Mäusejagd am Maunzenweiher

Reisebericht

Mäusejagd am Maunzenweiher

Reisebericht: Mäusejagd am Maunzenweiher

ein Spaziergang im Frankfurter Stadtwald mit offenen Augen und Ohren.

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Brücke über die Sachsenhäuser Landwehr



Über die kleine Brücke an der Sachsenhäuser Landwehr geht es in den Stadtwald, unter das frühlingshellgrüne Blätterdach. Es ist noch recht früh am Morgen, die Wege sind leer und ich atme tief die Waldluft ein. Die Schatten spielen auf den Bäumen.
Ein Schwarm Stockstabler läuft schnellen Schrittes vorbei. Die Stöcke klicken gegen die Steine auf dem Weg und sind weit länger zu hören, als das Geschnatter der Stimmen. Gelegentlich mutiere ich ja auch dazu – zur Nordic Walkerin ;-) Aber heute bin ich alleine unterwegs, auf leisen Sohlen, mit meiner Kamera.
Es wird still und die Stille duftet nach Bärlauch. Zwischen den Bäumen beginne ich andere Geräusche zu hören. Es raschelt.
Da hinten wirft ein Amselmännchen mit Laub um sich. Sucht es Würmer? Oder passendes Polstermaterial fürs Nest. Auf jeden Fall nichts für die Kamera, da Zweige und Äste dazwischen liegen. Ich gehe weiter.
Da raschelt es wieder. Hmm, eine Amsel sehe ich nicht. Ich schaue genauer hin. Da huscht ein kleiner Schatten quer über das Laub. Was ist das? Hinter mir auf der anderen Seite des Weges raschelt es wieder und ich drehe mich um. Wieder sehe ich etwas huschen und dann verweilen. Ungefähr zwei Meter vor mir hockt eine kleine Maus, vielleicht 10 cm lang plus Schwanz, und schaut mich kurz an, bevor sie weiterläuft.
Nachdem ich nun weiss, auf was ich horchen muss, um etwas zu sehen, sehe ich immer mehr Mäuse. Alle paar Meter raschelt es und huscht es und das alles ganz nahe am Wegesrand. Dort wo die Tierchen abtauchen tauchen sie kurz darauf auch wieder auf, sitzen ganz ruhig und ignorieren mich einfach.
Wenn das so weiter geht, dann brauche ich für die knapp 4 km bis zum Maunzenweiher noch einen ganzen Tag. Bis es dunkel wird, denn dann kann ich die Mäuse ja nicht mehr sehen.
Jetzt bin ich auf der Jagd und versuche scharf zu schiessen (mit der Kamera natürlich, was denkt ihr denn ;-). Eine Maus hat echt die Ruhe weg. Erst wandere ich in einiger Entfernung um sie herum und dann wartet sie sogar noch so lange, bis ich meine Speicherkarte gewechselt und noch drei Fotos geschossen habe.
Hier gibt’s meine Beute.



Meine erste Maus



Und wenn es richtig laut raschelt, dann ist es vielleicht ein Eichhörnchen, so wie dieses.



Eichhörnchen ganz nah



Schließlich taucht dann doch der Maunzenweiher vor mir auf. Er heisst so, weil es hier einmal Wildkatzen gab. Warum es hier Wildkatzen gab? Nach meinem Mäuseerlebnis eigentlich keine Frage mehr.
Aber heute ist nicht viel los auf dem Wasser, keine Katzen, nur eine Mandarinente paddelt vor sich hin, zieht ihre Federn ein und fliegt los. Auf dem Ast eines gekippten Baumes sonnen sich vier Rotwangen-Schmuckschildkröten. Die gehören eigentlich – genauso wie die ostasiatische Mandarinente – nicht hierher, sie kommen ursprünglich aus Nordamerika. Irgend ein Dummkopf hat sie ‘mal hier im Stadtwald ausgesetzt. Normalerweise ist es hier in Deutschland im Winter viel zu kalt für sie, aber im Maunzenweiher und auch im Kesselbruchweiher haben sie es schon über Jahre geschafft zu überleben.



Mandarinente



Letztes Jahr, ungefähr um diese Zeit war ich auch im Stadtwald. Da laichten gerade die Kröten. Die sind jetzt schon wieder weg. Dafür schwimmen Kaulquappen am Seeufer. Viele hunderte. Demnächst – laut Wikipedia 10-12 Wochen nach dem Laichen – muss es hier also vor lauter kleinen Fröschen und Kröten nur so wimmeln. Ich hoffe nur, dass bis dahin die Eichenprozessionsspinnerraupen noch nicht da oder schon wieder weg sind. Wenn die da sind, gehe ich nämlich nicht in den Wald. Mir reichen die allergischen Reaktionen, von der mir eine Freundin berichtet hat.



Kaulquappen im Maunzenweiher



Da, wieder eine Maus.



