Mit dem Plattenboot auf dem Ijsselmeer und der Waddenzee

Reisebericht

Mit dem Plattenboot auf dem Ijsselmeer und der Waddenzee

Reisebericht: Mit dem Plattenboot auf dem Ijsselmeer und der Waddenzee

Das Segeln mit Plattbodenyachten erfordert besondere Techniken und Erfahrungen, aber besonders eine gute Mannschaft.

Plattenboot



Das Segeln mit Plattbodenyachten

Schleusen, warten, schleusen...

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Wir waren vor dem Törn nie mit einem Plattenboot gesegelt. Das Plattenboot hat keinen großen Tiefgang, also keinen Kiel. Es ist unten einfach platt. Boote brauchen aber einen Kiel, weil sie sonst zu stark vom Kurs abdriften. Das Plattenboot hat deshalb an der Seite zwei Schwerter, die die Abdrift reduzieren.
Das Boot sieht sehr bauchig aus, nicht so elegant wie die modernen Segelyachten, die wir sonst gechartert haben. Mit einem Plattenboot zu reisen, ist anderes reisen. Weniger elektronische Technik, sondern mehr Segeltechnik. Keine Rollfock oder Rollsegel, sondern ein guter Palstek im Klüver oder eine gut gesetzte Gaffel. Manöver müssen eingeübt sein, und Manöver sind nicht, wenn eine Person, die am Ruder steht und jemanden im Innenraum etwas zuruft, damit dort nichts runterfällt.
Plattenboot fahren, heisst Erfahrung mit Boot und Wind zu machen, und von der gemachten Erfahrung zu lernen.



Schleusen und Kaffee trinken und Schleusen und klönen

An einem Montag im Mai waren wir angereist, hatten Proviant gekauft, uns mit dem Boot vertraut gemacht.
11 Tonnen aus einem engen Liegeplatz zu fahren, ohne das gut renovierte Boot vor den Augen des Vercharters zu beschädigen, ist nicht einfach. Gerade wenn die Strömung beim Querab-Kurs über Steuerboard einen gleich gegen die andere Boot drückt. In den friesischen Kanalen gibt es viel Platz und Wasser, aber wieso nicht hier? Was hilft einen in diesem Moment? Eine gute Crew und eine klare Besprechung der Manöver, so sind wir dann gut gestartet.

Während wir auf den Kanälen unter Motor fuhren, verstauten wir unsere restlichen Sachen und übten und übten.

In Workum hielten wir vor der ersten Brücke an. Der Brückenwärter (ein ehrenamtlicher freundlicher Rentner), der mit uns plauderte und Kaffee trank. Unser Ziel war eigentlich weiter zu kommen, aber Wakkum hat drei Brücken und eine Schleuse, so hielten wir in Wakkum immer wieder und nahmen uns die großen Ziele für den nächsten Tag vor.
Bei jeder Brücke gaben wir dem Brückenwärter einen Obulus in seine Angel bzw. in den kleinen Holzschuh. Der Kaffee in der Vorsaison war kostenlos.



Hart am Wind

Am Wind kreuzen mit dem Plattenboot

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Nun verliessen wir die Kanäle und fuhren auf das Ijsselmeer. Ein schönes Binnenmeer, da es durch den Abschlußdeich von der Nordsee abgespeert ist. Da wir vor einem Jahr schon das Ijsselmeer ersegelten, wollten wir dieses Jahr mit dem Plattenboot in die Waddenzee. Das Meer liegt vor den westfriesischen Inseln und ist schwierig zu besegeln, da es einen Tidenhub von mehr als 2 Metern hat. Aus diesem Grund hatten wir uns auch für einen Plattenboot entschieden, mit dem wir auch trockenfallen könnten.
Nun kam der Wind direkt aus Norden, also aus der Richtung, wo unser Tagesziel lag. Der Nachteil des Plattenbootes ist es, wenn man gegen den Wind kreuzt, dass man eine große Abdrift hat und nicht so hart am Wind segeln kann. Man gewinnt nicht so viel Höhe wie mit einer moderenen Segelyacht und schon garnicht, wenn man so ungeübt mit einem Plattenbot ist wie wir. Also war Arbeit und Zeit gefragt, bis wir das Boot beherrschten. Und wir endlich da waren,wo wir hinwollten. Der einfach auf der Karte gezeichnete Strich war harte Arbeit eines Zickzackkurses.



