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Schlussakt und Heimkehr
Von Ursula Schauer (Ozeanographin am Alfred-Wegener-Institut und Leiterin der Expedition)
Unsere Expedition ist zu Ende. Noch Anfang voriger Woche erlebten wir ein Déjà-vu mit der Bergung zweier weiterer amerikanisch/russischer Verankerungen, die ähnlich wie die am Beginn der Reise nach Betätigung der Auslöser nicht von alleine an die Oberfläche kamen und daher per Bootsmanöver mit einer Schleppleine eingefangen werden mussten. Auch diesmal mit Erfolg - und man darf behaupten, dass diese Verankerungen von keinem anderen Schiff als Polarstern und seiner Besatzung hätten geborgen werden können. Die erste Datensicht ergab, dass teilweise Zeitreihen über vier Jahre aufgezeichnet wurden. Damit stellte die Bergung dieser Verankerungen einen bisher einmaligen Schatz an Langzeitbeobachtungen im zentralen Arktischen Ozean sicher.
Ian Waddington Ein profilierendes Messgerät wird nach der Aufnahme mit Süßwasser abgespült. Es hat vier Jahre lang Temperatur-, Salzgehalts- und Geschwindigkeitsprofile aufgezeichnet
Anschließend traten wir die lange Heimreise an - verschönt durch einige wenige Nächte mit klarem Himmel und Nordlichtern; anschließend wurden wir von einer Serie herbstlicher Sturmtiefs im Nordatlantik durchgeschüttelt. Dennoch bot die Heimreise auch die wunderbare Gelegenheit, bei den allabendlichen Seminaren erste Ergebnisse vorzustellen und diese dann spätestens beim nächsten Kaffee noch einmal durchzugehen und neue Fragen zu stellen.
Zuerst und unangefochten steht da die Eisbedeckung, die sich nach wie vor auf einem Tiefststand befindet. Die Ausdehnung lässt sich täglich aus den Satellitendaten ablesen, die bekamen wir von zuhause an Bord geliefert - aber Information über die Meereisdicke in der zentralen Arktis gibt es seit 2007 nur durch unsere Expedition; und unsere Messungen zeigen deutlich, dass die Eisdicke gleichbleibend auf einem enorm niedrigen Niveau ist. Schon bei den Auswirkungen auf das Ökosystem werden die Aussagen aber uneindeutiger; es zeichnet sich ab, dass es bei der Produktion und dem Abbau von Organismen im Arktischen Ozean nicht nur auf die Beschaffenheit des Eises ankommt, sondern sehr stark davon abhängt, ob das zugrundeliegende Ozeanwasser ursprünglich aus dem Pazifik stammt oder aus dem Atlantik.
Grafik: Ursula Schauer; Foto: Russ Hopcroft Ausbreitung von Atlantikwasser in der Arktis. Blauer Pfeil: kalter und salzarmer Einstrom durch die Barentssee; roter Pfeil: Warmer, salzreicher Einstrom durch die Framstraße. Blauer Punkt: Abkühlung gegenüber 2007, roter Punkt: Erwärmung; gelber Punkt: Zusammenfluss und erneute Verzweigung der Stromarme. Foto unten links: ein Ruderfußkrebs, der mit dem Atlantischen Wasser bis ins Kanadische Becken gespült wird
Ursula SchauerSo grün kann grün sein - kaum zu glauben
nach zwei Monaten zwischen Wellen und Eis
Spannende Fragen gab es auch zur Ausbreitung des Atlantikwassers: der Einstrom war deutlich kälter geworden - spricht das gegen die Klimaerwärmung? Nicht unbedingt, denn einem möglichen Trend sind mehrjährige natürliche Schwankungen überlagert und es geht ja genau darum, diese voneinander zu trennen. Und so ist auch der Rückstrom des Atlantikwassers in der Tat wärmer geworden ... Kopfzerbrechen bereitet auch der Befund, dass unseren ozeanographischen Ergebnissen nach der größte Teil der Arktis eher von dem kälteren und salzärmeren Stromarm aus der Barentssee gespeist wird und nicht, wie bisher angenommen, von dem warmen, salzreichen aus der Framstraße. Unsere Zooplanktonforscher finden aber auch im Kanadischen Becken Arten, die eindeutig aus dem Atlantik stammen und nach allem Wissen nicht länger als ein Jahr in der Arktis überleben können! Aber weder durch den Transfer von Temperaturanomalien noch durch direkte Geschwindigkeitsmessungen können wir Ozeanographen solche Ausbreitungsgeschwindigkeiten des Atlantikwassers nachvollziehen, nicht durch die Framstraße und erst recht nicht durch die Barentssee. Hier wie für viele andere Fragen braucht es noch einige Monate und Jahre Auswertung, bis wir wieder mit unserem Verständnis wirklich einen Schritt weiter sind - und sich gleichzeitig eine ganze Palette neuer Fragen aufgetan hat.
