Kanuexpedition auf dem Horton River

Reisebericht

Kanuexpedition auf dem Horton River

23.07.2010

Norman Wells

Nach 3-tägiger Reise von Zürich über Toronto, Edmonton und Yellow Knife sind wir gestern endlich in Norman Wells angekommen. Wir werden von Caroline abgeholt, die für Canoeing North arbeitet. Sie bringt uns an das Ufer eines der vielen kleinen Seen, wo zwei Häuser stehen und ein Dock für Wasserflugzeuge bereitsteht.

Es ist Mittag und unser Ausflug wird für ca. 16:00 angesetzt. Zuerst dürfen wir uns einen kleinen Film ansehen mit vielen vielversprechenden Bildern unter anderem auch vom Horton River. Einige fahren danach in die "Stadt", ich bleibe mit Gaby und Hans hier und wir beginnen mit umpacken. Es ist sehr heiss, ich hätte nie gedacht, dass hier oben solche Temperaturen herrschen!

Um 16:20 kommt das Flugzeug. Wir schleppen unser Gepäck rum, um es zu wägen und dann stellen wir es fürs Laden bereit. Doch der Pilot meint, es wäre besser wenn wir erst morgen früh fliegen, da es Gewitter gibt und der Flug viel zu unruhig wäre. Also fahren Gaby und ich in die "Stadt", um noch ein letztes Mal ein richtiges Stück Fleisch für uns zu kaufen. Wir verbringen einen gemütlichen Abend am Ufer des Sees.



Abflug 1

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24.07.2010

Ankunft am Horton River

Abgsehen von einer viertelstündigen Fotosession um 4:30, weil der Himmel zu brennen scheint vom bevorstehenden Sonnenaufgang und ich mir eine solche Stimmung einfach nicht entgehen lassen kann, schlafe ich gut.

Nach einem Frühstück um 7:00 und nachdem wir sicher sind, dass wir trotz des ziemlich starken Winds fliegen werden, beginnen wir mit Hilfe des Co-Piloten das Flugzeug zu laden. Unglaublich, was alles in der kleinen Maschine Platz findet. Die drei Kanus werden in der rechten Hälfte des Flugzeuges gestapelt, links daneben hat es genau 6 Sitze hintereinander, alles Fensterplätze, auf denen wir uns für den Flug festschnallen werden. Alles andere Gepäck wird entweder im Stauraum im Heck des Flugzeugs oder in den Kanus versorgt. Insgesamt haben wir ca. 500kg Material dabei, das Maximum, das man mit der Twin Otter transportieren kann.

Nach kurzen Sicherheitsinstruktion vom Piloten geht es endlich los. Der Co-Pilot löst die Seile, steigt hinten ins Flugzeug und klettert artistisch an uns Fluggästen vorbei ins Cockpit. Wir fahren zum einen Ende des Sees, wo das Flugzeug dreht. Der Pilot beschleunigt und hebt schon nach kurzer Strecke vom Wasser ab, dank des Gegenwindes. Der Anfang des Flugs ist etwas holprig, aber als wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben, wird es ruhig. Die Landschaft ist wunderschön. Sanfte Hügel teilweise mit Tannen bewachsen und viele, viele Seen. Nach 1,5 Stunden Flug erreichen wir Horton Lake und wassern. Wir werden an der Mündung zum Horton River abgesetzt. Das Flugzeug macht auf der anderen Seite der Mündung einen Tankstopp (es liegen dort einige grosse Ölfässer mit Treibstoff) bevor es sich wieder in die Lüfte erhebt. Jetzt sind wir auf einigen 100km wahrscheinlich die einzigen Menschen!

Sobald wir die Kanus beladen haben, fischen wir erst einmal. Ich fange den ersten Fisch, eine ziemlich grosse Esche, aber zu meinem Erstaunen lässt ihn Geri wieder frei, ich hatte nicht mitbekommen, dass wir nur catch and release machen. Auch die anderen fangen einige Fische, scheinen fischreiche Wochen zu werden!

Dann endlich, um die Mittagszeit, steigen wir in die Kanus und fahren los. Ich bin heute am Steuer und der Anfang ist überhaupt nicht einfach! Der Fluss führt nicht sehr viel Wasser, ist an vielen Stellen seicht und ausserdem ziemlich schmal. Es tröstet mich, dass auch Geri aufsitzt, denn ich bin ziemlich überfordert, da ich das erste Mal auf einem Fluss steuere. Ich habe das Steuern vorher erst einmal auf einem See zuhause geübt...

Bei der ersten Pause ziehe ich schon Mal meine Jacke aus, da es ziemlich heiss ist und der Nieselregen von vorhin aufgehört hat. Die Landschaft ist recht flach, aber ich kann mich nicht an ihr erfreuen, da ich mich stark auf den Fluss konzentrieren muss. Endlich wird er etwas breiter und fliesst ruhiger.

Inzwischen sind wieder mehr Wolken am Himmel und bei einer erneuten Pause sehen wir hinter uns eine riesige schwarze Wolke, die sich entlädt, weit weg hört man den Donner. Als wir wieder auf dem Fluss sind, geht es keine 5 Minuten und ein sehr starker Wind beginnt uns entgegen zu wehen und die ersten Tropfen fallen. Wir fahren zurück ans Ufer, denn gegen diesen Wind anzukämpfen hat keinen Sinn. Inzwischen schüttet es in Strömen. Wir stellen uns zwischen zwei kleine Tannen. Der Regen zieht schnell vorbei. Wir fahren weiter, doch nach einer Weile geht alles von vorne los. Es schüttet wieder und wir werden von oben bis unten durchnässt, doch es macht keinen Sinn das Gruppenzelt bei dem Regen aufzustellen. Als der Regen nachlässt und schliesslich ganz aufhört, stellen wir das grosse Zelt und danach unsere kleinen Schlafzelte auf und keine Sekunde zu früh, denn schon regnet es wieder.

