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Tiefkühlkost: Klimafreundlicher als ihr Ruf

Eine neue Studie räumt mit einem alten Umwelt-Mythos auf

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Schockgefrostetes Gemüse war in ernährungs- und umweltbewussten Küchen lange verpönt. Zu gering sei ihr Nährwert, zu energieintensiv die Herstellung. Der erste Kritikpunkt gilt schon seit Jahren als widerlegt. Studien haben gezeigt, dass sich Vitamine über Monate hinweg in TK-Gemüse besser erhalten als in Ware, die nur einige Tage in der Frischetheke oder der Küche liegt.


Rehabilitiert: TK-Gemüse ist nicht so energieintensiv wie gedacht (Foto von: dti / Rees)
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Rehabilitiert: TK-Gemüse ist nicht so energieintensiv wie gedacht

Und was ist mit der Klimabilanz? Auch nicht so schlimm. Tiefkühlprodukte sind nicht klimaschädlicher als ihre Vergleichsprodukte, etwa aus dem Glas oder der Dose, oder frisch zubereitete Gerichte. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie des unabhängigen Freiburger Öko-Instituts. Transport und Lagerung von minus 18 Grad Celsius kalter Ware belasten die Klimabilanz nicht so stark wie häufig angenommen.

Für den Vergleich sahen sich die Freiburger den kompletten Produktzyklus verschiedener Lebensmittel an: von der Ernte, Verarbeitung, Lagerung und dem Transport bis hin zur Zubereitung beim Endkunden.


Tiefkühl-Schrippen sind keine Klimasünder

Beispiel Aufbackbrötchen: Obwohl das Tiefgefrieren der Teigwaren viel Energie frisst, stehen die TK-Brötchen in der Gesamtbetrachtung sogar etwas besser da als ihre zimmerwarmen Artgenossen aus der Tüte. Die tiefgekühlte Teigware kommt unter dem Strich auf 303, die ungekühlte auf 317-320 Gramm CO2-Äquivalente pro 100 Gramm. (Weil Klimagase wie Lachgas, Methan und CO2 sehr unterschiedlich klimaschädlich sind, rechnen Forscher sie in CO2-Äquivalente um.)

"Ein Grund dafür ist, dass die tiefgekühlten Aufbackbrötchen schon in der Fabrik zu 97 Prozent fertiggebacken sind", erklärt Carl-Otto Gensch, der Leiter der Studie. Die ungekühlten Vergleichsschrippen sind dagegen nur zu 70 Prozent fertiggebacken. Das drückt auf die Klimabilanz. "Jedes Backen unter industriellen Bedingungen ist effizienter als das Aufbacken zu Hause", sagt Gensch. Zudem wird in vielen Fabriken mit Wärmerückgewinnungssystemen gearbeitet, die die Abwärme der Backöfen beispielsweise zur Erwärmung von Brauchwasser nutzen.

Hinzu kommt, dass laut Packungsanweisung die tiefgekühlten Brötchen in den Ofen kommen, ohne dass der vorgeheizt werden muss. So wird die aufgewendete Energie optimal genutzt. Für die ungekühlten Vergleichsbrötchen soll laut Anweisung auf der Packung der Ofen vorgeheizt werden. So wird gleich doppelt Energie vergeudet: Beim leeren Vorheizen - und beim Öffnen des heißen Ofens, um die Brötchen einzulegen.


Zubereitung und Rezeptur sind entscheidend

Bei Gerichten mit mehreren Zutaten fällt das Ergebnis ähnlich aus. Die Freiburger Forscher verglichen TK-Hühnerfrikassee mit seinem selbst zubereiteten Pendant. Ergebnis: Wer Hühnerfrikassee selbst kocht, erhält vielleicht ein besseres Geschmacksergebnis, aber klimafreundlicher verhält er sich damit nicht. Mit 237 Gramm CO2-Äquivalente pro 100 Gramm landet er sogar knapp über der TK-Variante mit 224 Gramm. Bei der selbstgemachten Variante schlagen vor allem die erforderlichen Einkaufsfahrten, die Lagerung im Haushalt und die Zubereitung zu Buche. Dasselbe Resultat bei Salami-Pizza: Klimatechnisch nehmen sich TK-Pizza, gekühlte Pizza und selbst zubereitete Pizza nichts.

Fazit der Freiburger: Entscheidend für die Klimabilanz ist nicht so sehr die Angebotsform, sondern die Rezeptur und das Verbraucherverhalten. "Je höher die Fleisch- und Milchanteile im Produkt, desto höher ist der 'Fixkostenanteil' der Klimabelastung - unabhängig davon, ob man sich für ein TK-Produkt, ein Konservenprodukt oder fürs Selbermachen entscheidet", erklärt Carl-Otto Gensch.

Der Mythos, Tiefkühl-Ware sei Klimasünde, scheint also entzaubert. Was nicht heißt, dass es nicht noch besser geht. "Unsere Studie orientiert sich an ganz normalen Haushalten", sagt Gensch. "Wer strikt auf saisonale und regionale Zutaten achtet und mit dem Fahrrad einkauft, kommt sicher zu besseren Ergebnissen."


Tipps für den Einkauf und zu Hause

  • Einkaufsfahrten sorgfältig planen, bevorzugt mit dem Fahrrad fahren.
  • Die Lebensmittel aus der Tiefkühlabteilung sollten erst am Ende des Einkaufes in den Einkaufswagen gelegt werden.
  • Bei längeren Wegen und hohen Temperaturen eignen sich für den Transport Isoliertaschen oder -beutel.
  • Kühlgeräte immer nur kurz öffnen und regelmäßig abtauen (Herstellerangaben beachten).
  • Warme Speisereste immer erst abkühlen lassen, bevor Sie sie in den Kühlschrank stellen oder einfrieren.
  • Tiefkühlware bei Bedarf über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen.
  • Achten Sie bei der Anschaffung eines Kühlgerätes auf die Effizienzklasse A++ oder A+++. Die Temperatur sollte nicht tiefer eingestellt sein als nötig.




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Kommentare zu "Tiefkühlkost: Klimafreundlicher als ihr Ruf"

kangalama | 11.10.2012 16:28

Ich finde die Fragestellung wirklichkeitsfremd. Bei der Entscheidung Tiefkühl oder Dose oder frisch spielen doch erstmal Argumente der Alltags-Organisation (wieviel Zeit nehme ich mir zum Kochen, wie häufig gehe ich wo einkaufen, brauche ich das Produkt heute oder in einer Woche, wie zuverlässig ist es im Sortiment, ...) eine Rolle. Und aus meiner Sicht am wichtigsten ist immer noch der Geschmack. Z.B. finde ich dass TK-Erbsen viel besser schmecken als solche aus der Dose, frisch sind sie eh selten zu bekommen. Aber TK-Spinat schmeckt mir persönlich weniger als frischer, Vitamingehalt und CO2 hin oder her. Beispiele wie Pizza oder Frikassee sind einfach unrealistisch, da liegen geschmacklich Welten zwischen frisch sellbst zubereitet und TK-Ware. Und was ist mit der Frage nach Bioprodukten (kein Lachgas aus Kunstdünger) gegenüber konventioneller Ware?
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