Porto, das Tor zu den Meeren

Reisebericht

Porto, das Tor zu den Meeren

Reisebericht: Porto, das Tor zu den Meeren

Wer eine authentische Stadt, die nicht von Touristen überschwemmt wird und das portugiesische Leben kennen lernen will, auch den Aufwand eigener Entdeckungszüge nicht scheut, kann in einer kurzen Städtereise schon viel erleben.

Unser Flug bringt uns an einen Ort am Atlantik, von dem wir schon lange geträumt hatten. Dass wir nicht die Ersten sind, die in Porto ankommen, beweist ein kleiner geschichtlicher Rückblick.



Geschichtliches Erbe:

Schon in der Eisenzeit (1. Jahrtausend bis 1. Jahrhundert vor Christus) war Porto auf seinen Hügeln bewohnt. Im Osten gab es Siedlungen, die durch Wälle geschützt wurden, vom Rio Cares bis südlich am Douro. Die sogenannte Castrokultur breitete sich von der Küste ins Landesinnere aus. Bis ins 5. Jahrhundert vor Christus verbreitete sich die Kultur, die ihre Wurzeln im zentraleuropäischen und mediterranen Raum hat. Als im 4. Jahrhundert vor Christus die Römer eindrangen und die Provinz Gallaecia eroberten, verschwand während der 600 jährigen römischen Herrschaft die Castrokultur. 540 wurde das römische Portus Cale durch die einfallenden Westgoten befestigt und es entstand ein Bischofssitz. Durch den Einfall der Mauren wurden die christlichen Einflüsse gefährdet, bis nach rund 300 Jahren das Gebiet dem Königreich Léon einverleibt wurde. Mit dem Kreuzfahrer Heinrich von Burgund, der die Grafschaft Porticale erbte, begann die eigentliche ruhmreiche Geschichte Portugals. Von nun an waren die portugiesischen Seefahrer die Könige der Meere.



Tor zum Meer



UNESCO Weltkulturerbe:

Die heimliche Hauptstadt Portugals hat nichts von ihrer Ursprünglichkeit verloren. Als Weltkulturerbe der UNESCO bildet sie in der steil angelegten Altstadt ein Ensemble
von Wohnbauten, Geschäften und Handelshäusern, Kirchen, Prunkbauten, die allesamt nicht als Einzelbauwerke in Erscheinung treten.



Blick über die Dächer zur Kathedrale



Die treppenartige Stadt mit ihren teils zerfallenden Bauten, zeigt am Douro ein malerisches Bild. Farbig übereinander angeordnete Wohnungen, kleine vergitterte Balkone, überall quirliges Leben.



Porto Cruz



Unter Brücken durch

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Am Bootshafen kann man eine Flussfahrt buchen, was nur zu empfehlen ist. In kurzer Zeit fährt man flussaufwärts unter den mächtigen Eisengerüsten der zahlreichen Brücken durch und kann sich in Ruhe die Stadt von allen Seiten ansehen.



Meerwärts bis an die Douro – Mündung erfährt man durch einen Reiseleiter, so man Glück hat, wie sich in der kleinen Kirche auf der rechten Seite die Kreuzfahrer haben segnen lassen und wie die Seefahrer dort um eine glückliche Fahrt gebetet haben.



beten vor der grossen Reise



Portwein:

Taylor's Schatzkammer

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Jetzt erst wird uns bewusst, wie viel Glück wir hatten, denn wir bekamen die letzten zwei Plätze inmitten einer deutschen Reisegesellschaft. Wahrscheinlich landete der Betrag für das Rundfahrtbillett in der eigenen Tasche des Verkäufers... Gegenüber der Altstadt legte das Boot an und es wurde uns frei gestellt, auf eigene Faust die Portweinanlagen zu erkunden oder uns der Reisegruppe anzuschliessen, um bei Taylor’s in die Geheimnisse des Süssweines eingeweiht zu werden.



