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Faires Gold
In Großbritannien, Kanada und den Niederlanden kann man schon heute Gold kaufen, das sozialverträglich und ohne Gifteinsatz geschürft wurde. Deutschland soll 2013 dazukommen
Der Feind der Goldindustrie sitzt in einem Café in Chichester im Süden Englands und hat sich ein Knoblauchbrot bestellt, er trägt sorgsam verstrubbeltes Haar, Siebentagebart und einen silbernen Armreif. "Sie können nicht mit uns mithalten", sagt Greg Valerio, "weil wir die bessere Story haben. Weil wir die Deutungshoheit über die Herkunft von Gold übernommen haben."
Sie, das sind weltweit aktive milliardenschwere
Konzerne, und das Produkt, das
sie verkaufen, ist die Königin der Rohstoffe,
nobel, rein, schön. Das ist das Bild des
Goldes, wie es Bergbaufirmen zeichnen.
Greg Valerio greift zu dunkleren Farben:
"Die großen Schmuckhersteller geben
jährlich Milliarden Pfund dafür aus, die
Herkunft ihrer Produkte zu verschleiern.
Denn an der Quelle ist Gold grausam und
hässlich." Ist Ausbeutung, Gift, Gefahr. Der Aktivist und Juwelier Valerio hat es
geschafft, dass sich Menschen auch für
dieses Bild interessieren, jedenfalls in
Großbritannien: Dort gibt es seit 2011 ein
Fairtrade-Siegel für Goldschmuck.
10 Prozent Aufschlag für faire Produktion
Das grün-blau-schwarze Logo - bisher eher auf Kaffeepackungen, Bananen oder T-Shirts zu finden - garantiert, dass die Goldgräber zu fairen Bedingungen arbeiten, dass nicht Kinder oder Zwangsarbeiter die Waren herstellen und dass die Produktionskette von der Quelle bis zum Kunden nachvollziehbar ist. Die Käufer bezahlen dafür einen Aufschlag von zehn Prozent des Weltmarktpreises.

Zurzeit führen fünf Minen in Kolumbien,
Bolivien und Peru das Siegel; sie produzieren
etwa 360 Kilogramm Gold im Jahr. Das ist zwar nur ein Achttausendstel des
jährlich weltweit geförderten Goldes. Aber
die britische Fairtrade Foundation hofft,
bis 2016 in Ländern, in denen sie aktiv ist,
einen Marktanteil von fünf Prozent auf
dem Goldschmuckmarkt zu erreichen. Gegenwärtig gibt es fair gehandeltes Gold
nur in Großbritannien, Kanada und den
Niederlanden. Deutschland soll 2013 hinzukommen.
Um die neuen Märkte versorgen
zu können, prüft die Foundation, ob
weitere Minen ihre Auflagen erfüllen.
Die neueste Mine mit Fairtrade-Zertifikat
heißt Aurelsa, sie liegt zwischen staubigen
Bergen über dem Wüstendorf Relave im
Süden Perus. "Das Fairtrade-Siegel gibt
unserer Arbeit einen anderen Wert", sagt
Moises Quispe, Vorsitzender von Aurelsa.
Die Arbeiter begannen in den 1980er
Jahren, eine verlassene Mine auszubeuten.
"Hier gab es nicht ein einziges Haus, und
wir hatten keine Ahnung vom Bergbau. Wir
haben alles selbst aufgebaut", sagt Quispe. Das Dorf, den Markt, die Stromversorgung,
die drei Schulen, die Stollen, die Hunderte
Meter tief in den Berg reichen.
Arbeiten mit Helm und Sozialversicherung
Aurelsa hat eine Konzession, die Arbeit
der Bergleute ist legal. Die 50 Angestellten
haben feste Arbeitszeiten, erhalten das
Anderthalbfache des Mindestlohns und
sind sozialversichert. Sie tragen Helme,
Stiefel, Handschuhe. Das Cyanid, mit dem
sie das Gold aus dem Gestein lösen, fangen
sie auf, statt es fortzuschütten.
Fairtrade-Goldminen, die ganz ohne
giftige Chemikalien auskommen, werden
zusätzlich mit dem Prädikat "ecological"
ausgezeichnet. Gold aus solchen Minen
ist mit einem Aufschlag von 15 Prozent
allerdings noch teurer. Dafür, meint
Aktivist Valerio, müsse man sich nicht
jedes Mal fragen, wenn man einen Ring
überstreife: "Trage ich das Elend eines
Menschen am Finger?"



Kommentare zu "Faires Gold"
Ich verkaufe handgeschürftes Gold aus der Tauernregion. Bekomme ich dann 30% Aufschlag? Die Spannen bei Gold sind doch schon extrem. Wieso muss "Eco-Gold" noch einen Aufschlag haben?