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Australien: Einsatz für eine bessere Welt
Im Urlaub die Füße hochlegen, gut und schön. Aber immer mehr Menschen geben ihren Ferien einen tieferen Sinn: Sie helfen bei wissenschaftlichen Projekten. Zum Beispiel bei der Erforschung des Koala-Lebens auf der australischen Insel St. Bees. So auch ein GEO-Special-Team
Olivia schläft. Und schläft. Und schläft. Um drei Uhr nachts frisst sie zwei Blätter. Um halb vier kratzt sie sich. Dann rollt sie ihren Körper wieder zu einem Fellbündel. Seit Mitternacht beobachten wir das Koalaweibchen, das in zehn Meter Höhe in der Krone eines Eukalyptusbaumes hockt, den Kopf gegen einen Ast gelehnt, die Augen geschlossen. Alle fünf Minuten leuchten wir es mit einer Rotlichtlampe an und notieren, was es tut. Das ist recht einfach, knapp 100-mal kreuzen wir an: Olivia schläft. Die Augen fallen auch mir zu, Sekundenschlaf, Minutenschlaf, durch den Traumblitze wirbeln. Wieder wach. Der Flügelschlag eines Flughundes. Eine Eule ruft, eine antwortet. "Caroline, bist du wach?" "Ja", wispert die Französin, die neben mir auf dem Waldboden kauert, von Finsternis umhüllt wie von einer Decke. Als es gegen halb fünf heller wird, streckt sich der Koala und lässt ein Bein vom Ast baumeln. Um acht Uhr löst uns das nächste Team ab.
Forschungsaufenthalt auf St. Bees
Vor einer Woche sind wir auf St. Bees Island angekommen: ein halbes Dutzend Freizeitforscher, die einen zweiwöchigen Forschungsaufenthalt gebucht haben. Begleitet vom 54-jährigen australischen Koalaforscher Alistair Melzer, organisiert von der internationalen Naturschutzorganisation Earthwatch. 2695 Euro kostet die Teilnahme, dafür hätten wir uns auch eine Luxuskreuzfahrt leisten können. Stattdessen finanzieren wir eine Langzeitbeobachtung der Koalapopulation auf St. Bees - an der wir noch dazu selbst mitarbeiten. Zuvor haben wir in einem achtseitigen Formular angegeben, ob wir in den vergangenen Monaten einen Psychologen aufsuchen mussten, ob wir rauchen und wie lange wir glauben, mit 18 Kilo Gepäck wandern zu können. Ein Urlaub, so wussten wir, würde das nicht. Aber den haben wir schließlich auch nicht gesucht. Obwohl St. Bees alles hätte, was es dazu bräuchte. Die Insel liegt 25 Kilometer vor der Küste Queenslands, im südlichen Teil des Great Barrier Reef Marine Park. Mit Regenwaldtälern, durch deren dichtes Blätterdach kaum ein Sonnenstrahl dringt; mit Bergrücken voller Feigenkakteen, auf denen uns schwarzblaue Schmetterlinge umflattern; mit steilen Bergflanken und schroffen Klippen, leuchtend weißen Stränden und rundherum einem wilden Korallenriff.

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Eine sechssitzige Propellermaschine hat uns auf die Nachbarinsel geflogen: zehn Bewohner, die Landebahn ein schmaler Strich neben dem Strand. Von dort ging es per Schiff nach St. Bees. Fünfmal hin und her, bis Menschen, Ausrüstung und Lebensmittel für zwei Wochen am Strand angelandet waren. Auf der Insel begrüßte uns ein Grollen und Grunzen, das aus allen Richtungen zu kommen schien; es waren die Schreie männlicher Koalas. Sie klangen fast, als riefen die Tiere nach uns. Oder auch, als lachten sie uns aus, die wir gekommen waren, um sie aufzuspüren, ihr Verhalten zu studieren. Auf welchen Bäumen sitzt ein Koala tagsüber? Wann frisst er, wann schläft er? Und wie weit wandert er jeden Tag? Diese Fragen trieben uns um. Denn nur wer weiß, wie sich ein Koala verhält, kann adäquate Schutzmaßnahmen für ihn ersinnen.
Der ewig lächelnde Bär
Lange Zeit wurde das Leben der Koalas nicht systematisch erforscht. Man dachte, man wüsste schon alles über diesen ewig lächelnden Bären, der doch kein Bär ist, sondern der Beutelsäuger Phascolarctos cinereus, am nächsten verwandt mit dem Wombat. "Aber Koalas bergen Geheimnisse", schrieb mir Sandy aus Wisconsin kurz vor unserer Reise in einer E-Mail. Warum, zum Beispiel, seien einige Koalas resistenter gegenüber Chlamydien, einer Bakterienfamilie. "Es wird bestimmt toll, das herauszufinden." Sandy ist Ärztin, im normalen Leben erstellt sie Gutachten für Versicherungen. Mit 59 Jahren ist sie die älteste Teilnehmerin und erfüllt sich jetzt, wo sie ihre Arbeitszeit halbiert hat, einen Jugendtraum: Tiere zu schützen.
Bevor sie nach St. Bees kam, arbeitete Sandy als freiwillige Helferin im Zoo von Brisbane. Nach dieser Reise will sie einen Verein zum Schutz der Berggorillas in Ruanda gründen. Die anderen: Gen, eine Studentin der Filmwissenschaft aus New York, mit 19 Jahren die Jüngste; Alisha, eine amerikanische Biologin, die Schimpansen aus Versuchslaboren betreut; Sally, eine Australierin, angestellt bei einer Beschwerdehotline für Falschparker. Caroline, die für das Earthwatch-Büro in Melbourne arbeitet und häufig selbst an Exkursionen teilnimmt. Und die beiden Französinnen Caroline und Maud, die in Nantes Agrarökonomie studieren und als Praktikantinnen Forschungsleiter Melzer unterstützen. Allesamt Stadtbewohner auf der Suche nach Ursprünglichkeit. Auf einer Suche vielleicht auch nach sich selbst: Gen will das Studienfach wechseln, Biologin Alisha hat gerade gekündigt, und Sally gehen die Nutzer ihrer Hotline längst auf die Nerven.
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