Kilimanjaro - In 5 Tagen durch alle Klimazonen der Erde

Reisebericht

Kilimanjaro - In 5 Tagen durch alle Klimazonen der Erde

Reisebericht: Kilimanjaro - In 5 Tagen durch alle Klimazonen der Erde

Das Dach Afrikas. 5895 Meter ragt der Kilimanjaro über die Savannen Ostafrikas - das höchste freistehende Massiv der Erde. Die geografische Lage direkt am Äquator gepaart mit extremer Höhe, dazu ein paar spezielle Wetterfaktoren durch die Nähe des Indischen Ozeans, das ist der Garant für spannende Klimaverhältnisse. Für mich das wahre Abenteuer bei der Besteigung des Giganten.

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Vor unserer Zeit

Mein persönlicher Grund, mich auf diesen 5895 Meter hohen Brocken zu quälen? Afrika aufs Dach zu steigen, auf einem der Seven Summits zu stehen, war verlockend. Die eigenen Grenzen zu testen ein weiterer gewichtiger Grund: es sollte der persönliche Fitness-Check nach der Geburt meines ersten Kindes werden, gepaart mit einer Prise Abenteuer und einem tollen Reiseziel.

Trotzdem soll dies kein klassischer Besteigungsbericht werden, da gibt es hier schon den einen oder anderen, dem ich gar nichts spektakuläres mehr hinzufügen könnte.
Dies soll vielmehr die Geschichte davon werden, was mich am allermeisten an der Reise fasziniert hat, so nicht vorhergesehen, in dieser Eindrücklichkeit zumindest nicht - die Durchwanderung aller Klimazonen unseres Planeten, mit ihren sehr speziellen Pflanzengesellschaften und außergewöhnlichen Landschaftsformen.



Abbruchkante



Die Geschichte beginnt vor rund 1 Million Jahren. Damals bekam das Great Rift Valley, der große Grabenbruch, sein heutiges Erscheinungsbild. Verursacht wird dieser Riss in der Erdkruste durch tektonische Verschiebungen, der Osten Afrikas bewegt sich weg vom Mutterkontinent, wird irgendwann in ferner Zukunft völlig losgelöst sein.
Infolge dieser Vorgänge bahnte sich Magma aus dem Innern der Erde ihren Weg nach oben. Vulkane wurden geboren. Viele von ihnen sind bereits wieder erloschen, einige "schlafen". So auch der Kilimanjaro, heute der mächtigste von allen. Frei steht er in der Hochebene Ostafrikas. Eine Landmarke mit weltweitem Symbolcharakter.



Ein Vulkan - drei Krater



Vor 750.000 Jahren begann der Kilimanjaro zu wachsen. Lava quoll aus den drei Hauptkratern: Shira, Kibo und Mawenzi. Die Kegel erreichten eine Höhe von 5000m, dann kollabierte als erster Shira vor 500.000 Jahren. Kibo und Mawenzi wuchsen weiter an bis auf 5500m Höhe, bis schließlich Mawenzi erlosch. Nur Kibo produzierte weiterhin seine schwarze Lava, die er in seiner aktivsten Zeit vor 360.000 Jahren über die Reste von Shira ergoss (dort findet man sie heute noch, allerdings muss man sich hinaufbemühen, von unten ist von diesem Krater nichts mehr zu sehen).
Auch die Eruptionen von Kibo wurden unregelmäßiger und seltener. Heute "schläft" der Vulkan, Lava wird nicht mehr ausgestoßen, wohl aber Gase. Zahlreiche Nebenkrater an den Hängen bildeten sich und erloschen wieder, sie begegnen dem Wanderer heute an vielen Stellen.
Die Gletscher, deren Reste heute noch zu sehen sind, bildeten sich. Der Berg erodierte mit ihrer Hilfe und durch die extremen Witterungsbedingungen zu seiner aktuellen Form. An den Hängen begannen Pflanzen zu siedeln.



Tropisch bis arktisch - die Klimazonen des Kilimanjaro

Kaum 300 km südlich vom Äquator steht der Kilimanjaro in tropischen Breiten. Sein Gipfel ragt mit 5895 m Höhe aber in eine Zone, in der Dauerfrost herrscht. Somit ist der Temperaturverlauf von unten nach oben für den aufsteigenden Menschen mehr als extrem. Die Pflanzen, denen wir unterwegs begegnen, haben sich ihrem jeweiligen Lebensraum angepasst - in teils faszinierender Art und Weise.
Nicht nur die Höhe des Berges bestimmt sein Wetter. Vom Indischen Ozean her dräuen täglich feuchtwarme Luftmassen übers Land. Durch das im Weg stehende Hindernis werden diese Luftmassen zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlen sie sich ab. Kalte Luft kann längst nicht so viel Feuchtigkeit halten wie warme, die Tropfen kondensieren, Wolken bilden sich. Auf diese Weise entsteht der fast täglich zu sehende Wolkenring rund um den Berg. Spätestens am Nachmittag ist die Wolkendecke dicht und irgendwann beginnt es dann zu regnen. Übers Jahr 2000 mm an der Südostseite, 1000 mm an der Nordseite!!!

