Der schönste französische Atlantikstrand

Reisebericht

Der schönste französische Atlantikstrand

Reisebericht: Der schönste französische Atlantikstrand

25 Jahre Erfahrung mit französischen Atlantikstränden führen zu Lieblingsorten und skizzieren erholsame Freizeitmöglichkeiten dort, aber auch Stressfaktoren - jedem das Seine, aber mir, was ich am liebsten mag. Und alles als Camper mit einem Klappzelt (Holtkämper Flyer)

Der schönste französische Atlantikstrand

Ich mag die französischen Strände am Atlantik, oder genauer: alle, die nicht am Mittelmeer liegen, denn die Kanalküste zählt man nicht zum Atlantik. Im Süden ist es mir zu heiß und im Sommer zu voll. Montpellier, Sète, Perpignan, Banyuls de la Marenda – um nur einige zu nennen, nein, ich liebe die Westküste! Dort ist Wasser noch in Bewegung, dort kann man an den verschiedenen Felsküsten bei rückläufigem Wasser (marée basse) in den unterschiedlichsten Tümpeln kleine Mikrokosmen beobachten und große Krebse unterschiedlicher Rassen finden, man muss sie ja nicht sofort für den Verzehr einsammeln.

Auch findet man dort an den riesigen Stränden immer einen Platz der Ruhe, wenn man sich auskennt auch kleine, verborgene Buchten, bspw. Im Norden der Bretagne, wo man sich die Natur mit nur wenigen Menschen teilen muss. Wer einmal Blut geleckt hat, wird immer wieder kommen. Er wird Eimer mitbringen und diverses Gerät, Muscheln zu finden oder auch bei auflaufendem Wasser (marée haut)) am Strand zu angeln.

Muscheln sind meine Leidenschaft, seit ich erstmals vor einem viertel Jahrhundert auf der Ile d’Oléron in die Geheimnisse eingeweiht wurde, wo und wie man denn die herrlichen palourdes finden könne. Sie kommen nämlich dort vor, wo unter einer dünnen Wattschicht ein leicht schlickiger Boden ist, durchsetzt von kleinen Kieseln und anderem feinen Geröll. Dort verstecken sich diese mächtigen, wohlschmeckenden Muscheln, die durchaus einen Durchmesser von 10 cm und eine Dicke von 4 cm annehmen können, oft aber kleiner sind. Man kann sie mit Fingern suchen und ausgraben – wird aber einen geringen Ertrag haben, weil einem die Fingernägel sicherlich wichtiger sind. Deshalb empfiehlt es sich, neben einem Eimer kleine Hacken dabeizuhaben. Vor Ort gibt es oft kleine Handhacken mit 3 kräftigen Krallen zu kaufen.

Zwischen dem ersten Kontakt zu dieser Muschel und dem Paradies (dort wo man sie am besten findet) liegen 15 Jahre. Stranderfahrung – den Norden Frankreichs lasse ich aus, er ist langweilig, außer man liebt seine mondäne Vergänglichkeit.

Die Normandie kennt im Norden und Osten schöne Sandstrände – nur, wer kann sich vorstellen, an dieser blutdurchtränkten Landungsküste unterhalb des amerikanischen Soldatenfriedhofs fröhlichen Urlaub zu machen? Auch habe ich dort Muscheln eigentlich nur in Restaurants und auf Märkten gefunden – Austern in jeglicher Größe und von unterschiedlicher Herkunft. Man kann die Zuchtanlagen gut sehen und auch besichtigen. Aber dort besser keinen Strandurlaub machen.

L’Havre im Norden – dort gibt es viele kleine Strände, ganz schön, aber nicht umwerfend, etwas rau, aber wenig Klippen, kein Hinterland, nur Sand und Wasser.

Ausreichend südlich von L’Hague, der Wiederaufbereitungsanlage für verbrauchte Brennstäbe, auch nette Strände, zum Segeln sehr schön, wenn man einen Hafen hat, aber ansonsten auch dort wenig Abwechslung – aber viel Ruhe.

