Korsika - auf dem GR20 unterwegs

Reisebericht

Korsika - auf dem GR20 unterwegs

Reisebericht: Korsika - auf dem GR20 unterwegs

GR 20? Er ist mittlerweile wohl einer der bekanntesten und vielleicht auch schwierigsten Weitwanderwege Europas. Der 1972 eröffnete Sentier de Grande Randonnée 20 durchzieht die Insel Korsika von Süd nach Nord (oder umgekehrt, ganz wie man möchte). Der Weg erschließt die schroffe Bergwelt der Mittelmeerinsel. Weitere Infos auch: http://www.4funweb.de/gr20

Vom Col di Verghio zum Lac de Nino

Irgendwann erwischt es (fast) jeden im Hochgebirge. Beim Quartierwechsel zum Col di Verghio regnete es oder besser, es goss wie aus Gießkannen - zumindest am Morgen. Eigentlich sollte der Bus nur unser Gepäck transportieren und wir wollten vom kleinen Bergdorf Calasima, östlich von Corte, zum GR 20 aufsteigen und über die Refuge de Ciottulu di i Mori zum Castellu di Verghio gehen. Also fuhren wir mit dem Bus zum Castellu, was soviel wie Schloss bedeutet. Von Schloss kann allerdings beim Anblick des maroden Betonklotzes nicht die Rede sein. Insgesamt macht die Umgebung am Col die Verghio nicht gerade den besten Eindruck. Es ist hier aber die einzige Möglichkeit für die Unterkunft einer größeren Gruppe in der Nähe des GR 20. Als wir am späten Vormittag ankamen, hatte der Regen zunächst aufgehört. Also beschlossen wir, die geplante Tour teilweise in umgekehrter Richtung zu gehen, also bis etwa zur Refuge de Ciottulu di i Mori und wieder zurück. Das Wetter schien zunächst zu halten. Der Weg führt durch einen ausgedehnten Mischwald ohne große Höhenunterschiede Richtung Bergeries de Radule, die allerdings zum Verkauf stand und nicht bewirtschaftet wurde. Man quert den Fernwanderweg Mare a Mare Nord. Kurz hinter den Bergeries de Radule überschreitet man den Golo-Bach über eine stabile Brücke. Hier erwischte uns der nächste Regenschauer, der glücklicherweise nicht von langer Dauer war. Der GR 20 folgt nun über eine längere Strecke dem Golo-Bach und steigt recht stark an. Dieser Abschnitt gilt als einer der schönsten des GR 20. Leider mussten wir ihn bei trübem Wetter absolvieren. Nach längerem Anstieg kommt die Refuge de Ciottulu di i Mori in Sicht. Die Refuge wird von zwei mächtigen Bergen dominiert. Auf der einen Seite steht der Capu Tafunatu (2.335 m) mit dem sogenannten "Loch des Teufels", einem riesigen Loch im Felsmassiv, auf der anderen Seite die Paglia Orba (2.525 m), die auch gern als Königin der korsischen Berge bezeichnet wird. Wegen der fortgeschrittenen Zeit war hier unser Umkehrpunkt gekommen. Auf dem Rückweg überraschte uns kurz vor dem Col die Verghio noch ein Regenschauer, aber das gehört eben zum Bergurlaub mit dazu, schließlich trägt man die Regensachen nicht nur spazieren.

Vom Col di Verghio nach Süden geht der GR 20 am Lac de Nino vorbei, unserem nächsten Wanderziel. Der GR 20 verläuft vom Col aus durch den Wald von Valdu Niellu. Nach einem kurzen Abstieg geht es ohne große Höhenunterschiede auf einem angenehmen Waldweg weiter. Bevor der GR 20 nach Südwesten abzweigt, gibt es einen gut markierten Wanderweg zum Lac den Nino. Dies ermöglichte uns eine Rundtour, vom See aus werden wir den GR 20 wieder absteigen und zum Col di Verghio zurückkehren. Unser nach Westen führender Weg steigt zur Bergeries de Colga an und dann weiter steil über Granitfelsen zum Bocca â Stazzona. Bereits unterwegs boten sich uns phantastische Ausblicke auf die gesamte Bergkette der Grande Barrière. Die Mittagsrast verbrachten wir am Bocca â Stazzona mit dem Lac den Nino zu Füßen. Am Bergsee trafen wir dann wieder auf den GR 20, der uns zurück zum Col di Verghio führte.