Mit zunehmender Höhe sinkt die Lufttemperatur alle 200 Meter um 1 Grad Celsius. Ebenso nimmt die Niederschlagsmenge mit zunehmender Höhe ab. Daraus resultieren die speziellen Klimazonen am Kilimanjaro. Jede umspannt den Berg in einer Art 1000 Meter "breiten" Gürtel:

5000m - 5850m: Gipfel mit ewigem Eis, arktische Zone
4000m - 5000m: Hochwüste
2800m - 4000m: Heide und Moorland
1800m - 2800m: Regenwald
900m - 1800m: Plantagen



Wolkenfänger



Savannen - Plantagen - Regenwald

Die Ebenen Tansanias, die den Kilimanjaro umgeben, sind Savannen. Längere Trockenzeiten werden gefolgt von intensiven Regenzeiten, entsprechend besteht die natürliche Vegetation aus Gräsern, Büschen und trockenheitsresistenten Bäumen. Die großen Herden der Pflanzenfresser folgen dem Wasser und dem Gras, auch die Menschen, die hier siedelten, waren lange Zeit nicht sesshaft.



Schirmherrin



An den Hängen des Kilimanjaro

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Ganz andere Bedingungen herrschen im direkten Einzugsbereich des Kilimanjaro, wo es fast täglich regnet. Vor rund 300 Jhren begann das Volk der Chagga hier zu siedeln und Plantagenwirtschaft zu betreiben. Die nährstoffreichen Vulkanböden, Wärme und Feuchtigkeit garantieren für üppiges Pflanzenwachstum. Bis hinauf auf 1800 Meter reicht diese Plantagenzone. Auf dem Weg zum Gate durchqueren die Bergbesteiger diese Zone mit dem Auto. Anhalten und einen Blick in die "Gärten" werfen lohnt hier allemal.



Grün, grüner, am grünsten:

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Wählt man die klassische Aufstiegsroute auf den Berg, die Maranguroute, folgen die Tagesetappen ziemlich genau den Klimazonen am Berg. Jeden Tag also 1000 Höhenmeter mit neuem Wetter, neuen Pflanzen, neuer Landschaft. So spannend kann Bergwandern sein!
Am Marangu-Gate muss sich jeder Besteiger anmelden. Ohne Führer darf hier im Nationalpark niemand unterwegs sein. Das Gate ist auch der Ort, an dem die Gruppe ihre Träger trifft. Jetzt kann es losgehen.
Wer sich schon vorab mit dem speziellen Kilimanjaro-Klima beschäftigt hat, weiß: früh losgehen erspart die große Dusche - normalerweise beginnt es erst am Nachmittag zu schütten.
Der erste Aufstiegstag führt durch den Wald und damit bereits durch die dritte Klimazone des Tages, wenn man am Morgen aus der Savanne angereist ist.
Der anfangs breite, oft matschige Weg hinauf kann umgangen werden, indem man auf die linke Bachseite wechselt. Hier führt ein schmaler Pfad hinauf, vorbei an romantischen Wasserfällen. Dunkles Grün ist die dominierende Farbe. Temperaturen weit über 20 Grad, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, steiler Anstieg durch Lianen und Farngestrüpp. Wir sind angekommen im tropischen Regenwald.



Gänsemarsch durch Märchenwald



Nach dem Regen ist vor dem Regen

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96 % des gesamten Wassers am Kilimanjaro befinden sich in dieser Zone. Die Niederschläge tropfen durch die Kronen, sickern langsam durch die Laubauflagen bevor sie vom humosen Waldboden aufgesaugt werden. Mit steigender Sonne verdampft ein Großteil wieder, ewiger Kreislauf des Wassers, und zusammen mit den Temperaturverhältnissen der Grund dafür, dass sich das Wolkenband meistens zwischen 2500 m und 3000 m befindet.

Die ersten 1000 Höhenmeter sind geschafft. Wer schnell genug war, erreicht die Mandara-Hütte vor dem Regen. Nass (geschwitzt) wird aber jeder. Die Dusche, die nun folgt, ist gratis. Blitz und Donner sind hier häufig, aber auch Regenbogen vor den abziehenden dramatischen Wolken. Und jedem sollte bewusst sein, dass er die folgende Nacht inmitten dieses dicken Wolkenringes campiert!


