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Klimawandel: Landunter im Paradies
Schon heute bekommen kleine Inselstaaten die Folgen des Klimawandels zu spüren. Einige von ihnen könnten in den kommenden Jahrzehnten unbewohnbar werden
Malediven, Samoa, Fidschi, Palau - bei Bewohnern nördlicher Breiten wecken solche Namen die Vorstellung von türkisblauem Meer, endlosem, weißen Sandstrand, Kokospalmen. Doch diese Bilder könnten bald verschwimmen. Die Inselparadiese sind in Gefahr. Im vergangenen Jahr sorgte der Präsident der Malediven, Mohamded Nasheed, für Aufsehen mit einer Ankündigung: Er wolle Land in Indien, Sri Lanka oder Australien kaufen - als neuen Lebensraum für sein knapp 400.000 Einwohner zählendes Volk.
Auch wenn es sich dabei lediglich um einen medienwirksamen Hilferuf gehandelt haben soll: Die Bedrohung ist real. Durch den Treibhauseffekt und die Erderwärmung schmilzt das Eis der Polregionen, der Meeresspiegel steigt - im schlimmsten Fall bis zu zwei Meter bis zum Ende des Jahrhunderts. Von der höchsten Erhebung der Malediven, auf der Insel Villingili, würden dann gerade mal 40 Zentimeter aus dem Wasser ragen. Der überwiegende Teil der 1196 Malediven-Inseln ist nur etwa einen Meter hoch.
Doch schon heute kämpfen viele der kleinen Inselstaaten rund um den Äquator mit den vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels. "Der Anstieg des Meeresspiegels führt dazu, dass das Grundwasser versalzt", sagt Conchitta Paul, die Leiterin des Klimawandel-Projekts der Regierung von Kiribati. Auf den niedriger gelegenen der 33 Inseln werde es immer schwieriger, Landwirtschaft zu betreiben. Auch das Trinkwasser werde mancherorts knapp. Schon in wenigen Jahrzehnten, glauben Forscher, könnte das gesamte Atoll unbewohnbar werden - weil es dann kein Trinkwasser mehr gibt. Tuvalu droht ein ähnliches Schicksal.
Auch das Wetter hat sich schon heute spürbar verändert: Hurrikane und Zyklone nagen an den Küsten, Strände werden abgetragen, kostbarer Erdboden fortgespült. "Die Stürme werden häufiger und heftiger", sagt Alexander Tama Henry, der auf den Cook-Inseln für die Regierung die Entwicklung erneuerbarer Energien vorantreibt. "Vor ein paar Jahren hatten wir etwa fünf Wirbelstürme in einer Saison. Jetzt sind es manchmal zwei in einer Woche."

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"Stürme werden häufiger und heftiger"
Conchitta Paul und Alexander Tama Henry sind Teil einer sechsköpfigen Delegation der Association of Small Island States (AOSIS), einer Interessengemeinschaft kleiner Inselstaaten, die sich auf Einladung des Auswärtigen Amtes über deutsche Klimapolitik informieren soll. Sie alle eint, dass sie in den am stärksten vom Klimawandel bedrohten Regionen leben, ohne den entfesselten Naturgewalten großräumig ausweichen zu können. Rund die Hälfte der acht Millionen Pazifik-Insulaner lebt an Küsten, die von fortschreitender Erosion bedroht ist, schätzt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). Neben den Atollen der Malediven und Tuvalus sind die 33 Koralleninseln Kiribatis besonders vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen. "Die Hälfte der Bewohner hier lebt auf dem schmalen Streifen des Hauptatolls, der nur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt", sagt Conchitta Paul.
Die Südsee-Delegation ist an einem trüb-kalten Novembertag zu Besuch im Hamburger Climate Service Center (CSC). Vor dem Mittagessen gibt es einen Vortrag über klimabedingte Migration. In der Pause, bei Kaffee und Gebäck, prallen im Austausch mit den Mitarbeitern des CSC Theorie und Praxis des Klimawandels aufeinander. Anschließend steht ein Besuch im Deutschen Klimarechenzentrum auf dem Programm, wo Supercomputer die Konsequenzen menschlichen Tuns errechnen. Die AOSIS-Vertreter sind gekommen, um sich zu informieren. Nicht um anzuklagen. Dabei hätten sie dazu allen Grund.


Kommentare zu "Landunter im Paradies"
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