Unsere Rechner sind voller Daten, einige Kisten sind noch voller Proben, die erst zu Hause gemessen werden können. Am 6. Oktober um 8 Uhr machten wir in Bremerhaven am Liegeplatz von Polarstern in der Lloydwerft fest - wir schließen glücklich unsere Angehörigen und Freunde in die Arme. Einige Tage brauchen wir zur Erholung nach zwei Monaten Expedition - dann kann die Auswertung losgehen ...
Unsere Expedition ist zu Ende. Noch Anfang voriger Woche erlebten wir ein Déjà-vu mit der Bergung zweier weiterer amerikanisch/russischer Verankerungen, die ähnlich wie die am Beginn der Reise nach Betätigung der Auslöser nicht von alleine an die Oberfläche kamen und daher per Bootsmanöver mit einer Schleppleine eingefangen werden mussten. Auch diesmal mit Erfolg - und man darf behaupten, dass diese Verankerungen von keinem anderen Schiff als Polarstern und seiner Besatzung hätten geborgen werden können. Die erste Datensicht ergab, dass teilweise Zeitreihen über vier Jahre aufgezeichnet wurden. Damit stellte die Bergung dieser Verankerungen einen bisher einmaligen Schatz an Langzeitbeobachtungen im zentralen Arktischen Ozean sicher.
Anschließend traten wir die lange Heimreise an - verschönt durch einige wenige Nächte mit klarem Himmel und Nordlichtern; anschließend wurden wir von einer Serie herbstlicher Sturmtiefs im Nordatlantik durchgeschüttelt. Dennoch bot die Heimreise auch die wunderbare Gelegenheit, bei den allabendlichen Seminaren erste Ergebnisse vorzustellen und diese dann spätestens beim nächsten Kaffee noch einmal durchzugehen und neue Fragen zu stellen.
Zuerst und unangefochten steht da die Eisbedeckung, die sich nach wie vor auf einem Tiefststand befindet. Die Ausdehnung lässt sich täglich aus den Satellitendaten ablesen, die bekamen wir von zuhause an Bord geliefert - aber Information über die Meereisdicke in der zentralen Arktis gibt es seit 2007 nur durch unsere Expedition; und unsere Messungen zeigen deutlich, dass die Eisdicke gleichbleibend auf einem enorm niedrigen Niveau ist. Schon bei den Auswirkungen auf das Ökosystem werden die Aussagen aber uneindeutiger; es zeichnet sich ab, dass es bei der Produktion und dem Abbau von Organismen im Arktischen Ozean nicht nur auf die Beschaffenheit des Eises ankommt, sondern sehr stark davon abhängt, ob das zugrundeliegende Ozeanwasser ursprünglich aus dem Pazifik stammt oder aus dem Atlantik.