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Kommentare

  • globetrotter

    ein toller Bericht mit super Fotos ! mein Mann war vor 2 Jahhren auch am bzw. auf dem Kibo, ich habe mir das nicht zugetraut..Ich habe deshalb großen Respekt vor allen Gipfelstürmern!
    LG Ute

  • bRainbow

    Wundervoll zum Lesen, die Abschnitte beschrieben und dann auch noch in der "Kürze" so detailreich, man fiebert richtig mit. Ich nehme wirklich an da sind mindestens noch ein dutzend Seiten ungeschrieben die keiner Worte benötigen. Unglaublich, so auch die Fotos :-)

  • doubleegg

    Bericht und Bilder sind ein Genuss - vielen Dank! Ich habe dreimal versucht, den Kilimanjaro nur zu sehen (geschweige denn zu besteigen) und bin wetterbedingt jedesmal gescheitert. Immer waren die beschriebenen Wolken dazwischen und man konnte höchstens ahnen, dass der Gipfel schneebedeckt ist. Ist er noch? Verrätst du uns das Jahr deiner Besteigung?

  • Bille

    Was für ein Abenteuer. Deine Bericht ist sehr spannend zu lesen und informativ - die Bilder wunderbar. Ich würde so einen Aufstieg sicher nicht schaffen und bleibe bei Harzbergen und norwegischen Normalgipfeln.

  • mamaildi

    Vielen Dank euch allen für die guten Bewertungen und die warmen Worte :-)))
    @ doubleegg: Die aktuelle Schneesituation zeigt ein ganz aktuelles Bild von joki-mau ("Schnee auf dem Kilimandscharo"). Bestiegen haben wir den Kibo 1992, dieses Jahr fahren wir wieder hin, gehen aber nicht rauf. Ich hoffe trotzdem auf ein paar aktuelle Bilder ohne dicke Wolken, aber das ist natürlich Glückssache...

  • pleuro

    Was für ein Erlebnis, was für eine Leistung!!! Respekt, Ildiko!! Da wäre ich gerne dabei gewesen! Dein wunderbar geschriebener Bericht und die phantastischen Fotos ermöglichten es mir, zumindest in Ansätzen, das mit zu erleben! Danke schön! LG Anne

  • yunnanfoto

    Fantastisch !

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  • venus

    ... gemacht, Mama Ildi

  • samburu

    Hallo Mama Ildi,

    danke für diesen ausführlichen und dennoch spannenden Bericht.
    Sehr schön geschrieben und gute Fotos,

    so ähnlich habe ich meine Tour zum Gipfel vor 21 Jahren
    auch erlebt!

    Liebe Grüße

    Samburu

  • Blula

    Ein ganz wunderbarer, spannender Abenteuerbericht, ganz prima zu lesen... . und die tollen Aufnahmen...!! Herzlichen Dank für dieses Erlebnis.
    LG Ursula

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Hallo mamaildi,
    meine Hochachtung vor dieser tollen Tour, denn ich weiß, was es heißt, auf diese Höhen hinauf zu steigen. Ich jedenfalls war in Osttibet bei den 5.000 dern völlig platt.
    Also, alle Achtung.
    Mir gefällt dieser außergewöhnlich spannende Reisebericht sehr gut, der mit tollen Fotos gepaart ist.
    Da werde ich jetzt weiter stöbern :-)
    Liebe Grüße von Gerd

  • harley_flanigen

    Hallo Ildiko,
    respekt, ich hatte es in Nepal nur bis 3800m geschafft.
    Ein schöner Reisebericht
    LG
    Patrick

  • ursi67

    Sorry, habe deinen Bericht und die tollen Foto's ein bisschen spät entdeckt, aber bin voll begeistert! Einfach wow und die wunderbaren Bilder! Lg, Ursi

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  • womofan

    ein fundierter, detailreicher und spannender Bericht mit guten Bildern. Besten Dank, dass ich durch ihn dabei sein durfte!
    Beste Grüße, Reinhart

  • matulr

    Erst heute stolperte ich über Deinen Bericht, liebe Ildiko.
    Im Dezember 1991 beging ich dieselbe Route wie Du und habe heute noch wunderschöne Erinnerungen daran!
    Im Jahr 2006 wollte ich den Kibo dann über die Shira-Route, also von Westen her besteigen. Leider wurde die Route kurzfristig wegen schlechten Wetters geschlossen - 2006 war ein El-Nino-Jahr mit ungewöhnlich hohen Niederschlägen. Also kurz umgebucht auf die Marangu-Route, um wenigstens einfach mal wieder durch alle Klimazonen gegangen zu sein. Auf Höhe der Hans-Meyer-Cave (5500m) mussten wir umkehren - ZU VIEL SCHNEE! Es lag so viel Schnee am Kilimanjaro wie seit 50 Jahren nicht mehr (so zumindest under Bergführer).
    Vielen Dank für den tollen Bericht und die herzlichsten Grüsse aus Tübingen,
    ULI

  • willykarle

    SUPER !! Den Bericht las ich fasziniert und mit zunehmender Begeisterung - viel Info's, gut geschrieben, reichlich Hintergrund-Wissen. Gratuliere !! Herzlichst willykarle

  • MaoMao

    Sehr informativer Bericht und gibt einen guten Eindruck über die Besteigung. Hut ab. Das steht auch noch auf unserer Liste mit den vielen möglichen Reisezielen. VG Thomas

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Kilimanjaro - In 5 Tagen durch alle Klimazonen der Erde 4.97 34

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