Ohne Wartezeit erfuhren wir allerlei über die Portweinherstellung, über die verschiedenen Abfüllungen, über Jahrgangportos, über solche, die man innert einer Woche austrinken soll und solche, die nach der Öffnung einige Zeit haltbar sind. Man erzählte uns auch, dass England früher durch einen Zufall auf die Portweinherstellung kam, weil der Wein, den es vom Douro nach England schiffte, schlecht wurde. Und hier die geheime Rezeptur: Der Most wird normal gekeltert. Durch Zufügen von Alkohol, nach unterbrochener Erstgärung, bildet sich ein hoher Fruchtzuckeranteil mit einem Alkoholgehalt von 20 Prozent. Ein haltbarer Süsswein war geboren, der die Herzen der Engländer erobern konnte. Nach einer Degustation dreier Portweintypen können wir fortan mitreden... Auf einer wunderschönen Terrasse, über dem Douro gelegen, haben wir dann, mit Blick auf das silberne Band des Flusses, ein gepflegtes, nicht allzu teures Essen zu uns genommen. Ein Abstecher, der sich lohnt!



Portweinhügel



Die Stadt erkunden:

Will man zu Fuss auf die andere Seite des Douro, muss man auf der grossen Eisenbrücke, dem Ponte Dom Luis I. hinüber, neben Strasse und U - Bahnlinie 18. Ein ehemaliger Schüler Gustave Eiffels hat die Konstruktion entworfen, die sich kühn, in einem 172 Meter weiten Bogen über den Douro spannt. Eine untere Fahrbahn verbindet die Ribeira mit der gegenüberliegenden Seite, der Vila Nova da Geia mit über 50 Portweinkellnereien. Die Züge fahren in 70 Metern Höhe. Sie verkehren häufig und im Schritttempo. Wenn man in der Linie 18 sitzt, die kurz nach der Brücke wendet, kann man noch ein bisschen höher herabschauen. Fantastisch!



Unter Brücken durch



Als Tourist ist man gut beraten, wenn man das Dreitageticket der öffentlichen Verkehrsbetriebe STCP löst. Wir sind damit überall herumgefahren, selbst ans Meer. Nur manchmal kamen wir nicht dort an, wo wir glaubten, dass der Bus hinfahre. Zum guten Glück haben uns heimkehrende Schüler geholfen. Der Bus stand einfach still und der Schaffner bedeutete uns auszusteigen. Man musste den Bus verlassen, auch wenn man die gleiche Strecke wieder zurückfahren wollte. Die Schüler haben uns dann durchs Häusergewirr der Vorstadt an eine Tramlinie geleitet. Sie haben bestes Französisch gesprochen.



übereinander gebaut



café de luxe

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Bei Regenwetter, wie wir’s auch hatten, lässt man sich gerne durch die Stadt fahren. Im Café Majestic an der Rua Santa Caterina kann man sich göttlich verwöhnen lassen, den viele, vielen Besuchern übers Sahnehäubchen oder in die vollen Kuchenteller schauen und sich überlegen, ob man sich das antun will. Oder doch lieber den Appetit fürs Nachtessen sparen?



Die Ribeira und ihre Genüsse:

An der Ribeira, der Altstadt am Ufer des Douro, gibt es kleine Lokale, wo man landestypisch essen kann. Tripeiros, Kuttelfresser, nannte man früher abschätzend die Bewohner Portos. Das deftige Kuttelgericht wird auch zusammen mit Huhn, Paprikawurst und weissen Bohnen zu einem Eintopf verkocht und gelangt zusammen mit einem guten Wein aus der Gegend zu einem seltenen Essvergnügen.



