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GEO SAISON Nr. 02/13 Seite 1 von 1


Lappland: Auf der Suche nach Nordlichtern

Blingbling am Himmel: In Lappland steigt in vielen Nächten die Aurora-borealis-Lightshow – tagsüber fahren Gäste Schlitten oder wandern auf Schneeschuhen durch eine Zuckerwattewildnis

Text von Uta van Steen

Bis Aurora sich zeigt, fährt man in Lappland Hundeschlitten (Foto von: Franz Bischof/laif)
© Franz Bischof/laif
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Bis Aurora sich zeigt, fährt man in Lappland Hundeschlitten

"Hier oben haben Sie beste Nordlicht-Chancen", sagt der Mann mit der Pelzmütze und reicht mirein Paar Bratpfannen. "Weil die Sonnenwindpartikel an den Polkappen gerade massenhaft auf die Atmosphäre treffen." Gutgelaunt schlurfen wir auf den Bratpfannen-Schneeschuhen los. Schließlich liegt erst die Wanderung durch den verträumten Pyhä-Luosto-Nationalpark vor uns, und nachts wird Aurora borealis wie eine kosmische Discokugel über den Himmel zucken. Die Sonne lässt den Schnee auf den Kiefernkerzen glitzern wie Strass. Mit gleich zwei Fjell-Hochflächen wartet die Landschaft um den Wintersportort Luosto auf – eine kleine, abwechslungsreiche Wildnis mit sanften Skiabfahrten und Loipen. Februar am Polarkreis ist Winter aus dem Bilderbuch, eine hügelige Wattewelt. Weil wir etwa 25 Schichten Kleidung tragen, ist uns trotz minus 38 Grad nicht kalt. 220 Meter tief gleiten wir den Trail durch Finnlands tiefste Schlucht hinab. Unten ruhen der See Pyhänkasteenlampi und ein quasi mitten in der Bewegung erstarrter Wasserfall, für die Samen ein Heiligtum. Abends im Hotel bekommen wir Handys: Wenn Aurora sich blicken lässt, sagt der Rezeptionist, wird er uns wecken. Ich ziehe den Schlafsack zum Herumlaufen an, den ein tückischer Kollege mir geliehen hat, um sekundenschnell rauslaufen zu können. Bei der Überlegung, wie ich eigentlich die daunengefütterten Schlafsackbeine in die Stiefel zwängen soll, schlafe ich ein – und wache erst am Morgen auf.

"Zu viele Wolken", bedauert Pascal. Pascal ist Archäologe, Franzose, mit einer Finnin verheiratet, und sieht mit seinem schwarzen Zottelbart aus wie ein riesengroßer Heinzelmann. Er leitet beim Fjellzentrum in Lampivaara die kleinste Amethystmine der Welt. Außerdem ist er heftig in Finnland verliebt. Was zu verstehen ist, wenn man oben auf dem Fjell vor den verschneiten Holzhäuschen um die Mine herum steht und nach unten in die schimmernde Weite schaut, kilometerlang nur Bäume und unberührte Schneeflächen. Wir sind die drei Kilometer von Luosto mit Snowmobilen hergebraust.


Wir setzen uns auf Hocker rund ums Feuer in einer der Hütten, trinken Beerentee, und Pascal erklärt die Bedeutung der 2000 Millionen Jahre alten lila Glückssteine für die lappische Kultur. Danach buddeln wir unten in der Mine nach Edelsteinen. "Haben Sie keine Angst, dass jemand welche klaut?", frage ich. Pascal kichert. "Nur wenn der Dieb einen Einkaufswagen mitnimmt. Ein Kilo roher Amethyst kostet 20 Euro." Weil die echte Aurora sich nicht blicken ließ, sehen wir uns im Häuschen nebenan den Multimedia-Vortrag „Aurora Amethystos" an und fahren dann südwärts über die lappische Hauptstadt Rovaniemi ins „Arctic Snowhotel“. Jeden Winter wird es am zugefrorenen See Lehtojärvi aus Eis komplett neu gebaut, außer natürlich dem Holzhaus mit dem Restaurant und zwei Zimmern mit Notbetten für bibbernde Eisflüchtlinge. Und einem kuscheligen Kaminzimmer, das es uns mit loderndem Feuer und tiefen Couchen sehr schwer machen wird, zur Schlafenszeit an einem draußen angebundenen weißen Rentier vorbei ins Eishotel überzuwechseln.

Zuerst probieren wir aber die Sauna aus – auch aus Eis – und nehmen einen Drink aus Eisgläsern an der Eisbar. Wir bewundern die Kapelle und die geschnitzten Bögen, Fenster und Ornamente der Zimmer. Auf dem Bett-Eisblock werden wir uns in Schlafsäcke kuscheln – und am Morgen feststellen, dass uns dank der darunter drapierten Rentierfelle nicht kalt war. Ja, und dann die Krönung, im Wortsinn. Noch ein wenig betrübt, weil wir das Nordlicht jenseits des Polarkreises ja verpasst haben, essen wir im Restaurant gebratenen Lachs. Da reißt ein Mann im Fellmantel die Tür auf, brüllt: "Aurora!", und wir stürmen nach draußen. Grün changierende Lichtbögen spannen sich quer über den Himmel und fangen plötzlich an zu tanzen. "Manchmal lässt eine Aurora den ganzen Himmel glühen, in Rot und Grün und Lila, die Farben zucken wie wild, ein irres Spektakel. Aber das ist selbst für einen Finnen ein Erlebnis, das er nur einmal im Leben hat", sagt der Fellmantelmann. Sei’s drum. Mir reicht ein kleiner grüner Regenbogen zum Glücklichsein.


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