Wir machen es uns im grossen Zelt bei Kartoffelstock und Würstchen gemütlich. Danach spannen wir ein Seil zum Wäsche aufhängen und schliesslich krieche ich ins Zelt, wieder keine Sekunde zu früh. Erschöpft schlafe ich schnell ein.



Mordor?



25.07.2010

Ein langer Tag (der erste von vielen)

Als ich am Morgen aufwache, rüttelt der Wind am Zelt, aber der Regen hat aufgehört. Ich stehe auf und helfe draussen eine Wäscheleine zu improvisieren mit Hilfe unserer Kamerastative und des Gruppenzelts. Durch den Wind wird vieles bis nach dem Frühstück doch noch trocken. Bis zum Mittag dauert es, das Lager abzubrechen und die Kanus fertig zu machen.

Heute ist der Fluss meist breit und ruhig, aber er wird nie langweilig, da es immer wieder Mal eine Stelle mit kleinen Stromschnellen gibt. Mehr zu schaffen macht der zeitweilige Gegenwind. An einem Ort kreisen Möwen über unseren Köpfen und attackieren zum Schein. Wahrscheinlich sind ihre Nester in der Nähe. Bis auf ein Erdmännchen sehen wir sonst keine Tiere.

Abends um 19:00 finden wir einen wunderbaren Platz für die Nacht, einziger Schönheitsfehler sind die Blackflies. Während Marcel, Gaby und ich die Lebensmittel aussortieren, bereiten Geri und Hans unser Überraschungsabendessen vor: Fondue! Das beste Fondue, das ich je gegessen habe!

Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, stellen wir unsere Schlafzelte auf und einige waschen sich am Fluss, da es trotz ein bisschen Wind immer noch sehr warm ist, die Sonne ist ja auch immer noch nicht untergegangen. Danach flüchten wir bald ins Zelt, um Ruhe zu haben vor den Blackflies. Wir schaffen es zum Glück sogar, ohne welche mit ins Schlafzelt zu bringen.



Wäscheleine



26.07.2010

Das erste Karibu

Um 6:00 bin ich wieder wach. Es hat Hochnebel, aber wieder war die Nacht nicht besonders kalt. Heute sind wir schon früh auf dem Fluss, wir wollen 40km schaffen. Wir starten um 10:00. Ich bin zum ersten Mal auf dieser Tour vorne im Kanu und padle deshalb viel, Ursula steuert. Die Arbeitsteilung im Kanu ist, dass der hintere steuert und zu padeln hilft, wenn er kann und der vordere padelt die ganze Zeit.

Ich bin inzwischen derart verkrampft in den Schultern, dass ich Kopfschmerzen kriege. Wir legen deshalb zur Medikamentenvergabe an. Es erwartet uns ein Karibu, das gemächlich ein Stück davon trottet und sich etwas weiter weg hinlegt. Ab und zu schaut es halbwegs interessiert zu uns herüber. Die Medikamentenvergabe ist für den Moment vergessen. Wir versuchen, uns ihm langsam zu nähern, um Fotos zu machen. Eine Weile bleibt es noch liegen, doch dann wird es ihm doch zu bunt und es trottet flussaufwärts davon.

Der Fluss ist heute eine Abwechslung zwischen breiten, langsam fliessenden Abschnitten mit teilweise starkem Gegenwind und solchen mit mehr oder weniger seichten "Stromschnellen". Einmal bleiben wir gleich mit allen drei Kanus stecken. Unser Kanu ist derart unmöglich liegen geblieben, dass ich mitten im Fluss aussteigen muss, damit wir weiterfahren können. Das ist nicht weiter schlimm, dank unserer tollen Mukluks, mit denen man stundenlang in eisigem Wasser stehen kann und keine kalten Füsse bekommt.

Das Finden eines Lagerplatzes gestaltet sich etwas schwierig, zudem beginnt es noch während der Suche zu regnen. Aber der Regen dauert zum Glück nicht lange und schliesslich finden wir um 20:30 einen Lagerplatz.

Es gibt filetierte Esche, von Hans heute gefangen, und Reis mit Zucchetti, Philadelphiakäse und Oswald-Gewürzen abgeschmeckt. Himmlisch! Nach dem Essen gehen alle ausser mir im Fluss baden, aber mir ist nicht heiss. Erst um Mitternacht komme ich ins Bett, es ist immer noch hell...



Gemeinschaftszelt



27.07.2010

Fisch über Fisch

Wir haben abgemacht, dass wir früh aufstehen, da wir auch heute mehr padeln wollen, um Reserve aufzubauen. Meine Zeltmitbewohnerin ist immer früh wach, so früh, dass dann noch niemand sonst aufsteht, also denke ich mir, dass ich ja noch ein paar Minuten liegen bleiben kann. Doch als ich endlich wieder erwache, ist schon das Frühstück bereit. Die anderen meinen, sie würden mir den Schlaf gönnen, als ich sie darauf hinweise, dass sie mich hätten wecken können.

Nach dem Essen gilt es wieder, alles zum Fluss zu schaffen und das Kanu zu beladen. Die heutige Strecke hält nichts spannendes oder anderes bereit, als wir bisher gesehen haben. An einer Stelle allerdings fliessen gleich mehrere Bäche mit eiskaltem Wasser aus einem Berg in den Fluss. An diesen Stellen tummeln sich Fische, da können wir einfach nicht vorbei fahren! Innert ca. 5 Minuten haben wir 7 Eschen gefangen und einen ca. 60cm langen Saibling! Definitiv genug für uns alle. Die Fische werden gleich filetiert und abgepackt fürs Abendessen.

