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Kapverden: Archipel Einsamkeit

15 Inseln im Atlantik, mit leeren Stränden, schroffer Bergwelt, stillen Dörfern. Und alle so unerschlossen wie einst die Kanaren - die Kapverden

Text von Michael Stührenberg

Bereit zum Aufbruch: Fischerboote auf Santiago, Kapverden (Foto von: Pascal Maitre / Cosmos / Focus)
© Pascal Maitre / Cosmos / Focus
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Bereit zum Aufbruch: Fischerboote auf Santiago, Kapverden

Cabo Verde. Ein Land von unklarer Lage, doch mit deutlichem Anfang. 1456 entdeckten portugiesische Seefahrer den Archipel Kapverden, rund 600 Kilometer von der Küste Westafrikas entfernt. Die 15 Inseln waren damals allesamt noch menschenleer - und das aus gutem Grund: kaum Wasser, wenig fruchtbarer Boden, eine Welt aus Sonnenglut und Wind. Vielleicht haben die Portugiesen den klimatischen Fluch nicht gleich erkannt. Sie importierten Sklaven, um auf Santiago die erste "weiße" Stadt Afrikas zu bauen, das heutige Cidade Velha. Die Portugiesen nannten die Stadt damals noch Ribeira Grande, weil sich dort ein Fluss in den Ozean ergoss. Als hätte Santiago Wasser zur Genüge.


Heute kann nichts mehr das Auge täuschen. Wer von den Mauern des portugiesischen Forts hinabblickt auf das Flussbett, sieht einen grünen Streifen, der sich in drei Schwüngen landeinwärts zieht, mit Palmen, Akazien, Terrassen. Der Fluss ist längst vertrocknet, und schon auf halber Höhe der Uferhänge gehen die künstlich bewässerten Felder in steinige Ödnis über.


Die Kapverden sind Sahel im Atlantik. Jede Dürre bringt sie der Sahara näher. Bleibt der Regen aus, wird Hunger zur Epidemie. Zwischen 1946 und 1948 hat er auf Santiago die Hälfte der Bevölkerung ausgerottet. Heute kann die Republik Kap Verde, immerhin seit 25 Jahren ein unabhängiger Staat, ihre Bewohner noch immer nicht selbst ernähren; fast 90 Prozent der Lebensmittel müssen importiert werden. Und jeder Dritte ist arbeitslos.


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Wer feste Mahlzeiten sucht, wandert aus. Nach Portugal, in die USA, Niederlande, nach Dakar. 700 000 Kapverdier leben draußen, nur 400 000 daheim.


Was könnte die Kapverdier als Nation definieren? Nur wenig verbindet sie miteinander - außer ständiger Selbstsuche in der Musik und die klimatische Verwünschung ihrer Heimat. Die Inseln zerfallen in Barlavento und Sotavento, "im Wind" oder "unterm Wind" liegend, was kaum für Unterschiede sorgt. Von den drei Heiligen im Norden - São Nicolau, São Vicente und Santo Antão - findet nur der letzte genügend Gnade in Gottes Augen und ausreichend Regen, um sich stolz "Agrarinsel" nennen zu können. Auch Maio und Sal sind Wüsten aus Salz und Sand. Auf Brava, der Wilden im Süden, fühlen sich nur Blumen wohl. Heerscharen von Hibiscus. Die Menschen fliehen meist nach Massachusetts.


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