Die Zabbalin - Die Müllsammler von Kairo

Reisebericht

Die Zabbalin - Die Müllsammler von Kairo

Reisebericht: Die Zabbalin - Die Müllsammler von Kairo

Die Zabbalin sammeln Tag für Tag etwa 80 Tonnen Müll in Kairo ein. Sie sortieren den Müll und führen ihn dem Recycling zu.
Sie gehören größtenteils der koptischen Minderheit an. Sie selbst nennen sich 'gyptios' - das bedeutet Ureinwohner Ägyptens'. Die Muslime nennen Sie 'gins farauni', also 'von den Pharaonen abstammend'.

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Die erste Begegnung mit den Zabbalin

Feine Schweißperlen treten aus sämtlichen Hautporen, sammeln sich zu einem feinen Rinnsal, das unaufhörlich lästig in die Augen tropft und den Blick trübt. Es ist September und heiß, unglaublich heiß in Kairo – die Einheimischen sagen sogar, es sei der heißeste Sommer seit 10 Jahren und selbst für Hitzeerprobte eine Herausforderung. Doch die sengende Sonne ist momentan unser geringstes Problem. Wieder übermannt mich eine Welle heftiger Übelkeit, kalter Schweiß durchtränkt mein T-Shirt und ich versuche ganz flach zu atmen – was gäbe ich jetzt für ein Quäntchen Frischluft!



Zabbalin-Siedlung in Kairo



Unvorstellbare Lebensbedingungen in der Müllsammlersiedlung

Ein abgemagerter Hund liegt apathisch auf einem gigantischen Berg aus organischen Abfällen, sein Körper ist übersät mit eiternden Furunkeln und das Fell verklebt von seinem Kot. Den Kampf gegen die lästigen Fliegenschwärme hat er schon lange aufgegeben. Ja, hier in der Müllsammlersiedlung von Esbet en Nakhl haben die Aasfliegen ein wahres Eldorado gefunden. Der süßliche Gestank von Fäulnis mischt sich mit dem beißenden Verwesungsgeruch von Tierkadavern – hauptsächlich Ratten, die hier augenscheinlich in der gleichen Häufigkeit anzutreffen sind wie die Fliegen.



Informelle Müllsammlersiedlung in Kairo



Wir dringen weiter in die Müllsammlersiedlung vor

Dazwischen herrscht geschäftiges Treiben: barfüßige Kinder und Frauen, die mit bloßen Händen den stinkenden Müll durchwühlen, um daraus feinsäuberlich nach verschiedenen Materialien sortierte Haufen zu bilden. Eine gigantische schwarze Rußwolke steigt irgendwo aus dem Wirrwarr von Wellblechhütten empor, bahnt sich unerbittlich ihren Weg durch die engen Gassen und raubt uns im Nu den Atem mit einer neuen, fremdartigen Geruchskomponente. Es riecht irgendwie chemisch, ein bisschen nach Gefahr, vor allem aber ziemlich ungesund. Während unser Verstand zum eiligen Rückzug aus der Gefahrenzone rät, möchte unsere Neugier der Ursache unbedingt auf den Grund gehen. Langsam setzen wir also unseren Weg fort, vorbei an den schäbigen Wellblechhütten, die bis zum Rand angefüllt sind mit Blech, Gummi, Kompost, Papier oder Plastik. Vorbei an grunzenden Schweinen und meckernden Ziegen, die bis zu den Knien in ihrem eigenen Kot stehen – immer der Nase nach, dem Quell des Übels entgegen.



Müllsammlersiedlung in Kairo


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Kommentare

  • Guido

    Sehr einfühlsamer und eindrücklicher Bericht.

  • Ulich

    Klasse Bericht und klasse Fotos!
    Gruß aus Wremen
    Beate

  • lautine

    Der Bericht geht unter die Haut.
    Manchmal vergessen wir bei unseren (auch nicht kleinen, aber eben anderen) Problemen, dass Lachen und Freundlichkeit so wichtige menschliche Eigenschaften
    sind.
    Ich wünsche euch, dass die Dankbarkeit, diesen Menschen begegnet zu sein, diesen Menschen mit so viel Menschlichkeit immer erhalten bleibe, dass ihr Mitstreiter für dieses Projekt findet.

    Ich habe ähnliche Erfahrungen beim Besuch eines Straßenkinderheimes in Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) machen dürfen und habe dabei ebenfalls eine große Dankbarkeit empfunden und gleichzeitig den großen Überlebenswillen, dieser Kinder, ihren Stolz und ihre Hoffnung gespürt.
    Macht weiter ion eurer guten Sache.
    Liebe Grüße
    von Edelgard

  • winni

    Ein beeindruckender Bericht und dazu die sehr guten Fotos. Klasse. vg winni

  • Isabelle

    Danke für diesen großartigen Bericht! Ich war selbst viele Jahre im Ausland und kann nur jede Zeile unterstreichen. All den jammernden anspruchsdenkenden Deutschen empfehle ich solche Erfahrungen. Gruß, Isabelle

  • mkuhn

    Vielen Dank für diese Einblicke abseits des schillernden und touristischen Kairo. Beim Lesen Eures bewegenden Berichts hatte ich einen dicken Kloß im Hals ob des unglaublichen Elends und Gestanks, in dem diese Menschen leben (oder nach unseren Begriffen vegetieren) müssen. Dazu noch die Fotos, auf denen die Menschen trotz allem sogar noch lächeln können.
    Ich wünsche Euch und dem Afrika Freundeskreis alles Gute und viel Erfolg!
    VG Mareike

  • Vigl

    Wahnsinn; beeindruckende Worte und Bilder. Wünsche viel Erfolg für euer Projekt.