Der Norden der Bretagne glänzt durch viele kleine und mittelgroße Buchten, die man oft nur über schmale Landstraßen erreichen kann, dort ist Ruhe und Beschaulichkeit genauso garantiert, wie frisches klares Wasser und eine oft auch raue Brise vom Meer her, nichts für Weicheier, wenn man etwas weiter hinaus möchte, zum Tauchen bspw. sollte man auf den Neopren-Anzug nicht verzichten. Aber auch Kinder werden ihre Freude am Sand und Wasser haben, wenn sie mit den vielen Schnecken und Muscheln umzugehen verstehen (lernen wollen). Je weiter man Richtung Finistère kommt (Brest) lohnt es sich auch, Fahrräder mitzunehmen.

Die südlichen Strände der Bretagne sind wieder eher etwas mehr für jene, die das aprés beach mögen. Ich nicht so sehr, aber das ist Geschmackssache.

Die Île de Ré und die Ile d’Oleron sind natürlich eigene Welten. Während der Saison füllen sie sich oft unerträglich. Zu bestimmten Zeiten gibt es kein Durchkommen auf den wenigen Hauptstraßen. Wer aber dort angekommen ist, will einige Wochen bleiben – insofern schon viel Konstanz – und für die Wege und Ausflüge kann man ja an das Fahrrad denken, was oft geht. Die Ile d’Oleron weist im Westen meist felsige Strände mit kleinen Sandstränden auf und bei Ebbe eben jene typischen kleinen Salzwassertümpel, wie ich sie eingangs beschrieb. Die Ostküste hat größere Strände und lädt zum Schwimmen ein, das Wasser ist ruhiger – nur eben kein typischer Sonnenuntergang zum Tagesabschluss. Im Süden der Insel liegt St. Trojan mit seinen riesigen Strandflächen, wenn das Wasser weggegangen ist. Man erreichte die aber in der 80er Jahren nur über eine Kleinbahn oder per Fahrrad. Das dürfte heute auch noch so sein, denn die Sanddünen wandern „außerhalb der Saison“, weshalb es kaum möglich sein wird, dort Parkplätze in ausreichender Zahl anzulegen. Man sieht bei Tiefstand des Wassers bis zu den Dünen des Festlandes hinüber und dessen gewaltige Strände. Man meint den Weg dorthin zu Fuß schaffen zu können – aber das wäre der sichere Tod, denn draußen lauern tückische Treibsände und unberechenbare Priele. Die Ile d’Oleron ist eine Insel, auch wenn sie über eine mautpflichtige Brücke mit dem Festland verbunden ist!

Auf ähnliche Weise – aber über eine andere Brücke – kommt man auf die benachbarte Île de Ré. Hier sollte man auf jeden Fall Fahrräder dabei haben, denn auf dieser Insel ist alles noch enger und dichter, auch der Platz am Strand. Und auch das aprés beach ist unbedingt Teil des Urlaub.

Überschreitet man die Gironde Richtung Süden – entweder auf der autoroute Aquitaine und vermeidet so Bordeaux, oder mit einer Fährte direkt an der Mündung, so erreicht man den Landstrich mit wohl dem längsten durchgehenden Strand Europas. Flach wendet sich der Strand zum Meer, hohe Dünen schützen das Land vor den Winterstürmen der Biskaya. Oben auf den Dünen sind in der Saison alle Beobachtungsposten mit Rettungsschwimmern besetzt. Rote, gelbe und grüne Flaggen zeigen, ob „das Betreten des Wassers“ erlaubt ist. Selten sieht man die grüne, meist die gelbe Flagge, oder bei ablaufendem Waser die rote. Die Posten sind technisch meist sehr gut ausgestattet, manches mal auch mit Amphibienbooten, die mit ihrer Zweimannbesatzung blitzschnell vom Dünenkamm ins Wasser rasen können, um zu retten, was hoffentlich noch zu retten ist, denn das Wasser kann sehr tückisch sein und der Mensch noch um ein Vielfaches leichtsinniger. In Lacanau-Océan bspw. rollen die Wellen über viele hundert Meter flach heran, um dann aber wieder mit gewaltiger Kraft zurückrollend im Meer zu verschwinden. Wenn etwa ein kleines Kind umgerissen wird, würde es das schon überleben, aber der Schock könnte tief sitzen. Deshalb sollte man nicht zu tief ins blitzsaubere Wasser gehen, und auch kleine Kinder im flachen Gewässer zunächst einmal gut festhalten und beobachten. Bei entsprechender Umsicht sind es sehr schöne Strände mit oft menschenleeren Zonen, geeignet auch zum langen Wandern, sofern die Hüften es aushalten (stundenlange einseitige Neigung beim Laufen).