Ursula SchauerSo grün kann grün sein - kaum zu glaubennach zwei Monaten zwischen Wellen und Eis
Unsere Rechner sind voller Daten, einige Kisten sind noch voller Proben, die erst zu Hause gemessen werden können. Am 6. Oktober um 8 Uhr machten wir in Bremerhaven am Liegeplatz von Polarstern in der Lloydwerft fest - wir schließen glücklich unsere Angehörigen und Freunde in die Arme. Einige Tage brauchen wir zur Erholung nach zwei Monaten Expedition - dann kann die Auswertung losgehen ...
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6. Oktober 2011
"Algen-Brötchen" am Grund arktischer Schmelztümpel
Von Ilka Peeken, Biologin am Alfred-Wegener-Institut und MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften)
Wenn man im Sommer über das Packeis der Arktis fliegt, sehen die Eisschollen eher wie ein Schweizer Käse aus, denn auf der Oberfläche der Schollen befinden sich sogenannte Schmelztümpel.
Ilka Peeken Unterschiedlich gefärbte Schmelztümpel auf arktischem Packeis aufgenommen aus dem Helikopter
Diese Schmelztümpel nehmen einen Großteil der Eisschollen ein und können bizarre Formen annehmen. weiterlesen
4. Oktober 2011
Wenn man im Sommer über das Packeis der Arktis fliegt, sehen die Eisschollen eher wie ein Schweizer Käse aus, denn auf der Oberfläche der Schollen befinden sich sogenannte Schmelztümpel.
Ilka Peeken Unterschiedlich gefärbte Schmelztümpel auf arktischem Packeis aufgenommen aus dem Helikopter„Let me tell you about our Boat" Teil 4: Die Maschine
Von Olivia Serdecny (AWI) und Stefan Sümnicht (Reederei Laeisz)
Es ist so weit, die letzte Forschungsstation ist hinter uns gebracht und wir befinden uns endgültig auf dem Heimweg. Allerdings bedeutet das Ende der Messungen nicht das Ende der Arbeit - schließlich wollen alle Gerätschaften wieder fein säuberlich in ihre vorgesehenen und scheinbar über das ganze Schiff verstreuten Kisten verpackt werden. Dass es dabei immer die unterste Kiste des schwersten Stapels ist, an die man ´ran muss, braucht wohl kaum erwähnt zu werden.
Somit ist Zeit momentan leider Mangelware. Zum Glück erklärt sich Stefan Sümnicht, 2. Ingenieur auf der Polarstern, nicht nur dazu bereit, mir das G-Deck zu zeigen, sondern auch noch seine kurze Einführung direkt aufzuschreiben:
Mario Hoppmann Im Maschinenkontrollraum: Motorenwärter Bernd Voy ...
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29. September 2011
Es ist so weit, die letzte Forschungsstation ist hinter uns gebracht und wir befinden uns endgültig auf dem Heimweg. Allerdings bedeutet das Ende der Messungen nicht das Ende der Arbeit - schließlich wollen alle Gerätschaften wieder fein säuberlich in ihre vorgesehenen und scheinbar über das ganze Schiff verstreuten Kisten verpackt werden. Dass es dabei immer die unterste Kiste des schwersten Stapels ist, an die man ´ran muss, braucht wohl kaum erwähnt zu werden.
Somit ist Zeit momentan leider Mangelware. Zum Glück erklärt sich Stefan Sümnicht, 2. Ingenieur auf der Polarstern, nicht nur dazu bereit, mir das G-Deck zu zeigen, sondern auch noch seine kurze Einführung direkt aufzuschreiben:
Mario Hoppmann Im Maschinenkontrollraum: Motorenwärter Bernd Voy ...NP38 - Wo Wissenschaft auf dem Ozean treibt
Von Olivia Serdeczny
Seit einigen Tagen ist die Polarstern nun endgültig im offenen Wasser angekommen und wir befinden uns auf dem Heimweg. Das Geräusch der an den Bug laufenden Wellen hat das laute Krachen des Eises ersetzt und anstatt der langsamen Neigung des Schiffes beim Erklimmen und Brechen der Schollen spüren wir nun die gleichmäßige Dünung der Laptewsee. Und neue Gefilde bringen auch neue Highlights: Pünktlich zum Abendessen geht aufgeregt ein Wort durch die versammelte Runde. Polarlichter! Mehr schlecht als recht bekleidet stürmen wir auf das Peildeck und tatsächlich, erst ein blasser Schimmer leuchten sie verteilt stärker auf, zeigen ihren grünen Ton und rieseln den Himmel herab.
