wieder "freien Blick" zu haben, nickten sie das beide voll ab. Ist wohl doch sehr anstrengend gewesen mindestens 60 Personen zu versorgen, zu bedienen, Essen zu machen und die Gesänge mit anzuhören. Ganz zu schweigen von den Nicht-Sängern, die auch wir noch in der Restaurant-Kneipe sitzen gesehen hatten...
Wir waren da eher pflegeleicht, unser Bier holten wir uns selbst an der Theke und verschwanden dann erst mal im Eckchen zwecks Internet...
Es wurde kalt draussen und wir machten sogar die Heizung in der "Mücke" an. Und dann wollten wir nur noch schlafen. Um 8:00 Uhr heute morgen fuhren wir dann ab vom Platz, natürlich ohne Frühstück. Aber das besorgten wir uns in einem von zwei offenen Bistros. Gerne hätten wir dort auch ein Brötchen gegessen und ne Tasse Kaffee getrunken. Ging aber nicht, beide Bistros waren rappelvoll mit Pilgern, die dort ebenfalls frühstückten. Also wie gehabt, nur zwei Baguette gekauft und losgefahren.
Unser Navi machte mal wieder Stress, denn es hatte noch nicht gecheckt, dass es eine neue Autobahn nach Santander gibt. Also keine Tour mehr durch die Berge via Landstrasse, sondern einfach auf die A-67 und dann los. Trotzdem war auch diese Strecke samt Tunneln eine tolle Tour. Als erstes konnten wir die Sonne aufgehen sehen am blauen Himmel. Aber, und das war unerwartet - überall auf den Wiesen und Äckern war bereits dicker Rauhreif - es war ja auch sehr kalt gewesen in der Nacht. Dann zogen im weiteren Verlauf der Autobahn riesige Nebelschwaden durch die Täler rechts und links und irgendwann holten sie uns auch ein und wir fuhren viele Kilometer im Nebel über die Autobahn bis mindestens in 1009 Meter Höhe, laut Schild. Als wir wieder abwärts fuhren lichtete sich der
Nebel und die Sonne schien wieder.
In Reinosa, auf gut der halben Strecke, fuhren wir ab, weil wir gelesen hatten, dass es hier ein Lidl geben sollte. Wir brauchten noch was für unsere beiden Baguette, denn trocken schmecken die nun mal nicht soo gut. Stimme auch, und fast nebenan war auch noch ein einheimischer Mercadona Supermarkt. Neben uns auf dem Parkplatz stand ein Auto, der die Windschutzscheibe voll vereist gehabt haben muss, die Reste davon klebten noch an der Scheibe. Ja und kalt war es auch, trotz Sonne.
Also fuhren wir schnell weiter, damit wir endlich aus den Bergen ins Tal nach Santander kamen. Es war dann alles sehr einfach. Wenn man davon absieht, dass das Navi zwar die Koordinaten des Campinplatzes kannte, uns bzw. Anni aber partout über Hinterhof-Strassen lotste und lotsen wollte, die haarsträubend waren. Einmal kamen wir nur um Millimeter an einem Balkon in der ersten Etage vorbei. Dabei gibt es hier zum Kap eine bestens ausgebaute, neue Strasse, zweispurig und keinesfalls schwierig. Nur das Navi sah das alles anders...
Der Camping-Platz hier liegt fast am Kap von Santander - Cabo Mayor heisst er. Vor uns und dem Wasser des Atlantiks liegt nur noch der hiesige Leuchtturm. Der Campinplatz ist gross und gepflegt, auch wenn das restaurant und die Cafeteria schon geschlossen haben. In 14 Tagen wird hier komplett geschlossen für dieses Jahr. Im Vergleich zu anderen Camping-Plätzen ist es hier mit 22.- Euro incl. alles für die gebotene Qualität billig. Nur Internet gibt es hier keines.
Hier war es heute Nachmittag allerdings sooo angenehm sonnig und warm, dass wir mal kurz überlegten, noch einen Tag anzuhängen. Wir sind dann aber erst mal zum Leuchtturm gegangen und haben uns den Atlantik angesehen, wurde ja auch Zeit. Um Santander herum liegen wirklich schöne Sandstrände. Ist im Sommer bestimmt ein absolutes Urlaubsparadies.
Aber wir sind ja wohl nicht zum urlauben hier...
Wir haben geplant, morgen Santillana del mar und die Altamira-Ersatzhöhle zu besuchen. Und dann werden wir auch den atlantischen Jakobsweg kreuzen und befahren. je nachdem wir der Tag morgen so läuft werden wir dann noch weiter fahren bis Gijon - oder auch nicht. In Santillana gibt es auch einen passenden Campingplatz. Wir werden sehen, was morgen ist...



28.09.2010 Weiterfahrt nach Gijon und Besuch von Altamira Höhle/Santillana del Mar

Heute haben wir es mal richtig ruhig angehen lassen. Um 8:00 Uhr war es noch so dunkel, dass wir keine Lust hatten, aufzustehen. Alles in allem waren wir dann inclusive Frühstück (ach wie herrlich) gegen 10:30 Uhr startklar. Wir fuhren jetzt ohne Navi-Gequake durch die Stadt Santander auf breiten Strassen, durch endlose nervige Kreisverkehre direkt auf die A 8 Autobahn Richtung Oviedo. Santander ist zu unserer Überraschung eine sehr moderne Stadt, die supertolle Strände und eine tolle Infrastruktur hat - also einfach eine moderne Stadt. Unser Ziel war erstmal die "Höhlen von Altamira" und dann "Santillana del Mar" mit seinem berühmten Altstadtkern bzw. einer mal wieder aussergewöhnlichen Kirche. Natürlich ist dies auch ein Pilgerpfad - der Camino del Norte oder auch der Atlantische Pfad läuft hier durch.
Dem Altamira-Höhlen-Museum sagt man nach, dass man manchmal tagelang auf eine Eintrittskarte in die Ersatzhöhle warten muss. Die originale Höhle ist seit vielen Jahren nicht mehr zugänglich. Und so hat man die Höhle nachgebaut, und somit können auch weiterhin Heerscharen von Touristen dort gucken.
Als wir dort ankamen, standen viele PKw und 6 Busse auf den Parkplätzen, und ich hatte so schon meine heimlichen Bedenken, aber oh Wunder, wir bekamen zwei Eintrittskarten -aber pronto- für 5 Minuten später! - da mussten wir uns aber echt sputen, um zum Ausgangspunkt der "Höhle" zu kommen. Aber wir sahen auch Leute, die vor uns an diesem Eingang standen und auf Einlass warteten, die aber Eintritts-Karten nach uns hatten. Wir jedenfalls waren richtig froh mit 3.- Euro an Eintrittskosten und dann noch mit sofortigem Einlass beglückt worden zu sein. Altamira ist deshalb so interessant, weil sich die Menschen, die sich hier vor einigen Tausend Jahren "künstlerisch" betätigten, zur Gattung "Homo Sapiens" gehören, also zu uns. Sie hatten das gleiche Aussehen und die selben intellektuellen Fähigkeiten. Deswegen haben diese Leute und auch wir immer noch überlebt, während andere Arten der Gattung "Mensch" - z.B. der Neandertaler - nicht überlebten. Dabei war gerade diese Gattung schon sehr weit entwickelt und starb trotzdem vor ca. 30.000 Jahren aus.
Altamira wurde vor ca.22.000 - 14.000 Jahren besiedelt. Besonders beeindruckend sind die Gegenstände, die schon damals eingesetzt wurden, um zu jagen, zu fischen, zu essen, sich zu kleiden oder sich zu schmücken. Ein Teil davon ist ausgestellt im Museums-Teil des Gebäudes.
Die Malereien, bei der Figuren auf die Höhlendecken gemalt, geritzt oder gezeichnet wurden, ist schon etwas Besonderes unserer Spezies und deshalb besonders erhaltenswert. Natürlich gibt es zu diesem Thema noch sehr viel mehr zu sagen. Ein bisschen schade fanden wir es, dass man absolutes Fotografierverbot - auch im Museum - hatte. "no flash" kann ich ja noch verstehen, aber grundsätzlich nicht fotografieren zu dürfen finde ich übertrieben. Zumal an Begleitmaterial über die Höhle im kleinen Verkaufsladen überhaupt nichts zu kaufen/finden war...!!!
Nach gut einer Stunde hatten wir die 270 Meter lange Ersatzhöhle samt Museum "durch" und machten uns auf den Weg, um die nur knapp 3 Kilometer entfernte Kleinstadt "Santillana del Mar" zu besuchen. Auch hier Buskolonnen ohne Ende und damit auch Rudel von Menschen. Wir konnten allerdings nur eine Gruppe englisch-sprechender Menschen ausmachen, der Rest war spanisch. Wir beeilten uns an den jeweiligen Gruppen mit den jeweiligen Reiseleitern vorbeizukommen, um quasi die Sehenswürdigkeiten der Stadt von hinten aufzurollen und mit dem anzufangen, mit dem die anderen aufhören: der Kirche.
Hier durch Santillana läuft auch die nördliche Pilgerroute und dazu noch eine der best erhaltensten dazu. Die Wurzeln Santillanas stammen aus dem 8. Jahrhundert. Im Zentrum steht und stand die Stiftskirche Santa Juliana. Man sagt, dass sie als einer der grössten Exemplare romanischer Architektur gilt. Sie wurde im 12. Jahrhundert über einer alten Wallfahrskapelle errichtet. Das Besondere ist mal wieder der Kreuzgang mit herrlichen Figurinenkapitellen. Besonders einprägend und toll fanden wir eben diese Säulen die mit besonders vielen und ausdrucksvollen Themen geschmückt waren. An der Wänden des Kreuzganges standen zudem endlos viele Sarkophage. In der Kirche stand in der Mitte das Grab der St. Juliana. Die Struktur der gesamten Kirchenanlage ähnelt der Kirche von Fromista, in der wir ja vorgestern waren. Ach ja, auch hier durfte man nicht fotografieren...

Unser weiterer Weg führte uns dann durch das Altstadtzentrum. Die "Calle de Santo Domingo" ist wirklich sehenswert und dazu auch noch denkmalsgeschützt. Das Pflaster ist nichts für Schuhe mit Absatz, aber einfach toll erhalten. Und die Häuser mit zum Teil überkragenden Giebeln und Balkonen stammen meist aus dem 14.-18.Jahrhundert und wurden wohl für herrschaftliche Kreise erbaut. Natürlich gibt es mitten in diesem Bereich auch ein Parador, den Merino Turm und den Borja-Turm. Uns aber haben eher die kleinen, verwinkelten Gassen fasziniert und die Phantasie der Besitzer, z.B. ein tolles Tor zu haben und dahinter "im Hof" ein Cafe zu installieren... Natürlich lebt der ganze Ort vom Tourismus. Aber er ist es wert, besucht zu werden. Wir haben übrigens auf einem Parkplatz für 2.- Euro geparkt, der wohl normalerweise für die Gäste des Restaurants gedacht ist. Aber sooo ging es auch.
Hunger hatten wir eigentlich schon, und verführerisch war natürlich auch das Angebot der Lokale in der Altstadt rings um uns herum - Mittagstisch komplett für 12.- Euro. Aber wir wollten weiter, weil wir uns noch ein besonderes Schmankerl ausgeguckt hatten.
Eine Route durch ein Tal, parallel zu unserer eigentlichen Strecke nach Gijon. Da das Wetter super war, blauer Himmel bis zum Horizont und keine Wolken über den hohen Bergen, wollten wir lieber das noch "mitnehmen", als zurück zum Campingplatz in Santander fahren.
Links von uns tolle Bergketten mit dem Pico de Europa ganz weit hinten und vor uns eine endlos lange Schlucht mit allem, was so dazu gehört. Wir waren begeistert und begeistert und nochmal begeistert. Als wir die nur 55 Kilometer lange Schlucht durchquert hatten - sie trägt die Bezeichnung AS 114 und ist "grün" eingezeichnet - landeten wir im Städtchen Cangas de Onis.Von hier waren es nur noch 20 Kilometer bis zurück auf die Hauptstrasse an der Küste und weitere 60 Kilometer auf der kostenlosen Autobahn bis zu unserem heutigen Campingplatz "Deva" in Gijon. Was wir morgen machen, hängt vom Wetter ab - wir lassen uns da selbst überraschen...