Tor an Tor, Fenster an Fenster



Die Armeleuteküche Portos hat uns sehr gut gefallen. Nach der Schlachtung der Tiere werden alle Teile verwertet. Entstanden sind vor allem Kombinationen aus Gemüse, Gewürzen, Innereien, Huhn und Schwein. Dazu ein kräftiger Strahl grünes Olivenöl bester Qualität. Mit Schinken umwickelte Forellen werden zusammen mit Speck gebraten und mit Pellkartoffeln serviert. Berühmt ist auch die Kohlsuppe, die Caldo Verde. Kartoffeln werden mit Zwiebeln in Brühe aufgesetzt, bis sie zerfallen. Dann werden sie gestampft, um die Suppe einzudicken. Erst jetzt wird der in feine Streifen geschnittene Grünkohl beigefügt. Kochen, bis er weich ist, kräftig pfeffern und nachsalzen, vor dem Servieren Olivenöl einrühren, nach Belieben einige dicke Scheiben Chouriço (scharfe Paprikawurst) beifügen. Aus dem Atlantik kommen fangfrische Fische, die jedoch ihren Preis haben. Auch kann man sie nur in eher teuren Lokalen geniessen. In den Lokalen der Altstadt, gibt es nur kleine Speisekarten, manchmal ist auch Bacalhau zu haben, ein gesalzener und luftgetrockneter Stock- oder Klippfisch, in Tomaten, Zwiebeln, mit Pfeffer und Kräutern abgeschmeckt und mit reichlich Olivenöl gewürzt.



Optimismus



Casa da Mùsica:

Die Schuhschachtel

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Nicht verpassen sollte man die Besichtigung der Casa da Mùsica, das 2005 eingeweihte städtische Konzerthaus. Das Architektenteam Rem Koolhaas und Ellen Van Loon haben ein bemerkenswertes Bauwerk geschaffen. Auch wenn es böse Zungen „die Schuhschachtel“ nennen, ist sein Innenleben alles Andere als gewöhnlich.



Man mag sich am monolithischen Betonblock stören, am Aufgang, der an den Einstieg in ein Flugzeug erinnert. Was sich im Innern zeigt, ist atemberaubend. Treppen in ungewöhnlichen Schächten, Lichteinfall durch transparente Materialien, farbiges Glas, Azulejos als Wandverkleidung. Das Haus macht neugierig und gibt immer wieder unerwartete Einblicke frei.



wie in ein Flugzeug steigen



Der grosse mit Holz verkleidete Konzertsaal ist mit einem Muster aus Blattgold belegt. Auf seiner Stirnseite ist aus akkustischen Gründen eine gewellte Glasfront, die einen geheimnisvollen Blick freigibt. Die surreale Atmosphäre entsteht durch schräge, geknickte Wand- und Deckenflächen.



gewellt und vergoldet



Das kristallähnliche Äussere erhält durch die leuchtenden, schillernden Flächen und die unerwarteten Lichteinbrüche die Bedeutung eines Schatzes. Von innen heraus hat sich dieses grossartige Bauwerk entwickelt, gewachsen wie ein Kristall.



Korridor mit Lichtpunkt



Der weisse Beton wurde in einer eigens für diesen Bau geschaffenen Rezeptur entwickelt. Die tragenden Aussenwände sind 40 cm mächtig, die zwei Längswände 1 m stark. Auf fünf Geschossen ist in immer neuen Perspektiven ein Klangkörper moderner Architektur entstanden.



glänzende Stufen



Auf eigene Faust erkunden:

Porto bietet ein gutes Transportsystem, soll aber auch erwandert werden. Fussgänger werden ohnehin mehr Authentisches entdecken.
Wir steigen zur Kathedrale auf, die gerade restauriert wird. Der festungsähnliche Charakter der Sé Catedral auf dem Hügel Pena Ventos wirkt etwas abweisend. Leider bleibt uns der Zugang verwehrt



Apéro und Hochgeistiges



Portos Kirchen sind teilweise mit Klöstern verbunden, so die Igreja Ildefonso mit Azulejos des Malers Jorge Colço. Auch der Bahnhof Sao Bento mit seiner riesigen mit Azulejos geschmückte Eingangshalle erinnert an die alte portugiesische Kachelkunst. Züge stehen zur Abfahrt ins Hinterland entlang des Duoro bereit. Auf den Zeittafeln ist ersichtlich, dass es noch eine Weile dauern wird...Pulsierndes Leben auch in der Rua da Sante Caterina. Neben Geschäftsketten mit bekannten Namen auch nostalgische Geschäfte und das bekannte Café Majestic.



Sé Catedral



Im Herzen der Stadt auf der Praça da Liberdade trifft sich das alte und das neue Oporto in dramatischer Szene. Links und rechts des Reiterstandbildes König Pedro IV. reihen sich die Prachtsbauten im Zuckerbäckerstil. Hier zwängt sich der ganze Autoverkehr durch. Wegen der vielen schlecht beschilderten Einbahnstrassen wird empfohlen, in Oporto tagsüber das Auto in der Garage zu lassen...