Irrer Iwan

In Schleusen parkt man nicht...

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Nach drei Stunden fuhren wir in die Schleuse des Abschlussdeiches ein. Erleichert, dass wir nun das Boot beherrschen und vielleicht darum auch unkonzentriert, machten wir einen Fehler beim Anlegen. Anlegen - kein Thema - alter Hut.
Während wir mit der Vorderleine zu stark zogen, die Achterleine noch nicht befestigt war und der Rudermann beim Rückwärtsgang das Ruder falsch umlegte, drehten wir in der engen Schleuse. Da Sicherheit Prio hatte, wollten wir unseren irren Iwan auf dem engen Raum nicht wiederholen. Nach dem holländischen Kommentar über die Lautsprecher des Schleusenwärters, den wir trotz unserer holländischen Flagge vom gecharterten Boot nicht verstanden, fuhren wir souverän rückwärts aus der Schleuse.

Wenn jemand dies auf Youtube findet, da wir bei dieser bedeutenen Schleuse und Brücke einige Zuschauer hatten, schickt mir den Link!



Harlingen

Aus der Schleuse folgten wir dem Fahrwasser nach Harlingen. Die Strecke war gut befahren und nicht besonders schön, aber wir hatten eine Halbwind bis An - dem - Windkurs und der Wind kam von Backboard, so dass wir gut voran kamen. Harlingen lohnt sich. Gerade, wenn man die Möglichkeit hat, im alten Hafen anzulegen. WC und Dusche sind weit weg und nicht einladend, aber dafür haben die Stadt und ihre Leute viele Pluspunkte.



Im alten Hafen von Harling NL



Waddenzee und Segeln bei Ebbe und Flut

Da der Hafen tideabhängig ist, muss man schon genau auf die Festmacherleinen achten. Abends gingen wir los, da verliessen wir das Boot, indem wir die Kaimauer hoch kletterten und abends betraten wir das Boot, indem wir es zu uns heranzogen und drauf sprangen.
Am nächsten Morgen fuhren wir raus bei ablaufenden Wasser. Mit der Strömung wurden wir in die Waddenzee gespült.
Segeln im Gezeitenmeer ist ein anderes Segeln, nicht nur auf Wind achten, sondern auf Strömungen und Tidenhub. Bei gleichen Wind und ein paar Stunden später kann der gleiche Kurs schwerst Arbeit werden. Wir segelten unter der Insel Terschelling und genossen die Sonne und den blauen Himmel und die vollen Segel.

Zum Abend ging es wieder in die Schleuse des Abschlussdeiches und so ins Ijsselmeer. Gut geübt und diesmal fehlerfrei, um nicht zu sagen vorbildlich. Vom einem Nebenboot hörte ich : Schau die machen das so, lass es uns auch so machen! Na, die hatten uns wohl nicht auf Youtube gefunden.

Angelegt haben wir am Tagesziel: Der Hafen in Stavoren. Ein sehr schöner Hafen und ein sehr schöner Ort. Achtung TIPP!



Sonne, Wind und die richtige Tide, was will man...



Noch das Segelwetter geniessen

Am nächsten Tag ging es noch mal raus auf das Ijsselmeer und das Wetter war einladend und wir fuhren bei schönen, sonnigen, windigen Wetter wieder zurück in die Kanäle und in unseren Heimathafen.



Segeln, segeln, segeln


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Kommentare

  • mosaik (RP)

    Ausgezeichnet geschrieben! Was mir bei diesem Beitrag besonders gut gefällt, ist die glückliche Kombination von Wolfgang, dass er sehr gut be-schreiben kann und auch fachlich sachlich für und wider anschaulich schildert.

    So kann sich der Leser ein wirklich gutes Bild davon machen, wie einen Urlaub AUF dem Ijsselmeer und der Waddenzee sein könnte.

    Gratulation!

    Peter

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