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Virtuelles Wasser: 25 Badewannen täglich

140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee und 10 Liter für ein DIN-A4-Blatt – wir verbrauchen mehr Wasser, als wir glauben. Denn die Produktion vieler Konsumgüter verschlingt Unmengen von Wasser, ohne dass wir einmal den Wasserhahn aufdrehen


Bewässerung eines Erdbeerfeldes bei Süßenborn (Foto von: Uwe Schmidt/ Imago)
© Uwe Schmidt/ Imago
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Bewässerung eines Erdbeerfeldes bei Süßenborn

Als durchschnittlicher Konsument trinken Sie etwa 1,2 Liter Wasser pro Tag. Weitere 4 Liter benötigen Sie zum Kochen, 20 Liter für Ihre Waschmaschine, 30 Liter für die Klospülung, 60 Liter fürs Duschen und Baden, so dass Sie auf insgesamt 126 Liter Trinkwasser täglich kommen. Das ist ganz schön viel, denken Sie jetzt vielleicht. Doch das ist noch gar nichts. Denn rund vierzig Mal soviel lassen Sie zusätzlich verfließen, ohne auch nur einmal den Wasserhahn aufzudrehen.


Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche am Tag 5 284 Liter Wasser nur durch den Konsum von Gütern des täglichen Bedarfs. Das entspricht in etwa 25 Vollbädern. Virtuelles Wasser nennt sich dieses indirekt verbrauchte Wasser. Der Begriff wurde 1993 von dem britischen Geographen Tony Allan geprägt. Allan berechnete den Wasserverbrauch, der durch die Produktion, Lagerung und den Transport verschiedener Konsumgüter entsteht und machte so erstmals transparent, wie viel Wasser in den Produkten steckt, die der Endverbraucher konsumiert.


„Esst weniger Fleisch!“

In der industriellen Fleischproduktion braucht es drei Jahre, um ein Rind wachsen zu lassen, das nach dem Schlachten 200 Kilo knochenloses Fleisch hergibt. Das Tier konsumiert in dieser Zeit 1 300 Kilo Getreide und 7 200 Kilo Raufutter, also Gras, Heu und Silofutter. Allein zur Produktion des Futters werden über 300 000 Liter Wasser aufgewendet. Die 2 400 Liter, die das Tier trinkt und die 700 Liter, die es für die Reinigung benötigt, fallen da weniger ins Gewicht.


Fleisch ist einer der Spitzenreiter beim Wasserverbrauch. Nur 20 Kilo Rindfleisch lassen so viel Wasser verfließen wie für die gesamte Produktion eines Mittelklassewagens benötigt wird. Als Tony Allan vor zwei Jahren den hochdotierten Stockholmer Wasserpreis für die Entwicklung des Konzepts vom Virtuellen Wasser verliehen bekam, beschränkte er seinen Kommentar dazu auf die Worte: „Seid vernünftig, esst weniger Fleisch!“


Aber auch hinter anderen Lebensmitteln verbirgt sich mehr Wasser, als man zunächst annehmen würde: Bestellt man beispielsweise einen Espresso mit einem großen Glas Wasser, steckt in dem Espresso 280 Mal mehr Wasser als in dem Glas. Man benötigt 21 000 Liter Wasser, um ein Kilo Kaffee herzustellen. Besonders viel Wasser wird für Baumwollprodukte und Papier aufgewendet: Die Produktion eines einzigen DIN-A4-Blattes erfordert zehn Liter.


Blaues, grünes und graues Wasser

Errechnet werden diese Daten regelmäßig vom Unesco Institute for Water Education (UNESCO-IHE) und dem Twente Water Centre in den Niederlanden. Hier wurde das Konzept von Tony Allan weiterentwickelt. „Denn Wasser ist nicht gleich Wasser“, erklärt, Mesfin Kekonnen vom Twente Water Centre. Das Forscherteam hat deshalb das Konzept des Wasserfußabdrucks entwickelt, bei dem der Wasserverbrauch in verschiedene Kategorien eingeordnet wird.



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Kommentare zu "Virtuelles Wasser: 25 Badewannen täglich"

Hazet | 21.12.2010 14:44

Ist doch klar, solange ein reines Wasser zur Verfügung steht, zum Trinken, Duschen usw.
wird es kein Wasser-Problem geben. Die Reinheit des Wassers nach dem Gebrauch in
einer techn. Anlage macht hier Probleme...ebenso, wenn zu viel von " oben " herunterkommt und
alles im Schlamm versinken läßt. ( die Papierherstellung ist z.B. sehr verbrauchsintensiv! )
Wasser kann in vielen Gebieten durch kommerzielle Bewässerung knapp werden..( Los Angeles
wird auch bald auf dem Trockenen sitzen ! ) aber verloren geht es nicht..denn Dampf wird wieder zu
Regen, egal wo dieser Regen dann nieder geht !
Im übrigen finde ich die Bezeichnung " virtuelles Wasser " unsinnig... habe zuerst gedacht,
dieses wäre eine "spirituelle" Wasserseite ( links und rechts herum gedrehtes Wasser- z.B.)
Sparsam sollte man ( besser nicht ) mit den Silber-Oxidanten umgehen..ebenso die
im Trend liegenden 99%tigen Bakterien-Killer.. laßt die Finger davon, 60 Grad Wäsche
ist besser und hautverträglicher !
mfG Beitrag melden!