Wieder kommen wir recht spät zu einem schönen Lagerplatz. Der Fisch wird im Öl gebraten und mit Zucchetti serviert. Wiederum sehr gut. Ein paar von uns machen noch einen kurzen Ausflug auf einen kleinen Bergrücken, wo man einen wunderbaren Blick auf den Fluss mit seinen Windungen hat. Schon ist es 23:00 und das Licht wundervoll. Danach muss ich aber endlich ins Bett, denn auch morgen wollen wir früh raus.



Horton River 1

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28.07.2010

Märchen-Lagerplatz

Strahlend blau leuchtet mir der Himmel entgegen, als ich aus dem Zelt krieche. Aber im Kanu erwartet uns heute zuerst ein übler Gegenwind. Trotzdem schaffen wir in einer Stunde 7km. Danach haben wir glücklicherweise nur noch Rückenwind. Heute sind wir endlich mal früh am Lagerplatz. Geri und Hans haben ein paradiesisches Fleckchen gefunden! Auf einer kleinen Anhöhe mit schönem Blick auf den Fluss gibt es einen kleinen See und eine weitläufige Wiese vereinzelt mit Büschen und kleinen Tannen bewachsen, mit viel Platz für unsere Zelte. Es gibt auch viele abgestorbene Bäume, die spannende Fotosujets abgeben. Aber zuerst müssen wir uns und unsere Kleider waschen. Dazu ist heute ein idealer Tag, da alles durch den Wind schnell trocknen kann. Dann essen wir zu Abend. Heute gibt es Bami Goreng. Nach einem kurzen Fotorundgang gehe ich zu Bett. In der Ferne donnert es und die ersten Tropfen fallen.



Horton River 2

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29.07.2010

Fauna und Flora

Das Wetter ist heute sehr wechselhaft. Ursula weckt mich morgens um 5:20 statt 6:20, weil sie ihre Uhr nicht richtig lesen kann ohne Brille. Ich erfahre das allerdings erst, als ich die Schokolade fürs Frühstück bereits warm gemacht habe.

Es ist jetzt etwas kühler, aber wir können immer noch im T-Shirt fahren, zumindest solange wir keine Pause machen und der Wind weht. Wir fahren weiterhin zwischen grauen Steinhügeln, die spärlich bewachsen sind mit Büschen und kleinen Tannen. Immer wieder gibt es Kiesbänke und weiter weg vom Ufer moorige Wiesen. Auf einer dieser Kiesbänke sehen wir bald nach dem Start unser erstes Karibu des Tages. Es trabt dem Ufer entlang und bleibt immer wieder mal stehen, um uns neugierig zu beäugen.

Auf der Suche nach dem Abendplatz findet Hans eine gute Stelle zum Fischen und schon wieder sind wir mit Fisch fürs Abendessen eingedeckt. Auch am Abend beehrt uns ein Karibu mit einem kurzen Besuch in der Nähe unseres Lagers. Doch als es uns sieht, macht es sich über den Hügel davon. Hans und ich gehen ein Stück, um zu sehen, ob es auf der anderen Seite des Hügels noch mehr Karibus hat. Dort finden wir unser Karibu wieder. Unterwegs sehen wir Heidelbeeren und diverse Pilze, die man laut Hans auch bei uns kennt. Auch Bärendung finden wir, also Vorsicht!

Zu Abend essen wir den Fisch mit Gemüse und danach Früchte aus der Büchse mit Vanillecreme. Bald gehen wir dann zu Bett.



Horton River 3

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30.07.2010

Kampf gegen den Wind

Es ist ein grauer Tag mit kühlem Wind. Zum ersten Mal sind wir wirklich froh um die heisse Schokolade zum Frühstück. Als wir alle fertig sind, will niemand so recht aufstehen, um sich auf den Weg zu machen, aber wir müssen einfach los. Also packen wir zusammen und fahren ab. Ich habe meine Ausrüstung für unterwegs aufgerüstet, kurzärmlig kann man jetzt nicht mehr fahren. Wir haben fast die gesamten 32km von heute Gegenwind und zum Teil ziemlich starken noch dazu. Einmal überqueren ein paar hundert Meter vor uns zwei Karibus den Fluss, wunderschön anzusehen!

Am Abend bin ich total geschafft. Wir kochen zuerst eine Suppe und danach gibt es Pilzrisotto. Heute gönnen wir uns einen Schluck Single Malt Scotch, um uns etwas aufzuwärmen. Danach geht es auch schon zu Bett. Erst jetzt setzt wieder etwas Regen ein.



Horton River 6

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31.07.2010

Zeichen der Zivilisation

Nach Regen in der Nacht klart es am Morgen auf. Allerdings ist es ein sehr kühler Morgen, nur leider nicht unter 0°, denn dann wären wir die Insekten los. Aber im Allgmeinen haben wir Glück, es könnte schlimmer sein mit den Moskitos und Blackflies.

Auf jeden Fall sind wir heute Morgen viel motivierter als gestern. Die heutige Strecke bringt Abwechslung. Nicht nur sehen wir einen Weisskopfseeadler und mehrere Karibus, auch verändert sich die Landschaft merklich. Anfangs fahren wir nochmal durch "Schluchten" zwischen den hohen Felshügeln, dann wird die Landschaft flacher und weiter.