Mäuschen



Aber da ich – wie die Katze auf dem Schild am Maunzenweiher – jetzt auch mal nach oben schaue, entdecke ich auch ein paar gefiederte Freunde:
Laut hörbar sind die Spechte, die die Bäume nach passenden Nistgelegenheiten abklopfen. Ein Buntspecht hämmert gar nicht so weit von mir auf die Baumrinde ein. Das ich da oben in den Wipfeln auch einen Schwarzspecht entdeckt habe, stelle ich erst daheim in Wikipedia fest, erst hatte ich gedacht, es würde an der Beleuchtungliegen, dass der Schopf so rot leuchtet.
Meisen sind wesentlich leiser, aber aus den Augenwinkeln sehe ich eine kleine Kohlmeise auf einem Zweig nahe bei landen.
Und auch die Amseln sind immer noch im Laub unterwegs. Diesmal nur zwei Meter von mir entfernt lässt sich ein Weibchen bei der Suche im Laub nicht stören, während das Männchen oben zwischen dem Blattgrün auf einem Zweig hockt.



Neugierige Kohlmeise



Durch die Bäume hindurch fängt es langsam an nach Gegrilltem zu duften. Im Scheerwald sind die ersten Familien angekommen und haben ihr Picknick ausgepackt. Der Kinderlärm schallt laut von den Wasserspielen herüber. Es wird Sommer im Stadtwald Frankfurt. Ich hole mir an der Goetheruh ein Eis und kehre langsam nach Hause zurück.
Neben mir läuft ein Jogger, vertieft in seine Ohrhöhrer hört er nur seine eigene Musik. Er weiss gar nicht was er verpasst hat. Seit heute aber weiss ich: man sieht mehr, wenn man die Ohren auf hat.




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Kommentare

  • 238EWT

    Als Viertklässler lauschte ich einst genau so gern der Stimme eines Naturfreundes im Schulfunk, wie ich Deinen Bericht (mit offenen Augen) gelesen habe. Das sollte als Kommentar reichen.
    LG Eberhard

  • Blula

    Liebe Gabi! Dieser Spaziergang durch den Frankfurter Stadtwald hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ein Bericht mal ganz anderer Art... . sehr schön geschrieben und mit wunderschönen Fotos ausgestattet.
    LG Ursula

  • doubleegg

    Liebe Gabei, ich finde es toll, dass du mit so viel Geduld und offenen Augen deine Umgebung wahrnimmst. Und dann auch noch so schön schreibst. Ich wußte echt nicht, dass sich Schwarzspechte bis nach Frankfurt verirren, die Maus- und Schildkrötenansammlungen dagegen waren mir bekannt. Hätte die Stockstabler auch Stockschnabler (denn die schnattern immer wenn sie im Pulk unterwegs sind) oder Stockenten genannt - aber das wäre zoologisch natürlich nicht korrekt.
    Merci und herzliche Grüße Elke

  • doubleegg

    Sorry - habe mich bei deinem Namen vertippt.

  • ToniE

    Hallo Gabi,
    ich sollte doch mal beim Joggen im Stadtwald stehen bleiben und die Mäuse zählen.
    Die Enten und die Schildkröten am Maunzenweiher habe ich schon mehrfach gesehen. Unten am Kesselbruchweiher Richtung Neu-Isenburg sind enorm viele Schildkröten, die dort ausgesetzt werden und seltsamerweise sogar den Winter überleben.
    Manchmal bekommt man sogar Rehe zu sehen.
    Schöner Bericht aus der Heimat
    TONI

  • Zaubernuss

    Liebe Gabi,
    Ich danke Dir für Deinen schön geschriebenen Reisebericht. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Menschen ihre Sinne gebrauchen. Es sind oft die kleinen, unscheinbaren Dinge, die zufrieden und glücklich machen... LG: Ursula

  • mamaildi

    Ich habe es genossen, mit dir im Frankfurter Stadtwald auf Safari zu gehen. Ein wunderschöner Bericht mit tollen, spektakulären Fotos (es müssen nicht immer Großkatzen sein...).

  • nach oben nach oben scrollen
  • agezur

    Hallo Gabi! Es war schön mit dir durch den Stadtwald zu gehen, danke dass du mich mitgenommen hast!
    LG Christina

  • windweit

    Hallo Euch alle zusammen,
    vielen herzlichen Dank fürs mit wandern und die vielen netten Rückmeldungen!
    Eure Gabi

  • Aries

    Liebe Gabi,
    ich habe heute erst deinen Bericht gelesen, und dabei ist mir regelrecht das Herz aufgegangen...
    Das Lauschen und Schauen kann ich gut nachempfinden, so gehe ich auch gerne in den Parks herum, den Wäldern oder - noch schöner - ins Moor.
    Es sind meist die "kleinen" Dinge, die das größte Entzücken auslösen.
    Und gut geschrieben ist dein Bericht auch noch...
    LG Hedi

  • Raudi

    Ein schön geschriebener Bericht ! Es hat Spass gemacht mit dir durch den Frankfurter
    Stadtwald zu Wandern.
    LG Hans

  • sfintu (RP)

    Wie hat ein berühmter Frankfurter mal so treffend gesagt: "Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah..."

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Mäusejagd am Maunzenweiher 4.94 18

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