Mario HoppmannPolarlichter über der Polarstern
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27. September 2011
Seit einigen Tagen ist die Polarstern nun endgültig im offenen Wasser angekommen und wir befinden uns auf dem Heimweg. Das Geräusch der an den Bug laufenden Wellen hat das laute Krachen des Eises ersetzt und anstatt der langsamen Neigung des Schiffes beim Erklimmen und Brechen der Schollen spüren wir nun die gleichmäßige Dünung der Laptewsee. Und neue Gefilde bringen auch neue Highlights: Pünktlich zum Abendessen geht aufgeregt ein Wort durch die versammelte Runde. Polarlichter! Mehr schlecht als recht bekleidet stürmen wir auf das Peildeck und tatsächlich, erst ein blasser Schimmer leuchten sie verteilt stärker auf, zeigen ihren grünen Ton und rieseln den Himmel herab.
Mario HoppmannPolarlichter über der PolarsternOzeanbojen mitten im Eis
Von Benjamin Rabe, Ozeanograph am Alfred-Wegener-Institut
Benjamin Rabe, Alfred-Wegener-Institut Eisschollensuche: Blick durch die Sonnenbrille aus dem Helikopter
Der Eisarbeitstag fängt um 22:00 abends mit einem Hubschrauberflug an: Eine Eisscholle muss gesucht werden, und zwar eine, die auch dick genug ist, um eine Ozeanmessboje für ein bis zwei Jahre bis zur Framstraße zu tragen. Framstraße heißt die Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen, wohin ein großer Teil des arktischen Eises durch den Wind und die Meeresströmungen getrieben wird, bevor es endgültig im Europäischen Nordmeer schmilzt. Die Bojen sind eigenständig arbeitende Messsysteme, die ein oder mehrmals täglich Profile von Temperatur, Salzgehalt und sogar Strömung in den oberen 800 m des Arktischen Ozeans messen und per Satellit an die verantwortlichen Wissenschaftler weiterleiten. Solche selbstständig messenden profilierenden "Floats" werden im offenen Ozean mittlerweile häufig eingesetzt um weltweit den Zustand der Ozeane zu überwachen. In der Arktis funktioniert, wie so häufig, das einfache Prinzip der "Open-Ocean floats" wegen der Eisbedeckung nicht. Aber wir machen uns nun einfach das Eis als Geräteträger zunutze und können auf diese Weise ebenfalls ozeanographische Beobachtungen in Gebieten und zu Zeiten durchführen, in denen wir nicht mit dem Schiff unterwegs sind. weiterlesen
Der Eisarbeitstag fängt um 22:00 abends mit einem Hubschrauberflug an: Eine Eisscholle muss gesucht werden, und zwar eine, die auch dick genug ist, um eine Ozeanmessboje für ein bis zwei Jahre bis zur Framstraße zu tragen. Framstraße heißt die Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen, wohin ein großer Teil des arktischen Eises durch den Wind und die Meeresströmungen getrieben wird, bevor es endgültig im Europäischen Nordmeer schmilzt. Die Bojen sind eigenständig arbeitende Messsysteme, die ein oder mehrmals täglich Profile von Temperatur, Salzgehalt und sogar Strömung in den oberen 800 m des Arktischen Ozeans messen und per Satellit an die verantwortlichen Wissenschaftler weiterleiten. Solche selbstständig messenden profilierenden "Floats" werden im offenen Ozean mittlerweile häufig eingesetzt um weltweit den Zustand der Ozeane zu überwachen. In der Arktis funktioniert, wie so häufig, das einfache Prinzip der "Open-Ocean floats" wegen der Eisbedeckung nicht. Aber wir machen uns nun einfach das Eis als Geräteträger zunutze und können auf diese Weise ebenfalls ozeanographische Beobachtungen in Gebieten und zu Zeiten durchführen, in denen wir nicht mit dem Schiff unterwegs sind. weiterlesen
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26. September 2011
Meereisbiologie
Von Ilka Peeken, Biologin am Alfred-Wegener-Institut und MARUM (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften)
Die Abnahme der sommerlichen Meereisausdehnung und auch der Meereisdicke hat vermutlich auch Folgen für das marine Ökosystem der Arktis, aber zurzeit wird noch viel spekuliert, ob es eher eine positive oder negative Bilanz dieser Entwicklung geben wird.