29.09.2010 Weiterfahrt an der Küste nach Luarca

Heute morgen liessen wir uns auch wieder viel Zeit. Der Campingplatz "Deva" vor den Toren Gijons ist einfach gut. Am Eingang gibt es rechts und links wie eine Strasse den Supermarkt, Restaurants, Aufenthaltsräume, Räume für die Pools dahinter, ein Waschmaschinen/Trockner-Raum und - ein Extra-Raum für WiFi. Der Platz selbst ist terrassen-förmig und wirkt dadurch grosszügiger vom Platz her als sonst. Innerhalb eines grossen Gebäudes befinden sich die sanitären Anlagen und die Spülbecken - mit richtig heissem Wasser. Also empfehlenswert.

Gegen 10:00 Uhr ging es dann los in strahlendem Sonnenschein. Wir wollten noch in die Stadt Gijon fahren, da heute grosser Streiktag in ganz Spanien ist und wir hofften, dass wenigstens in der Stadt eine Tankstelle geöffnet hatte. Nach einigem Suchen fanden wir auch eine. Somit war das Problem gelöst, weiterfahren zu können. Wir hatten vor, heute endlich mal die Küste abzuklappern, auf Jakobus-Wegen und vielleicht bis in die Nähe von Barreiros zu kommen, einer Kleinstadt nahe der Landesgrenze zu Galizien.
Aber das schminkten wir uns nach gut 40 Kilometern auf der natürlich wieder guten und kostenlosen Autobahn ab. Als wir von dieser runterfahren, wollten in den Küstenbereich, wurden wir von der Polizei angehalten - nix weiterfahren, drehen...Vor uns qualmte es dick und schwarz, und da vor uns ein Sattelschlepper mit Autos stand, dachten wir natürlich an einen Unfall. Wir also auf Befehl auf der Autobahn gedreht! unter den Augen der Polizei und haben dann versucht über eine andere Nebenstrasse an die Küste zu kommen.
Der Versuch war gleich zweimal für die Katz. Wir kamen wieder an diesem unsäglichen Kreisverkehr aus, nur eine Strasse weiter - vor uns qualmte es immer noch dick und schwarz.
Wir drehten und fuhren auch hier wieder weg. Aber nicht weit, denn wo sollten wir hin? Und eine andere Strecke gab es nicht. Also fuhren wir wieder zurück, zumal mittlerweile 6-8 "Guardia Civil" Autos mit tatütata in die Richtung des Qualmes gefahren waren. Es gab immer noch kein Durchkommen, und wir konnten nun nicht mal drehen, sondern mussten warten unter den Augen eines Guardia-Mannes. Vor uns standen die 6-8 grossen Autos der Polizisten. Eine dreiviertel Stunde lang passierte erst mal nix. Dann kamen diese Guardia-Menschen wieder zurück zu ihren Autos. Schwerbewaffnet, eingemummt, alle Körperteile geschützt mit Gummigamaschen und Westen und schweren Helmen.
Sie zogen sich wieder aus, und dann durften wir endlich fahren. Vor uns war genau auf unserer Strasse immer noch brennendes Holz und andere Materialien, mittlerweile schwarz verkohlt, aber immer noch glühend. Ein Reinigungstrupp versuchte die Strasse frei, sauber und abgekühlt zu bekommen. Nicht einfach. Natürlich standen wir jetzt in der ersten Reihe und hatten den vollen Blick. Verstanden haben wir das ganze nicht so recht. Gewerkschafts-Streik ist eine Sache, Gewalt die andere. Hier hatte es aber offensichtlich nur gebrannt.

Zwischenzeitlich hatten wir überlegt, dann doch ganz anders zu fahren, nämlich durchs Inland nach Leon und dann nach Santiago. Der Himmel hatte sich leider auch zugezogen, und es sah eher nach Regen aus. Aber eigentlich waren wir ja hier oben, um "obenrum" nach Galizien zu kommen und nicht quer durchs Land. Und so versuchten wir unser Glück auf einem ganzjährigen Campingplatz in einem kleinen Ort namens "Luarca", ca 60 Kilometer von Gijon entfernt. Und das war dann DER Treffer! So ein schöner Platz - direkt auf einer Klippe, mit Meeresblick und passender Geräuschkulisse. Wenn das Wetter wieder besser wird, könnten wir noch einen Tag länger hier verweilen. Wenn nicht, sind wir morgen eher in Santiago de Compostela...



01.10.2010 Angekommen in der Hauptstadt aller Pilger- Santiago de Compostela

Heute morgen hiess es erst einmal früh aufstehen und das, obwohl es draussen noch dunkel war. Aber wir wollten ja weiter, zumal das Wetter auch zu wünschen übrig liess.
Gestern hatten wir noch den Tip bekommen, unbedingt in "Bareiros" anzuhalten, da es dort echten Sandstrand gab. Ursprünglich hatten wir geplant, genau in dieser Stadt am Strand von Bareiros auf den dortigen Campingplatz zu gehen. Aber vorgestern war uns das zuviel Fahrerei, und unser Platz in Luanca - der übrigens " Los Cantiles" heisst - war ja sooo toll, dass wir nicht mehr nach Bareiros fahren wollten.
Jetzt hatten wir die Gelegenheit, beides im Vorbeigehen zu betrachten. Der Campingplatz liegt gegenüber der Strasse am nicht so toll sauberen Sandstrand und schien sehr gut gefüllt zu sein. Aber die Landschaft dort neben und jenseits des Sandstrandes, besser gesagt, die Steilküste mit ihren einfach im Wasser stehenden Felsen war dafür einmalig. Es gibt dort viele Holzstege, auf denen man bequem bis an den Rand der Klippen gehen kann. Und der Blick von dort ist schon was besonderes.
Wir fuhren weiter, schon weil das Wetter immer trüber aussah, und wir in "La Coruna" ja wenigstens den "Herkulesturm" besichtigen wollten, samt der aufgebauten Menire dahinter.
Dieser Turm ist der einzige Leuchtturm aus der Antike, der noch in Betrieb ist. Errichtet haben ihn die Römer im 1.Jahrhundert, und er ist quadratisch in seiner Form. Natürlich wurde auch er mehrmals umgebaut, je nach der jeweiligen Zeit. Seinen vorläufigen Endpunkt bekam er aber trotzdem schon ab 1788 von einem genialen Ingenieur. 2009 wurde der Turm in seiner jetzigen Form Welterbe. Es wäre bestimmt eine lehrreiche Erfahrung gewesen, diesen Leuchtturm zu besichtigen. Ist aber nicht möglich, da wird dran gewerkelt und gebaut. Ob Herkules etwa schwankt? Der Legende nach hat ein Riese namens Gereon die Bevölkerung um sich herum dauernd bedroht. Herkules war sauer darüber und kämpfte drei Tage lang gegen den Bösewicht, dann hatte er ihn platt. Er schlug ihm den Kopf ab und liess ihn vergraben und darüber einen Turm bauen. So einfach entstehen Herkules-Legenden...
Die Menhire, die ja auch eine "Spezialität" Galiziens sind, liessen wir auch bleiben. Sie liegen zwar als Ausstellung nicht weit vom Turm, aber das Wetter war einfach zu stürmisch und zu kalt. Und das Licht wäre auch nicht toll für gute Bilder gewesen. Und eigentlich hatten wir auch keine Lust dazu.
Folgend erkundeten wir ein bisschen die Stadt. Toll fanden wir, dass mehr oder weniger mitten in der Stadt eine Meeresbucht ist, man direkt auf den Atlantik gucken kann und trotzdem vorne im Stadtbereich Sandstrand ist. Und drum herum wuselt das Leben, der Verkehr und die Autos. Ansonsten ist La Coruna subjektiv gesehen eine Gross-Stadt wie andere auch. Santander gefiel uns besser, weil wir es hier moderner und lebendiger empfanden.
Wir fuhren weiter Richtung Santiago de Compostela. Auch wir werden natürlich hier die Kathedrale wieder besuchen - wie alle anderen Pilger auch. Auch wenn damit unsere Pilgerreise auf Jakobs Wegen noch nicht zu Ende ist. Wir haben noch einige Kirchen und Wege vor uns, bevor wir im Süden Spaniens landen. Aber Santiago ist eben das Herz aller Jakobswege.

Unterwegs wollten wir eigentlich noch Kleinigkeiten in einem Lidl-Laden kaufen. Aber entweder wir fanden trotz Navi nur einen Weg über einen Acker, oder die Ausfahrt war zugestaut. Und so liessen wir es und fuhren auf den Campinplatz "As Cancelas", der mitten in Santiago liegt und gut besucht ist von Wohnmobil-Touristen. Von hier aus kann man mit Bus oder zu Fuss die zwei Kilometer bis zur Kathedrale bewältigen. Wir waren 2006 schon einmal hier - siehe dortigen Bericht - und wir haben damals Santiago in- und auswendig kennengelernt. Dieses Mal werden wir nur der Kirche unsere Aufwartung machen. Und gegenüber im "Paradores" wieder unseren Kaffee trinken.
Übermorgen reisen wir weiter - vor allem wenn es weiterhin so regnet wie jetzt schon und wie der Wetterbericht vorausgesagt hat...