Igreja Ildefonso



Wenn man sich mit Porto einlassen will, soll man einiges vergessen: Dass man an jeder Ecke ein Restaurant findet oder eine Gaststätte, die rund um die Uhr warme Mahlzeiten anbietet. Oder dass es Ende Mai schön warm ist. Oder dass man herumschlendern kann und die Stadtpläne lesbar sind. In Wirklichkeit ist es eine anstrengend schöne Stadt. Hinauf und hinunter, den ganzen Tag, das macht müde und hungrig. Gut, dass wir unser Hotel nicht in einem Vorstadtquartier gebucht hatten, auch wenn die Metro bequeme Verbindungen schafft. Der Reiz der engen Strassen und Gassen und die morbide Schönheit einer im Zerfall begriffenen Stadt, hat uns Portugal, wie es in dieser Stadt sehr ursprünglich lebt, ans Herz wachsen lassen.



Drei Tage sind viel zu kurz, um die Schönheiten zu entdecken. Das nächste Mal werden wir uns der vielen Barockkirchen widmen und vielleicht ein neues Juwel entdecken.



Praça da Liberdade


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Kommentare

  • pleuro

    Facettenreich und interessant, schöne Fotos, gut geschrieben, viele Informationen - das zeichnet Deinen Reisebericht aus!! Vielen Dank, Ursula!
    Liebe Grüße Anne

  • Claus_Wagner

    Porto ist eine Reise wert. Das zeigt Dein Reisebericht auf schöne Weise. Ein schöner Beweis dafür das Portugals Städte sehr sehenswert sind. Ich bin neugierig geworden...
    Viele Grüße
    Claus

  • venus

    Vielen Dank, sehr interessant...

  • rs_artwork

    Mir hat dein Reisebericht gefallen.

    VG
    Rüdiger

  • ingepeter (RP)

    Dein Reisebericht über Porto ist sehr gut und vermiittelt die Atmosphäre dieser Stadt und
    auch die Möglichkeiten. Es ist auch eine gute Möglichkeit den Norden Portugals kennen zu lernen in Verbindung mit dieser Städtereise, wenn man etwas mehr Zeit als 3 Tage hat. Auch die kleinen Orte und die Landschaft des Dourotals sind sehenswert. Dein Bericht ist dafür sicherlich ein prima Einstieg. Die Stadt scheint dich begeistert zu haben, das Umland wird mit Sicherheit auch deine Begeisterung finden.
    Boa viagem Inge

  • joki-mau

    Durch die vielen Fotos ist Dein Bericht aufgelockert und gut zu lesen. Deine Stadtführung hat Spass gemacht !!!
    LG Ingrid

  • harley_flanigen

    Nach Portugal möchten wir auch mal reisen, mit diesem Reisebericht hast Du dieses Land unserem herzen ein Stück näher gebracht. Vielen Dank
    LG
    harley_flanigen

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  • philduck72 (RP)

    nach diesem interessanten Reisebericht freue ich mich schon auf meine eigene Reise nach Porto im September.

  • Blula

    Sehr lesenswerter und informativer Bericht mit sehr guten Fotos. Bin im Rahmen einer Studienreise vor vielen Jahren auch durch diese besuchenswerte Stadt gekommen und konnte mich an vieles erinnern, was Du hier sehr schön beschrieben hast.
    LG Ursula

  • trollbaby

    Sehr informativer Bericht mit ansprechenden Fotos! Ich war noch nie in Porto, aber es steht schon lange auf meiner To-visit-Liste. Jetzt umso mehr nach Lesen Deines Berichtes!
    LG Susi

  • juergen.k

    Dein Bericht weckt alte Erinnerungen aus den 80-er Jahren.
    Ich fand schon damals, dass es eine wunderschöne Stadt.
    Dein Bericht hat das eindrucksvoll bestätigt.
    LG Jürgen

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Porto, das Tor zu den Meeren 4.46 26

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