Hintergrund dieses Zwiespalts sind u.a. die folgenden Szenarien:
C. Boissard Verarbeitung der Eiskernproben auf dem Eis
Zurzeit können die Algen aus dem Meereis aufgrund ihrer speziellen Anpassung an geringe Lichtintensitäten bereits früh im Jahr Algenblüten bilden. Sie bieten damit zu bestimmten Zeiten eine Nahrungsgrundlage für Organismen im Wasser und, wenn sie nach der Eisschmelze absinken, auch für die am Boden lebenden Organismen. Ein Fortfall dieses Nahrungsangebots würde negative Auswirkungen auf die verschiedenen Ökosysteme in der Arktis haben. Im Gegensatz dazu wird durch den Schwund des Meereises die Lichtlimitation für die Algen aus der Wassersäule aufgehoben und es gibt Vermutungen, dass es zu einer massiven Ausbildung sogenannter Algenblüten im Arktischen Ozean kommt und dieser somit produktiver wird als bisher mit seiner dicken Eisdecke. Aber bisherige Untersuchungen und Modelle zeigen, dass in der Arktis die verfügbaren Nährstoffe begrenzt sind, und daher können die Algen die besseren Lichtbedingungen nicht wirklich ausnutzen und die Gesamtproduktion des arktischen Ozeans bleibt gleich, es verschieben sich nur die Regionen, in denen erhöhte Kohlenstoffproduktion stattfindet. weiterlesen
Die Abnahme der sommerlichen Meereisausdehnung und auch der Meereisdicke hat vermutlich auch Folgen für das marine Ökosystem der Arktis, aber zurzeit wird noch viel spekuliert, ob es eher eine positive oder negative Bilanz dieser Entwicklung geben wird.
Hintergrund dieses Zwiespalts sind u.a. die folgenden Szenarien:
C. Boissard Verarbeitung der Eiskernproben auf dem Eis
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21. September 2011
"Let me tell you about our Boat" Teil 3: E- und F-Deck
Von Olivia Serdeczny
Langsam neigt sich unsere Fahrt dem Ende - wir verlassen die Zentralarktis und bewegen uns auf offenes Wasser an der sibirischen Küste zu. Das Eis wird immer spärlicher und die letzte Eisforschungsstation haben wir zum Bedauern der Eisphysiker vor einigen Tagen hinter uns gebracht. Dass wir dem Land näher kommen, merkt man auch an den Besuchern, die uns auf der Hinfahrt nördlich von Franz Josef Land verlassen hatten: Vögel und Eisbären - gelegentlich ein paar Robben - tauchen immer wieder mal auf. Auch der Sonnenuntergang ist als solcher wieder erkennbar und taucht den Außenbereich des E-Decks bei klarem Himmel in ein angenehm warmes Licht. Ideale Bedingungen, um den Rundgang auf der Polarstern hier wieder aufzunehmen.