02.10.2010 rund um die Kathedrale von Santiago

Heute morgen haben wir es erst mal ruhig angehen lassen. Lange geschlafen und dann die vorzüglichen Sanitär-Räume aufgesucht. Endlich mal richtig viel richtig heisses Wasser. Natürlich war gegen 8:30 Uhr eine Menge Betrieb dort. Aber trotzdem gab es kein Gedränge - und Frauen brauchen ja sowieso länger...
Als einige Frauen da standen, kam ein Mann rein, fingerte an seinem Hosenschlitz und musste offensichtlich aufs Klo. Als alle protestierten und zwar lautstark, er solle gefälligst auf die Herrentoilette gehen, nahm er sich doch noch die Zeit über die Frauen zu meckern, und sie sollten sich nicht so anstellen. Ich brauche nicht extra zu erwähnen, dass das ein Franzose war!
Gegen 9:45 Uhr, nach einem kleinen Croissant-Frühstück, bestellten wir uns ein Taxi, um zur Kathedrale zu fahren. Es hatte die ganze Nacht leicht geregnet, und es nieselte auch schon wieder den ganzen Morgen. Und dazu auch noch ein kalter Wind. Und für 12.- Euro incl. Trinkgeld für hin und zurück -muss man nicht meckern.
Auf dem Platz vor der Kathedrale ankommen - natürlich mit dem Taxi - stellten wir als erstes fest, dass das Haupt-Portal der Kirche geschlossen war. Ein Pfeil zeigte auf einen Eingang um die Ecke. Wir wollten, mehr oder weniger spontan, dieses Mal mit dem Museum beginnen, das wir so wie es jetzt war, von 2006 nicht in Erinnerung hatten. Es war integriert in die Mitte des jetzt gesperrten Treppenaufganges des Hauptportals.
Und für 3.- Euro Rentner-Eintritt pro Person (sonst 5 €) war es auch noch angemessen, da endlich mal einen Blick reinzuwerfen. Der "Ticket-Man" sagte uns, dies wäre nur ein kleiner Teil des Museums. Wir sollten anschliessend raus gehen und drei Türen weiter wieder rein ins offizielle Museum. Haben wir auch so gemacht. Und wir waren erst mal begeistert von den Schätzen, die dort so ausgestellt waren. Dann sahen wir, dass es da noch eine riesige Stein-Treppe höher ging. Ein weiterer Raum, gefüllt mit sagenhaften Schätzen aus der Zeit des 13.-18. Jahrhunderts erwartete uns. Anschliessend gingen wir eine weitere Etage höher. Und da hat es uns dann doch fast aus den Socken gehauen: plötzlich standen wir in einem riesigen Kreuzgang - mitten neben der Kathedrale. Ein komplettes und auch noch aktives Kloster namens "Obradoiro", das sich da vor uns auftat. Natürlich letztendlich auch mit einem Zugang zur Kathedrale - aber das wussten wir erst später. Wir haben nie davon gehört, dass es dort auch ein aktives Kloster gibt. Obwohl, wenn man in der Kathedrale ist, dann gibt es immer mindestens zehn Beichtstühle, die besetzt sind und genutzt werden können. Ganz zu schweigen von den vielen Priestern und Mönchen, die dort rumlaufen. Aber man lernt ja nie aus...Und ich werde da noch eine Menge Wissen nacharbeiten müssen.
Dieser Kreuzgang, den wir so plötzlich vorfanden, hat einen grossen Innenhof mit einem Brunnen. In einer Ecke stehen drei grosse Glocken, und ich denke, dass die hier nur geparkt sind, denn die Türme der Kathedrale werden wohl bearbeitet, den Gerüsten nach zu urteilen, die selbst in der Kathedrale einen grossen Teil der Kirche einnehmen und damit Platz wegnehmen.
Vom Innenhof kann man alle Türme der Kathedrale quasi hautnah sehen, man ist ja drei Etagen näher dran... In den Seitengängen des Kreuzganges befinden sich Türen, die wohl in die Wohnbereiche der Mönche führen. Aber auch Räume, die offen sind und noch besichtigt werden können. Wie z.B. ein kleiner Raum mit tollen Gold-und Silberarbeiten. Eine kleine Kapelle mit Relikten verschiedener Jahrhunderte. Oder die San Fernando Kapelle, die einen bombastischen Altar (vielleicht Holz) hat - vom Allerfeinsten. Von dort geht es dann direkt links herum in die Kathedrale.
Diese war brechend voll als wir da reinkamen. Es sah so aus, als ob in Kürze eine Messe stattfinden sollte und die Leute standen dichtgedrängt. Oder sassen auf den Rändern der Säulen. Es gab an keiner Stelle ein durchkommen, um wenigstens mal ein vernünftiges Foto hinzukriegen. Wir beschlossen hinaus zu gehen und später wiederzukommen. Als wir draussen auf dem riesigen "Hinterhofplatz" waren, dachten wir, wir würden nicht richtig gucken. Tausende von Menschen in Viererreihen standen sich die Beine durch, um in die Kathedrale zu kommen. Wir haben das nicht geglaubt. Und die Kirche war doch schon rappelvoll. Am Rande dieses Platzes gab es ein Cafe, und wir gingen rein und tranken erst mal nen Kaffee und frischen O-Saft. Und wir konnten sehen, dass die Schlange draussen vor uns sich höchstens 20 Meter in 30 Minuten Richtung Kirche vorwärts bewegte. Und es nieselte...
Nach dem Kaffee gingen wir zurück auf den Hauptplatz vor der Kathedrale bzw. wir wollten das. Aber da stand noch eine weitere Schlange von einigen hundert Wartenden an einem anderen Eingang. Überall Polizei, die für einen geregelten Gang sorgte. Wir gingen mühsam drum herum wieder auf den Hauptplatz vor der Kathedrale. Auch da war es mittlerweile voll geworden, aber nur einfach so. Menschen sassen oder standen einfach auf dem riesigen Platz. Eine Menge echter Pilger, aber auch eine Menge Touris, die Busweise hierher gekarrt worden waren und nun hinter ihrem Reiseleiter herlaufen mussten. Auch das Fernsehen war da.
Wir versuchten noch ein paar Fotos von der Kathedrale zu machen, da für Sekunden mal die Sonne schien. Es reichte aber nicht dafür. Also gingen wir in das "Paradores-Hotel", das an der Seite des Platzes liegt und eine ebenso prunkvolle Fassade hat. Man kann da eigentlich ziemlich ungeniert reingehen, keiner hält einen an. Vom letzten Mal wussten wir, dass links herum erst mal ein Ruheraum mit vielen Tischen und Kamin liegt. Ein Kellner kommt nur, wenn man die Glocke auf dem Tisch bedient. Sonst wird man in Ruhe gelassen. Ein guter Platz zum Ausruhen. Dahinter liegt die "Cafeteria", und da hinter geht eine kleine Glastür hinter einem Vorhang in einen kleinen, aber feinen Innenhof - und der ist fast ein kleiner Kreuzgang. Auch hier in der Mitte ein Brunnen. Im Wasser schwimmen Rosenblätter, und am Rand stehen Apfelkörbe als Dekoration. Und auch hier erwartete uns eine weitere Überraschung: es gibt hier nämlich nicht nur diesen einen Innenhof, sondern gleich vier verschiedene davon. DAS wiederum hatten wir nicht erwartet. Und wir grübeln jetzt immer noch, wer da wohl früher mal gewohnt und gelebt hat. Muss ich nachlesen im Internet...
Im Paradores-Hotel selbst, setzten wir uns am Ende unseres Rundganges durch die dortigen "Paradiese" vor den leider nicht brennenden Kamin und überlegten, was wir als nächstes tun sollten. Und da fiel uns natürlich nichts Beseres ein, als endlich mal essen zu gehen. Haben wir noch nicht in diesem Urlaub gemacht. Und Santiago erschien uns dafür angemessen. Wir also raus und ein paar Schritte Richtung Altstadt. Und prompt fanden wir auch ein prima Lokal mit einem "Menu del Dia" für 10.- Euro komplett incl. Wein - so, wie wir es lieben.
In dieser Essensphase hatten wir dann auch mal die Zeit darüber nachzudenken, warum so wahnsinnig viele Leute in die Kathedrale wollten. Das haben wir dort 2006 nicht so erlebt. Aber ausser dass heute Samstag ist, fiel uns nichts ein. Die anderen Feierlichkeiten waren bereits im Juli und jetzt stand eigentlich nichts mehr an. Aber unerwartet und super toll von Jakobus war es, dass er uns über das "Hinterhof Museum" in die Kirche schickte, und wir dadurch dieser endlosen Warterei entgingen. Vielleicht ein toller Tip für andere....
Nach dem Mittagessen gegen 13:30 Uhr beschlossen wir, noch einmal nachzusehen, ob die Schlangen vor der Kathedrale kleiner geworden waren. Und kaum zu glauben: alle weg! Wir gingen völlig problemlos sofort in die Kirche. DIE war natürlich wieder rappelvoll. Eine weitere Messe. Und dann passierte das, weswegen wir eigentlich am Morgen die Messe mitmachen wollten: das berühmte Weihrauch-Gefäss zu sehen, das während der Messe zu einem bestimmten Zeitpunkt hin-und her geschwenkt wird durch Seilzug von einem Mönch. Und genau das passierte da gerade als wir ankamen. (siehe Filmchen auf dieser Seite unten) Nach diesem Erlebnis verliessen wir die Kirche. Unser Ziel war erreicht und unsere Wünsche erfüllt.
Morgen fahren wir weiter an die Küste. Dort kreuzen wir noch mindestens einen kleineren Camino-Weg. Und dann geht es einen Tag später oder so - je nach Wetter - weiter Richtung Portugal, der Kathedrale von Tui entgegen und den portugiesischen Camino-Weg ein Stück fahrend...



04.10.2010 Abreise nach Portugal

Welch eine ereignisreiche Nacht erwartete uns. Erst knallte uns um 0:40 Uhr ein mordsmässiges Feuerwerk aus dem Schlaf und anschliessend dauerte die Musik danach im Stadion ganz in der Nähe bis 3:00 Uhr morgens.
Zwischendrin fegte der Nachtwächter um 2:00 Uhr die herabgefallenen Blätter, Äste und Zweige vom abgeflauten Sturm auf den Wegen und den Plätzen der Wohnmobile zusammen. Ich wusste nicht, dass eine normale Harke so furchtbare Kratzgeräusche von sich geben kann. Tja und so beschlossen wir dann am Morgen, nachdem der Himmel blau war!, die Hühner zu satteln und ohne Umwege weiterzufahren nach Portugal. Kein Finisterre, kein weiterer Ausflug irgend wohin - nur weg.
Und so fuhren wir dannn gegen 11:00 Uhr ab von Santiago. Via Autobahn bis Tui und dann via Schnellstrasse bis zu dem Ort "Vila Cha". Auf dem dortigen Campingplatz wollten wir die Nacht verbringen.
Unterwegs allerdings wollten wir noch die Kathedrale von Tui - auch eine Pilgerstation vom portugiesischen Camino, ansehen. Wir fuhren auch in die Stadt und die steilen Strassen hoch und um tausend Ecken - hinterher war ich froh, da aus diesem Gewirr wieder heil mit der Mücke raus gekommen zu sein. Also nix mit Kirche gucken. Anni hat noch ein paar Fotos machen können - aus der Ferne. Aber das war es dann.
Als wir den Ort Vila Cha erreichten - reinrassiges Kopfsteinpflaster im ganzen Ort, macht unbedingt Freude zu fahren - kurvten wir durch tausend kleine Gassen. Das Navi sagte hüh und das Camping-Schild sagte hott und letztendlich fanden wir den Platz nur deshalb, weil nette Portugiesen vor uns herfuhren, uns durch die engen Gassen winkten und uns den Weg zeigten.
Der Platz gut gesichert mit einem elekrischen Rolltor und sah supermodern im Ankunftsbereich aus. Doch auch hier fanden sich fast ausnahmslos Dauercamper bis auf einen Bereich am Ende des Platzes. Eine Wiese, aber dort ohne Licht in der Nacht - und das ist ja dann nicht mein Ding. Stockdunkel muss nicht sein. Aber da die Sonne schien, wir es satt waren zu fahren, auch übermüdet rumschlichen blieben wir. Anni kramte in ihrer "Werkzeugkiste" eine Handwerker-Leuchtlampe raus und befestigte diese an einem Baum vor unserem Platz. So hatten wir die Nacht über ein bisschen Licht. Und ich denke, die Leute, die nach uns kamen - 2 Wohnmobile und je zwei deutsche Zelter, waren nicht böse für das bisschen Licht.
Internet gab es auch, aber nur als Standgeräte. Schade, WiFi hätte uns geholfen. Und so gab es gestern mal ausnahmsweise nicht mal das Öffnen des PCs. Kein Text, keine Bilder, kein Nichts. Nur mal abschalten...
Für den nächsten Tag hatten wir uns einen Rundtrip am Douro vorgenommen - natürlich im strahlenden Sonnenschein...



