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Naturtalente: Der Mann und das Meer
Frank Schweikert ist Biologe und Journalist. Seit 20 Jahren baut er Brücken zwischen dem Meer, der Wissenschaft und den Medien. Damals startete er mit seinem Medien- und Forschungsschiff, der Aldebaran. Seither ist er auf den Weltmeeren unterwegs. Das Ziel des 48-Jährigen: eine nachhaltige Umwelt-Berichterstattung über den wichtigsten Lebensraum der Erde
Es ist einer dieser Tage, an denen Frank Schweikert in Eile ist. Er kommt mit dem ICE aus Berlin, zieht sich in seiner Wohnung am Hamburger Fischmarkt noch schnell um, um dann mit dem Auto weiter nach Bremen zu fahren. Dort steigt er in den Zug nach Bremerhaven, wo ihn ein Taxi zum Hafen bringt. Und nun geht es schnellen Schrittes am Deutschen Schifffahrtsmuseum vorbei, weiter die Promenade hinunter, bis auf Höhe des vor drei Jahren eröffneten Klimahauses, das wie ein sehr großer gestrandeter Wal daliegt. Das neue Wahrzeichen der sonst eher grauen Stadt am Meer ist allerdings nicht das Ziel des 48-Jährigen. Frank Schweikert läuft weiter, es zieht ihn zum Wasser, runter zum Ufer der Weser. Dort stellt er sich auf einen schmalen Ponton und wartet. Eine leuchtend gelbe Yacht nähert sich.
Die Aldebaran ist auf dem Weg nach Bremen, wo ein neuer Tauchkompressor eingebaut werden soll. Die zweitägige Fahrt des 14 Meter langen Segelschiffes führt von Glückstadt, wo es den Winter verbracht hat, die Elbe hinunter, wenige Seemeilen durch die Nordsee und weiter die Weser hinauf. Doch die Segel sind eingeholt. Es herrscht Flaute. Der Dieselmotor brummt. Die Aldebaran ist ein Medien- und Forschungsschiff, ein schwimmender Ü-Wagen. "TV-Schnittplatz, Tonstudio, Unterwasserkameras, wissenschaftliches Labor, modernste Kommunikationstechnologie" - Frank Schweikerts Augen leuchten, als er auf dem Rundgang unter Deck die technischen Finessen erklärt und zeigt, wie viel auf wenig Fläche möglich ist.
Eine Segelyacht, vollgestopft mit Elektronik
Allein um die Technik zu betreiben, bräuchte man 19 Personen an Bord. Es bleibt aber gerade Platz für acht Crewmitglieder. So muss jeder mindestens in doppelter Funktion arbeiten. Das Ziel: eine nachhaltige Umweltberichterstattung auf höchstem Niveau. Das Motto: Vom Meer in die Medien. "Wir sind kein Umweltverband", betont Schweikert, "wir sind eine Organisation, die das Meer in unsere Köpfe bringt und hilft, wichtige Nachrichten über das Meer zu verbreiten und auf seine Gefährdung hinzuweisen."
Es gibt die Aldebaran, das Schiff, und es gibt Aldebaran, die Organisation. Beides wird nun 20 Jahre alt. Am 5. Juni 1992, dem internationalen Tag der Umwelt, wurde das Projekt in Kiel vor dem Institut für Meereskunde vorgestellt. Die Jungfernfahrt führte in die Flensburger Förde, wo Wissenschaftler wieder Heringe entdeckt hatten. In Kooperation mit der ARD übertrug man erstmals live von Bord. Einen Sommer später segelte man zum ersten Auslandsprojekt nach Litauen. Bis heute hat die hochseetaugliche Aluminiumyacht auf der Elbe, der Nord- und Ostsee, sowie im Mittelmeer, auf dem Atlantik und in der Karibik tausende Seemeilen zurückgelegt.
