Kraken: Zweibeiner der Meere

Die Geschichte des Laufens auf zwei Beinen beginnt nicht erst mit dem Menschen - sondern auf dem Meeresgrund: Vermutlich laufen Kraken schon seit Millionen Jahren gelegentlich auf zwei "Beinen"

Kraken sind eher unspektakuläre Meeresbewohner. Sie leben die meiste Zeit versteckt in Felsspalten auf der Lauer nach Beutetieren. Sind sie aber doch einmal genötigt, ihren Standort zu wechseln, müssen sie sich einiges einfallen lassen, um von Beutetieren und Fressfeinden unbemerkt zu bleiben. Besonders erfinderisch ist hierbei die tropische Art Octopus marginatus: Vertreter dieser Art wickeln sich für einen unterseeischen Sprint sechs ihrer acht Arme um den Leib und benutzen die restlichen beiden zum Laufen. Dabei ähnelt der Krake eher einer über den Meeresgrund kullernden Kokusnuss als einem Kopffüßler.

Laufen ohne Skelett

Auch die Art Octopus aculeatus sprintet zweibeinig. Dafür rollt sie drei Viertel der gesamten Beinlänge ab. Die restlichen sechs Tentakeln streckt sie - bizarr gekrümmt - in alle Himmelsrichtungen. So ähneln die Kraken Pflanzen oder Pflanzenteilen. Auch bei der Fortbewegung von Octopus aculeatus handelt es sich eindeutig um gehen, nicht um kriechen. Damit bewies das Wissenschaftlerteam um Christine Huffard von der University of Berkeley, dass zweibeiniges Gehen nicht nur Lebewesen mit einem Skelett gelingt. Den Kraken reicht offenbar der Flüssigkeitsdruck in der Muskulatur für die Schreitbewegung.

Gehört die Zukunft marschierenden Weichtieren?

Visionäre der Biologie haben schon vor dieser Entdeckung Kopffüßler über Land marschieren sehen - allerdings erst in 300 Millionen Jahren. Für die TV-Bio-Dokumentation "Die Zukunft ist wild" erschufen Evolutions-Wissenschaftler den "Kolosskalmar", der, groß wie ein Elefant, mit kräftigen Beinen durch den Regenwald streift. Ein Szenario, das durch die Entdeckung der amerikanischen Wissenschaftler realistischer erscheint.

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Ein Riesenkalmar durchstreift den Regenwald

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