05.10.2010 Douro-Rundfahrt für abenteuerliche Navi-Besitzer

Heute morgen waren wir beizeiten wach, weil Annis Handwerkerlampe draussen mit einem Knall den Geist aufgab. Es war zwar schon 8:00 Uhr, aber hier in Portugal gehen die Uhren anders, hier war es erst 7:00 Uhr. Aber das machte alles nichts. So hatten wir Zeit, in Ruhe zu frühstücken und dann die Sachen zusammen zu packen. Gegen 9:15 verliessen wir den Platz.
Unser Ziel war, ein Stück den Fluss "Douro" entlang zu fahren. Scherzhaft meinten wir, wir gehen mal Mosel gucken der portugiesischen Art.
Als Weltkulturerbe "landschaftlich schön" gekennzeichnet, zeigen die Land-Karten einen grossen Teil der Strecke, der direkt am Douro entlanggeht. Dort auf dem Fluss fahren Boote, Ausflugsdampfer und Sandstrände sind auch da. Dazu Hänge voller Weinreben und in manchen Bereichen grosse Gutshäuser.
Es gibt sogar eine Bimmelbahn, die den Touristen alles Wesentliche im vorbeifahren zeigen soll.
Wir wollten ca. 60 Kilometer mit der Mücke in eine Richtung fahren, dann über die dortige Brücke im Ort Ribadouro fahren und dann auf der anderen Seite wieder zurück bis kurz vor Porto.
Das Wetter war heute morgen trübe, aber das macht ja nix, einen Abenteurer hält so was nicht auf. Und das Abenteuer fing auch ziemlich flott an. Das Navi führte uns mal wieder über Wege, Ortschaften, steile Kopfsteinpflasterumwege, die total überflüssig waren und durch Gegenden, die überall waren, nur nicht auch nur in der Nähe vom Douro. Es half auch nicht, die Navi-Bedingungen abzuändern. Beleidigt lief es dann stellenweise überhaupt nicht, weil es die Strasse nicht kennen wollte. Die Software ist erst knappe zwei Jahre alt, und die Gegend ist älter. Aber irgendwann hatten wir dann beide die Schnute voll von diesem Gedöns und fuhren nach Karte, denn wir wollten ja endlich an den Douro. Zumindest das Fahren war jetzt effektiver und sehr viel entspannender. Endlich konnten wir die Gegend geniessen - als wir dann endlich mal am Douro ankamen.
Nein, mit der Mosel ist das hier kein Vergleich. Aber auf eine andere Art landschaftlich sehr schön. Die "Haupt"-Strasse "N108" schlängelt sich durch riesige Eukalyptuswälder - welch ein Duft nach dem Regen gestern -, oder über Hügel und Berge mit weitem Blick. Vor allem, wenn man so auf halber Höhe irgendeines Hügels oberhalb des Douro entlang fuhr. Tiefer Blick nach unten aufs Wasser, oder Blick ringsherum auf besiedeltes Land, durchzogen von vielen kleinen Weinreben-Anlagen, die anders als an der Mosel, die Reben hochhängend haben. Oder ulkigen Dörfern in denen nicht nur die Gassen malerisch schön waren, sondern auch z.B. mit Hingabe eine Säulenstrasse "a la römisch" um einen Weingarten herum repariert und erneuert wurde.
Irgendwann wollten wir dann unbedingt endlich auf die andere Seite des Douro, da unser geplantes Endziel zum Umkehren noch endlos weit weg war. Ja, wir hätten eine Fähre nehmen können. Aber der Weg nach da unten - für uns nicht machbar. Also weiter ins nächste Dorf. Wieder eine Abfahrt. Aber bis wir die auf tausend Wegen endlich erreichten, glaubten wir schon nicht mehr an die Existenz dieser Brücke. Aber sie war tatsächlich da. Wir nix wie drüber. Und da stand dann doch auch ein Schild: Porto 88 km. 88 sehr lange Kilometer...
Nein, ich will nicht meckern. Eigentlich war die gesamte Strecke eine tolle Tour. Wir haben bestimmt mehr vom portugiesischen Hinterland mitbekommen als gedacht und gewollt.
Nur irgend wann waren wir die Kurverei durch all die klitzekleinen Dörfer mit ihren verdammten Kreisverkehren und hoppeligen Brems-Stoppern dann doch satt. Mittlerweile war es auch schon 15:00 Uhr portugiesischer Zeit.
Also suchten wir den Weg zu unserem ausgeguckten nächsten Campingplatz, in dem wir dem Navi die Koordinaten anvertrauten. Nein, der Tag war noch nicht zu Ende, die Kurverei fing wieder an und letztendlich schickte sogar Anni mich logischere Routen als die, die das Navi vorgab.
Und irgend wann nach vielen Versuchen landeten wir auch auf dem Campingplatz. Man brauchte ja nur den Schildern nachzufahren...
Alles in allem sind wir gute 200 Kilometer gefahren. Laut Plan wären wir mit 120 Kilometern ausgekommen. Aber gereut hat es uns trotzdem nicht. Stellenweise hatten wir Sonne, mehrmals mussten wir unterwegs drehen, weil die Strassen nicht logisch zueinander passten, oder ganz woanders hingingen. Den Douro haben wir auch gesehen, wenn auch nicht direkt neben ihm fahrend. Aber die Gegend - die war wieder Klasse.
Jetzt sitzen wir auf einem "Orbitur" Campingplatz, hören das Meer ganz in der Ferne rauschen. Um uns herum erstaunlich viele Wohnmobile und der Platz, den wir uns hier ausgesucht haben, ist ok. WiFi gibt es auch. Und zu guter Letzt bekamen wir an der Rezeption auch noch Rentner-Rabatt - weil "Orbitur" 50 Jahre existiert. Wir haben uns ganz doll über den Rabatt von 1,26 Euro gefreut...
Was wir morgen machen, wissen wir noch nicht. Es reicht mal wieder mit der Fahrerei. Und wir sind unserer Zeit sowieso voraus...



07.10.2010 Weiterfahrt nach Salamanca - eine 370 Kilometer-Tour

Es hatte wieder die ganze Nacht geschüttet. Und wenn dicker Regen auf ein Wohnmobildach trommelt, ist die Nacht vorbei.
Echte Trommeln sind nichts dagegen.
Und so waren wir letztendlich mit unserem WoMo-Packen und zusammenräumen um 7:15 Uhr (ist 8:15 Uhr in Spanien) bereits runter vom Campingplatz. Auch wenn es mehr als dämmrig war. Und es regnete und regnete...
Und das Navi zeigte wieder seine besondere Vorliebe für Nebenstrecken über Kopfsteinpflaster und Hoppelwege. Anni wird ab morgen unser 2. Navi einsetzen von einer anderen Firma. Mal sehen, ob das besser ist. Und natürlich werden wir uns aktuelle Karten besorgen, wenn wir wieder zu Hause sind. Hier ist sicherlich eine Menge umgebaut, ergänzt und erneuert worden. Aber wenn da uralte Häuserzeilen stehen und das Navi da mitten durch eine Strasse zum Abbiegen sieht, bleibt schon eine gewisse Un-Logik. Aber das haben wir ja dauernd mit diesem Ding...
Ein Gutes hatte die Kurverei. Wir kamen an einer Tankstelle vorbei, wo wir nicht nur tanken sondern auch ein bisschen frühstücken konnten. Und dann fuhren wir auf die Autobahn A-25. Und die ging durch bis zur spanischen "Grenze" und wurde dort zur A-62. Die ist hier, wie auch einige andere unterwegs, neu gebaut. Und (noch) kostenlos. Aber das ändert sich. An vielen Stellen hängen Anlagen über der Strasse - wie bei uns die Dinger für die LKW - und es wird angekündigt, dass zukünftig via elektronschem System die Gebühren eingezogen werden. Wie das funktionieren soll mit den Touristen?
Wir jedenfalls hatten, eigentlich bis hierher zum Campingplatz in Salamanca eine supergute und schnelle Autobahn. Das brachte uns natürlich Zeitgewinn, um hierher zu kommen.
Und neben dem entspannten Fahren auf den meist dreispurigen Bahnen mit wenig Verkehr gab es noch ein besonderes Schmankerl: eine tolle Landschaft.
Über viele Kilometer fuhren wir durch Eukalyptuswälder. Links und rechts der Strasse zog der Nebel durch die Täler und entwarf tolle Natur-Szenerien. Dann hörte es auf zu regnen und sie Sonne blinzelte ein bisschen durch die dicken Wolken.
Und dann änderte sich die Landschaft erneut. Anstatt endlos Eukalyptus gab es jetzt "Berg-und Tal-Fahren". Dazu über viele Kilometer rechts und links der Autobahn Granit-Landschaften mit Steinen total glatt und abgeschmirgelt bis Kugeln in allen möglichen Formen und Grössen und Mengen. Irgendwie hat Obelix bei seinem letzten Urlaub hier nicht richtig aufgeräumt...
Später und schon in der Nähe der spanischen "Grenze" änderte sich die Landschaft erneut. Riesige Flächen, viele Kilometer lang mit alten bis uralten Eichenbäumen.
Und als wir wieder in Spanien waren und die Uhren wieder normal liefen, änderte sich die Landschaft erneut. Jetzt war Ackerbau und Viehzucht das Thema rechts und links der Autobahn. Wir sahen Schafe ohne Ende, schwarze, stolze Stiere, weisse Kühe, und direkt an der Autobahn die neueste Sorte Kuh: die bunte Kuh...
Und abgeerntete Felder bis zum Horizont, rotbraune Äcker und manchmal dazwischen auch junge Eichenwälder.
Also landschaftlich ein Genuss für die Augen und die Sinne - wenn man sich dafür interessiert.

Kurz vor Salamanca waren wir der Meinung, wir müssten nun unbedingt McDo besuchen. Schliesslich war es schon knapp 14:00 Uhr und der Magen knurrte. Also fuhren wir in die Stadt. Und siehe da, rechts gab es ein McDo und links der Strasse den BurgerKing und Aldi. Wir entschieden uns für die zweite Variante. Es dauerte zwar eine Weile, bis wir endlich die richtige Ausfahrt für diesen Teil des Einkaufzentrums fanden. Aber es klappte. Erst lecker einen Hamburger reingezogen und dann eben noch mal bei Aldi nach dem Rechten geguckt und Kleinigkeiten eingekauft. Gegen 14:30 Uhr waren wir dann hier auf dem Campingplatz "Don Quijote" und da stehen wir jetzt auf einem sehr schönen Platz in strahlendem Sonnenschein.
WiFi gibt es auch, aber nicht umsonst. Eine 24-Stunden-Karte kostet 5.- Euro. Aber was tut man nicht alles für die Lieben daheim...
Morgen werden wir nach Salamanca reinfahren. Und da sind wir mit Sicherheit wieder Stunden beschäftigt. Darüber dann morgen mehr...