Man findet in dieser Ecke der französischen Atlantikküste (Les Landes) überall schöne Sandstrände mit tiefblauem Wasser und weißgeschäumten Wellenköpfen, und etwa südlich von Arcachon in Höhe von Europas höchster Düne, der Dune de Pilat. Möge man sich da ruhig einen schönen Strand suchen, seinen schönsten – meiner liegt jedoch in der Normandie, ich habe ihn bislang in der Beschreibung ausgespart.

15 Autominuten nördlich von Granville liegt direkt am Meer der Campingplatz La Vanlee, gemeinsam getragen von den Gemeinden Brehal und Bricqueville s/mer. Vor Jahrzehnten fand an dieser Stelle ein europäisches Treffen von Campern statt, die diesen Ort nie mehr vergessen wollten und heute noch im hohen Rentenalter mit ihren neuen Wohnmobilen vorbeischauen. Von Ihnen habe ich die Entstehungsgeschichte erfahren. Ohne den europaweiten guten Ruf dieses Stückchens Erde hätten wohl die beiden Gemeinden keinen Campingplatz gebaut, der sich langsam entwickeln und festigen konnte. Mag es zu Beginn auch darum gegangen sein, wildes Campen in den 70ern zu vermeiden, die weiter steigende Nachfrage hat zu hervorragenden Sanitäranlagen geführt, einem Laden, der alles anbietet, was man täglich braucht, einem Restaurant, welches sich auch um Animation und Unterhaltung bemüht, sowie einem Schwimmbecken, welches gerade von Kindern sehr gern angenommen wird, wenn es heiß und das Wasser ganz weg ist. Ist das Meer da, ganz oben, dann reicht es schon mal bis an den Dünenfuß und ist damit gerade mal 20 Meter (Luftlinie) von den ersten Wohnwagen entfernt – Leben am Meer für wenige Wochen.

Dass man im Wasser schwimmen kann, wissen wir. Also wird das nicht alleiniger Maßstab für die Qualität eines Strandes sein, der zudem nie sauber gemacht wird – es sei denn vom Meer, der z. T. steinig ist und wo man an einigen Stellen durch Muschelfelder hindurchgehen muss.

Ist das Wasser aber weg – und gerade die Normandie kennt hier sehr hohe Hübe – dann sieht man es wirklich nicht mehr und es tut sich eine ganz andere Landschaft auf. Nach wohl fünfhundert Metern ragen unendlich viele dicke Holzpfosten aus dem Meeresboden und man ahnt, dass sich dort über viele Quadratmeter und kilometerweit ins Meer hinaus unter dem Meeresspiegel eine gigantische Miesmuschelzuchtanlage versteckt. Sichtbar von der Düne aus sind die langen Reihen von Pfosten bis zum Horizont. Arbeiten kann man dort nur bei Ebbe, ganz draußen nur bei Tiefststand, also alle 2 Wochen für wenige Tage. Es ist ungewohnt, lange Reihen von Treckern mit Anhängern und Booten im Schlepp jeden Tag hinaus- und zurückfahren zu sehen, es sind die Bauern von Bricqueville. Man gewöhnt sich daran.

Warum dieser Ort für Muschelbauern so gut geeignet ist, mag ein Biologe beantworten. Und der wird auch gleich eine Antwort auf die Frage haben, warum es so viele Muschelfelder zwischen den Pfosten und dem Strand gibt. Ich begnüge mich damit, dass es dort Muscheln in Hülle und Fülle zu finden gibt, gelegentlich eine Auster, die immer sofort unter das Messer kommt, Miesmuscheln, wenn mal keine anderen da sind, Cocques und vor allem Palourdes.

An den sonnigen Tagen mit günstig gelegener Ebbe und zu erwartender ausreichender Tiefe marschieren hunderte von Familien hinaus, bewaffnet mit Eimer und verschiedenen Netzen, Hacken, Schäufelchen und auch Grabegabeln. Es herrscht eine Stimmung, wie auf einem Erdbeeracker. Gesellet man sich hinzu, Plastikschuhe oder Gummistiefel nicht vergessen, findet man schnell einen kleinen Claim und arbeitet sich mit dem ablaufenden Wasser immer weiter hinaus.