Stefan HendricksTrotz ihrer weißen Tarnung zum Glück auch aus der Ferne gut sichtbar: eine Eisbärenmutter mit zwei Jungen
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16. September 2011
Langsam neigt sich unsere Fahrt dem Ende - wir verlassen die Zentralarktis und bewegen uns auf offenes Wasser an der sibirischen Küste zu. Das Eis wird immer spärlicher und die letzte Eisforschungsstation haben wir zum Bedauern der Eisphysiker vor einigen Tagen hinter uns gebracht. Dass wir dem Land näher kommen, merkt man auch an den Besuchern, die uns auf der Hinfahrt nördlich von Franz Josef Land verlassen hatten: Vögel und Eisbären - gelegentlich ein paar Robben - tauchen immer wieder mal auf. Auch der Sonnenuntergang ist als solcher wieder erkennbar und taucht den Außenbereich des E-Decks bei klarem Himmel in ein angenehm warmes Licht. Ideale Bedingungen, um den Rundgang auf der Polarstern hier wieder aufzunehmen.
Ein Fluss mitten im Ozean
Von Michiel Rutgers van der Loeff, Geochemiker am Alfred-Wegener-Institut
Bei uns Geochemikern steht Radioaktivität im Mittelpunkt. Bei Radioaktivität denkt man schnell an Strahlungsrisiken, an Fallout und an die Folgen der schweren Unfälle von Kernkraftwerken. Tatsächlich nehmen wir auf unserer Expedition Proben aus dem Oberflächenwasser und aus Schmelzwassertümpeln auf dem Eis um zu untersuchen, ob Spuren der Kernkatastrophe in Fukushima auch schon im hohen Norden angekommen sind. Aber unser Hauptinteresse liegt nicht bei dieser von Menschen erzeugten Strahlung, sondern bei der natürlichen Radioaktivität als Uhr für Prozesse im Ozean.
Gerhard Dieckmann, AWI Daniel Scholz nimmt Wasser-
proben für die Thoriumanalyse
Eine Frage, die uns bei der schwindenden Meereisbedeckung sehr beschäftigt, ist, wie sich das Wachstum von Algen ändern wird, wenn im Sommer grössere Flächen eisfrei werden. Wird die Produktion zunehmen und wird nach der Planktonblüte das Absinken von Planktonüberresten oder anderem Detritus mit allen darin vorhandenen Inhaltsstoffen auch zunehmen? In verschiedenen Beiträgen wurde schon darüber berichtet, wie wir versuchen diesen Export zu messen. Eine Möglichkeit ist die hochgenaue Bestimmung der Sauerstoffkonzentration im Verhältnis zur Argonkonzentration. Eine Sauerstoffübersättigung weist auf Wachstum hin. Aber um daraus auch eine Exportrate zu ermitteln, die das Algenwachstum und das Absinken der Überreste beschreibt, brauchen wir Information über die Zeit. Und dabei kann natürliche Radioaktivität sehr hilfreich sein.
Uran und Thorium sind natürliche Elemente der Umwelt. Sie sind radioaktiv und erzeugen bei ihrem Zerfall eine ganze Serie von Isotopen, die auch radioaktiv sind. Diese sogenannten Zerfallsketten enden bei einem stabilen, das heißt nicht-radioaktiven Isotop von Blei. Das Uran ist im Meerwasser relativ gut löslich und ist sogar eine Komponente des Meersalzes. Deshalb sind auch alle Zerfallsprodukte von Uran, die sogenannten Tochternuklide, im Meerwasser vorhanden. Eine Tochter von Uran ist Thorium-234, das ebenfalls zerfällt. Im ungestörten Fall wäre die Aktivität der beiden gleich. Allerdings bindet sich Thorium im Gegensatz zu Uran schnell an vorhandene Schwebstoffe jeglicher Art, und wenn diese absinken, sinkt auch das Thorium ab. Wir sehen also eine Abreicherung von Thorium im Vergleich zu der Konzentration, die wir aus dem Urangehalt erwarten. Diese Abreicherung von Thorium ist ein sehr hilfreiches Maß um den Export von Stoffen aus der Deckschicht in die Tiefen des Ozeans zu ermitteln. weiterlesen
12. September 2011
Bei uns Geochemikern steht Radioaktivität im Mittelpunkt. Bei Radioaktivität denkt man schnell an Strahlungsrisiken, an Fallout und an die Folgen der schweren Unfälle von Kernkraftwerken. Tatsächlich nehmen wir auf unserer Expedition Proben aus dem Oberflächenwasser und aus Schmelzwassertümpeln auf dem Eis um zu untersuchen, ob Spuren der Kernkatastrophe in Fukushima auch schon im hohen Norden angekommen sind. Aber unser Hauptinteresse liegt nicht bei dieser von Menschen erzeugten Strahlung, sondern bei der natürlichen Radioaktivität als Uhr für Prozesse im Ozean.