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  • desertflower

    Ein sehr beeindruckender Bericht! Wir haben bei unserem Kairobesuch nureinen winzigen Einblick in das Leben der Müllsammler bekommen können und von daher war ich sehr erfreut, hier nun etwas mehr zu erfahren! Vielen Dank! Ich schau mir gleich mal euer Projekt an. LG desertflower

  • s.gerhard

    Sehr schöner Bericht! Danke.

  • s.roesner

    Toller Bericht. Derartige Einblicke mag ich. Du lässt uns teilhaben an einem "anderen leben"..


    Passen einige Fotos vielleicht zum Aktuellen Fotowettbewerb: WEGWERFGESELLSCHAFT auf http://www.fotouristen.de

  • ralf.houven

    Von der Qualität her gehört der Bericht samt Fotos eigentlich in die gedruckte GEO und der Lohn dafür in Euer Portemonnaie.

    Ich kann lautine und desertflower nur zustimmen. Als Tourist bekommt man zwar nicht viel davon mit, aber immerhin wird man überhaupt darauf hingewiesen. Die ägyptische Regierung sollte die Probleme besser lösen, statt sie nur durch Vertreibung der Müllmenschen unter den Teppich zu kehren!

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Ein sehr sehr guter Bericht gepaart mit eindrucksvollen, starken Bildern, bei dem man gar nicht aufhören kann, ihn bis zum Ende zu lesen.
    Ähnliches habe ich in Maputo (Mosambik) erlebt. Auch dort leben viele Aids-Waisenkinder auf der Straße und holen sich ihre tägliche Nahrung aus den Mülltonnen oder leben auf einer Mülldeponie, auf der sie auf die ankommenden Müllwagen warten, um Essbares oder noch verwertbares für sie zu ergattern.
    Auch wenn ich von meinen vielen weiten Reisen nach Hause komme, ergeht es mir wie Euch, dann verstehe ich die Sorgen der Menschen hier nicht mehr so ganz. Auch ich (Euer Zitat!) " höre, dass „alles immer schlechter“ wird und denke mulmig an meine eigene, ungewisse Zukunft." (Zitat Ende) Auch ich erinnere mich wie Ihr beide an diese unerschrocken, mutigen Menschen, die wirklich Sorgen haben. Nur unsere Sorgen sind gebettet auf hohen Niveau! Damit will ich um Gotteswillen nicht abstreiten, dass viele Menschen hier wirklich gewaltige Sorgen haben. Aber das allgemeine "Gejammere" kann in diesem Zusammenhang nur schlecht ertragen!
    Von Eurem Bericht bin ich echt begeistert und freue mich auf weitere Reportagen dieses Kalibers. Bitte weiter so!
    Herzliche Grüße von Gerd

  • tautau006

    ein toller Bericht. Was mich mal interessieren würde ist wie die Regierung sich das vorstellt ohne die Müllsammler? Kairo erstickt auch schon so im Müll. Und das die Anwohner ihren Müll zu Containern bringt ist eher ein Wunschdenken. Ich war im letzten Jahr 2 mal in Kairo habe mehrmals gesehen wir sie ihren Müll vom Balkon runter schütten. Auch habe ich Kinder gesehen die den Müll von Brücken runter an den Strassenrand geschmissen haben. Für euch und euren Freundeskreis viel Kraft und Glück.

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  • anna.laselva

    ...schämen sollten wir uns ob unserer "Probleme"! Puh! Dieser Bericht geht wirklich unter die Haut. Da kann ich mich den anderen Kommentaren nur anschließen, auch, was die wirklich großartigen, authentischen Fotos anbelangt!

  • astrid

    Ein großartiger Bericht bei dem es mir kalt den Rücken runter lief.

  • mamatembo

    Auch wenn ich schon von den Müllsammlern in Kairo gehört habe, muss ich mit lautine sagen: Euer Bericht geht wirklich unter die Haut - und verdient mehr als fünf Punkte!
    Ich hoffe, dass sich in der Zwischenzeit die Lebensbedingungen der Zabbalin weiter gebessert haben und wünsche dem Afrika Freundeskreis e.V. weiterhin viel Erfolg!

  • freyabe

    Bin gerade auf Euern Bericht gestoßen, sehr interessant. Ich bin mal durch eines dieser Viertel durchgefahren, und das ging nur mit hochgekurbelten Fenstern. Ich finds toll, dass Ihr da näher hingguckt habt und hoffe nur, dass Euer Freundeskreis mit seinen Aktionen Erfolg hat und es den Menschen eines Tages besser geht.
    Gruß freyabe

  • Raudi

    Es macht mich Traurig ! wenn ich sehe wie Menschen in unserer ach so Tollen Welt
    heute ihren Lebensunterhalt verdienen müssen !!! Es ist gut das ihr uns einmal zeigt
    wie es hinter den Kulissen unser Urlaubs Ländern wirklich aussieht ! Wir Leben und Jammern auf einem sehr hohen Niveau !!! Aber wenn wir ehrlich sind,Uns Geht es Doch gut !!!
    Danke für diesen Ehrlichen Reisebericht.

  • moho

    dank R. ihrem Hinweis, entdecke ich diesen Bericht, der anderen Seite des Tourismus erst heute.
    Auch heute im Jahr 2014 ist der Alltag für diese Menschen bestimmt kein anderer geworden.

    danke dir fürs vor Augen zeigen was lieber versteckt bleiben würde. Dank dir und GeoRC nicht.

    traurig und zugleich mit wütigenden Gruß
    moni

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  • shootingstar

    Ich bin sehr beeindruckt von dieser überzeugenden Dokumentation und den dazu gehörigen Fotos.
    Ich sehe gerade, dass die Bewertung für diesen erstklassigen Beitrag noch unter 4 liegt und wundere mich echt, was sich manche dabei denken!
    LG Claudia

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