Im Lemurenland

Reisebericht

Im Lemurenland

Reisebericht: Im Lemurenland

Zwei Tage Anfahrtsweg und das Chaos auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle trennen urlaubsreife Deutsche von einer Perle im indischen Ozean: Der wundersamen Insel Madagaskar. Gastfreundliche Madegassen mit ausgeprägten Traditionen, atemberaubende Landschaften und eine zum großen Teil endemische Flora und Fauna machen das Eiland zu einem Traumziel für Abenteuerlustige.

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Ostafrikanisches Flair in der Hauptstadt

Alles neu....

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Die Hauptstadt im Hochland, Antananarivo (wegen seiner Zungenbrecher-Qualitäten auch ´Tana´ genannt), empfängt seine Besucher auch Anfang September mit Temperaturen um die 12 Grad. Doch der erste Gedanke „Wir sind doch in Afrika – wieso ist es hier nicht warm??“ ist über das eifrige Gewimmel von arbeitswütigen Gepäckträgern schnell vergessen. Übrigens ein treffender Fakt zur Beschreibung des madagassischen Gemütes: „Es gibt immer etwas zu tun! Es gibt immer etwas zu verkaufen!“ Sowohl in den Städten als auch im entlegendsten Winkel des Landes wuseln die kleinen, meist sehr drahtigen Menschen durch die Strassen; verkaufen Bananen, Tomaten, Ingwer, Zuckerrohr, Maniok oder Erdnüsse.



Ambatolampy

Der Dschungelexpress

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Etwas überfordert vom afrikanischen Trubel geht es dann mit dem Bus zunächst in die Hauptstadt und dann über die „Bundesstraße“ weiter nach Ambatolampy, dem Dorf indem die wichtigen Aluminium-Pfannen und -Töpfe des Landes hergestellt werden. Alle Insel-Bewohner nutzen ein einziges Fabrikat. Der Einsatz von Körperschutzmitteln scheint in der „Fabrik“ allerdings ein Fremdwort zu sein. Man gießt das flüssige 800° heiße Aluminium in den Einfüllstutzen, während man barfuss den Sand stampft…

Schon am ersten Tag bekommen wir zu spüren, wie untouristisch das Land eigentlich noch ist. Bei jedem Schritt verfolgen riesengroße, braune Kinderaugen die seltsamen, weißen Reisenden mit übertrieben festen Schuhen, lustigen Brillen und riesigen Fotoapparaten. Und statt sich verschüchtert zu verstecken kommen vor allem die Kinder immer wieder angelaufen und begrüßen uns schon von weitem mit einem fröhlichen „Salut Vazaha“ – „Hallo Fremde“.



Ahnenkultur im Hochland

Palme der Reisenden

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Die madagassische Hochland-Kultur ist vor allem durch einen großen Ahnenkult geprägt. Immer wieder führt die Straße bei der Weiterfahrt in Richtung Antsirabe vorbei an steinernen Familien-Grabstätten. Im Ahnenkult Madagaskars sind die Toten nie tot. Sie schlafen nur. Die Totenumwendung 'Famadihana' findet in einer madagassischen Familie alle fünf bis sieben Jahre statt. Sie ist die größte und wichtigste religiöse Feier überhaupt. Dabei werden die Familiengräber geöffnet, die Überreste der Verstorbenen herausgeholt, mit neuen Seidentüchern umwickelt und von den Mitgliedern der Familie in einer feierlichen Prozession durchs Dorf getragen. Die Zeremonie soll die Ahnen darüber informieren, was sich seit der letzten 'Famadihana' ereignet hat. Die Totenumwendung ist ein fröhliches Fest, bei dem viel gesungen, getanzt, getrunken und gegessen wird – aber auch ein teurer Spaß. Mit drei oder vier Millionen Francs Malgaches, rund 350 Euro, schlagen die 'neuen Kleider' für die Ahnen und die Bewirtung der Gäste zu Buche. Allein die geopferten Zebus kosten ein Vermögen für recht armen Madagassen.



Die Stadt der Pousse-Pousse

Pousse-Pousse

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Angekommen in Ansirabe erwartet uns eine Rundfahrt mit einem sehr ungewöhnlichen Fortbewegungsmittel. In der Stadt der Pousse-Pousse dominieren die Fahrrad-Rikscha Chauffeure die Straßen. Doch auch wenn die Madagassen das Fahrzeug wie selbstverständlich nutzen – für uns „vazahas“ ist es ein recht seltsames Gefühl von einem kleinen Madagassen durch die Stadt gezogen zu werden.



Die Zafimaniery

Zafimaniery-Dorf

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Die restliche Woche im Hochland führt uns in ein Dorf des Stammes „Zafimaniery“. Weit ab von jeglicher Zivilisation und einen Tagesmarsch von der Straße entfernt liegen die Holzhütten der cirka 50 Bewohner. Auch hier erwarten uns ungläubige Blicke und eine unbeschreibliche Gastfreundschaft. Das Stammesoberhaupt zeigt uns eine Hütte: Kochstelle, Schlafstätten, Hühnerstall und „Spielecke“ auf minimalstem Raum.



Der Duft des Landes...

Betsileo-Dorf

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Mittlerweile hat das gesamte Reise-Gepäck den Holzkohle-Geruch angenommen der auf der Ganzen Insel typisch ist. Da keines der Häuser auf Madagaskar einen Schornstein besitzt, kommen die Menschen meist mit rußgefärbten Gesichtern und Kleidern aus Ihren Unterkünften. Auch die Fensterrahmen der Häuser sind schwarz gefärbt. Einem alten Sprichwort nach beschreiben die Madagassen ältere Leute auch liebevoll mit dem Satz „Der hat schon etwas Ruß unter dem Dach“.


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Kommentare

  • Guido

    Ein sehr interessanter und kurzweiliger Reisebericht von einer abenteuerlichen Reise umrahmt mit schönen eindrucksvollen Bildern.
    Toll wäre noch der eine oder andere eingebaute Tipp.

  • Brunello

    KLasse Bilder, wunderbarer Beitrag, plastische Schilderungen, merkfähige Erkenntnisse: "Ich habe Ruß unter dem Dach", werde ich demnächst weltläufig einstreuen, wenn "Freunde" Anspielungen auf den wechselnden Farbton meiner Haare machen...

  • Focuswelten (RP)

    Hi!

    Na, Du scheinst ja auch vom Madagaskar-Fieber angesteckt worden zu sein. Was mir an Deinem Bericht so gut gefällt, ist die Tatsache, dass man das Land sehr gut wiedererkennt.

    Warst Du schon öfters dort?

    Servus
    Beppo - Focuswelten

  • desertflower

    Ein sehr lebendiger und von der Sympathie für Land und Leute durchdrungener Bericht! Danke.
    LG, desertflower

  • THBDZAMARAMBO

    Sehr schöner Bericht. Ich war zum ersten mal letztes Jahr im September auf einer Tour, und sehe meine individuellen Eindrücke wiederspiegelnd in deinem Bericht, vor allem vom ersten Satz

    "Zwei Tage Anfahrtsweg und das Chaos auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle trennen urlaubsreife Deutsche von einer Perle im indischen Ozean"

    bis zum letzten

    "Schade, aber irgendwann wir es Zeit zu sagen „Veloma Madagascar“!" ;-)

    Veloma!
    Alex

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Im Lemurenland 4.13 16

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