Wildlife Photographer of the Year 2017 So entstand das schockierende Gewinnerfoto

Ein totes Nashorn mit abgesägtem Horn: Im Interview mit GEO.de erzählt der Gewinner des renommierten Titels Wildlife Photographer of the Year die Geschichte hinter dem schockierenden Foto
Brent Stirton, Wildlife Photographer of the Year

GEO.de: Brent, herzlichen Glückwunsch zum Titel Wildlife Photographer of the Year 2017! Wie kam es zu dem Foto?

Brent Stirton: Es ist entstanden als Teil einer Auftragsarbeit für das National Geographic Magazine. Das Thema war das Für und Wieder der Legalisierung des Handels mit Rhinozeros-Horn. Ich wollte mit meinen Bildern die Leser auch auf das Leid der Tiere aufmerksam machen, die bei Wilderer-Angriffen getötet werden. Dafür habe ich 30 verschiedene Tatorte besucht. Schließlich entschied ich mich für diesen. Das Spitzmaulnashorn war gerade erst gestorben - und sie hatten ihm das Horn abgesägt, als es noch lebte. Das konnten wir an dem arteriellen Blut ablesen, das um die Wunde herum verspritzt war. Diese Szene, fand ich, hatte den richtigen emotionalen Ton – und das Bild wurde dann auch in National Geographic gedruckt.

Warum ist Rhino-Horn für Wilderer eigentlich so attraktiv?

Ganz einfach: Es ist die wertvollste Ware im illegalen Wildtierhandel. Und das vor allem wegen der traditionellen Medizin in Ländern wie Vietnam, China und Laos. Ein Horn von sechs Kilogramm Gewicht kann auf den Märkten in Vietnam Preise von mehr als 350.000 US-Dollar erzielen. Die meisten Leute kaufen es aber in Scheiben zu 100 Gramm – für rund 10.000 US-Dollar. Und das alles, obwohl es keinen bewiesenen medizinischen Nutzen hat. Es ist einfach nur Keratin – dieselbe Substanz, aus der auch unsere Fingernägel bestehen. Aber es gibt eben ein uraltes Glaubenssystem, das, in Verbindung mit dem neuen Wohlstand in den bestreffenden Ländern, für viele Rhinos tödlich ist.

Fotograf Brent Stirton

Der Südamerikaner Brent Stirton ist Getty Images photojournalist - und Wildlife Photographer of the Year 2017

Es gibt offenbar eine Art Wettrennen zwischen Wilderern auf der einen und Wildhütern und Behörden auf der anderen Seite. Wer wird gewinnen?

Im Moment gewinnen die Wilderer. Die Schutzgesetze lassen sich nicht durchsetzen – weil es an Ressourcen und an Unterstützung von Seiten der Regierung und der Polizei fehlt. Es ist einfach zu viel Geld im Spiel – und dadurch zu viel Korruption. Es gibt aber auch noch gute Leute, etwa die International Anti-Poaching Foundation (IAPF) in Mosambik, oder Saving the Survivors, die jede nur denkbare Unterstützung verdienen.

Was kann Fotografie dazu beitragen, die Wilderei zu stoppen?

Eine Fotografie kann immerhin einen unwiderlegbaren Beweis dafür liefern, was in der Welt vor sich geht. Es ist eine universelle Sprache, die die Grenzen von Kultur und Sprache überwindet.