Der recht kühle Wind vom Vormittag nimmt ab und die Sonne spendet angenehme Wärme. Am Mittag fischen wir und fangen wieder viele Eschen, die wir allesamt frei lassen, da wir langsam wählerisch werden. Drei grosse Saiblinge behalten wir fürs Abendessen. Eine riesige Forelle lassen wir aus, weil die zuviel wäre zu den Saiblingen.

Nicht nur die Landschaft ändert sich, auch das Flussbett. Wir sehen durch das klare Wasser am Grund einige Felsplatten statt des bisherigen Gerölls. Heute kommen wir zum ersten Mal wieder in Berührung mit der Zivilisation. Vor uns ist ein fremdes Kanu unterwegs und ein Kleinflugzeug braust ziemlich nahe über unsere Klöpfe hinweg.

Als erstes nach dem Aufstellen der Zelte, das Gemeinschaftszelt stellen wir wegen des guten Wetters nicht auf, gehen wir uns im Fluss waschen. Geri misst 12,5°. Die Männer gehen alle ganz baden, wir Frauen nur bis etwa zur Hälfte. Wer hätte gedacht, dass wir es auf dieser Tour mehrmals schaffen, uns richtig zu waschen! Nach der Erfrischung gibt es zum Abendessen Saibling mit Kartoffeln und einer feinen Sauce aus Philadelphia-Frischkäse und Oswald-Gewürzen.



Fischreiche Gewässer



01.08.2010

Baden gegangen

Als ich aufwache, rüttelt der Wind am Zelt und Regen setzt ein. Ich habe überhaupt keine Lust aufzustehen. Schliesslich raffe ich mich auf und der Regen ist gar nicht so schlimm, wie es im Zelt den Anschein hatte.

Heute sind die Canyons auf dem Plan. Ich habe schon ziemlich Respekt vor den Stromschnellen nach dem, was ich so gehört habe. Aber erst mal müssen wir bei Gegenwind und Nieselregen dorthin gelangen. Als wir die ersten Stromschnellen erreichen, fahren wir ans Ufer, steigen aus und gehen sie uns anschauen, um herauszufinden, wo wir am besten durchfahren. In diesem Canyon gibt es drei solche Stellen. Immer rekognoszieren wir sie zuerst und dann fahren wir durch. Alles geht glatt, ich bin schon ein bisschen stolz auf mich, so als Steuer-Greenhorn...

Bald nach dem Canyon machen wir eine Pause. Wir entdecken eine Menge Fossilien in den Felsen.

Einige Kilometer nach dem Canyon dann die grosse Überraschung. Wir erreichen so plötzlich eine 1,5m Schwelle mit drei grossen Wellenbergen danach, dass wir nicht mehr ausweichen können. Die ersten beiden Kanus kommen gut durch, aber wir kommen nicht ganz gerade über die Schwelle, ich kann den Kurs in den Wellen nicht mehr korrigieren und bei der zweiten Welle kentern wir und gehen baden. Das Wasser muss so 10° oder 12° haben, aber ich bemerke die Kälte gar nicht. Mir kommen die Worte Geris in den Sinn: weg vom Kanu und Füsse voran treiben lassen. Das Padel halte ich aber fest. Geri ist bereits am Ufer mit dem Wurfseil und wirft es mir zu. Ich kann es ergreifen und er zieht mich raus. Hans, mein Mitbader, wird von Gaby und Marcel mit ihrem Kanu mitten im Fluss abgefangen. Sofort ziehen wir die nassen Kleider aus und werden mit trockenen versorgt. Unser Kanu treibt unterdessen umgekehrt den Fluss runter. Ich kann nur noch denken, dass hoffentlich meine Kamera OK ist.

Gaby und Marcel fahren dem treibenden Kanu nach. Hans und ich machen uns zu Fuss auf den Weg flussabwärts. Weit ist es nicht, vielleicht eine Viertelstunde, dann haben wir die anderen wieder erreicht. Meine Kamera ist in Ordnung, zum Glück! Inzwischen scheint sogar die Sonne und wir finden auf der anderen Flussseite einen Platz für unser Camp. Wir behängen eine Gruppe Tännchen mit unseren Kleidern. Nicht nur wir, die baden gegangen sind, haben nasse Kleider, auch die anderen wurden beim letzten Hindernis ordentlich begossen.

Zum Abendessen gibt es Suppe und Griessschmarrn, ein österreichisches Gericht im Norden Kanadas am Schweizer Nationalfeiertag, was für eine Mischung.



Fossilien

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02.08.2010

Canyons zum zweiten

Gestern haben wir gelesen, dass die "Rapids", die wir hinter uns haben erst der erste von drei Canyons waren. Als Geri entscheidet, dass ich mit Ursula fahren soll, bin ich daher nicht sonderlich erfreut, da wir beide in der Gruppe am wenigsten erfahren sind. Aber der nächste Canyon sollte noch einige Kilometer weg sein, also setze ich mich ans Steuer, wir können ja später noch wechseln. Doch wir kommen bald in rauere Gewässer und Ursula und ich entgehen dem Kentern einige Male nur knapp. Ich bin mit den Nerven am Ende und zittere regelrecht. Es wäre ja kein Weltuntergang, wieder baden zu gehen, aber es stresst mich extrem. Geri merkt das schnell und ich kann wieder mit Hans fahren, der den Fluss viel besser lesen kann und sich in kritischen Situationen viel besser verhält als Ursula.