proben für die Thoriumanalyse
Uran und Thorium sind natürliche Elemente der Umwelt. Sie sind radioaktiv und erzeugen bei ihrem Zerfall eine ganze Serie von Isotopen, die auch radioaktiv sind. Diese sogenannten Zerfallsketten enden bei einem stabilen, das heißt nicht-radioaktiven Isotop von Blei. Das Uran ist im Meerwasser relativ gut löslich und ist sogar eine Komponente des Meersalzes. Deshalb sind auch alle Zerfallsprodukte von Uran, die sogenannten Tochternuklide, im Meerwasser vorhanden. Eine Tochter von Uran ist Thorium-234, das ebenfalls zerfällt. Im ungestörten Fall wäre die Aktivität der beiden gleich. Allerdings bindet sich Thorium im Gegensatz zu Uran schnell an vorhandene Schwebstoffe jeglicher Art, und wenn diese absinken, sinkt auch das Thorium ab. Wir sehen also eine Abreicherung von Thorium im Vergleich zu der Konzentration, die wir aus dem Urangehalt erwarten. Diese Abreicherung von Thorium ist ein sehr hilfreiches Maß um den Export von Stoffen aus der Deckschicht in die Tiefen des Ozeans zu ermitteln. weiterlesen
Gasfabrik Meereis
Von Gerhard Dieckmann und Ellen Damm, Biogeochemiker am Alfred-Wegener-Institut
Schon seit Wochen fahren oder brechen wir uns mit dem Forschungsschiff Polarstern durch eine weiße und kalte "Wüstenlandschaft". Zumindest erscheint sie uns von der Brücke oder vom Hubschrauber aus gesehen als Eiswüste. Betrachtet man sie jedoch aus der Nähe oder gar durch ein Mikroskop, so entfaltet sich eine komplexe und vielfältig strukturierte Matrix, die letztendlich sogar einen besonderen Lebensraum darstellt.
Erika Allhusen, Alfred-Wegener-Institut Polarstern im Meereis der Arktis, das sich im Winter über eine Fläche von 15,7 Millionen Quadratkilometern erstreckt
weiterlesen
6. September 2011
Schon seit Wochen fahren oder brechen wir uns mit dem Forschungsschiff Polarstern durch eine weiße und kalte "Wüstenlandschaft". Zumindest erscheint sie uns von der Brücke oder vom Hubschrauber aus gesehen als Eiswüste. Betrachtet man sie jedoch aus der Nähe oder gar durch ein Mikroskop, so entfaltet sich eine komplexe und vielfältig strukturierte Matrix, die letztendlich sogar einen besonderen Lebensraum darstellt.