GMB | 18.09.2010 22:02

Verstehe ich dass ichtig, dass hier uch Wasser aufgerechnet wird, das auf völlig natürlichem Weg verbraucht wird, beispielsweise das Wasser, das ein Baum aufnimmt, bevor er zu Papier gemacht wird?
Das fände ich nämlich eher unseriös. Entscheidend für einen zu hohen Wasserverbrauch wäre das Wasser, das zusätzlich zum natürlichen Niederschlags-Kreislauf verbraucht wird. Denn nur dieses senkt den Grundwasserspiegel, nicht der Pappelwald, der zur Papiererzeugung an einem geeigneten Standrt steht.
Wäre nicht das Getreidefeld, mittels dessen Rinder ernährt werden, stünde an diesem Standort andere Vegetation, die wiederum Wasser verbrauchen würde.
Sind diese "Sowieso-Werte" aus dieser Kalkulation herausgerechnet? Beitrag melden!

Kai N. | 17.05.2010 09:39

@kaböbö: Den kosmetischen / dermatologischen Aspekt bitte mal ausklammern. Wenn ich hier ein Bad nehme oder nicht, so werde ich den Grundwasserspiegel in Spanien nicht verändern. Wenn ich hier spanische Erdbeeren oder Tomaten esse, vermutlich schon. Hier bitte ich um Differenzierung und keine allumfassende Verteufelung des Wassergebrauchs. Beitrag melden!

Kai N. | 17.05.2010 09:30

Apokalyptisches Denken bringt uns aber auch nicht weiter... Beitrag melden!

kaböbö | 17.05.2010 09:29

...die tägliche Dusche aufgrund eines übertriebenen Reinlichkeitsverhaltens könnte mit eine der Ursachen für Wasserknappheit und überteuerte Preise sein - macht sie doch immerhin die Hälfte des täglichen Verbrauchs aus. Wer 2 - 3 mal wö duscht, wird nicht übel riechen und der Verbrauch sinkt auf 50% - ein langjähriger Erfahrungswert in der Großfamilie des Verfassers dieser Kommentars. Außerdem ist übertriebene Reinlichkeit - ohne auf dermatologische Details einzugehen - den biologischen Mechanismen der Haut abträglich. In gewisser Weise ist auch ein solches Verhalten ein Teilaspekt der Ausbeutung der Erde, auch was die Geisteshaltung dahinter angeht. Einen Nutzen hat vor allem die Kosmetikindustrie und die Wasserversorger. Beitrag melden!

G.S.Gupta | 17.05.2010 09:17

Es bringt uns nicht weiter, wenn wir die Zusammenhänge nicht begreiffen.z.B. wie eine Jeanshose auf Weltreise geht bis man einkauft.Fragmentiert Denken ist nur ein Schritt denken. Beitrag melden!

G.S.Gupta | 17.05.2010 08:58

Virtuelles Wasser ist sehr sehr wichtig.In Indien geht Grundwasserspiegel ständig zurück.Bald kommt Wasser-Krieg, wenn wir nicht etwas unternehmen. Beitrag melden!

Kai N. | 17.05.2010 08:48

Muss man nicht eher von "Wasser _ge_brauchen" sprechen? Das Wasser wird doch nicht _ver_braucht, sprich nach dem Gebrauch wird es in irgendeiner Art und Weise dem Wasserkreislauf zugeführt, entweder als Abwasser oder gasförmig als zusätzliche Luftfeuchtigkeit.

Warum sollte ich also ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich einmal länger dusche oder die Blumen mit dem Wasser aus dem Wasserhahn gieße? Dadurch werde ich niemanden in wasserarmen Regionen schädigen, höchstens den Bestand meines Bankkontos schmälern.

Mir ist klar, dass z.B. der Verzehr von spanischen Erdbeeren eine große Problematik beinhaltet. Generell aber "Wasserbenutzung" als böse zu stigmatisieren, geht mir zu weit. Beitrag melden!

Gupta | 15.05.2010 22:09

Darf ich Ihr Artikel hier in Trier zur Veröffentlichung weiter leiten?Ich möchte sehr gern , daß die Leute hier bewusster werden.
Mfg
Gupta Beitrag melden!


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