Dann kommen die eigentlichen Stromschnellen des 2. Canyons. Wir haben vom Vortag gelernt und fahren immer ans Ufer, wenn es laut rauscht und unübersichtlich ist. Es sind einige sehr schwierige Stellen dabei, bei denen wir die Kanus mit Seilen den Fluss runter führen oder an einer Stelle müssen wir sogar die Kanus entladen, alles ca. 100-200m tragen und die Kanus wieder beladen. Aber tausend Mal lieber das, als wieder baden zu gehen. An einer Stelle fahren Geri und Marcel alle drei Kanus nacheinander durch, da sie am erfahrensten sind und am meisten Kraft haben. Ich bin heilfroh, muss ich da nicht durch und kann stattdessen Fotos schiessen. Sie überwinden die Stelle mit Bravur.

Wie man sich vorstellen kann, dauert dieser Tag sehr lange. Um 20:00 können wir nach dem letzten Mal leinen wieder in die Kanus steigen. Aber der Canyon nimmt kein Ende und es ist schwierig, ein Camp zu finden. Glücklicherweise wird es hier um diese Jahreszeit nie dunkel!

Wir erreichen den dritten Canyon sehr bald nach dem zweiten. Da hat es einige rasante Stellen, aber nicht mehr mit dem 2. Canyon vergleichbare Stromschnellen. Schliesslich sind wir alle zu müde und finden auf einer grossen Sand- und Kiesbank einen Platz für die Nacht. Es hat so viele Blackflies, dass wir trotz der späten Stunden noch das Gemeinschaftszelt aufstellen. Kein Ahnung warum, aber in das Zelt kommen die Blackflies nicht, auch wenn der Eingang weit offen steht und der Mückenspray sonst keine Wirkung zeigt. Wir essen Pasta mit Tomaten-Champignon-Sauce und dürfen danach endlich in den Schlafsack kriechen.



Horton River 10

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03.08.2010

Böses Erwachen

Das heutige Erwachen ist plötzlich und hektisch. Ich höre nur jemanden sagen "Das Zelt fliegt weg!", gemeint ist das Gemeinschaftszelt. Ich schäle mich in aller Eile aus dem Schlafsack und stürze aus unserem Zelt. Das Gemeinschaftszelt ist bereits ein kurzes Stück den Fluss rauf und in den Fluss geweht worden. Wir machen ein Kanu bereit, beschweren es etwas und Marcel und ich padeln den Fluss rauf auf der Suche nach dem Zelt, das inzwischen im tiefen Wasser versunken ist. Hans hält uns an einem Seil, das hinten an unserem Kanu befestigt ist, sonst würden wir wohl vom Wind völlig abgetrieben werden. Das Zelt ist nirgends zu sehen. Ursula ist inzwischen zum Zelt von Geri gelaufen, um ihn zu Hilfe zu holen. Er sagt nur ruhig "keine Panik" und packt weiter seine Matte zusammen. Später erklärt er, dass er gedacht hätte, das Zelt sei schon in der Nacht weggeweht worden und wir würden es halt dann flussabwärts wieder finden. Als er dann schliesslich aus seinem Schlafzelt kommt, treibt das Gemeinschaftszelt gerade am anderen Ufer vorbei. Er und Gaby springen in ein anderes Kanu und padeln hinterher. Sobald Marcel und ich an Land sind, rennt Marcel hinterher. Weiter hinten löst Marcel Gaby ab und somit sind jetzt unsere stärksten Padler hinter dem Zelt her, was auch nötig ist, um gegen den unglaublich starken Wind anzukommen. Irgendwie schaffen es die zwei, das Zelt zu erwischen und es hinten ans Kanu zu binden. Mit den letzten Kraftreserven padeln sie an Land, wo sie das Zelt aus dem Wasser ziehen, zusammenlegen und aufladen bevor sie wieder an unser Ufer padeln. Ich hätte nie gedacht, dass sie das Zelt zurückholen können! Wir hatten einmal mehr Glück im Unglück!

Nach dieser Aufregung brauchen wir ein anständiges Frühstück. Es gibt Schokoladenmilch mit den Resten von gestern Abend. Eine etwas seltsame Mischung, aber gar nicht so schlecht.

Inzwischen ist mir etwas kalt. Wir marschieren den Berg rauf, um einen Überblick zu erhalten. Wir sehen Spuren von Bären, Wölfen und Karibus, aber die Tiere sehen wir leider nicht. Der Ausblick oben ist wunderschön. Wir können einen guten Blick auf den letzten Teil werfen, den wir gemacht haben. Vom weiteren Verlauf sehen wir leider nicht viel, aber wir können sehen, dass der Canyon noch ein Weilchen weiter geht. Wir finden viele Pilze und Heidelbeeren.

Nach unserer Rückkehr müssen wir den Abwasch machen und dann machen wir uns daran, das Gruppenzelt wieder aufzustellen. Das Zelt ist kaum beschädigt und nach einer kleinen Reparatur steht es. Wir sind alle sehr dankbar, keine Ahnung, was wir ohne dieses Zelt gemacht hätten!

Wir können also unser Mittagessen im Zelt kochen und essen. Inzwischen hat es zu nieseln begonnen, dafür lässt der Wind ein bisschen nach. Wir beschliessen, dass wir heute nicht weiterfahren, sondern stattdessen so richtig ausruhen und dann morgen früh starten und lange machen.

Die Männer gehen fischen. Einmal mehr fängt Hans unser Abendessen, eine grosse Forelle. Dieses Mal wird sie in Alufolie gewickelt auf den Grill gelegt. Dazu gibt es wieder Kartoffeln mit Philie-Sauce. Wir gehen heute früh zu Bett, da wir morgen eine lange Strecke machen wollen.