Erika Allhusen, Alfred-Wegener-Institut Polarstern im Meereis der Arktis, das sich im Winter über eine Fläche von 15,7 Millionen Quadratkilometern erstrecktweiterlesen
Vom Winterschlaf in der Tiefsee
Von Olivia Serdeczny
Zu den zahlreichen Schätzen, die in der Bibliothek des Blauen Salons zu finden sind, zählt Barry Lopez' "Arktische Träume" - eine Naturbeschreibung dieser "letzten Wildnis". Im Vorwort schreibt Lopez, wie er es sich in der arktischen Tundra zur Gewohnheit gemacht hat, sich vor dem Beweis des Lebens dort zu verneigen. An ihn muss ich denken, und es erscheint mir unwillkürlich angemessen, wenn ich mich vor dem Mikroskop unseres Nachbarlabors stehend ein wenig vorbeugen muss, um einen Blick auf die verborgene Lebenswelt des eisbedeckten Meeres zu erhaschen. In diesem Labor sitzen Russ Hopcroft, Ksenia Kosobovokova, Liza Ershova und Hans-Jürgen Hirche und arbeiten mit Zooplankton - kleinen Tierchen die sich von pflanzlichem Plankton ernähren und erst unter dem Mikroskop ihre ganze Komplexität und Schönheit enthüllen. Russ ist gerne bereit, mir einige Fragen zu beantworten, allerdings nicht ohne sich immer wieder die Meinung von Ksenia - deutliche Fachfrau auf ihrem Gebiet - einzuholen.
Russ Hopcroft, University of Alaska, Fairbanks Eine Spezies Zooplankton, die den Wissenschaftlern während unserer Fahrt ins Netz gegangen ist. Die Pseudochirella spectabilis lebt auf Tiefen von mehr als 300 Metern
Russ, was genau machst Du da?
Während unserer Fahrt machen wir eine Bestandsaufnahme der Arten des Zooplanktons in der Arktis. Darüber ist nämlich noch recht wenig bekannt - in den letzten Jahren wurden immer wieder neue Arten entdeckt. Pro Station sind es zehntausende von Tieren, die wir in unseren Netzen fangen. Wir wählen dann einen repräsentativen Teil aus und betrachten diesen genauer. Momentan dokumentieren wir den Zustand der Copepoden, die wir bei der letzten Station eingefangen haben. Dazu ordne ich sie unter dem Mikroskop an und mache Fotos. weiterlesen
Zu den zahlreichen Schätzen, die in der Bibliothek des Blauen Salons zu finden sind, zählt Barry Lopez' "Arktische Träume" - eine Naturbeschreibung dieser "letzten Wildnis". Im Vorwort schreibt Lopez, wie er es sich in der arktischen Tundra zur Gewohnheit gemacht hat, sich vor dem Beweis des Lebens dort zu verneigen. An ihn muss ich denken, und es erscheint mir unwillkürlich angemessen, wenn ich mich vor dem Mikroskop unseres Nachbarlabors stehend ein wenig vorbeugen muss, um einen Blick auf die verborgene Lebenswelt des eisbedeckten Meeres zu erhaschen. In diesem Labor sitzen Russ Hopcroft, Ksenia Kosobovokova, Liza Ershova und Hans-Jürgen Hirche und arbeiten mit Zooplankton - kleinen Tierchen die sich von pflanzlichem Plankton ernähren und erst unter dem Mikroskop ihre ganze Komplexität und Schönheit enthüllen. Russ ist gerne bereit, mir einige Fragen zu beantworten, allerdings nicht ohne sich immer wieder die Meinung von Ksenia - deutliche Fachfrau auf ihrem Gebiet - einzuholen.
Russ Hopcroft, University of Alaska, Fairbanks Eine Spezies Zooplankton, die den Wissenschaftlern während unserer Fahrt ins Netz gegangen ist. Die Pseudochirella spectabilis lebt auf Tiefen von mehr als 300 MeternRuss, was genau machst Du da?
Während unserer Fahrt machen wir eine Bestandsaufnahme der Arten des Zooplanktons in der Arktis. Darüber ist nämlich noch recht wenig bekannt - in den letzten Jahren wurden immer wieder neue Arten entdeckt. Pro Station sind es zehntausende von Tieren, die wir in unseren Netzen fangen. Wir wählen dann einen repräsentativen Teil aus und betrachten diesen genauer. Momentan dokumentieren wir den Zustand der Copepoden, die wir bei der letzten Station eingefangen haben. Dazu ordne ich sie unter dem Mikroskop an und mache Fotos. weiterlesen
Kategorie: Alle Beiträge, Kategorie: Eindrücke von Bord, Kategorie: Wissenschaft, Kategorie: Interviews
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