08.10.2010 Ein Rundgang in Salamanca

Heute Nacht hat es hier doch tatsächlich auch geregnet. Oh nein, nicht schon wieder, dachten wir...Aber als wir gegen 10:00 Uhr aufbrachen, war schon wieder blauer Himmel zu sehen und die Sonne machte sich auch auf den Weg voll den Tag ausleuchten zu wollen.
Wir gönnten uns wieder ein Taxi um in die Stadt zu fahren. Unsere Taxifahrerin setzte uns wunschgemäss erst an der römischen Brücke von Salamanca ab. Anni wollte diese unbedingt überqueren. Aber die neulich in Puenta de la Reina war dann doch um Klassen schöner, wenn auch kleiner als die hier.
Von der Brücke aus waren es nur wenige Schritte an der alten Stadtmauer entlang und durch eine schmale Gasse bis zur Kathedrale. Die ersten Bus-Gruppen waren schon eingetroffen. Aber im grossen ganzen war es noch ruhig vor der Kirche.
Besuchen wollten wir das Schmuckstück der Stadt: die eigentlich Doppel-Kathedrale. Die alte Kathedrale stammt aus 1140. Aber es dauerte rund 100 Jahre bis sie endlich fertig war. Und so finden sich in dieser Kirche viele verschiedene und einmalige Stile und Kunst und Malerei aus 100 Jahren.
Im 15.Jahrhundert meinte man, Salamanca bräuchte unbedingt eine neue Kathedrale. Man riss einfach einen Teil von der alten Kirche ab und baute die neue Kirche dran. Gross und prächtig sollte sie sein. Aber auch ihre Fertigstellung dauerte von 1513 bis 1733. Und so finden sich auch hier Gothik, Renaissance und Barock friedlich vereint. Auch einen Turm gibt es. Dazu noch die alte Kirche mit romanischen Einschlägen - also da fehlt nichts mehr.
Über dem Eingangsbereich der neuen Kirche prangen an zwei Toren grossartige Figuren, Rundbögen, jede Menge Heilige und viel, viel Geschichte. Es ist einfach schön, diese Fassade zu betrachten. Innen ist besonders das Chorgestühl schön. In den vielen Altarnischen kann man prunkvolle Altäre bewundern.
Die alte Kirche kann durch die neue Kirche an einer Seite betreten werden, kostet aber 5.- Euro Eintritt. Aber es lohnt sich! Diese Kirche besticht zum einen durch Schlichtheit auf den ersten Blick. Zum anderen aber mit einem Altar vom Feinsten. Aber nicht genug damit, direkt nebenan sind noch jahrhunderte Jahre alte Malereien zu sehen über und an und unter prunkvollen Grabstätten. Auch diese sind supertoll verziert mit Stein aber auch stellenweise mit Alabaster.

Geht man über eine kleine Tür rechts weiter landet man in einem Kreuzgang. Auch hier viele Nebenräume, die heute als Museum dienen für diese wirklich einmaligen und zum Teil ausgefallenen Gegenständen. Von Bildern, über Malereien, tollen geschnitzen Figuren, Altären und Decken, bis hin zu lebensgrossen Figuren - Priestern und Päpsten?. Daneben alte Chor-Stühle und andere Kostbarkeiten. Natürlich auch viele verschiedene Grabstätten berühmter Männer der damaligen Zeiten. Mal schlicht, mal prunkvoll, mal in Glaskästen, mal verziert mit Ornamenten. Aber nicht genug: Nebenan in einem weiteren Raum tolle Gemälde aller Jahrhunderte, auch ein Tryptichon. Leider war der Innenhof des Kreuzgangs mit Fenstern verschlossen und man konnte wenig sehen von diesem Bereich. Aber wir hatten auch genug gesehen und erfahren und erlebt. Nach fast 2 Stunden verliessen wir die beiden Kathedralen. Es war einfach toll gewesen.
Aber das ist nicht alles von Salamanca. Gegenüber dieser Kirchen befindet sich die Universität. Und dort befindet sich auch das berühmte Mascottchen der Studenten an der Fassade: ein Frosch auf einem Totenschädel. Vor dem Eingang auf den Treppenstufen sassen Hunderte von Studenten. Heute ist der Tag der Einschreibung und demzufolge herrschte hier Hochbetrieb und ein Gehen und Kommen. Die Uni ist etwas Besonderes. Hat sie doch viele berühmte Leute hervorgebracht wie z.B. Dichter und Denker. Auch Kolumbus war mal da und ein Pater formulierte hier bereits 1540 die Grundlagen des Völkerrechts.
Aber nicht genug der guten Dinge. Es gibt etwas Besonderes dort: Salamanca ist natürlich auch die Stadt der Pilger. Hier verläuft der berühmte "Camino de la Plata" - der Silberweg. Er kommt von Sevilla hoch und endet natürlich in Santiago. Und WIR haben somit auf dieser Tour auch unseren letzten Camino "dazwischen". Und passend für die Pilger gibt es ein berühmtes Haus - "La Casa de la Conchas"- das Muschelhaus. Ein Stadtpalast, dessen Fassade mit mehr als 300 Jakobsmuscheln aus goldgelbem Sandstein verziert ist. Das Gute daran ist, dass diese Muscheln nie ihre goldgelbe Farbe verlieren werden, da der hiesige Sandstein nie schwarz wird, wie sonst üblich mit der Zeit.
Nein, und das ist immer noch nicht alles. Es gibt einen "Plaza Mayor" - so riesig, dass man früher hier Stierkämpfe abgehalten hat. Er gilt als der schönste Platz Spaniens. Normalerweise ist er eher ein Platz zum Flanieren unter den Arkaden, zum Essen und Kaffeetrinken und zum Entspannen.
Nur heute nicht! Hier findet ein grosses Fest statt - ein Benefiz-Fussballspiel mit einer Auswahl der besten Fussballer Spaniens gegen Litauen. Schon als wir da ankamen, war der riesige Platz überfüllt mit Menschenschlangen, die sich angestellt hatten für ein Ticket für heute Abend. Dazu war eine Bühne aufgebaut und Musik dröhnte über den Platz. Rings herum war alles voll, voll, voll...
Wir kamen nicht in den Genuss, den Platz in seiner vollen Grösse zu geniessen. Aber das macht nichts. Wenn ein Fussballspiel samt Zuschauer da untergebracht werden kann, wissen wir wie gross es da ist.
Wir wanderten weiter durch die Altstadtstrassen ringsherum und suchten ein nettes Lokal fürs Mittagessen. Letztendlich landeten wir wieder auf einer der Fussgängerzonen, die zu den Kathedralen führen. Dort waren Tische mitten auf der Strasse gedeckt und Kellner warteten auf Gäste.
Obwohl mittlerweile die Sonne voll schien, war es einerseits windig und andererseits waren wir nassgeschwitzt in unseren dicken Regenjacken. Deshalb wollten wir lieber innen in einem Restaurant sitzen - was wir dann auch taten. Für 11.- Euro pro Person für Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch waren wir mehr als gut bedient, samt einem Glas Wein.
Als wir später wieder auf dem Platz waren, stellten wir fest, dass die Stadt mittlerweile immer voller und voller wurde. Wir hatten eigentlich alles gesehen, was wir sehen wollten. Natürlich gibt es noch elf weitere Kirchen. Eine hatten wir uns noch angeschaut. Sie war richtig gut. Schlicht, eine reine "Betkirche" für die persönlichen Bedürfnisse - aber von einer sanften Musik erfüllt. Das war das erste Mal, dass wir in einer Kirche Musik und keine Choräle oder so gehört haben.

Wir wollten jetzt zurück auf den Campingplatz. Ein Taxi zu finden gestaltete sich nicht einfach und war verbunden mit einem langen "Verdauungsspaziergang" nach dem Essen. Und als wir endlich eines gefunden hatten, kamen wir in eine frühe "Rushour" - vermutlich wegen der Feiereien. Aber gegen 16:00 Uhr landeten wir dann doch wieder hier auf unserem Platz.
Jetzt versuchen wir alles noch in "trockene Tücher" fürs Internet zu bekommen. Wir haben zwar WiFi hier - taugt aber nichts und funktioniert nur in der Rezeption wirklich.
Ob wir morgen Internet haben wissen wir nicht. Aber wir werden morgen in der Stadt "Caceres" sein...



09.10.2010 von Salamanca nach Caceres

Natürlich hat es diese Nacht wieder geregnet. Ein Grund mehr, beizeiten aufzustehen um uns auf die Socken zu machen. Kurz nach 8:00 Uhr waren wir unterwegs - ein Frühstück hatten wir übrigens heute morgen genossen, so viel Zeit war gewesen...
Schön ist es, dass abweichend von den meisten Landkarten es nun überall kostenlose Autobahnen gibt. Auch das Navi war da "blind", so neu sind die Strassen zum Teil. Und so war es uns auch egal, dass der Regen mal wieder aus Eimern auf uns heruntertrommelte. Ich dachte im Stillen nur daran, dass es bis Sevilla und Sonne und Wärme nur 480 Kilometer sind, auf der Autobahn natürlich. Sehr verführerisch, bei diesem Wetter einfach durchzubrettern.
Aber natürlich machten wir das dann doch nicht. Kurz hinter der Ortschaft Plasencia geht eine Nebenstrasse "EX 208" ab und führt durch den Nationalpark Monfragüe. Hier im Gebiet der "Extremadura" ist das besondere Highlight die umwerfende Tierwelt. Und wenn es in Europa Winter wird, finden sich ganze Heerscharen von Störchen hier ein. Dann ist kein Kirchturm, kein Hauskamin und erst recht kein Überlandstromleitungs-Mast vor ihnen sicher. Aber an bestimmten Stellen gibt es dann auch Flamingos und jede Menge andere Tiere die einfach hier anstatt im Süden überwintern. Ganz zu schweigen von den riesigen Mengen von Geiern, die hier schon seit Ewigkeiten ihr zu Hause haben. Es gibt noch sehr viel mehr Getier und für jeden Vogelkundler oder privaten Interessenten geht hier die Welt richtig auf. Nur jetzt nicht - zu früh.
Die Extremadura ist angeblich das "Armenhaus" von Spanien. Aber ich denke, genau das macht es so besonders. Wer nach hier kommt, findet noch eine intakte Umwelt vor. Und das bringt auch Geld und Wohlstand in die Kassen der Einheimischen.