Horton River 11

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04.08.2010

Bären und Karibus

Die ganze Nacht prasselt der Regen auf das Zelt und der Wind rüttelt daran. Ich hoffe inständig, der Morgen wird besser. Um punkt 6:00, als wir aufstehen wollen, fällt der letzte Tropfen. Als wir losfahren, können wir schon die ersten Flecken blauen Himmels sehen. Die erste Hälfte des Weges haben wir ziemlich starken Gegenwind, danach nimmt er etwas ab. Irgendwann sieht man kein Wölkchen mehr am Himmel. Heute sehen wir eine wunderschöne goldfarbene Grizzly-Bärin mit zwei Jungen, mehrere Karibus und einige sehen von sehr weitem einen Wolf.

Wir verlassen die Canyons und das Land öffnet sich. Das Flussbett wird sehr breit und ist von niedrigen Hügeln gesäumt. Der Fluss führt nicht viel Wasser und füllt deshalb bei weitem nicht das Flussbett und einige Stellen sind sehr seicht. Ursula und ich müssen an einer Stelle mitten im Fluss aussteigen und das Kanu ein Stück ziehen.

Insgesamt padeln wir heute knapp 8 Stunden bis wir bei unserem Camp ankommen. Der Abend ist trocken und warm. Wir können uns wieder Mal waschen. Heute gibt es Reiseintopf zum Abendessen. Danach machen Geri und ich noch einen kurzen Fotoabstecher auf das Hochplateau über dem Fluss. Die Sonne geht gerade unter um Mitternacht. Das Licht und die Aussicht sind wunderschön. Bei unserem Marsch flattert plötzlich einen Meter neben uns ein Rebhuhn hoch und jagt uns einen Heidenschreck ein. Das wiederholt sich auf dem Rückweg gleich nochmal, weder wir noch das Rebhuhn sind klüger oder mehr darauf vorbereitet als eine Viertelstunde vorher.



Karibu 1

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05.08.2010

Wölfe

Der Tag beginnt so strahlend wie er gestern aufgehört hat. Es geht kein Lüftchen, das perfekte Wetter, um lange zu padeln. Nach etwas mehr als einer Stunde sehen wir endlich Wölfe, nur ca. 300m entfernt. Es sind drei silbergraue wunderschöne Tiere, die sich den Hang hinauf verziehen, aber immer wieder mal neugierig zu uns herüber sehen. Auch einige Karibus sichten wir heute.

Bis in den späten Nachmittag ist es windstill und mit der Zeit hat es einzelne Wölkchen, aber es wir ein heisser Tag. Dann beginnt wieder der Wind und wir schlagen unser Camp auf. Eigentlich habe ich vorgehabt, mich wieder zu waschen, aber mit dem Wind ist es mir zu kühl.

Auch heute stellen wir das Gruppenzelt nicht auf. Es gibt Pasta mit Kartoffeln und Salami an einer Zitronensauce, gut wie immer. Heute gehen wir früh zu Bett, wir wissen nämlich nicht, ob wir nicht doch immer noch knapp sind in der Zeit, da wir sehr widersprüchliche Angaben erhalten haben, wie lange der Fluss ist und das hängt wohl auch vom Wasserstand ab. Da der Stand im Moment sehr niedrig ist, weil es diesen Sommer nur sehr wenig geregnet hat, schlängelt sich der Fluss mehr und wird deshalb länger. Also werden wir auch morgen länger padeln müssen.



Horton River 14



06.08.2010

Schmelzender Permafrost

Wir haben Glück, es erwartet uns wieder ein strahlender Tag mit wenig Wind. Am Vormittag sehen und hören wir zwar rechter Hand eine Gewitterfront, aber die zieht glücklicherweise nicht in unsere Richtung.

Da wir heute schon sehr früh unterwegs sind, 7:00 ist Abfahrt, können wir die Ruhe des Morgens geniessen. Kurz nach Abfahrt sehe ich einen Weisskopfseeadler davon fliegen und gleich um die Ecke sitzt ein anderer seelenruhig auf einer Tanne gleich am Ufer und lässt sich in aller Ruhe fotografieren. Ausserdem sehen wir in der Ferne mehrere Bären, aber viel weiter weg als das erste Mal.

Am Nachmittag kommen wir zu einem frischen Erdabbruch, der immer noch bröckelt und manchmal einen Heidenlärm macht. Wir fahren vorsichtig am anderen Ufer entlang daran vorbei, immer darauf gefasst, dass einer der grossen überhängenden Teile abbricht und eine Flutwelle erzeugt. Glücklicherweise besteht das andere Ufer aus einer sehr flachen Kiesbank, da kann nicht viel passieren. Beim vorbeifahren sehen wir die Permafrostschicht, Tannenwurzeln, die durch das weggebrochene Erdreich schauen und am Rand herunterhängende Tannen, die jederzeit abstürzen können. Alles in allem ein faszinierender Anblick.

Wir erreichen unser Camp zu einer angenehmen Zeit und haben schon wieder die Zeit und die Temperaturen, um uns im Fluss zu waschen. Der Fluss ist zwar etwas trüber geworden, da weiter oben ein total schlammiges Flüsschen einmündet, der West River, aber dank des verhältnismässig niedrigen Wasserstands ist die Verschmutzung nicht so schlimm wie erwartet. Zum Abendessen gibt es zuerst Suppe und dann ein Pilzrisotto.



Weisskopfseeadler 1

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07.08.2010

Smoking Hills

In der Nacht zieht ein starkes Gewitter über uns hinweg und es regnet zeitweise ausgiebig, was einige von uns etwas beunruhigt. Der Fluss steigt ein bisschen und wir sind nicht weit über dem Wasserspiegel, aber schliesslich sinkt er wieder und es ist nichts passiert. Der Tag beginnt dann relativ trüb aber wenigstens trocken. Am Horizont scheint die Sonne zwischen Wolkenfetzen hervor, das ist heute das einzige Mal, dass wir sie zu Gesicht bekommen.