Lange Spaziergänge durch dass platte Wattenmeer sind eine gute Alternative. Der Boden ist hart, weitgehend von Steinchen und Muschelbänken frei, aber nur weitgehend, weshalb man immer Plastikschuhe dabei – oder Fußsohlen aus Ledert – haben sollte. Der Lohn ist ein freier Kopf, ein gut gefüllter Speicherchip seiner Kamera und manche dicke Cocques, die es sicherlich bereuen wird, sich nicht schnell genug eingebuddelt zu haben. Es ist mein schönster Strand, weil er mich den Tag über dort immer ausgefüllt hat und den Abend mit einem romantischen Sonnenuntergang abschließen ließ.



Muschelbank - in Sepia


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Kommentare

  • RdF54

    Eine der schönsten Gegenden Europas - sehr schön beschrieben von Dir.

    LG Robert

  • pucki1818

    Fantastisch beschrieben, alle wichtigen Anhaltspunkte der 25-järigen Erfahrung mit französichen Atlantikstränden und Lieblingsorten.

    Aber welcher ist nun ihr 'schönster Strand der jedoch in der Normandie liegt' ,
    und den sie bislang in der Beschreibung ausgespart haben ?
    .

  • LOIRE

    Vielen Dank allen für die Kommentare. Den Vorschlag, die Infos besser zu strukturieren habe ich mir zu Herzen genommen und werde das sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt einmal nachholen.

    Ich wollte eigentlich nur auf meinen Lieblingsstrand hinsteuern, den nördlich von Granville - beantwortet das deine Frage, pucki1818?

    Den Bericht von diesem Jahr zum Strand stelle ich zurück, denn Aries hat dazu etliches sehr schönes geschrieben. Es ist aber immer noch so, dass dort vor etlichen Jahrzehnten die europäischen Camper einen herrlichen Platz für sich entdeckt hatten, der anschließend von den anliegenden Gemeinden mit guter Infrastruktur ausgestattet wurde. Etliche Menschen suchen dort auch noch nach langer Zeit ihre jährliche Erholung. Man spürt es und fühlt sich mitgenommen, auch wenn der Wandel gleichfalls zu erkennen ist. Nur am Strand, da scheint die Zeit stillzustehen. Aller wiederholt sich von Jahr zu Jahr, im Rhytmus von Ebbe und Flut, von Sonne, Regen und Sturm.

    Gruß
    Loire

  • pooluhl

    nach lediglich 16 jahren atlantik kann ich dir komplett zustimmen. schön beschrieben! gruss, rainer

  • freeneck-farmer

    Schön beschrieben. Wo ist den den Platz für Camper? Ich möchte im Frühjahr das erste Mal in die Bretagne fahren.
    LG Anneken

  • pleuro

    Jetzt bin ich doch gerade so "per Zufall" auf Dein Profil gestoßen... :-))) und was sehe ich als erstes: einen Reisebericht über die Atlantikküste Frankreichs! Mein absoluter Lieblingsurlaubsort! Ich kann Dir in fast allem nur zustimmen, bis auf eine Klitzekleinigkeit - es gibt einen Grund, warum ich die Region des Landungsbereichs der Allierten aufsuche (nicht unbedingt zum Urlaub machen), aber um solche Dinge zu entdecken! :-)))
    http://www.geo-reisecommunity.de/bildergalerie/mitglied/pleuro/sortierung/aktualitaet/5/283920
    Einen lieben Gruß von einer nicht ganz Unbekannten (hoffe ich doch!)

  • Provefan

    Ein toller Bericht. Auch wenn ich bisher nur einmal in St. Denis d'Oleron war, kann ich vieles nachempfinden. Auf der Insel hat mich vor allem die Lässigkeit begeistert. Nicht zu vergleichen mit der Cote.
    Ich werde bestimmt auch zum Wiederholungstäter.
    Nur eine Neuerung gibt es wohl. Die Brücke ist nicht mautpflichtig.

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Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Der schönste französische Atlantikstrand 4.21 14

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