Auch wir erlebten unsere Highlights. Und wie auf Bestellung hörte auch der Regen auf, als Anni abbog auf die Strasse in den Park. Und dann fuhren wir durch diesen National-Park. Wieder vom Feinsten und jedem zu empfehlen, der sowieso in den Süden runter oder nach Madrid oder Salamanca möchte.
Die Landschaft war jetzt natürlich übersät von abgeernteten Feldern bis zum Horizont. Darauf an vielen Stellen riesige Rinderherden oder auch Schafe und Ziegen. Wenn die Landschaft aber durchzogen wurde von diesen grünen, alten, verwitterten, verbogenen Eichenbäumen, dann war das besonders schön fürs Auge.
Diese Eichenbäume werden nicht geschält wie die Korkeichen, sondern hier werden die Eicheln verwandt für das Futter der berühmten schwarzen Schweine. Die wiederum liefern später mal den hervorragenden iberischen Schinken der besonderen Art. Gut, teuer und erste Sahne vom Geschmack....kein Wunder.
Und man soll es ja nicht glauben, plötzlich sahen wir diese Schweine auch. Zuerst auf einer Art Wiese und später mitten unter den Eichenbäumen...hunderte...
Ach übrigens, zu der Zeit waren wir auch schon sehr hungrig, es war schliesslich nach 14:00 Uhr...
Aber trotzdem war noch nicht Schluss mit Lustig: da läuft doch so ne Herde Rehe neben uns her....so schnell konnten wir gar nicht den Fotoknips hochkriegen.
Der absolute Knaller auf der Strecke war allerdings der "Geierfelsen". Man konnte viele Geier kreisen sehen und man konnte ahnen, dass da viele Nester in den Felsen waren. Nur drankommen mit der Kamera war fast unmöglich. Zu hoch und zu weit. Aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis.
Dann war der Park zu Ende und wir fuhren eine Strasse, die auch in den USA hätte sein können - schnurgerade Berg-und-Tal, rechts und links Prärie bis zum Horizont...
Und irgendwann kamen wir dann in Trujillo an. Wir hatten überlegt, ob wir der dortigen Burg noch einen Besuch abstatten sollten - aber null Bock. Und Parken irgendwo in der Nähe der Burg war auch gleich Null. Und so fuhren wir durch die Stadt durch und auf der N521 weiter nach Caceres.
In Berichten über diese Gegend hier hatte einer geschrieben, es gäbe einen ganzen Wald mit künstlich aufgestellten Masten, auf dem beizeiten die Störche nisten sollten. Wir fuhren nicht auf der menschenleeren, aber neu gebauten Autobahn Richtung caceres, sondern auf der Landstrasse N 521 um diese Masten zu sehen - aber Fehlanzeige. Und dann hiess es an einer Stelle, die Land-Strasse wäre gesperrt Richtung Caceres. Wir also dann doch auf die leere Autobahn und die paar Kilometer in Richtung Caceres weitergefahren.
Wir wollten unbedingt in der Stadt noch einkaufen. Wir hatten mittlerweile weder Brot, noch ein Bier noch irgendwas an Wurst oder Käse im Eisschrank. Und da es in Caceres laut Navi weder Aldi noch Lidl gibt, hatten wir uns einen Supermarkt ausgeguckt, der auf dem Weg zum Campingplatz lag.
Und siehe da, gegenüber von diesem Markt gab es doch einen Lidl-Laden. Da ging aber die Sonne auf, die sowieso schon schien. Wir deckten uns mit dem nötigsten für 2 Tage ein und schwangen uns wieder ins Auto um zum Campingplatz zu fahren.
4 Kilometer ausserhalb der Stadt, neben einem Fussballplatz-uns schwante schon wieder schlimmes. So ein Ding wie seinerzeit in Lumbier oder noch schlimmer? Und dann sahen wir ein Industrieviertel vor uns, links xyz und rechts CocaCola und sonstige Fabriken. Na Mahlzeit...
Und dann der Campingplatz. Und dann war Ostern und Weihnachten auf einem Tag: ein Platz vom allerfeinsten! geöffnetes Restaurant, geöffnete Cafeteria, geöffneter Supermarkt, ein parzellierter Stell-Platz, eben und auf Terrassen-Niveau. Und das zweitschönste: ein eigenes Badezimmer mit Dusche, Toilette mit reichlich Toilettenpapier und Waschbecken (ob die Putzfrau morgen früh auch noch kommt???). Dazu Stromanschluss, Spülbecken, eigener Wasseranschluss, zwei Stühle und ein Tisch. Und das schönste: eine funktionierende WiFi-Leitung bester Qualität in die wir beide gleichzeitig gehen können: KOSTENLOS!
Nun stehen wir hier, sind rundum zufrieden, die Sonne scheint warm. Und wir werden bestimmt bis Montag bleiben.
Morgen sehen wir mal, wie wir in die Stadt Caceres kommen, denn auch hier erwartet uns wieder eine Kirche und vielleicht auch noch ein Kloster - wenn wir es finden.
Und jetzt geniessen wir den Abend und die Sonne...



11.10.2010 Fahrt zum Endziel unserer Camino-Fahrten: Sevilla

Heute morgen haben wir wirklich "Stöckchen" gezogen, ob wir nicht doch noch eine weitere Nacht in Caceres bleiben sollten. So ein schöner Campingplatz. Aber letztendlich siegte dann doch die Vernunft. Es war sehr kalt gewesen in den Nächten, und die Sonne kam spät, um zu wärmen. Und 350 Kilometer weiter südlich ist man eben doch eher in der Sonne.
Als erstes fuhren wir nach dem Frühstück und der Abreise vom Platz in die Stadt. Wir hatten uns zeigen lassen, wo man parken könne. Die Stadt bietet auch eine kleine Altstadt mit einer Unmenge alter Gebäude und zwei Kirchlein. Ist natürlich auch UNESCO-geschützt. Und wir wollten wenigstens einen kleinen Gang durch die Strassen machen. Ich weiss nicht, aber eine Stunde sind wir da schon rumgegurkt, aber es half alles nichts, kein Parkplatz für uns oder von Bussen belegt. Irgendwann hatten wir die Nase voll. Wir fuhren weg und gaben es dran.
Über die Autobahn A 66 steuerten wir Merida an, ca. 65 Kilometer südlich. Merida ist die "Provinzhauptstadt", und entsprechend lebhaft ging es dort zu. Die Highlights dort sind viele römische Spuren. Sei es ein fast verfallenes Theater mitten in der Stadt, seien es Brückenköpfe oder halbe bis fast halbe Brückenreste. Oder viele Bauten mit römischen Zügen. Wer das liebt, ist hier völlig richtig. Ach ja, unseren wohl einzigen brütenden Storch haben wir dann da auch gesehen... Ob der Frühdienst hatte?
Allenthalben gab es Kreisverkehre, die aber wenigstens mit Brunnen und nachgebildeten römischen Statuen. Bestimmte Bereiche der Stadt waren gesperrt, und wir konnten da dann auch nicht weiterfahren. Der moderne Teil der Stadt wirkt jung und lebhaft und hat eine imposante, moderne Brücke über den Fluss. Und das war es dann auch schon für uns...
Trotzdem war es schon Mittagszeit, als wir wieder auf die Autobahn fuhren, um die 170 Kilometer bis Sevilla in Angriff zu nehmen. Während bis Merida die Landschaft vorwiegend aus Eichenwäldern, Rindviechern aller Farben, schwarzen Schweinen und weissen Schafen bestand, änderte sich das nach Merida schlagartig. Plötzlich hatten wir Weinberge bis zum Horizont und dann Olivenbaum-Wälder, dann wieder beides nebeneinander, aber immer bis zum Abwinken. Spaniens Highlights: Flaschenwein und Olivendosen... Unangenehm war es auf unserer weiteren Fahrt, dass eine Fliegen-Invasion über das Auto herfiel. Man konnte fast nichts mehr sehen vor lauter "Scheibenkleister". Da haben wir noch viel Reinigungsarbeit vor uns.
Als wir vielleicht knappe 80 Kilometer von Sevilla entfernt waren, änderte sich die Landschaft erneut. Jetzt herrschte wieder das altvertraute Bild von Eichenbäumen und Prärie vor, die allerdings nach und nach dann doch landwirtschaftlicher Nutzung wich. Und dann kam Sevilla. Es war sehr einfach, die Autobahnen von A66 auf A4 zu wechseln. Es war auch einfach, die entsprechende Abfahrt zum Campingplatz zu nehmen. Doch als wir dort ankamen, war der da nicht - nur ne Grossbaustelle.
Wir haben erst mal heftigst geflucht. Dann gesucht, nix gefunden. Dann haben wir einen anderen Campingführer befragt, und siehe da, der hatte andere Koordinaten als die unseren. Jetzt fährt man schon modern nur noch nach Koordinaten, und dann sind die auch noch falsch angegeben. Also zweiter Versuch. Und wieder durch die Gegend gekurvt - macht keinen Spass bei dem hier herrschenden Verkehr - und dann endlich abgebogen, falsch natürlich, also erst mal wieder geradeaus und viele Kilometer später abgebogen und neu angesetzt. Ärgerlich ist nur, diese verflixten Kreisverkehre findet man zuhauf und völlig überflüssig. Und wenn man mal einen brauchen könnte, ist keiner da... Letztendlich haben wir dann doch den Camping-Platz gefunden. Auch ein Plätzchen, das uns genehm war und das auch Internet hat, wenn auch schwach. Hier sind es locker 28 Grad und blauer, wolkenloser Himmel. Deshalb werden wir morgen erst mal hier bleiben und den Pool in Augenschein nehmen. Das Poolwasser hat angenehme Temperaturen, und es macht Laune mal was ganz anderes zu tun.
Wir werden natürlich noch die Kathedrale von Sevilla besuchen. Aber unsere " Jakobs-Wege-Tour" ist jetzt hier zu Ende. Ein Fazit wird es später geben. Und weitere Berichte von unseren folgenden Aktivitäten werden in unregelmässigen Abständen erfolgen.



12.10.2010 ...das war es dann mit Jakobus für dieses Jahr...

Die Zeit ist um, auch wenn noch der Besuch der Kathedrale von Sevilla aussteht. Den machen wir Donnerstag. Eine solche Stadt muss mit Genuss angegangen werden, und nicht mit müden Knochen und einem vollen Kopf.
Wir haben hier ein schönes Plätzchen gefunden, vor den Toren Sevillas, aber nah genug um in 20 Minuten mit dem Bus in der Stadt zu sein. Und mit sooo viel Sonne und Wärme macht es auch mal Spass neben der verflixten Hausarbeit wie putzen, Fliegen von gestern entsorgen - mühsam mit Meister Proper und heissem Wasser, Staubsaugen u.s.w. einfach im Sessel zu sitzen und die Sonne zu geniessen. Um uns herum Mandarinenbäume, Palmen und viele andere schöne Gewächse. Und würden jetzt noch die tausend kleinen Fliegen und die wilden Katzen verschwinden, wäre es richtig idyllisch. Zumindest haben wir hier zufälligerweise einen Stand-Platz erwischt, der nicht nur WiFi hat, sondern auch den grossen "Kontrollblick" erlaubt, wer hier alles so angefahren kommt...

Nun zur Zusammenfassung: wir hatten mehr Zeit vorgesehen, als wir letztendlich gebraucht haben. Die geplanten Pausen zwischendurch fielen aus oder waren nur kurz. Das lag zum Teil am Campingplatz, weniger am Wetter, aber zum grössten Teil an unserer Neugierde, noch ne Kirche zu "machen". Trotzdem sind wir insgesamt durch Nordspanien ab Grenze Frankreich gerechnet,ca. 3.500 Kilometer bis hierher gefahren. Durch tolle Gegenden in den meisten Fällen. Wir haben mehrere "Bundesländer" durchquert, aber viel wichtiger, wir haben sehr viele Jakobswege - hier Caminos genannt, gekreuzt oder befahren. Und manchmal kannten wir die überhaupt nicht. Fast überall findet man moderne Schilder mit dem Hinweis "Camino de Santiago" und kleinere Schilder mit den jeweiligen Pfeilen, wo man weiterlaufen soll.

