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Reisebericht: Tel Aviv, Ostern in Israel
Dieser Bericht ist Teil unseres Reiseblogs über unsere Osterreise nach Israel. Den gesamten Blog kann man unter http://www.evangelisch.de/community/blog/J%C3%BCrgen%20und%20Renate lesen.
Tel Aviv
Tel Aviv, Sonntag, den 28. März
Unser erster Tag in Israel, Tel Aviv, die Stadt, die so anders sein soll als alle anderen israelischen Städte, das genaue Gegenteil zu Jerusalem. Für uns Europäer erscheint sie erst einmal nicht so fremd, aber wir können uns vorstellen, als welch ein Fremdkörper sie in einem traditionellen islamischen Umfeld wirkt.
Alle Ethnien sind vertreten, europäisch aussehende Menschen, afrikanisch aussehende, Schwarze, Asiaten… Erst mal kein Wunder in einem Land, dessen Wurzeln in permanenter Migration liegen.
Aber auch das äußere Erscheinungsbild, Menschen in Shorts und T-Shirts, chassidisch gekleidete Männer, aber eher selten, junge Frauen in knappen Tops und Hot-Pants und Kopftuch tragende Musliminnen, auch eher selten. Gedränge in den Bars und Cafes, volle Restaurants. Offensichtlich ist man tolerant in Kleidungsfragen.
Wir waren vor einem Jahr im Iran. Die erste Stadt, die wir besuchten, war Yazd, eine der konservativsten iranischen Städte. Frauen alle im Tschador. Keine Shishas, die orientalische Wasserpfeife, die Koranwächter haben sie verboten. Hier in Tel-Aviv sahen wir in den Cafes welche, oft auch von Frauen geraucht, in muslimischen Ländern undenkbar. Hier ist die auffälligste religiöse Äußerung der Ruf des Muezzins von der Moschee in Jaffa, der südlichen Schwesterstadt Tel Avivs. „Allah ist groß…!“ Mich würde interessieren, ob es auch hier Bürgerinitiativen dagegen gibt, wie bei uns in Deutschland.
Die Bausubstanz erinnert ein wenig an die im Iran, etliches liebloser Beton, vieles dringend renovierungsbedürftig. Bei genauerem Hinsehen findet man in Tel Aviv viele Gebäude im Bauhaus-Stil, etliche aufwendig restauriert, viele noch auf Erneuerung wartend. Viele Tausend sollen es sein, von deutschen Bauhaus-Architekten entworfen, die in der 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vor den Nazis nach Palästina flüchteten.
Viele Tipps zur Stadt erhalten wir von Serge, einem jungen Mann aus Turkmenistan, der vor vielen Jahren nach Israel kam und jetzt eine schöne Pension betreibt. Angenehm seine sanfte, freundliche und hilfsbereite Art. Seine roten Haare passen gut in die Vielfalt des Landes.
Hier merkt man nicht, dass man in einem Land lebt, das nur von Feinden umgeben ist. Manchmal Gruppen junger Soldaten, vielleicht auf Urlaub, wenn auch mit Maschinenpistolen, auch bei Freizeitvergnügen im Park. Sie machen keinen martialischen Eindruck, wie man ihn oft beim Auftritt von Soldaten in anderen Ländern kennt. Manchmal bewaffnete Wachleute an den Eingängen von Shopping-Malls oder Fußgängerzonen. Vereinzelt schauen sie in Rucksäcke, man hat den Eindruck, sie üben ihren Job eher nachlässig aus. Vielleicht ist es aber auch ihre Erfahrung, die sie die Auswahl treffen lässt.
Ähnlich war es auch bei unserer Einreise, ein kurzer Blick in den Pass, keine zusätzlichen Gepäckkontrollen, nicht anders als bei der Einreise nach Deutschland. Warum haben wir uns eigentlich einen Zweitpass ausstellen lassen, der unsere Aufenthalte in muslimischen Staaten verbergen sollte, auch das scheint hier niemand zu interessieren.
Na ja, vielleicht ist Tel Aviv ja die Ausnahme, vielleicht wird es ja morgen schon anders, wenn wir nach Haifa, der Hafenstadt nördlich von Tel Aviv kommen.
Jürgen und Renate
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