Heute sehen wir einen jungen Grizzly, der neugierig ans Ufer kommt, um uns zu begutachten. Kaum ist er weg, taucht am anderen Ufer eine Bärin mit zwei Jungen auf. Sie wollen den Fluss überqueren und sind genau in unsere Richtung unterwegs. Uns bemerken sie nicht, also machen wir Lärm, sobald sie ins Wasser steigen, damit sie nicht in einen Riesenstress kommen mitten im Fluss. Sobald sie den Lärm hören, kehren sie um. Etwas weiter den Fluss runter begleitet uns ein Karibu ein Stück das Ufer entlang.

Wieder ändert sich die Landschaft, wir erreichen bald die nördliche Baumgrenze. Schon vorher riechen wir Schwefel, die Smoking Hills müssen nahe sein. Tatsächlich sehen wir am Nachmittag einen der rauchenden Hügel. Danach wird das Wetter immer trüber, der Nebel hängt tief und Nieselregen setzt ein. Zu schade, dass dieser Tag so grau ist, denn selbst bei diesem Licht leuchten die Hügel in allen möglichen Farben. Schwarzes, graues, rotes bis gelbes Gestein teilweise überwachsen mit hellgrünem Gras und dunkelgrünen Büschen. Gewisse Kiesbänke sind rostrot. Die Landschaft wird immer karger, was mir persönlich noch besser gefällt.

Irgendwie schaffen wir das heutige Pensum und schlagen unser Nachtlager auf einer grossen Flussinsel auf. Glücklicherweise hat der Regen aufgehört, der Nebel lichtet sich etwas und man sieht etwas mehr von den imposanten Hügeln, die uns umgeben.

Das Wasser müssen wir jetzt doch filtern, da es durch Schlammrutsche und die einmündenden Bäche doch recht verunreinigt ist. Nach einem gemütlichen Abend mit Pilzrahmsuppe, Tomatenspaghetti und danach Schokolade und Whiskey freue ich mich auf meinen Schlafsack.



Beginn eines trüben Tages

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08.08.2010

Ein trister Tag

Auch der heutige Tag ist grau. Wir haben aber ziemlich den ganzen Tag Glück und entgehen den schlimmsten Niederschlägen. Wir bekommen sogar etwas blauen Himmel und Sonne zu sehen. Leider sehen wir wieder nicht viel von der sicher grandiosen Landschaft. Trotz der schlechten Sicht, sehen wir 3 Karibus, 3 Adler und einen Falken.

Natürlich beginnt es zu nieseln als wir das Camp aufstellen und wieder einmal kann man nichts trocknen. Geri kocht uns wieder eine Pilzcremesuppe und anschliessend ein feines Curry.



Horton River 22

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09.08.2010

Nebelbänke

Schon wieder ist es grau, die Sonne lässt sich morgens nur kurz blicken. Wir sehen von weitem einige Karibus. Ansonsten padeln wir unsere Kilometer ab. Gegen Schluss der heutigen Etappe kommt Gegenwind auf. Wir finden ein schönes Camp, das aber kurz nach unserer Ankunft im Nebel versinkt. Eigentlich könnte man über die Hügelkette am gegenüber liegenden Ufer zum Polarmeer wandern, aber mit dem immer wieder aufziehenden zum Teil dichten Nebel und vielen gefährlichen Hängen, die jederzeit abrutschen können, ist das Risiko zu gross und wir lassen es für heute bleiben. Auch gut, mal ein etwas längerer Abend. Nach dem Abendessen, es gibt Griessschmarrn, lichtet sich der Nebel teilweise und es erwartet uns ein unglaubliches Spiel von Licht und Schatten. Ausserdem ist es ideales Fotolicht, da die Sonne wie so oft in diesen Breitengraden sehr niedrig am Horizont steht. Zeit für eine kleine Wanderung, aber nicht über die Hügelkette, dazu ist der Nebel zu unbeständig. Nach dem Spaziergang falle ich müde in den Schlafsack.



Nebelbank 1



10.08.2010

Ankunft am Nordpolarmeer

Doch am nächsten Morgen liegt der Nebel schon wieder dick über der Landschaft. Ich bin enttäuscht, dann können wir nicht über den Hügelzug ans Polarmeer. Wir schlafen lange und als wir bereit sind zur Abfahrt, reisst der Nebel plötzlich auf. Also fahren wir ans andere Ufer und ersteigen den Hügelzug. Die Aussicht zurück auf den Fluss ist umwerfend. Auf der andere Seite des Hügelzugs ist der Hang abgerutscht und nur steiler Schotter übrig, das wird nichts mit ans Meer runter steigen. Aber auch so ist der Anblick toll. In Schwaden wird Nebel den Hang herauf geblasen und auf dem Meer liegt ein mehr oder weniger dichter Nebelteppich.