Pilgerwege: Insgesamt haben wir 11 verschiedene Camino-Wege befahren oder gekreuzt. Subjektiv gesehen steht für uns fest, dass tatsächlich der "französische Weg" - der der über Burgos und Leon nach Santiago geht - und eigentlich in Pamplona so richtig beginnt, der gescheiteste ist. Er vereint sich bei Puente de la Reina mit den beiden Wegen aus den Pyrenäen und dem aus Aragon. Für Fussgänger scheint er der einzig wahre Weg zu sein. Hier findet man unterwegs in erreichbaren Abständen auch für nicht so geübte Fussgänger, Herbergen oder ähnliche Unterkünfte. Alle schönen und grossen Kirchen liegen auch an diesem Weg. Und auch er bietet offizielle "Abzweigungen" zu weniger bekannten Kirchen oder Klöstern, bevor er wieder auf die Hauptroute zurückkehrt.
Hier wird auch jetzt um diese Jahreszeit noch viel gepilgert. Man ist damit hier auch nicht so mutterseelen-allein wie auf anderen Caminos, auf diesem langen Weg nach Santiago.
Am nervigsten empfanden wir den "alten Weg" vom Norden kommend. Hier gab es auch die Schilder wie man den Weg zu laufen hatte, aber alle 300-500 Meter kreuzte dieser Weg von rechts nach links und wieder zurück die Hauptstrasse. Und so lief man viele Kilometer völlig umsonst unserer Meinung nach. Wäre man neben der Fahr-Strasse hergelaufen, hätte das den gleichen Effelt gehabt, aber viele Geh-Kilometer gespart. Wir denken, dass da eine neue Strasse gebaut worden ist, mitten durch den originalen Caminoweg. Und nun traute sich wohl keiner, den Weg der neuen Strasse anzupassen. Nicht gefahren sind wir den Weg nach Finisterre - dort wo der Camino am Meer endet und alles vorbei ist. Das Wetter war einfach zu schlecht.

Unsere persönlich schönsten Kirchen auf dieser ganzen langen Tour waren weniger die grossen, bombastischen Kathedralen. Eher die kleinen, alten, schlichten, aber geheimnisvoll anziehenden Kirchen wie z.B. die St. Pedro Kirche in Fromista. Oder die grossartige Kirche von Canas - ein kleines Juwel, vor allem das Museum. Auch die echte alte Kirche hinter der neuen Kirche in Salamanca hatte so was Geheimnisvolles. Dazu noch die von Santillana del Mar - St. Juliana-, die besonders durch ihren tollen Kreuzgang bestach.
Ungewöhnlich war auch der unerwartete Kreuzgang in der dritten Etage der Kathedrale von Santiago. Leise, aber für mich besonders wundervoll, war die Kirche St.Martin mitten in Salamanca. Sie war nur eine schlichte Kirche zum Beten und für persönliche Gründe. Bescheiden ausgerüstet, auch der Altarbereich, aber erfüllt von Musik - zum Trösten, zum beruhigen und zum friedlich machen. Nein, keine Kirchenmusik, eher im Stil " Chill out" oder "Ambiant".

Campingplätze waren auch so ein Thema. Normalerweise können wir mit dem Wohnmobil auch auf Stellplätzen stehen, da wir autark sind auch mit Strom. Aber es ist gefährlich geworden, dies zu tun, wenn die Plätze nicht bewacht sind. Und blauäugig mutterseelenallein auf einem einsamen Platz am A.. der Welt zu stehen, überlassen wir lieber tapferen und gestandenen Männern. Manchmal mussten wir sehr viel mehr bezahlen auf dem Campingplatz im Vergleich zu einer Standgebühr auf einem Stellplatz irgendwo in der Walachei, aber dafür haben wir meist auch ruhig geschlafen.
Das Problem war während unserer gesamten Tour, dass die für unsere Route passenden Camping-Plätze geschlossen hatten - sie sind meist nur während der Nordspanien-Saison geöffnet. Und so mussten wir unsere Route den offenen Plätzen anpassen - nicht immer einfach. Dabei erlebten wir dann auch unsere Flops. Aber wir fanden auch gute und annehmbare bis spitzenmässige Plätze.
Der beste im Norden war sicherlich der in "Luarca". Direkt überm Atlantik und mit weitem Blick, sauber und sogar ne deutsche Chefin.
Eine besondere Überraschung war der Platz in Caceres. Wir haben nur einmal in anderen Jahren einen Platz entdeckt, der ebenfalls pro Camper ein eigenes "Badehäuschen" hatte - in Fortuna, einem Thermalbad-Ort in der Nähe von Murcia.
Der von Caceres war sehr gepflegt und auch das "drumherum" stimmte einfach - vom offenen Lokal und Supermarkt bis hin zu grossen Wäsche-Waschräumen samt Trockner. Auch gibt es zwei Riesen-Schwimmbäder, die jetzt allerdings nicht mehr in Betrieb sind.
Auch hier der Platz - wenn auch mehr als mühsam gefunden - vor den Toren Sevillas ist gut. Sogar das Schwimmbad ist nutzbar und jeder hat viel ungestörten Platz um sich herum. Und alles, was man benötigt als Camper ist ebenfalls vorhanden.



Landschaften haben wir massig erlebt. Und fast alle waren toll und viele unerwartet schön. Wäre es nicht so früh dunkel geworden, schliesslich haben wir auch hier Oktober, man hätte noch einiges mehr "reinpacken" können an tollen Strassen oder Gegenden. So war es schon nicht machbar im strömenden Regen zum Pico de Europa zu fahren. Dort oben wird aus Regen leicht Schnee und wir liessen somit auch den Ansatz dahin zu fahren, bleiben.
Aber wir haben dafür einige tolle Schluchten erlebt. Bei uns wären die schon längst für Autos aller Art gesperrt. Hier konnte man sie noch geniessen. Auch die Landschaft am Yesa-Stausee war schon was Besonderes. Es sah dort aus wie in den "Badlands" in den USA. Der grösste Knaller allerdings war der Trip durch den Monfragüe Nationalpark. Zu Hause hatte ich alles gelesen über die Tierwelt und was man alles sehen konnte an aussergewöhnlichen Tieren. Kann man auch - im Frühjahr... DAS hatte ich bei der Planung übersehen. Momentan sind nur die "Stammtiere" da, selbst die Störche sind noch nicht da und die sind sonst die ersten im Winterquartier. Aber es ist in Europa trotz Ende Oktober ja auch noch nicht so kalt, dass die Tiere in den Süden fliegen. Aber die Gänsegeier auf ihrem Geier-Felsen waren schon ein Erlebnis, das muss man so sehen. Auch wenn die Tiere jenseits des Flusses waren und somit in Sicherheit vor den Menschen.
Und sieht man alles positiv - sooo viele schwarze Schweine haben wir vorher auch noch nie gesehen. Und die vielen Rinderherden und natürlich auch die weissen Schafe....
Und Landschaften, die über Hunderte von Kilometern bis zum Horizont mit Weinreben bepflanzt sind, gibt es weder am Rhein noch an der Mosel. Das ist schon eine Nummer grösser hier.

Menschen zu denen wir Kontakt aufnehmen konnten und mit denen wir hätten mal sprechen können, gab es wenige. Der Dialekt hier ist noch anders als im üblichen Spanien. Und dass wir eine Deutsche getroffen haben, die mit einem Holländer verheiratet ist und seit 50 Jahren an der Atlantikküste lebt - das ist ein Glücksfall. Und die Tips von ihr waren auch gut, wir hätten sonst eine Menge weniger erlebt. Die anderen Menschen waren eher die Leute auf den Campingplätzen. Erstaunlich wenig Deutsche, aber massig Engländer, z.T. sogar in gemieteten Wohnmobile mit spanischen Kennzeichen unterwegs. Sie fallen immer nur auf, weil sie so ungelenk einparken - sie sitzen ja normalerweise auf dem Beifahrersitz als Fahrersitz. Allgegenwärtig auch die Franzosen, deren Manieren sich auch hoch oben im Norden nicht geändert haben. Wenig Holländer, was uns sehr verwundert hat. Getroffen haben wir sie erst wieder in gewohnten "Mengen" in Salamanca. Schön, wenigstens mal mit den Holländern deutsch reden zu können...

Einkaufen konnten wir überall problemlos. Man soll es ja nicht glauben, aber überall gab es LIDL - Aldi muss sich da aber Marketingmässig heftig was einfallen lassen...Für uns hatte das den Vorteil, dass es wenigstens Quark für mich und den passenden Flam-Pudding für Anni gab. Ganz zu schweigen von diversen tiefgefrorenen Leckereien, deren Namen wir in spanisch nicht mal gewusst hätten - oder wissen sie was "Jakobsmuscheln gefüllt mit Schinken und Käse" in spanisch heisst? Wobei es sich hier in Wirklichkeit nur um den Inhalt eines bei uns üblichen schlichten "Cordon bleu" handelt und der Name völlig irritierend ist...
Ach übrigens, Bier mit deutschem Reinheitsgebot - was immer das in Spanien auch heissen mag - haben wir nicht getrunken. Hier gibt es Flaschen mit "cruzcampo" einem spanischen Bier und das war bestimmt leckerer als das "deutsche Dosenbier"...

Essen gehen haben wir uns weitestgehend verkniffen. Einmal aus Zeitgründen und des weiteren, weil wir keine Lust auf Pizza und Pasta hatten, sondern eher auf etwas aus der Gegend. Aber da fingen dann die sprachlichen Probleme an. Eine Ausnahme gab es nur in Santiago, wo wir hervorragend gegessen haben - Menu del Dia - und diese Empfehlung auch gerne unserem holländischen Campingplatz-Nachbarn weitergegeben haben. Dem hat es dann ja auch geschmeckt - siehe Gästebuch-Eintrag. Und in Salamanca haben wir uns auch noch mal das Tagesgericht gegönnt.



Hübsche Städte gab es viele unterwegs. Aber wirkliche Highlights für uns waren Santander - weil es modern ist so weit weg da oben im Norden liegt, und Salamanca. Diese Stadt liegt mitten im Land in der angeblich ärmsten Gegend von Spanien, der Extremadura. Aber sie ist so modern durch ihre Universität und den hunderttausenden junger Studenten und gleichzeitig ein Schmelztiegel uralter Kultur ringsherum. Ein Kontrast, der nicht anziehender sein könnte. Ganz zu schweigen, dass auch alle Pilger hier früher oder später mal eintreffen - auch wenn es "nur" der Camino-Silberweg ist...

Das Strassennetz in ganz Nordspanien war hervorragend. Es dauerte nur eine Weile, bis wir das erkannten und vor allem, dass diese hervorragenden Autobahnen alle kostenlos waren. Und wenn Steigungen da waren,gab es selbstverständlich eine dritte Spur für die langsamen Fahrzeuge. Und Brücken über Brücken und wenn es sein musste, auch drei Stück hintereinander a 750 Meter. Alle übrigens mit dunkelblauen Geländer - EU-Farben?
Ich habe mir des öfteren gewünscht, wir hätten in Deutschland nur ein paar von diesen Strassen. Es wäre vieles einfacher bei unserem Verkehr. Während man hier in Spanien sehr, sehr einsam auf der Autobahn war...

Unser kurzer Abstecher nach Portugal diente in erster Linie dazu, leichter ins Landesinnere nach Salamanca - auf der neuesten Autobahn - zu kommen. Portugal ausführlich ist in einem anderen Jahr mal wieder dran.

