Hauptinhalt
GEO.de Seite 1 von 2
Artikel vom

Fischerei: Aquakultur statt Überfischung?

Die Hoffnungen, durch Fischzucht den Fischfang reduzieren und die Bestände schonen zu können, sind verflogen. Denn konventionelle Aquakulturen sind oft umweltschädlich - und verschärfen die Überfischung noch. Wissenschaftler suchen nun nach Wegen, Fische nachhaltig züchten zu können


Kein Zweig der Ernährungsindustrie ist seit den 70er Jahren so schnell gewachsen wie die Aquakultur - mit jährlichen Zuwächsen von fünf bis sechs Prozent. Heute stammt fast jeder zweite Fisch, den wir essen, aus der Zucht. Doch kann die Zucht und Mast von Fischen und anderen Meerestieren das Problem der Überfischung lösen?

In der Praxis ist die Umweltbilanz der Zucht oft katastrophal: In Südostasien verschwinden Mangrovenwälder, die Kinderstube vieler Fischarten, für immer mehr Shrimps- und Fischteiche. In Irland, Schottland, Chile oder Norwegen belasten Kot und Futterreste aus der Lachszucht die Küstengewässer. Die Tiere entkommen außerdem häufig, kreuzen sich mit Wildlachsen und bedrohen so den ursprünglichen Bestand. Andere, bisher wenig beachtete Probleme sind der Tierschutz und der Einsatz von Antibiotika im Futter. Bis zu vier Kilo Futterfisch braucht es, um etwa ein Kilo Lachs oder Kabeljau zu mästen. Noch höher liegt die Quote bei Thunfischen. 30 bis 40 Prozent der weltweiten Fänge werden inzwischen direkt für die Fütterung der Zuchtfische verbraucht.


Lachs aus Aquakultur: Teil der Lösung oder des Problems? (Foto von: Monty Rakusen/Cultura/Getty Images)
© Monty Rakusen/Cultura/Getty Images
Foto vergrößern
Lachs aus Aquakultur: Teil der Lösung oder des Problems?

Erste Erfolge in Büsum

Umweltverträgliche Ersatzstoffe füttern statt Fischmehl - das ist das Ziel der neuen ökologischen Aquakultur. So werden die Bestände von Futterfischen wie Sardellen oder Makrelen entlastet, denen große Trawler bereits mächtig zusetzen. Der Markt für Zuchtfische wächst, weil Fisch beliebt ist und die Weltbevölkerung immer weiter anwächst. „Ohne Fischaufzucht in umweltverträglichen Aquakultursystemen wird der Bedarf nicht zu decken sein“, sagt Carsten Schulz, Stiftungsprofessor der Kieler Christian-Albrechts-Universität und wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) in Büsum, die seit 2009 die nachhaltige Fischzucht erforscht und probt.

Ein erster Erfolg sind Rapsproteine, die dem Futter für Regenbogenforellen, Steinbutt und Wels beigegeben werden - ohne Nachteile für deren Wachstum. Weitere Versuche laufen, und immer neue Gesellschafter steigen bei GMA ein; zuletzt das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Geomar) aus Kiel. „Unsere Haltungssysteme sind langfristig ausgelastet“, betont Schulz.


Schwierige Futtersuche

Kreislaufsysteme aufzubauen, in denen künstliches Meerwasser mit dem richtigen Salzgehalt keimfrei zirkuliert – das ist die eine Herausforderung für die Öko-Züchter. Noch gibt es hier viel Entwicklungsbedarf, und die Kosten der Anlagen sind für die Massenproduktion zu hoch. Das andere Problem liegt in den Futterstoffen selbst. Denn die meisten Zuchtfische sind Räuber, die natürlicherweise andere Fische essen – was sich bei der nachhaltigen Zucht ändern muss.



Seite 1 von 2

Kommentar verfassen

Ja, ich möchte eine Benachrichtigung per Mail erhalten, wenn es neue Kommentare zu diesem Artikel gibt.
* Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine gültige Mailadresse ein. Diese wird später nicht auf unseren Seiten zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink - einfach anklicken und schon ist Ihr Beitrag online!

Mit der Abgabe eines Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Kommentare zu "Aquakultur statt Überfischung?"

Peter Türr | 27.01.2013 05:38

Für`s erste Problem habe ich das Werkzeug geoutet. Egel wie weit, egal wie hoch, egal welche m3 Leistung. Das zweite Problem für die Versorgung der Raubfische lesen Sie erst wieder nach ca. 18 Monaten im online Amtsblatt.
Haben Sie was zu verschenken? Na also.
Gruss, Peter Türr. Beitrag melden!

GEO im Abo

Daten werden gesendet ...


Bitte geben Sie Ihren Namen an!


Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!


Bitte geben Sie eine Empfänger-Adresse an!
Die angegebene E-Mail-Adresse ist ungültig!




* Pflichtfeld

» E-Mail versenden «
Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse und die E-Mail-Adresse des Empfängers werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet und nicht gespeichert oder an Dritte weitergeben!