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Antarktis: Unter Segeln zum Südpol
Für viele eine absolute Traumreise: eine Segeltour in die Antarktis. Unsere Reporter waren etliche Wochen mit dem Windjammer "Europa" unterwegs, davon 14 Tage lang im Polarmeer. Seekrankheit und Pinguintreffen inbegriffen
Aufbruch
Zwischen zwei Container-Riesen schwankt das Schiff aus einer anderen Zeit. Zierlich wie Geigensaiten spannen sich die Seile der Takelage, und drei Masten ragen in den Hafenhimmel
von Ushuaia in Patagonien. Die Bark "Europa" soll für die nächsten 53 Tage unsere Heimat sein. Sie hat auf ihren Antarktisrundreisen ein bisschen Rost angesetzt. Bald wird
sie zum letzten Mal in dieser Saison dorthin aufbrechen und sich schließlich mit uns auf den langen Weg machen zu den einsamsten Küsten der Welt. Eine Expedition vom Kap Hoorn
bis zum Kap der Guten Hoffnung.
Am Kai betrachten Schaulustige unseren Dreimaster, der aussieht wie das Prunkstück eines Piratenfilms. Dafür könnte man auch unseren Kapitän Klaas Gaastra casten – mit Rauschebart, langen Locken und Ohrring. Über Holzplanken betreten wir sein Schiff. Die Crew begrüßt uns mit Kaffee und Tee statt mit Rum aus der Buddel. Wir sehen uns um: Mit diesen Menschen werden wir für mehr als sieben Wochen ein 56 Meter langes, siebeneinhalb Meter breites Schiff teilen. Sie erfüllen sich, wie wir, den Traum, einmal durchs ewige Eis zu kreuzen und dann 4100 Seemeilen (7600 Kilometer) weiter bis nach Kapstadt zu segeln.
Da ist der 64-jährige Niederländer Joseph, kurz Sjef genannt, Biologielehrer im Ruhestand: "Als ich klein war, habe ich viele Bücher über die Seefahrt gelesen", sagt er. "Seither will ich das Meer erleben, die großen Wellen …!" Michelle und Paul von der Kanalinsel Guernsey umklammern ihre Teetassen, die Reise war Michelles Idee, ihr Mann Paul wirkt skeptisch. Lässig an der Reling lehnt Jacky (68), eine Frau mit einem weithin hörbaren Lachen. Sie fasst sich kurz: "Es ist großartig, hier zu sein!" Jacky lebt in Kapstadt und flog ans Ende der Welt, um eine besondere Heimreise anzutreten. Für Wolfram aus Berlin gibt es ein Wiedersehen: Er war als junger Mann Matrose und kennt die "Europa" aus den siebziger Jahren, da lag sie mit rot lackiertem Rumpf auf der Elbe – als Feuerschiff. "Ich hätte ich nie gedacht, dass sie ein so stattliches Segelschiff werden könnte."
Unser Schiff lief 1911 in Hamburg vom Stapel und stand als "Senator Brockes" in der Elbmündung. Ab 1986 begann man es in eine Dreimastbark umzubauen. Seit 1994 zählt sie mit ihren 32 Segeln zu den weltweit wenigen noch seetüchtigen Windjammern. Während Maschinisten die Tanks der "Europa" mit 20 000 Liter Diesel befüllen, erläutert Expeditionsleiter Tjalling, wie Schwimmwesten und Rettungsinseln funktionieren und was als Erstes zu tun ist, wenn man jemanden über Bord gehen sieht: "Rufen Sie der Person im Wasser zu, dass sie schwimmen soll. Das vergessen viele in dieser Situation." Dann werden wir von der Leine gelassen. Menschen klettern wie Affen in die Takelage, lösen Knoten, Stoffbahnen fallen. Unter Anweisung der Crew helfen wir beim Manöver und erfreuen uns dann am Anblick der offenen Segel. Das Nebelhorn dröhnt, während uns ein leichter Westwind hinaus in den Beagle-Kanal bläst. Wir gleiten vorbei an der Küste Patagoniens, bestaunen Robben und riesige Kolonien von Magellan-Pinguinen. Derweil installieren Crewmitglieder Sicherheitsnetze und -leinen – Vorbereitungen für die Fahrt durch die gefürchtete Drake-Passage.
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