Kleine witzige Dinge unterwegs: mal unterwegs einen Kaffee trinken in einer dieser vielen Cafes am Rande der Strasse ist ein Thema für sich. Unsere Erfahrung war: da sitzen grundsätzlich nur Männer und starren einen an wie das siebte Weltwunder. Und das bloss, weil man mal einen Kaffee trinken wollte - war uns unangenehm.
Auf dem Weg von La Coruna nach Santiago de Compostela auf der N225 reihte sich eine Bar an die andere. Mal als Bar, mal als Club mal als Bar-Cafe, mal als Pub. Nicht dahintergekommen bin ich, was ein "pubista" ist...und manche Mädels waren auch auf "Arbeit" rechts und links der Strasse. Verwunderlich so nah an Santiago de Compostela...
Natürlich trafen wir allenthalben die Franzosen mit ihren speziellen "Pinkelmanieren". Aber auch viele Leute, die uns veranlassten, unsere "Mücke" nicht aus den Augen zu lassen. Schade eigentlich. Aber wenn dann aufgeregt eine Holländerin erzählt, dass der neueste Betrüger-Gag der wäre, rohe Eier auf die Windschutzscheibe zu werfen. Stellt man dann logischerweise den Wischer an, ist die Scheibe so versaut, dass man anhalten muss, und darauf warten dann die Ganoven...der Rest ist dann Katastrophe...
Aber - wir sind hier in Sevilla - gottseidank gesund und munter und unausgeraubt. Und über mehr möchten auch wir nicht nachdenken.
Letzter Gag aus Campingzeiten: 9-Meter-Wohnmobil, steht direkt vor uns auf dem Hinausfahrstreifen mit laufendem Motor - 1 Minute-5 Minuten- 10 Minuten-20 Minuten- es stinkt gewaltig auf unserem Frühstücktisch nach Dieselabgasen. Ich raus und ihn gebeten, den Motor auszumachen, wenn er da schon bloss rumsteht. Er schnippisch, das ginge nicht, er würde auf seine Frau warten, die bezahlen gegangen wäre...aha...
Fünf Minuten später kam die Dame und qualmend und knatternd fuhr das französische Wohnmobil von dannen...

Das war es und jetzt machen wir unseren verdienten Langzeiturlaub am Mittelmeer. Da sind es 26 Grad und es wird uns gut tun, unsere Erlebnisse in aller Ruhe zu verarbeiten und nachträglich anhand unserer vielen Fotos noch einmal so richtig zu geniessen...



14.10.2010 Ein Tag in Sevilla

Heute war also der Sevilla-Tag. Nette holländische Nachbarn hatten uns gefragt, ob wir mit Ihnen zur Bus-Station gehen wollten. Wollten wir. Welch ein Glück - DIE Station hätten wir bestimmt nicht gefunden. Und so fuhren wir dann alle mit dem Bus in die Stadt. Dauerte eine halbe Stunde. Die Endstation war dann auch gleichzeitig wieder die Station um zurückzufahren - also alles kein Problem...
Frohgemut latschten wir dann erst mal Richtung Innenstadt, vorbei an der Universität - die schwer bewacht von zwei Sheriffs. Die jungen Leute dort hatten auch die "Anmeldeformulare" unterm Arm. Also auch hier Immatrikulation.
Wir gingen vorbei und weiter - immer den Strassenbahnschienen einer sehr modernen Bahn nach. Zwangsläufig kam man so auch an die Kathedrale, 10 Minuten später.
Die Kathedrale ist die drittgrösste der Welt und innen wirklich riesig. Ursprünglich war das mal eine Moschee und wurde gebaut 1184-1198, also recht flott für damalige Verhältnisse. Aber 1248 wurde da dann eine Kathedrale draus. Von der Moschee erhalten sind noch ein nicht zu übersehender "Orangenhof" und die Tore von dort zum Ausgang. Erst 1434 ging dann die wirkliche Bauerei an der "Moschee-Kathedrale" los. Erst im gotischen Stil, ein Jahrhundert später weiter im Renaissance-Stil, und im 17.Jahrhundert kam auch noch der Barockstil hinzu. Und erst 1928! waren die letzten Arbeiten dann endlich mal abgeschlossen. Und so gibt hier nichts, was es hier nicht gibt an Jahrhundert-Stilen. Insgesamt sind hier 23.500 m an Fläche verbaut worden. Davon 126 Länge, 83 m Breite, Innen-Höhe 37 m, Aussenhöhe 96 m - ( das habe ich alles abgelesen). Mir persönlich gefallen ja die kleineren Kirchen besser. Aber diese Riesenkirche war schon sehr voluminös, auch mit den Seitenhallen, die zum Teil Museum waren. Voluminös waren auch die Reisetruppen. Soooo viele Chinesen ausserhalb Chinas habe ich auch noch nicht gesehen. Wahnsinn. Dazu alle anderen Gruppen. Irgendwie fehlte uns dieses Intime einer Kirche, dass eine Kirche erst ausmacht. Nun gut, bei 8.- Euro Eintritt pro Person kann man pro Tag mit Masse schon richtig Geld machen...
Nach zwei Stunden waren wir "durch" und hatten auch genug. Wir verliessen die Kirche durch das alte Moschee-Tor und landeten zwangsläufig in einem Altstadtteil. Enge Gassen, viel Verkehr, viel Tourismus. Allenthalben tausende! von Mopeds oder Motorräder oder Roller angekettet. Wir sahen riesige und davon sehr viele Mietstationen überall auf unseren Wegen für Fahrräder. Man zieht am Automaten ein Ticket, bezahlt dafür, erhält eine Nummer, löst das Fahrrad und braust los nach einer vorherigen Registrierung. Wo man es wieder abgibt ist völlig egal. Vor allem bei den Unmengen von Stationen für diese Räder.
Und tiefer in der Altstadt, ein Ess-Lokal neben dem anderen. Mit hübsch gedeckten Tischen auf den Fussgänger-Strassen und Speisekarten in allen Sprachen. Wir entschieden uns trotzdem für ein Lokal, in das Einheimische gingen und wo es "Menü del Dia" gab. Eine gute Wahl. Mittlerweile war es auch gut 14 Uhr geworden. Und so überlegten wir während des Essens, was wir denn jetzt noch so besichtigen wollten, nachdem allein die Kathdrale und die Altstadt unsere Schuhgrösse auf Grösse 58 hatte steigen lassen.
Dann kamen wir auf die glorreiche Idee, doch eine Stadtrundfahrt zu machen. Diese hatte ihren Beginn genau dort, wo auch unser Bus hierher nach " Los Hermanos" auf den Campingplatz abfuhr - wie praktisch.
Also verhandelten wir mit dem Stadtrundfahrt-Kartenverkäufer erst mal die Preise. Spezialpreis für uns: je 14.- Euro. Andere zahlten 16.- bis 18.- Euro. Da sieht man mal wieder, wie wichtig es auch in Spanien ist zu feilschen. Die Tour im offenen Doppeldecker sollte 1 Stunde dauern und alles abfahren, was die Stadt so zu bieten hat. Ja, ein Teil Sehenswürdigkeiten haben wir auch gesehen - die Expo von 1992 und die Ariane-Rakete dort. Den Fluss haben wir zweimal gekreuzt, durch enge Strassen sind wir gefahren und im Vorbeifahren haben wir auch schöne alte Häuser gesehen. Die Stierkampfarena, das Kloster "de la Cartuja", und viele andere Gebäude und Plätze. Somit haben wir Sevilla auch ein bisschen anders kennengelernt als nur Kathedrale, Park und Alkazar.
Als wir wieder am Ausgangspunkt ankamen, kam zufälligerweise auch sofort unser "Heimatbus" - wie praktisch. Wir rein, und das war es dann auch eine gute halbe Stunde später mit unserer sehr rasanten Busfahrerin.
Nun sind wir wieder hier auf unserem Campingplatz, schreiben unsere Erlebnisse auf, sortieren die Bilder und werden vermutlich um 21:30 Uhr wieder im Bett liegen. War ein schöner Tag. Und ob wir morgen an die Küste fahren, entscheiden wir erst morgen früh...
____________________________________
Wir beenden unsere Berichterstattung in Sevilla, ...fuhren anschließend zum Überwintern an die spanische Ostküste.



Kirche in Santillana del Mar

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Kommentare

  • freeneck-farmer

    Sehr ausführliches Reisebericht. Wahrscheinlich nur ganz gelesen von WOMO fahrer wie ich.
    Nie gewüßt das man auch mit ein WOMO über Pilgerwege nach Santiago di Compostello fahren konnte.
    Vielleicht wollen wir sowas mal im Frühjahr (Juni) machen.
    LG Anneken

  • Travelmaus

    Hallo Anneken, danke für Deinen Kommentar,
    ja, es stimmt, der Bericht ist lang. Eigentlich zu lang für hier. Und es fehlt natürlich die ergänzende Anzahl an Fotos. Aber wir haben diesen Bericht ja als Live-Bericht verfasst undwährend unserer reise täglich auf unserer Website eingestellt. Und dafür war/ist die Länge und Ausführlichkeit schon angemessen. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass Leser nicht immer nur Wissenswertes sondern auch Alltägliches lesen möchten.
    Der "Jakobsweg" ist schon eine tolle Reise. Und auch mit einem WoMo gut zu erkunden. Wir hoffen, dass einige Wohnmobilisten in unserem Bericht Tipps und Anregungen finden.
    LG
    Travelmäuse [www.Travelmaus.net]

  • petraundfrank

    Hallo Travelmaus,

    da wir auch begeisterte WOMOtourer sind werde ich deinen Bericht ganz ausführlich lesen. Die Idee diese Strecke mit dem Womo zu fahren habe ich auch (mein Mann würde dann fahren und ich laufen), aber da wir nur 30 Urlaubstage zur Verfügung haben und die noch nicht an einem Stück - und dann wirds knapp (jedenfalls wenn man die Strecke laufen möchte).
    Deine Bericht wird mir die Vorfreude aber sicher verschönern und den ein oder anderen Tipp kann man immer gut gebrauchen.
    Also Dank das du das alles für uns geschrieben hast.
    LG
    Petra

  • Travelmaus

    Hallo Petra,
    schau auf unserer Website nach. Hier der Link dazu:[http://www.picturecompany.de/Website/europa/westeuropa/spanien/jakobsweg-2010.php] Dort gibts die zugehörigen Fotos zum Bericht. Reisezeit sollte möglicht im Sommer sein. Stellplätze gibts wenige! Generell ist die "französische Strecke" die bekanntere und eigentlich auch die informativste. (Erst recht für Fußpilger) Wir haben relativ viele Pilgerwege in Spanien gemacht und dabei etliche Kirchen, Kathedralen und Klöster besichtigt.. Übrigens: die Stadt Salamanca ist toll!
    LG
    Travelmaus

  • Blula

    Hallo Dagmar! Bin zwar keine WOMO-Fahrerin, aber Eure Route hat mich sehr interessiert, da ich die Städte Burgos, Santander, Santiago de Compostela, Salamanca und Sevilla auf früheren Reisen auch schon kennengelernt habe. Somit war Dein schöner und ausführlicher Bericht für mich sowas wie eine Reise in die Vergangenheit.
    LG Ursula

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Mit dem Wohnmobil auf "Jakobs Wegen" (Spanien 2010) 4.00 3

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