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Interview: Essen teilen per App

Valentin Thurn, Regisseur des Films "Taste the Waste", will, dass wir weniger Nahrungsmittel wegwerfen. Und mehr teilen - per Smartphone

Interview:

Valentin Thurns Film "Taste the Waste" entfachte unter anderem eine Diskussion um das Mindesthaltbarkeitsdatum (Foto von: Brigitta Leber)
© Brigitta Leber
Valentin Thurns Film "Taste the Waste" entfachte unter anderem eine Diskussion um das Mindesthaltbarkeitsdatum

Herr Thurn, was ist foodsharing.de?
Eine Plattform zum Essenteilen. Früher auf dem Dorf war das ganz normal. Heute gibt es eine Hemmschwelle, andere zu fragen, ob sie etwas haben möchten, was übrig ist. Man könnte schief angeguckt werden. Darum werfen viele Nahrungsmittel in die Tonne, obwohl sie nebenan klingeln könnten. Diese Hemmschwelle wollen wir mit unserem Angebot abbauen.

Wie funktioniert das?
Jemand, der etwas übrig hat, registriert sich bei www.foodsharing.de und stellt sein Angebot ein. Potenzielle Abnehmer sehen dann am PC oder auf ihrem Smartphone, was es gibt, wo es sich befindet, und wer es anbietet. Es wird ein Bewertungssystem geben wie bei anderen Communities, so dass ich gleich sehe, wie vertrauenswürdig der Anbieter ist. Wir werden auf der Plattform zunächst private Angebote haben wie beim Couchsurfing. Langfristig wollen wir aber auch Landwirte und Supermärkte einbinden.

Wenden Sie sich an eine bestimmte Zielgruppe?
Studien haben gezeigt, dass die Altersgruppe unter 39 am meisten wegwirft. Diese jungen Leute wollen wir erreichen, und darum rücken wir das mobile Internet in den Mittelpunkt. Das Ganze soll auch einen etwas spielerischen Charakter haben.

Bei aller Spielfreude: Was ist, wenn jemand Gammelfleisch anbietet?
Fleisch, Fisch und Eiprodukte wollen wir erst einmal ausschließen. Eben weil man nicht weiß, welche Standards der Anbieter hat. Wir haben als Betreiber der Plattform eine Sorgfaltspflicht. Über den Rest kann man diskutieren. Für die einen wird ein Joghurt, der eine Woche über dem Mindesthaltbarkeitsdatum ist, noch gut sein - vorausgesetzt, die Kühlkette war nicht unterbrochen. Andere sehen das vielleicht nicht so. Es wird unterschiedliche Maßstäbe geben. Aber allein, dass darüber geredet wird, ist ein Gewinn. Man soll seinen eigenen Sinnen trauen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum hat nicht viel zu besagen. Da rede ich mir den Mund fusselig.

Lebensmittel sind bei uns nicht besonders teuer. Darum wird ja so viel weggeworfen. Haben Sie keine Angst, dass durch Foodsharing alles noch billiger wird, einfach weil noch mehr auf dem Markt ist?
Stimmt, für viele Menschen sind Lebensmittel so billig, dass sie sich keine Gedanken darüber machen müssen, warum sie wovon zu viel gekauft haben. Das Wegwerfen tut nicht weh. Aber Lebensmittel haben auch einen ideellen Wert, der über den monetären hinausgeht. Wenn ich verstehe, es gibt einen Preis, den andere zahlen - Klimaerwärmung, Welthunger -, dann werde ich mir das Wegwerfen lieber verkneifen. Ich werde versuchen, so einzukaufen, dass ich nicht zu viel habe. Und werde dann Geld übrig haben, um bessere Ware zu kaufen. Also fair Gehandeltes und Bio-Ware.

Foodsharing als Maßnahme gegen den Welthunger?
Wir werden den Welthunger mit Essenteilen nicht beseitigen. Aber die Preise, zum Beispiel auf dem Getreidemarkt, hängen weltweit zusammen. Wenn wir mehr nachfragen, und sei es für die Mülltonne, dann steigen die Weltmarktpreise - auch in den Ländern, in denen es knapp zugeht. In denen die Menschen 60 oder 80 Prozent ihres Einkommens für Essen ausgeben müssen. Wir können also, indem wir weniger wegwerfen, in Hungerkrisen solchen Preisschüben die Spitze nehmen.

Wann geht die Plattform ans Netz?
Vor kurzem haben wir unsere Crowdfunding-Kampagne abgeschlossen. Wir haben mit vielen kleinen Spenden 12.000 Euro eingesammelt, die Basis für das Projekt. Jetzt gehen wir an die Feinkonzeption und ans Programmieren. Wenn alles gut läuft, können wir noch in diesem Herbst an den Start gehen.

Haben Sie sich als Initiator und Betreiber ein Ziel gesetzt?
Wir wollen mindestens eine Million Foodsharer in Deutschland, denn wir brauchen eine lebendige Community, die ausstrahlt. Das Projekt wird entweder ganz groß - oder es funktioniert nicht. Wir hoffen natürlich auf Ersteres.




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