Die Aldebaran ist auch für seichte Gewässer geeignet
Mit dem kanarischen Umweltministerium führte die Crew Walforschungen durch. Vor der Küste von Belize untersuchte sie das Sterben von Korallenriffen. Der Vorteil der schwimmenden Sendeplattform gegenüber großer Forschungsschiffe ist ihr geringer Tiefgang von - holt man das Schwert ein - gerade mal 80 Zentimetern. So kann die Yacht im Watt auch trocken fallen und vor allem in küstennahen, flachen Gewässern eingesetzt werden, wo Biologen die Algenbildung oder die Laichgewohnheiten von Fischen studieren können. Frank Schweikert: "Wir sind in der Lage, auf allen Weltmeeren zu fahren. Es gibt kein vergleichbares Projekt in Europa oder sogar weltweit."
Der Mann mit den schwarzen, kurzen Haaren, den braunen Augen und dem seit Tagen nicht rasierten Bart ist im Sternzeichen Stier geboren. Der hellste Stern im Sternbild ist das "Rote Auge", auch Aldebaran genannt. Er sagt: "Auf dem Schiff sein zu können, bedeutet für mich grenzenlose Freiheit. Ich bin viel zu selten hier, kaum 14 Tage im Jahr." Es ist paradox, aber ausgerechnet Schweikert, der das Meer liebt, wie er sagt, verbringt die meiste Zeit an Land - im Büro, in ICEs, auf Vorträgen oder in Meetings. Frank Schweikert hält das Ruder in der Hand. Er muss das Geld beschaffen und neue Projekte an Land ziehen. Minimum zehn Stunden Arbeit am Tag. Sieben Tage die Woche. Eine Lebensaufgabe. Und das Meer ist sein Antrieb.
Ein großes Netzwerk, viele Sympathisanten, ehrenamtliche Helfer, private Sponsoren, Stiftungen, öffentliche Mittel und eine große Portion Idealismus - nur so konnte seine Idee zwei Jahrzehnte überleben. Sechs Leute sind zurzeit dauerhaft bei Aldebaran beschäftigt. Täglich kommen zwei Bewerbungen für Volontariate, feste Stellen oder Praktika. Frank Schweikert sagt: "Wenn mehr Geld da wäre, könnte das Schiff intensiver genutzt werden." Die Hälfte der Zeit geht für die Akquise von Geld drauf. Ein Tag auf dem Wasser benötigt fünf Tage Planung an Land.





Kommentare zu "Der Mann und das Meer"
20 Jahre Aldebaran - 20 Jahre Erschleichung von Leistungen! Hinter der "Cross-Media-Agentur", deren Inhaber sich für "Weltspitze" hält und vermutlich deswegen seit Jahren ein Schiffsfoto mit schiefem Horizont als Aushängeschild benutzt, verbirgt sich die auf Skrupellosigkeit basierende "Erfolgsgeschichte" eines modernen Sklavenhalters. Wer in 20 Jahren nach eigener Aussage über 1000 "Angestellte" verbraucht, diese zwischen 12 und 15 Stunden täglich arbeiten läßt, während dieser Zeit das Verlassen des Büros verbietet, Gehälter nicht oder nur zum Teil bezahlt, die eigenen Mitarbeiter die Arbeit auf dem Schiff bezahlen läßt (man hätte ja den Mehrwert einer Kreuzfahrt), eingenommene Gelder zwecks Steuerbetrug über einen nur auf dem Papier existierenden "Förderverein" versickern läßt, oder zum Säubern des Büros Reinigungskräfte mit dem Versprechen auf Anstellung "Probeputzen" läßt, um sie anschließend ohne Bezahlung wieder fort zu schicken, der ist ein widerlicher Mensch!
"...das einzige Projekt dieser Art weltweit..." wie lustig. An Größenwahn mangelt es noch immer nicht. Die "Organisation" Aldebaran hat mit Abstand den größten Durchlauf -oder besser: Verschleiß- an Praktikanten und Kurzzeitmitarbeitern weit und breit. So löblich das Ziel Umweltschutz auch sein mag, Ausbeutung kann nicht der Weg sein. Schade, dass dieser Laden immer noch gefördert wird und Journalisten sich vom Pseudokapitän Schweikert bequatschen lassen, statt genauer hinzusehen und gravierende Probleme aufzuzeigen.