Hans stellt die Berner Fahne auf und wir machen unser "Gipfelfoto". Dann kehren wir zu unseren Kanus zurück und beginnen die heutige letzte Etappe. Wir sehen unterwegs einige Karibus, darunter eins, das ganz majestätisch auf einer Hügelkuppe steht und uns ruhig beobachtet. Die letzten 15km müssen wir gegen starken Wind ankämpfen. Schliesslich fahren wir auf eine Nebelwand zu, die sich aber bei unserem Näherkommen lichtet und das Delta hin zum Nordpolarmeer frei gibt. Links ist ein breiter Streifen Schotterpiste zu sehen, wo uns scheinbar morgen das Flugzeug abholen soll. Wir fahren an Land und gratulieren einander stolz und freudig mit Umarmungen zum geschafften Unternehmen. Auf einem Plateau etwas oberhalb der Schotterpiste schlagen wir unser Lager auf. Zuerst machen wir eine Suppe, danach brechen wir zu Fuss zum Polarmeer auf. Anfangs ist der Weg einfach, er zieht sich aber extrem hin. Wir sehen viele Tierspuren: Wolf, Bär, Karibu, Moschusochse. Gegen das Meer hin nehmen die sumpfigen Stellen zu, wir versinken teilweise bis über die Knöchel. Zum Glück haben wir Mukluks! Als wir wieder zurück sind im Lager und bis wir gekocht haben, ist es schon 23:00. Es gibt Teigwaren-/Kartoffeleintopf. Zur Feier unseres Erfolgs trinken wir den Rest unseres Scotchs und essen die letzte Tafel Schokolade.



Horton River 28

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11.08.2010

Zurück in die Zivilisation, oder?

Die ganze Nacht weht starker Wind vom Nordpol her und Nebel senkt sich wieder. Ursula ruft morgens um 8:00 mit dem Satellitentelefon bei den Piloten an, um ihnen die Wetterkonditionen durchzugeben. Leider liegt immer noch Nebel über der Piste, also soll sie 9:00 wieder anrufen. Bis dahin hat sich der Nebel tatsächlich soweit gehoben, dass sie jetzt fliegen könnten, wäre das Wetter in Norman Wells gut genug. Nächster Telefontermin 11:00. Dann 13:00 und endlich haben wir gute Nachrichten, wir sollen um 16:30 bereit stehen. Jetzt kochen wir uns Pilzcremesuppe und wärmen die restlichen Teigwaren von gestern abend auf. Ich trage inzwischen alles, was ich irgendwie schichten kann, da es heute nur ca. 3° ist.

Dann sehen wir am gegenüberliegenden Ufer einen Bär den Hang hinunter rennen. Er schwimmt über den Fluss und macht sich in rechtem Tempo den Fluss abwärts davon. Nach diesem Schauspiel werden die Zelte ein letztes Mal abgebaut und wir transportieren alles zur Kiesbank, wo wir denken, dass das Flugzeug landen wird. Dann geht die Warterei weiter. Tatsächlich kommt wieder das Wasserflugzeug, nicht eins für eine Landung auf der Schotterpiste, und das erst 18:15, aber egal, Hauptsache es ist da! Leider kann es nicht da anlegen, wo wir warten, also müssen wir halt die Kanus noch ein letztes Mal laden und rüber padeln, aber das ist eine kurze Sache. Das Flugzeug ist schnell beladen und wir können abheben in Richtung Norman Wells.

Heute hat es mehr Wolken als beim Hinflug, aber gegen Süden hin wird es besser. Das Land unter uns sieht aus wie ein Emmenthaler Käse mit mit Wasser gefüllten Löchern, es ist manchmal schwierig zu sagen, ob es mehr Land oder mehr Wasser hat. Da wir zu wenig Rückenwind haben, müssen wir zwischenlanden, um zu tanken. Wir wassern auf einem kleinen See, an dessen Ufer einige Fässer liegen. Der Pilot erklärt, dass die jemand nicht mehr benötigt hat und ihm gesagt hat, er dürfe den Treibstoff verwenden, dafür müsse er dann die leeren Fässer wegräumen. Offenbar gibt es einige solcher Depots, die er anfliegen kann, wenn er mal knapp dran ist.

Gleich am Ufer des Sees steht eine kleine Hütte, wo ein über 80-jähriger Mann wohnt, der immer noch nach der traditionellen Art der Trapper lebt. Schnell ist das Flugzeug wieder aufgetankt und wir fliegen noch eine Stunde bis wir um ca. 21:30 in Norman Wells ankommen. Wir werden von Lynn, ihrem Sohn Matt und einem Mann begrüsst, der uns gleich unsere Wertsachen gebracht hat, sobald er das Flugzeug gehört hat. Das nennt man Service! Heute übernachten wir im Cabin von Al und Lynn. Wir nehmen eine warme Dusche und kochen Pilzrisotto. Lynn hat noch Wein übrig von ihrer letzten Tour, den sie uns überlässt. Sie und Matt gesellen sich zu uns und es wird ein lustiger und gemütlicher Rest des Abends.



Das grosse Warten



12.08.2010

Rückflug

Schon um 8:00 stehen wir auf und frühstücken. Dann verbringen der Rest des Morgens damit, unser Gepäck auszusortieren und neu zu ordnen für die Heimreise. Um 12:00 fährt uns Cody von der North Wright Air zum Flughafen zum einchecken und anschliessend ins Stadtzentrum, wo wir endlich wieder mal ein richtiges Stück Fleisch essen können. Und schon ist es Zeit, uns ins Flugzeug zu setzen und abzufliegen. Ich hätte gut nach ein paar Tagen Rast noch eine zweite Tour anhängen können, aber eben...

Wieder haben wir eine lange und anstrengende Reise über Edmonton und Toronto nach Zürich mit Übernachtung in Edmonton vor uns, aber das Erlebte ist diese An- und Rückreise 100 Mal wert!


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Kommentare

  • A1B2CC

    Auch von mir 5 Punkte, ich habe den Bericht mit Freunde gelesen und bin wieder mal von dieser beeindruckenden Landschaft und den fantastischen Bildern überrascht. Auf viele weitere Reisen. LG Christian

  • brandriba

    Tolle Reise, wunderbare Bilder und ein schöner Bericht.
    LG DAni

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Kanuexpedition auf dem Horton River 5.00 8

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