Lac de Nino



GR 20 - die Königsetappe durch den Kessel der Einsamkeit (Cirque de la Solitude)

Blick in den Cirque de la Solitude

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Die nachfolgend beschriebene Tour gilt als die schwierigste Etappe des GR 20. Legendär ist vor allem die Durchquerung des Kessels der Einsamkeit - aber dazu später.

Nach einem Bustransfer in Korsikas höchstgelegenes Dorf Calasima (knapp 1100 m) begann der Aufstieg zum GR 20, zunächst mit der alles überragenden Paglia Orba (2525 m) im Angesicht, und dann weiter zur Tighiettu-Hütte. Der mäßige, dann steiler werdende Anstieg zur futuristischen auf Stelzen erbauten 1683 Meter hoch gelegenen Refuge de Tighiettu führt durch das Strancione-Tal. Dort angekommen, legten wir eine kurze Rast ein und stiegen weiter steil aber nicht schwierig zum Sattel Bocca Minuta auf 2218 Meter Höhe. Voller Spannung liefen wir einem der absoluten Höhepunkte unseres Korsika-Abenteuers entgegen. Von der Bocca Minuta eröffnet sich der Blick in den Cirque de la Solitude, den Kessel der Einsamkeit. Hier sollte man auf jeden Fall eine Pause einlegen und den Anblick genießen. Im Wanderführer Trans-Korsika vom Stein Verlag wird von der Schlüsselstelle des GR 20 geschrieben, von senkrechten Felsabstürzen und einem engen, steilen Felskessel, der irgendwie unheimlich wirkt und Respekt einflößt. Also ganz so schlimm ist es nicht. Senkrecht sind die zu bewältigenden Kletterpassagen sicher auch nicht, steil aber schon. Da wir das Glück hatten, bei strahlendem Sonnenschein und nur mit dem Tagesrucksack die etwa 250 Höhenmeter Abstieg und 200 Höhenmeter Aufstieg zum Col Perdu (2183 m) zu gehen, war es eher ein Genuss und weniger Strapaze. Allerdings sollte man die Passage nicht unterschätzen. Das trifft vor allem für schlechtere Wetterbedingungen und volles Trekking-Gepäck zu. Der Abstieg von der Bocca Minuta beginnt noch recht harmlos, schnell erreicht man dann aber die steileren Passagen, die teilweise mit Ketten gesichert sind. Eine Leiter hilft am einzigen vielleicht wirklich senkrechten Stück. Der Aufstieg zum Col Perdu führt teilweise sehr steil durch loses Geröll. Auf nachfolgende Wanderer sollte dabei unbedingt Rücksicht genommen werden. Der letzte Teil des Aufstiegs ist nochmals mit Ketten gesichert. Für die Durchschreitung des Cirque de la Solitude sollte man insgesamt etwa zwei Stunden einplanen.

Ich habe mich bemüht, wesentliche Passagen mit der Digicam festzuhalten, vor allem die kettengesicherten Abschnitte im Ab- und Aufstieg und die Steilstücke. Zwei ausführliche Diashows sind dem "Solitude" gewidmet. Leider lässt sich selbst mit dem Weitwinkelobjektiv nur ein beschränkter Eindruck von den Ausmaßen des Felskessels vermitteln. Das muss man einfach selbst erleben.

Nach dem Aufstieg zum Col Perdu meinen viele, die aus dem Süden kommen, nun wäre es fast geschafft - wir hatten immerhin auch schon ca. 6 Stunden Wanderung in den Beinen. Dem ist aber nicht so. Es ging gleich wieder steil talwärts und zwar im Juni noch über ein Schneefeld. Immerhin muss man von fast 2200 Meter Höhe bis nach Haute-Asco (1422 m) absteigen. Und der Weg "zieht" sich. Es geht vorbei an den Ruinen der Altore-Hütte, die 1884 bei einem Brand völlig zerstört wurde. Der sehr steinige oder besser "geröllige" Weg bietet bald einen schönen Ausblick auf den höchsten Berg Korsikas, den Monte Cinto (2707 m), an dem man relativ dicht vorübergeht.

Nach etwa 8 Stunden reiner Gehzeit erreichten wir schließlich unsere Unterkunft im Berghotel Haute-Asco, was uns für die nächsten zwei Tage beherbergte. Von hier aus besteht auch die gute Möglichkeit für einen Aufstieg zum Monte Cinto, was Konditionsstarke durchaus nutzen sollte.

Den kompletten Korsika-Bericht findet ihr auf www.4funweb.de/gr20



im Cirque de la Solitude


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